Die Armut und nicht die Armen bekämpfen

Als grüner Sheriff hatte sich der Bezirks­bür­ger­meister von Mitte Stephan von Dassel in den letzten Wochen prä­sen­tiert. Vor allem gegen Obdachlose aus Ost­europa hat sich der Poli­tiker in der letzten Zeit nicht nur verbal, sondern auch durch poli­zei­liche Räu­mungen posi­tio­niert. Dagegen pro­tes­tieren am 14.11. um 17 Uhr zivil­ge­sell­schaft­liche Gruppen vor von Dassels Amtssitz, dem Rathaus Mitte, mit einer Kund­gebung. Orga­ni­siert wird sie vom Verein Ber­liner Obdachlose e.V., einer zivil­ge­sell­schaft­lichen Orga­ni­sation, die sich gegen die Ver­drängung von armen und woh­nungs­losen Men­schen wendet und kos­ten­loses Essen an öffent­lichen Plätzen anbietet. Unter anderem am Hansa­platz in Moabit, was der SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ordnete Thomas Isenberg über­haupt nicht gerne sah. Im Dezember 2016 sorgte ein Bericht auf Mie­te­rEcho online über eine von Isenberg mode­rierte Ver­an­staltung über „Sicherheit und Sau­berkeit im Han­sa­viertel«, die in zum popu­lis­ti­scher Schlag­ab­tausch gegen woh­nungslose Men­schen und ihre Unterstützer/​innen wurde, bei Medien und Politiker/​innen für Auf­merk­samkeit.


Mehr Not­über­nach­tungs­plätze und bezahlbare Woh­nungen

„Wir wollen gegen die Hetze gegen Obdachlose pro­tes­tieren und fordern, dass die Armut und nicht die Armen bekämpft werden“, erklärte Frieder Krauß von der Ber­liner Obdach­lo­sen­hilfe gegenüber Mie­te­rEcho online. Zu den kon­kreten For­de­rungen gehört der Ausbau der Not­über­nach­tungs­plätze im Rahmen der Käl­te­hilfe in Berlin. Zudem müssten die Plätze so gestaltet sein, dass sich die Men­schen dort wohl­fühlen. Bisher haben manche Betroffene selbst im Winter eine Über­nachtung im Freien einem Schlaf­platz in einem Raum, in denen die Ratten rum­laufen, vor­ge­zogen.

Auch wenn sich die Kund­gebung besonders der Ver­drängung von Obdach­losen im Bezirk Mitte richtet, wolle man die anderen Bezirke nicht aus der Ver­ant­wortung ent­lassen, betonte Krauß. Besonders in Neu­kölln werden immer mehr Men­schen vor allem aus Ost­europa in die Obdach­lo­sigkeit gedrängt. Aktuell ist eine Roma­fa­milie von der Zwangs­räumung aus einer Unter­kunft bedroht, die von dem Verein Phione e.V. betrieben wird. Obwohl die Familie alle Vor­gaben der Behörden erfüllt, droht sie die Leid­tra­gende eines Kon­flikts zwi­schen dem Verein, der mehr Miete will, dem Job­center und der Sozialen Wohn­hilfe Tem­pelhof-Schö­neberg zu werden. Das sind keine Ein­zel­fälle. Die Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft Woh­nungs­lo­sen­hilfe Berlin machte am 14.11. auf die dra­ma­tische Zunahme der Men­schen ohne Obdach auf­merksam und benannte die explo­die­renden Miet­preise in Bal­lungs­räumen als Haupt­grund. Da es in Deutschland keine offi­zi­ellen Sta­tis­tiken über woh­nungslose Men­schen gibt, ist auch die Woh­nungs­lo­sen­hilfe auf Schät­zungen ange­wiesen. Danach hatten im ver­gan­genen Jahr ca. 86000 Men­schen in Deutschland keine eigene Wohnung. Innerhalb von zwei Jahren sei deren Zahl um 150 Prozent gestiegen. Besonders davon betroffen sind Migrant/​innen.

