30 Jahre telegraph – 30 Jahre linker Journalismus“. Wir sind das letzte existierende Samisdat der DDR-Opposition – und wir werden 30 Jahre alt.

Wann:
11. Oktober 2019 um 19:00 – 22:00
2019-10-11T19:00:00+02:00
2019-10-11T22:00:00+02:00
Wo:
Haus der Demokratie,
Greifswalder Str. 4
10405 Berlin
Preis:
Kostenlos

Vor 30 Jahren, im Herbst 1989, bedurfte es schnel­lerer Reak­tionen auf täglich neue Ereig­nisse. Zur Erin­nerung: Bis 1989/90 wurde in der DDR laut ihrer Ver­fassung „Die Freiheit der Presse, des Rund­funks und des Fern­sehens … gewähr­leistet“ (Artikel 27), tat­sächlich wurden die Mas­sen­medien durch die SED und die Block­par­teien kon­trol­liert. Als Gegen­öf­fent­lichkeit gab es lediglich einige Samisdat-Ver­öf­fent­li­chungen und eine Reihe von „ille­galen“ poli­ti­schen und künst­le­ri­schen Publi­ka­tionen, die Ver­breitung war durch tech­nische Mög­lich­keiten und staat­liche Repression be-grenzt.
Als sich die Ereig­nisse im Herbst 1989 über­schlugen, musste ein schnel­leres Infor­ma­tions- und Dis­kus­si­ons­medium her. In Berlin wurden Redak­teure ver­schie­dener Oppo­si­ti­ons­zeit­schriften ein­ge­laden, an der neu gegrün­deten und als Nach­fol­ge­zeit­schrift der Umwelt­blätter gel­tende Zeit­schrift tele­graph mit­zu­ar­beiten. Die erste Nummer erschien am 10. Oktober 1989. Seitdem sind über 130 Nummern und mehrere Son­der­aus­gaben erschienen. Das wollen wir feiern und wir laden Dich / Euch dazu ein.

Unser Pro­gramm:
Podi­ums­ver­an­staltung
:

In den letzten 30 Jahren haben sich die Medien grund­sätzlich geändert. Wir wollen dis­ku­tieren, welche Ent­wick­lungen Medien von unten durch­machten. Inhaltlich wie auch tech­nisch. Vor allem durch das Internet erfuhr der Jour­na­lismus der letzten Jahre eine grund­sätz­liche Umori­en­tierung.
Manches blieb erhalten. Einige Grün­dungen, wie indy­media, Freie Radios und Info­blätter ver­loren wieder an Bedeutung. Neues kam hinzu: Blogs, youtube, Twitter. Auf der anderen Seite steht der beherr­schende Einfluß der Inter­net­gi­ganten (google, facebook, … ) und die rie­sigen Mög­lich­keiten der Mani­pu­lation des poli­ti­schen Dis­kurses, sowie die Absichten des Staates nach Regle­men­tierung, Über­wa­chung und Kon­trolle.
Vor Jahren ver­brei­teten alter­native Medien Gegen­in­for­mation und waren unver­zichtbar gegen Falsch­dar­stel­lungen, Unter­schla­gungen und Lügen der bür­ger­lichen Medien. Heut­zutage werden von der weiter erstar­kenden rechten Bewegung die Begriffe „Lügen­presse“ und „Fake News“ ins Spiel gebracht. Wie reagieren alter­native Medien darauf? Wie wird heute mit Über­wa­chung, Zensur und Straf­ver­folgung gegen Jour­na­listen umge­gangen? Kann ein Ver­gleich der staat­lichen Repression in DDR/BRD (z.B. Umweltblätter/​Grenzfall vs. Indymedia.linksunten) fürs heutige Handeln hilf­reich sein?
Gibt es noch Medien von unten, oder ist jetzt alles Main­stream, über­wiegend ein­ge­gliedert in Medi­en­kon­zerne, oder ist alles für alle überall ver­fügbar, ohne Nach­hal­tigkeit und Sys­tem­kritik?
Für die nächsten Jahre rechnen wir damit, dass auch durch die Eta­blierung natio­na­lis­ti­scher und neo­fa­schis­ti­scher Netz­werke ins­be­sondere im Geheimdienst‑, Polizei‑, Justiz- und Poli­ti­kap­parat die Angriffe auf linke, alter­native und kri­tische Medien zunehmen werden. Eine Baga­tel­li­sierung, Tole­rierung und För­derung dieser Ent­wicklung durch den bun­des­deut­schen Staat konnten wir in den ver­gan­genen Jahren beob­achten. Wobei wir nicht ver­kennen, daß sich auch in den bür­ger­lichen Medien zahl­reiche Jour­na­lis­tinnen zumindest für den Erhalt der bür­ger­lichen Demo­kratie und der bür­ger­lichen Frei­heiten („Mei­nungs- und Pres­se­freiheit“) enga­giert ein­setzen. Sie ahnen ja auch, daß die Pläne für den „Umbau“ der Öffentlich-Recht­lichen Medien längst schon in den Schub­laden der AfD liegen, die haben sich in der Ver­gan­genheit dazu u.a. Beratung bei der öster­rei­chi­schen FPÖ geholt.
Wie können die Gegen­stra­tegien aus­sehen?
Darüber wollen wir am 11. Oktober 2019 im Haus der Demo­kratie in Berlin im Rahmen unseres 30-Jahre-tele­graph-Festes dis­ku­tieren.
mit:
Annett Gröschner, freie Autorin, Jour­na­listin
Frank Rieger, Netz­ak­tivist, Chaos Com­puter Club
Malte Daniljuk, Jour­nalist, Redakteur für die Bun­des­tags­fraktion DIE LINKE
Peter Nowak, freier Jour­nalist, Mit­glied der Basis­ge­werk­schaft FAU
Dirk Teschner, Redakteur und Grün­dungs­mit­glied tele­graph
Mode­ration: Tom Stroh­schneider, freier Autor, Jour­nalist, Redaktion OXI
im Anschluss:

Live-Punk: Hamster im Arsch
Tanz­musik: DJ Magic Mießner, DJ Speiche
Video-Inter­views: mit Aktivist_​innen aus dem Herbst 1989
essen, trinken, quat­schen, …

http://​tele​graph​.cc/​3​0​-​j​a​h​r​e​-​t​e​l​e​g​r​a​p​h​-​3​0​-​j​a​h​r​e​-​l​i​n​k​e​r​-​j​o​u​r​n​a​l​i​smus/