Deutschlands Wirtschaftspolitik ist das Problem

Die Kritiker der Austeritätspolitik der Bundesregierung bekommen Unterstützung aus den USA

Dass an der euro­päi­schen Peri­pherie die Kritik an der Aus­teri­täts­po­litik der deut­schen Bun­des­re­gierung nicht ver­stummt, ist seit langem bekannt und ver­wundert nicht. Doch jetzt kommt eine Kritik am deut­schen Wirt­schafts­modell auch aus den Regie­rungs­kreisen der USA. In einem Bericht des US-Finanz­mi­nis­te­riums wird genau die Kritik vor­ge­tragen, die Gegner der Aus­teri­täts­po­litik made in Germany schon seit Län­gerem hatten.

Der zen­trale Kri­tik­punkt ist der große Han­dels­über­schuss, den Deutschland in der Euro­krise ange­häuft hat: »Deutsch­lands anämi­sches Wachstum der Bin­nen­nach­frage und seine Export­ab­hän­gigkeit behindern das Aus­ba­lan­cieren in einer Zeit, da viele andere Länder der Euro-Zone unter schwerem Druck stehen, die Nach­frage ein­zu­dämmen und Importe zu drosseln.«

Die Argu­men­ta­ti­ons­linie ist wirt­schafts­po­li­tisch schlüssig und nicht neu. Auch aus den USA kam immer wieder Kritik am deut­scheu­ro­päi­schen Wirt­schafts­modell. Selbst ein Aus­schluss Deutsch­lands aus dem Euro wurde öffentlich dis­ku­tiert und begründet.

Deutsche Stand­ort­ver­tei­diger weisen Kritik zurück

Erwar­tungs­gemäß wurde die Kritik von der Bun­des­re­gierung und von deut­schen Wirt­schafts­ver­bänden sofort vehement zurück­ge­wiesen. Für das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­terium ist der Han­dels­über­schuss Aus­druck der deut­schen Wett­be­werbs­fä­higkeit und Deutschland die Wirt­schafts­lo­ko­motive. Mit diesen Argu­menten wird seit Monaten von der Bun­des­re­gierung Reklame für den Standort Deutschland gemacht, für den dann die Lohn­ab­hän­gigen schon mal den Gürtel schnallen sollen.

Bei Teilen der Gewerk­schaften und der SPD kommt diese Stand­ort­ver­tei­digung gut an. Sie werden wohl auch nach der jüngsten Kritik aus den USA die Reihen schließen. Die anvi­sierte große Koalition könnte so auch eine Ver­tei­di­gungs­ge­mein­schaft des deut­schen Standorts gegen die Kritik aus dem Ausland, vor allem aus den USA, werden. Denn im Gegensatz zur Kritik aus Grie­chenland und anderen Ländern der euro­päi­schen Peri­pherie kann die deutsche Politik die Schelte aus Übersee nicht einfach igno­rieren.

Ob die schwachen sozialen Bewe­gungen in Deutschland, die seit Jahren gegen die Aus­teri­täts­po­litik der Bun­des­re­gierung agieren, die Argu­men­ta­ti­ons­hilfe aus Washington annehmen, wird sich zeigen. Es wäre auf jeden Fall eine unge­wohnte Situation. Bisher galt die USA auch öko­no­misch in diesen Kreisen eher als abschre­ckendes Bei­spiel, das man gerne bekämpfte.

Inter­es­sen­ge­gen­sätze zwi­schen Deutsch-Europa und den USA wachsen

Natürlich bedeutet die Kritik aus den Regie­rungs­etagen der USA nun kei­neswegs, dass dort jetzt Anhänger einer sozia­leren Wirt­schafts- und Finanz­po­litik domi­nieren. Die Mei­nungs­ver­schie­den­heiten, die auf inter­na­tio­nalen Kon­gressen immer wieder über­tüncht werden, sind ein Aus­druck der wach­senden Inter­es­sen­ge­gen­sätze zwi­schen den USA und Deutschland auch in Fragen der Wirt­schafts- und Finanz­po­litik.