Obdach­lo­senhass und Sozi­al­dar­wi­nismus

Zu den Unterstützer/​innen der Kund­gebung gehört auch die Bezirks­gruppe Wedding der Ber­liner Mie­ter­Ge­mein­schaft. Sie kämpft dagegen, dass Mieter/​innen mit wenig Geld durch Zwangs­räu­mungen in die Obdach­lo­sigkeit gedrängt werden. Eine zen­trale For­derung ist daher auch der Ausbau des sozialen Woh­nungsbaus für Men­schen mit wenig Geld, unab­hängig von ihrer Her­kunft. Darum wird es auf einer Ver­an­staltung unter dem Titel „Obdach­lo­senhass und Sozi­al­dar­wi­nismus“ gehen, die die Wed­dinger Bezirks­gruppe der Mie­ter­Ge­mein­schaft gemeinsam mit der Basis­ge­werk­schaft Freie Arbeiter Union (FAU) am 15.12. um 19 Uhr im FAU-Lokal in der Grünthaler Straße 24 orga­ni­siert. Neben Aktiven aus der Ber­liner Obdach­lo­sen­hilfe wird doch auch der His­to­riker und Betreiber des Blogs »Ber­berinfo – Blog für Straße und Leben« Lucius Tei­delbaum über die Geschichte und die Gegenwart des Hasses gegen Obdachlose sprechen.

https://​www​.bmgev​.de/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​-​o​n​l​i​n​e​/​v​e​r​t​r​e​i​b​u​n​g​-​v​o​n​-​o​b​d​a​c​h​l​o​s​e​n​.html

Mie­te­rEcho online 14.11.2017
Peter Nowak

Sozialdemokratisches Kaltland

Ein Berliner SPD-Landespolitiker will Obdachlose aus seinem Wahlkreis vertreiben.

»Eine engels­gleiche Frau bedeckt Obdach­losen mit einer Decke.« Mit solchen pater­na­lis­ti­schen Bildern wirbt die Ber­liner Stadt­mission der evan­gelischen Kirche für Spenden für Woh­nungslose. Auf der Website der Ber­liner Obdach­lo­sen­hilfe hin­gegen kommt man ohne himm­lische Hilfe aus. Dort wirbt man mit dem Spruch: »Wir können die Welt nicht ver­ändern. Doch wir können aktiv sein und helfen.« Seit Sep­tember 2013 ver­sucht der von sozial enga­gierten Men­schen getragene Verein Ber­liner Woh­nungs­losen das Leben etwas erträg­licher zu machen. An ver­schie­denen Plätzen in Berlin, an denen sich Obdachlose bevorzugt auf­halten, bieten die ehren­amtlich arbei­tenden Helfer ein gesundes Essen, einen warmen Tee und saubere Kleidung an.

Bis Ende des ver­gan­genen Jahres ­gehörte auch der Hansa­platz im Stadtteil Moabit zu diesen Orten. Doch die dortige Filiale der Super­markt­kette Rewe hat der Obdach­lo­sen­hilfe seit dem ersten Januar untersagt, wei­terhin ­ihren Park­platz für die Essens­ausgabe zu nutzen. Falko Stein von der Obdach­lo­sen­hilfe sieht das Problem nicht beim Fili­al­leiter, sondern bei Thomas Isenberg (SPD). Das Mit­glied des Ber­liner Abge­ord­ne­ten­hauses hat rund um das Han­sa­viertel seinen Wahl­kreis. Mitte Dezember mode­rierte Isenberg eine Ver­an­staltung unter dem Motto »Sicherheit und Sau­berkeit im Han­sa­viertel«. Dort insze­nierte sich der Sozi­al­de­mokrat als Sprachrohr von Anwohnern, die die Woh­nungs­losen als Bedrohung emp­finden. Der Poli­zei­kom­missar Mario Kanisch hielt dieser Wahr­nehmung ent­gegen, dass die Kri­mi­na­lität in der Gegend in den ver­gan­genen Jahren zurück­ge­gangen sei. Daher hatte das Ver­wal­tungs­ge­richt den Hansa­platz aus der Liste der kri­mi­na­li­täts­be­lasten Orte (KBO) heraus­genommen, was die poli­zei­lichen Ein­griffs­mög­lich­keiten redu­ziert.

