Alles für alle

Lexikon der Bewe­gungs­sprache

Auf dem rechts­kon­ser­va­tiven Inter­netblog »Tychis Ein­blick« wird vor »der Phrase mit der großen Durch­schlag­kraft« gewarnt. Gemeint ist die Parole »Alles für alle«. Drei Worte, die sich in der außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken seit jeher einer großen Beliebtheit erfreut. Der Ursprung der Parole reicht weit zurück in die Geschichte. Bereits im aus­ge­henden Mit­tel­alter hatten sich sozi­al­re­vo­lu­tionäre Bewe­gungen, meistens häre­tische Christ*innen, das Motto »Omnia sunt com­munia« – »Alles gehört allen« auf ihre Fahnen geschrieben Es waren die Zapatist*innen aus Süd­mexiko, die mit ihren Auf­stand 1994 dem alten sozi­al­re­vo­lu­tio­nären Motto zu neuer Popu­la­rität vor allem in der glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­schen Bewegung ver­holfen hatten. In den ver­gan­genen Jahren wurde die Parole aller­dings auch von der Wer­be­in­dustrie gekapert. »Alles für alle« soll Kund*innen in die bunte Warenwelt der Dis­counter locken. Der Zusatz »und zwar umsonst«, der auf linken Demons­tra­tionen meistens auch skan­diert wird, lässt man in der Werbung natürlich weg. Doch auch in linken Zusam­men­hängen hat man längst erkannt, dass die Parole vor allem einen Wider­spruch – Ver­armung in der Warenwelt – aus­drücken soll. Die For­mu­lierung von Gegen­kon­zepten hin­gegen ist viel schwie­riger. Sie lässt sich nicht mal eben in drei Worte fassen.

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Peter Nowak