Auch die viel­dis­ku­tierte Abhör­affäre müsste unter diesen Aspekten dis­ku­tiert werden. Denn hier hören sich nicht Freunde gegen­seitig ab, sondern Kon­kur­renten, die gele­gentlich noch gemeinsame, immer öfter aber gegen­sätz­liche Inter­essen haben.

http://​www​.heise​.de/​t​p​/​b​l​o​g​s​/​8​/​1​55260

Peter Nowak

Ärger im Anflug

Der mona­te­lange Streit zwi­schen EU und den USA über die Ein­be­ziehung der Flüge von und nach Europa in den EU-CO2-Emis­si­ons­handel hat sich in den letzten Tagen zuge­spitzt. Der Han­dels­aus­schuss des US-Senats hatte ent­schieden, dass sich US-Flug­ge­sell­schaften nicht an die EU-Richt­linie halten dürfen. Nun hat sich auch das US-Abge­ord­ne­tenhaus hinter diesen Beschluss gestellt.
Mel­de­recht

Seit Jah­res­beginn müssen alle Flug­zeuge, die einen Flug­hafen im EU-Raum ansteuern, für den CO2-Ausstoß auf der gesamten Flug­strecke Emis­si­ons­rechte erwerben. Nicht nur die USA laufen dagegen Sturm. Regie­rungs­ver­treter von 16 Ländern, dar­unter China und Indien, trafen sich vor einigen Tagen in Washington, um ein Bündnis gegen die EU-Richt­linie zu schließen. Kämpft also die EU hier eine Schlacht für den Umwelt­schutz gegen den Rest der Welt? Diesen Ein­druck sug­ge­riert die grü­nennahe »tages­zeitung«, die die Front gegen die EU-Richt­linie mit der Gegen­frage kom­men­tierte: »Han­dels­krieg? Warum nicht!«. Mag es seitens der EU durchaus um die Umwelt gehen, so ist die aktuelle Zuspitzung kaum zu ver­stehen, wenn man die sich ver­schär­fende Kon­kurrenz zwi­schen den USA, China, Indien und der EU aus dem Blickfeld ver­liert. Ginge es einzig um das Klima, dann gäbe die Dum­ping­klage meh­rerer EU-Staaten und der USA gegen die chi­ne­sische Kon­kurrenz bei Solar­zellen kaum einen Sinn.

Umge­kehrt passt einer breiten Front auch deut­scher Unter­nehmen die CO2-Richt­linie der EU über­haupt nicht ins Konzept. Und da können sich auch sonst ver­feindete Partner zur großen Anti-EU-Koalition zusam­men­finden. Das gilt offenbar auch für die USA. Denn die jüngste Zuspitzung des Kon­flikts ist ganz offen­sichtlich dem Wahl­kampf geschuldet. In einem Land, wo »Kli­ma­wandel« ein Unwort ist, sind sich Repu­bli­kaner und Demo­kraten schnell einig.

Für Umwelt­ak­ti­visten sollte das kein Grund sein, sich am Kli­ma­krieg im Luftraum zu betei­ligen, sondern das von linken Öko­logen schon lange kri­ti­sierte Konzept des Emis­si­ons­handels infrage zu stellen.
http://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​3​4​6​3​2​.​a​e​r​g​e​r​-​i​m​-​a​n​f​l​u​g​.html
Peter Nowak

Tödliche Medikamente

Prä­parate, die nicht nur Leben retten: Was ein euro­päi­scher Phar­ma­konzern mit der Todes­strafe in den USA zu tun hat
Das Selbstbild ist jeden­falls ein­deutig: „Lundbeck ist ein for­schendes, phar­ma­zeu­ti­sches Unter­nehmen. Unser Fokus liegt auf der Ent­wicklung inno­va­tiver Medi­ka­mente, die zur Behandlung von Stö­rungen des Zen­tralen Ner­ven­systems (ZNS) ein­ge­setzt werden: u.a. bei Depres­sionen, Schi­zo­phrenie, Morbus Alz­heimer, Angst­stö­rungen und Morbus Par­kinson.“ Das dänische Unter­nehmens, das in über 50 Ländern – unter anderem in Hamburg-Harburg – Nie­der­las­sungen hat, will demnach die Lebens­si­tuation von Men­schen ver­bessern, die am Zen­tral­ner­ven­system erkrankt sind.