Isenberg for­derte die Anwohner auf, es zu melden, wenn Woh­nungslose in eine Hecke pinkeln oder im Vorraum einer Bank­fi­liale schlafen. Die Gewer­be­trei­benden rund am Hansa­platz rief er dazu auf, Woh­nungs­losen nichts zu ver­kaufen und von ihnen keine Pfand­fla­schen anzu­nehmen. Die Ber­liner Obdach­lo­sen­hilfe beschul­digte er, Woh­nungslose in den Stadtteil zu locken. Der Hansa­platz solle in einem Jahr sauber sein und dazu sei er auch bereit, die Woh­nungs­losen zu ver­drängen, drohte Isenberg.

Erst vor zwei Wochen wies die Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft Woh­nungslose auf Gewalt als all­täg­liches Problem für Obdachlose hin. Allein 2016 starben demnach 17 Woh­nungslose eines un­natürlichen Todes. In den ver­gan­genen 26 Jahren seien es ins­gesamt sogar 289 woh­nungslose Men­schen gewesen, so der Verein. »Sie erfroren im Freien, unter Brücken, auf Park­bänken, in Haus­ein­gängen, in Abriss­häusern, in scheinbar sicheren Gar­ten­lauben und in sons­tigen Unter­ständen«, heißt es in der Pres­se­meldung der Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft Woh­nungslose.

http://​jungle​-world​.com/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​0​1​7​/​0​4​/​5​5​6​3​4​.html

Peter Nowak

Anwohner und ein SPD-Mann fühlen sich gestört

OBDACHLOSENHILFE: In Moabit gibt es Streit über kostenlose Essenausgabe für Obdachlose

„Wir können die Welt nicht ver­ändern – doch wir können aktiv sein und helfen“, lautet das Motto der Ber­liner Obdach­lo­sen­hilfe. Seit Sep­tember 2013 ver­suchen die ehren­amtlich arbei­tenden Hel­fe­rInnen diesem Grundsatz gerecht zu werden. An ver­schie­denen Plätzen in Berlin, an denen sich Obdachlose auf­halten, bieten sie ein gesundes Essen, einen warmen Tee und saubere Kleidung an. „Es kommen immer viele Men­schen, die froh sind, zumindest einmal die Woche satt zu werden“, berichtet Falko Stein, einer der Helfer, gegenüber der taz.. Doch es gibt nicht nur Zustimmung. Eine Rewe-Filiale am Moa­biter Hansa­platz hat der Obdach­lo­sen­hilfe seit 1. Januar untersagt, ihren Park­platz für die Essens­ausgabe zu nutzen. Bereits Mitte Dezember 2016 fand eine von dem Moa­biter SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­neten Thomas Isenberg mode­rierten Ver­an­staltung unter dem Motto „Sicherheit und Sau­berkeit im Han­sa­viertel“ statt. Da bei hatten sich zahl­reiche Anwoh­ne­rInnen über die Präsenz von Obdach­losen im Stadtteil beschwert. Der auf der Ver­an­staltung anwe­sende Poli­zei­kom­missar Mario Kanisch hielt den sub­jek­tiven Bedro­hungs­ge­fühlen einiger Anwe­sender ent­gegen, dass die Kri­mi­na­lität rund um den Hansa­platz in den letzten Jahren zurück­ge­gangen sei. Daher hatte das Ver­wal­tungs­ge­richt den Platz aus der Liste der kri­mi­na­li­täts­be­las­teten Orte (KBO) her­aus­ge­nommen, was die poli­zei­lichen Ein­griffs­mög­lich­keiten redu­ziert. Thomas Isenberg hin­gegen gab sich auf der Ver­an­staltung als Law-and-Order-Mann und for­derte die Gewer­be­trei­benden auf, Woh­nungs­losen nichts mehr zu ver­kaufen und keine Pfand­fla­schen abzu­nehmen. Auch die Ber­liner Obdach­lo­sen­hilfe griff Isenberg scharf an und beschul­digte sie, Woh­nungslose in den Stadtteil zulocken.