Doch bei Lundbeck her­ge­stellte Prä­parate retten nicht nur Leben. In den USA ist das Unter­nehmen der einzige Lizenz­träger für das Betäu­bungs­mittel Pento­bar­bi­tural, das künftig bei Hin­rich­tungen mittels Gift­spritze ein­ge­setzt werden soll. Damit soll das Nar­ko­se­mittel Thio­pental ersetzen werden, das nicht mehr ein­ge­setzt werden kann. Bür­ger­rechts­gruppen hatten Alarm geschlagen, nachdem drei zum Tode Ver­ur­teilte bei ihrer Hin­richtung grau­en­volle Qualen erlitten hatten, weil das Nar­ko­se­mittel ver­sagte. In allen drei Fällen wurde nach Recherche von Men­schen­rechtlern das Nar­ko­se­mittel Thio­pental von der bri­ti­schen Firma Dream Pharma an die US-Bun­des­staaten Kali­fornien, Georgia, South-Carolina, Arkansas und Arizona geliefert. Die bri­tische Men­schen­rechts­or­ga­ni­sation Reprieve sorgte mit einer Klage vor dem Obersten Gerichtshof dafür, dass Dream Pharma das von ihr gelie­fertes Nar­ko­se­mittel zurück­zu­holen musste.

Damit stehen die Jus­tiz­be­hörden der 35 US-Bun­des­staaten, die die Todes­strafe voll­strecken, vor einem Problem. Die Vorräte für den Gift-Cocktail, mit dem die Todes­kan­di­daten ins Jen­seits befördert werden, sind zur Neige gegangen und können nicht wieder auf­ge­füllt werden. Der einzige in den USA zuge­lassene Her­steller stoppte nach Pro­testen von Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tionen die Pro­duktion. Der Plan des Her­stellers Hospira, das Nar­ko­se­mittel Natrium-Thio­pental in Italien wei­ter­pro­du­zieren zu lassen, nachdem die US- Pro­duktion im August 2009 wegen eines Eng­passes bei einem che­mi­schen Bestandteil gestoppt werden musste, schei­terte eben­falls. Italien verbot den Export des Medi­ka­ments in die USA, nachdem Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tionen bekannt gemacht hatten, dass es dort zu Hin­rich­tungen ver­wendet werden soll.

Mitt­ler­weile hat Hospira das Produkt voll­ständig vom Markt genommen. Als Unter­nehmen, das sich auf dem Markt einen Namen gemacht hat, weil es Medi­ka­mente zur Lebens­rettung pro­du­ziert, sei man nicht bereit, die Her­stellung von Pro­dukten zu unter­stützen, die für die Voll­stre­ckung der Todes­strafe genutzt werden, begründete Hospira-Vize­prä­sident Kees Gio­enhout diesen Schritt. Mitt­ler­weile mussten mehrere US-Bun­des­staaten schon ter­mi­nierte Exe­ku­tionen wegen des feh­lenden Prä­parats ver­schieben. Die Hin­richtung des wegen Ver­ge­wal­tigung und Frau­en­mordes zum Tode ver­ur­teilten Cleve Foster war auf Anordnung des Obersten Gerichtshofs der USA wegen des feh­lenden Nar­ko­se­mittels aus­ge­setzt worden.

Lundbecks ethi­sches Dilemma

Men­schen­rechts­gruppen ver­stärken den Druck auf Lundbeck, weil sie ver­hindern wollen, dass das Unter­nehmen mit seinen Prä­pa­raten die Vorräte für die Hin­rich­tungs­spritze in den USA wieder auf­füllt. Das „Netzwerk gegen die Todes­strafe“ initi­ierte eine Petition, in der Lundbeck auf­ge­fordert wird, eine Klausel in die Ver­träge mit seinen Ver­triebs­firmen ein­zu­fügen, mit der die Wei­tergabe des Prä­parats an die Todes­kammern in den US-Bun­des­staaten untersagt werden soll. Das Netzwerk ver­weist dabei auf das 13. Pro­tokoll der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­vention, das nicht nur die Todes­strafe in Europa ver­bietet sondern auch die euro­päische Politik auf­fordert, sich weltweit für die Abschaffung der Todes­strafe ein­zu­setzen.

In einer Stel­lung­nahme ver­si­cherte der Lundbeck-Manager Eberhard Lüdtke, sein Unter­nehmen lehne die Todes­strafe kate­go­risch ab und habe den Global Compact der Ver­einten Nationen (UN) gegen die Todes­strafe unter­zeichnet. Die Ver­wendung eines in seinem Unter­nehmen her­ge­stellten Prä­parats als Bestandteil des Gift-Cock­tails für die Hin­rich­tungs­ma­sche­nerie in den USA stelle sein Unter­nehmen vor ein ethi­sches Dilemma, klagte Lüdtke.

„Lundbeck hat alle Mög­lich­keiten unter­sucht, den Miss­brauch von Pento­bar­bital in den USA zu stoppen. Hoch­rangige Rechts­ex­perten sind leider zu dem Ergebnis gekommen, dass die … »End­ver­braucher-Klausel« in den Ver­trägen auch nicht vor der miss­bräuch­lichen Anwendung schützt. Die einzige Alter­native wäre, das Produkt voll­ständig vom Markt zu nehmen, was sehr negative Kon­se­quenzen für die schwer­erkrankten Pati­enten hätte“, erklärte Lüdtke.

Es wird sich zeigen, ob das Unter­nehmen bei dieser Position bleibt. Das Netzwerk gegen die Todes­strafe will in der nächsten Zeit ver­stärkt um Unter­stützung für die Petition werben, die Lundbeck jedes Geschäft mit dem Tod ver­bieten will. Die Unter­schriften sollen am 10.12.2011, dem inter­na­tio­nalen Tag der Men­schen­rechte, bei der deut­schen Lundbeck-Nie­der­lassung in Hamburg-Harburg über­geben werden.

Petition: http://​www​.the​pe​ti​ti​onsite​.com/​2​/​k​e​i​n​e​-​l​u​n​d​b​e​c​k​-​p​r​p​a​r​a​t​e​-​f​r​-​h​i​n​r​i​c​h​t​u​n​g​e​n​-​i​n​-​d​e​n​-usa/

http://​www​.freitag​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​1116-

Peter Nowak

Klima der Angst bei Telekom

Gewerk­schafter: Konzern miss­achtet Gewerk­schafts­rechte in den USA
In den USA sind die Rechte der Arbeit­nehmer und Gewerk­schafter teil­weise weit weniger gesi­chert als hier­zu­lande. Diesen Umstand machen sich anscheinend zunehmend auch deutsche Unter­nehmen wie die Telekom zunutze.
»Seit Beginn der Geschäfts­stä­tigkeit von T-Mobile auf dem US-ame­ri­ka­ni­schen Markt im Jahr 2001 hat das Unter­nehmen durch wie­der­holte Beläs­ti­gungen und Ein­schüch­te­rungen von Ange­stellten, die sich für eine gewerk­schaft­liche Ver­tretung ein­setzen, auf sich auf­merksam gemacht«, klagte Larry Cohen am Freitag auf einer von der Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft ver.di orga­ni­sierten Pres­se­kon­ferenz die Deutsche Telekom an. Cohen ist Vor­sit­zender der US-ame­ri­ka­ni­schen Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­werk­schaft CWA, die 700 000 Ange­stellte in der Medien- und Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­branche ver­tritt.

Nach Angaben von Cohen bedient sich die Telekom bei ihrem Vor­gehen der Schlupf­löcher im aktu­ellen US-ame­ri­ka­ni­schen Arbeits­recht, die Anti­ge­werk­schafts­kam­pagnen seitens des Manage­ments zulassen. »Uns ist bewusst, dass T-Mobile gegen Gewerk­schafts­un­ter­stützer eine Aggres­si­ons­po­litik betreibt, die in Deutschland oder anderen euro­päi­schen Ländern nicht gebilligt werden würde«, erklärte der US-Gewerk­schaftler. Die Ein­schüch­terung erzeuge bei den Beschäf­tigten ein Klima der Angst. Deshalb sei auf einer Pres­se­kon­ferenz in Washington ein Telekom-Mit­ar­beiter nur ver­kleidet bereit gewesen, über die Ein­schüch­te­rungen zu berichten. Er befürchtete, bei einer Iden­ti­fi­zierung abge­straft zu werden.