„Bedenk­liche Mittel“

In einer Großen Anfrage wollen die Grünen in der Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­sammlung (BVV) Mitte wissen, ob das Bezirksamt die Bestre­bungen teilt, Obdachlose mit bedenk­lichen Mitteln gezielt vom Hansa­platz zu ver­treiben und ob Mit­ar­bei­te­rInnen der Behörde an der kri­ti­sierten Ver­an­staltung teil­ge­nommen haben. Dafür habe er viele wütende Mails von Bewoh­ne­rInnen

des Han­sa­viertels bekommen, meinte der sozi­al­po­li­tische Sprecher der Grünen in der BVV-Mitte, Taylan Kurt, gegenüber

der taz. Vor allem die neuen Eigen­tums­woh­nungs­be­sit­ze­rInnen würden die Law-and-Order-Politik des SPD-Manns unter­stützen, so die Ein­schätzung des Poli­tikers. Die Grünen wollen zudem mehr dezen­trale Anlauf­stellen für Obdachlose ein­richten. Das ist ganz im Sinn der Obdach­lo­sen­hilfe. „Wir würden uns gern über­flüssig machen, indem unsere Arbeit von sozialen Diensten über­nommen wird“, sagte Falko Stein.

Peter Nowak

SPD-Politiker will Wohnungslose vom Hansaplatz verdrängen

Wenn man durch die Straßen Berlins geht, sieht man selbst im Winter immer mehr Men­schen, die draußen über­nachten müssen, weil sie keine Wohnung haben. Seit Sep­tember 2013 ver­sucht der Verein Ber­liner Obdach­lo­sen­hilfe e.V. diesen Men­schen das Leben auf der Straße etwas erträg­licher zu machen. An ver­schie­denen Plätzen in Berlin, an denen sich Obdachlose auf­halten, bieten ihnen die ehren­amtlich arbei­tenden Hel­fe­rInnen ein gesundes Essen, einen warmen Tee und saubere Kleidung an. Seit einigen Monaten gehört auch der Hansa­platz in Moabit zu diesen Orten. „Es kommen immer viele Men­schen, die froh sind, sich zumindest einmal die Woche einmal satt zu Essen“, erzählt Falko Stein einer der Helfer gegenüber Mie­te­rEcho Online.

Doch ein Teil der Bewoh­ne­rInnen rund um den Hansa­platz ist über dieses ehren­amt­liche Enga­gement gar nicht erfreut. Sie werfen dem Verein vor, Woh­nungslose anzu­locken und damit den Kiez abzu­werten. Zum Sprach­roher der Kri­ti­ke­rInnen der Obdach­lo­sen­hilfe machte sich der SPD-Poli­tiker Thomas Isenberg, der seinen Wahl­kreis im Han­sa­viertel hat. Auf einer von ihm mode­rierten Ver­an­staltung „Sicherheit und Sau­berkeit im Han­sa­viertel“ am Diens­tag­abend machte Isenberg im Gym­nasium Tier­garten mehrmals klar, dass der Hansa­platz in einem Jahr sauber sein soll und dazu sei er auch bereit, die Woh­nungs­losen von dort zu ver­drängen.