Der Direktor für Arbeits­for­schung an der San Fran­cisco State Uni­ver­sität, John Logan, hat die Arbeits­be­din­gungen bei den Telekom-Filialen in den USA unter­sucht. Dazu wertete er zahl­reiche Unter­neh­mens­hand­bücher aus und sprach mit Mit­ar­beitern ver­schie­dener Telekom-Standorte in den USA. Logan prä­zi­sierte die Vor­würfe der Behin­derung der Gewerk­schafts­arbeit. Er sprach von »einem Jahr­zehnt der Gewerk­schafts­ver­wei­gerung« durch ein deut­sches Vor­zei­ge­un­ter­nehmen. »Die Deutsche Telekom nutzt die Kanzlei Pros­kauer Rose, eine berüch­tigte Firma, die auf die Ver­meidung von Gewerk­schaften spe­zia­li­siert ist«.

Die vom Bil­dungs­fonds für Arbeits­rechte (Ame­rican Rights at Work Edu­cation Fund) in Auftrag gegebene und von Logan erar­beitete Studie zu den Telekom-Prak­tiken wirft der Firma einen Dop­pel­standard vor: »Einer­seits die Respek­tierung von Arbeit­neh­mer­rechten und eine enge Zusam­men­arbeit mit der Gewerk­schaft ver.di in Deutschland, ander­seits die Miss­achtung von Arbeit­neh­mer­rechten und die Ein­mi­schung in ihr Recht, sich zu orga­ni­sieren, in den Ver­ei­nigten Staaten.«

Logan betonte, dass es sich bei den gewerk­schafts­feind­lichen Aktionen nicht um iso­lierte Maß­nahmen ein­zelner Manager, sondern um »eine zen­trale und sys­te­ma­tische Politik« handele. Er rief die Telekom auf, die die Sozi­al­charta ver­höh­nenden Prak­tiken auf­zu­geben. Auch der Leiter des inter­na­tio­nalen Gewerk­schafts­dach­ver­bandes UNI, Marcus Courtney, for­derte von der Telekom die Ein­haltung inter­na­tio­naler Arbeits­rechte.

Als eins ihrer Haupt­an­liegen sehen es die Gewerk­schafter an, die Unter­schiede im Umgang mit Mit­ar­beitern abzu­bauen, die Unter­nehmen zwi­schen ihren Stamm­ländern und den USA machen. Die Koope­ration mit ver.di soll dabei Hil­fe­stellung geben. Telekom-Per­so­nal­vor­stand Thomas Sat­tel­berger wies die Vor­würfe dagegen zurück, sprach in einer Mit­teilung von einer »orga­ni­sierten Kam­pagne«.

http://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​6​8​7​8​8​.​k​l​i​m​a​-​d​e​r​-​a​n​g​s​t​-​b​e​i​-​t​e​l​e​k​o​m​.html

Peter Nowak

US-Terrorliste sorgt für Einreiseverbote

Ein­rei­se­ver­wei­ge­rungen für Autoren und Künstler in die USA sind keine Sel­tenheit

Gabriel Kuhn hat mehrere Bücher über die Linke in den USA in Ver­gan­genheit und Gegenwart im Unrast-Verlag und im US-ame­ri­ka­ni­schen pm-Verlag über­setzt und ver­öf­fent­licht. Doch eine für den März bis Mai 2010 ter­mi­nierte Lese­reise in den USA konnte Kuhn nicht antreten.

Mit der Begründung, sein Name stehe auf einer soge­nannten No-Fly-List, wurde Kuhn die Ein­reise in die USA ver­weigert. Wie in solchen Fällen üblich, wurde dem Autor der Grund für die Vis­aver­wei­gerung nicht genannt. Er kann nur ver­muten, dass er in einem FBI-Verhör liegt, dem er sich bei einem US-Auf­enthalt im Jahr 2005 unter­ziehen musste.

Kuhn ist kein Ein­zelfall. Nach Angaben von US-Sicher­heits­be­amten wurden im letzten Jahr angeblich 19.000 Mal Treffer für Ter­ror­ver­dächtige erzielt. Wer genau dar­unter fällt, bleibt ebenso unklar wie die Kri­terien, die bei dem Pro­zedere ange­wandt werden.

So wurde dem Ver­leger und ehe­ma­ligen SDS-Akti­visten Karl Dietrich Wolff die Ein­reise in die USA im Sep­tember 2009 ver­weigert. Er hatte sich in der Zeit seines stu­den­ti­schen Enga­ge­ments auch in einem Soli­da­ri­täts­ko­mitee für die Black Panther-Bewegung enga­giert, war aller­dings danach mehrmals pro­blemlos in die USA gereist. Auch der Ber­liner Galerist Thomas Kilpper konnte eine zusammen mit US-Kul­tur­in­sti­tu­tionen geplante Reise in die USA nicht ein­treten, weil ihm das Visum ver­weigert wurde. Kilpper war in den 80er Jahren in der außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken aktiv. Viel­leicht könnte seine im letzten Jahr rea­li­sierte Arbeit State of Control ein pas­sender Kom­mentar dazu sein.

http://​www​.heise​.de/​t​p​/​b​l​o​g​s​/​8​/​1​46997

Peter Nowak

US-Asyl für deutsche Schulflüchtlinge

Die Familie hat es abge­lehnt, ihre Kinder in staat­lichen Schulen unter­richten zu lassen und damit gegen die deutsche Schul­pflicht ver­stoßen.
Für die fromme Familie Romeike aus Baden-Würt­temberg hat Gott ihre Gebete erhört. Auf Erden war es aber Richter Richter Law­rence O. Burman aus dem US-Bun­des­staat Ten­nessee, der Uwe und Han­nelore Romeike sowie ihren fünf Kindern in den USA Asyl gewährte.

Die Familie hat es abge­lehnt, ihre Kinder in staat­lichen Schulen unter­richten zu lassen und damit gegen die deutsche Schul­pflicht ver­stoßen.
Für die fromme Familie Romeike aus Baden-Würt­temberg hat Gott ihre Gebete erhört. Auf Erden war es aber Richter Richter Law­rence O. Burman aus dem US-Bun­des­staat Ten­nessee, der Uwe und Han­nelore Romeike sowie ihren fünf Kindern in den USA Asyl gewährte.

Die Familie hat es abge­lehnt, ihre Kinder in staat­lichen Schulen unter­richten zu lassen und damit gegen die deutsche Schul­pflicht ver­stoßen. Vater Romeike wollte seine Kinder nicht mit Schul­bü­chern kon­fron­tiert sehen, in denen seiner Meinung nach obszöne Begriffe ver­wendet werden. Auch das Angebot des Kul­tus­mi­nis­te­riums von Baden-Würt­temberg, die Kinder in einer Pri­vat­schule zu unter­richten, war für die fromme Familie nicht akzep­tabel. Die deut­schen Gerichte haben durch alle Instanzen auf die Ein­haltung der Schul­pflicht gepocht. Im Oktober 2006 wurden die Kinder erstmals mit der Polizei in die Schule gebracht. Seit 2008 lebt die Familie mit ihren Kindern in den USA, wo sie ihre Kinder privat unter­richten kann.

Unter­stützt wird sie dabei von einer breiten Home-School-Bewegung in Deutschland und den USA, die in der deut­schen Schul­pflicht eine Anmaßung und einen Ein­griff des Staates sieht.

Das Gericht gab der Familie jetzt Recht. In seinem Urteil bezeichnet er die Heim­schul-Akti­visten als eine soziale Bewegung mit einer lang­jäh­rigen Geschichte, die in vielen west­lichen Ländern legal arbeiten könnte. Die deutsche Regierung würde diese Men­schen ver­folgen, zudem handele es sich um die Ver­folgung einer poli­ti­schen Ansicht. Die Bestrafung sei exzessiv gewesen. Daher sei der Familie Romeike Asyl zu gewähren.

Das Urteil wird von den Akti­visten der Heim­schul-Bewegung gefeiert. Aller­dings muss sich die Frage stellen, ob Kindern damit gedient ist, wenn sie von ihren Eltern von allen nicht genehmen Ein­flüssen fern­ge­halten werden. Gerade dadurch können die viel­zi­tierten Par­al­lel­welten ent­stehen, die im Zusam­menhang mit dem Islam immer kri­ti­siert werden. Zudem wird hier das patri­ar­chale Fami­li­en­modell gefördert.

http://​www​.heise​.de/​t​p​/​b​l​o​g​s​/​6​/​1​46984

Peter Nowak