Not­falls Anzeigen machen

Isenberg hatte Vertreter/​innen der Polizei und des Ord­nungs­amtes sowie den Vor­sit­zenden des Bür­ger­vereins Han­sa­viertel Mat­thias Rudolph auf das Podium ein­ge­laden. Gleich am Beginn regte sich eine besorgte Bür­gerin über „Ost­eu­ropäer“ auf, die bestimmt keine „syrische Flücht­linge“ seien und vor dem Eingang zu ihrem Abstell­platz für ihr Fahrrad sitzen würden. Andere störten sich daran, dass Obdachlose vor den Ein­kaufs­märkten stehen und auf Bänken rund um den Hansa­platz sitzen würden. Es war der anwe­sende Poli­zei­kom­missar Mario Kanisch, der ent­gegen den sub­jek­tiven Bedro­hungs­ge­fühlen einiger Anwe­sender klar­stellte, dass die Kri­mi­na­lität rund um den Hansa­platz zurück­ge­gangen ist. Daher hätte das Ver­wal­tungs­ge­richt ent­schieden, dass kein Kri­mi­na­li­täts­be­las­teter Ort (KBO) ist, was die Rechte aller Nut­ze­rInnen am Platz stärkt und die poli­zei­lichen Ein­griffs­mög­lich­keiten redu­ziert. Das störte neben manchen Anwe­senden auch Thomas Isenberg, der dazu aufrief, alles was stört zur Anzeige zu bringen, bei­spiels­weise, wenn jemand auf einer Bank schläft oder in eine Hecke pinkelt. Doch die Hoffnung von Isenberg und einigen der Anwe­senden mit vielen Anzeigen den Hansa­platz wieder zum kri­mi­na­li­täts­be­las­tenden Ort zu machen, dämpfte Poli­zei­kom­missar Kanisch, Das sei ein langes Pro­zedere und werde durch Gerichte ent­schieden. Isenberg ließ sich in einen seien Akti­vismus aller­dings nicht bremsen. So wolle er die Läden rund um den Hansa­platz anschreiben, damit sie den Woh­nungs­losen mög­lichst nichts ver­kaufen und ihnen keine Pfand­fla­schen mehr abnehmen. Lobend erwähnte er einen Döner­laden, der die Woh­nungs­läden nicht bediene. Heftig kri­ti­siert wurde ein Spätkauf, der keinen Unter­schied zwi­schen seinen Kund/​innen macht und sich eigentlich nach den Maß­stäben des Rechts­staates vor­bildlich verhält. Schließlich dürfte sich eine gezielte Nicht­be­dienung von Woh­nungs­losen wohl kaum mit den Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­grund­sätze ver­ein­baren lassen. Doch davon ließen Isenberg und sein junger Mit­ar­beiter Marlon Bünck nicht beirren. Auf Ein­wände, dass eine Ver­drängung der Obdach­losen das Problem nicht löst, ent­gegnete Bünck, dass sei Sozi­al­ro­mantik. Wenn er redete, konnte man ver­stehen, warum ein Thilo Sar­razin die SPD noch als seine poli­tische Heimat begreift. Isenberg und Bünk, der als Leiter der Pro­jekt­gruppe Han­sa­viertel die Politik der Sau­berkeit und Sicherheit umsetze sollen, haben mehrmals ange­kündigt, dass sie alle Schritte prüfen wollen, um der Ber­liner Obdach­lo­sen­hilfe die Ausgabe von Essen und Kleidung im Han­sa­viertel zu ver­bieten.

Man bekämpft die Armen nicht die Armut

Nur wenige Besu­che­rInnen machten darauf auf­merksam, dass Obdachlose nicht ver­schwinden, wenn sie am Hansa­platz kein Essen mehr bekommen. Sie for­derten sozi­al­ar­bei­te­rische und gesund­heits­po­li­tische Maß­nahmen, um die Obdach­lo­sigkeit und nicht die Obdach­losen zu bekämpfen. Vage kün­digte Isenberg an, damit werde sich eine weitere Ver­an­staltung im nächsten Jahr beschäf­tigen. Doch er ließ keinen Zweifel daran, dass zum 60ten Jubiläum des Welt­kul­tur­erbes Han­sa­viertel Arme dort keinen Platz haben.

MieterEcho online 16.12.3016

http://​www​.bmgev​.de/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​-​o​n​l​i​n​e​/​o​b​d​a​c​h​l​o​s​e​-​h​a​n​s​a​p​l​a​t​z​.html

Peter Nowak

Der Artikel ist im Tages­spiegel hier ver­linkt:

http://​www​.tages​spiegel​.de/​b​e​r​l​i​n​/​h​a​n​s​a​v​i​e​r​t​e​l​-​i​n​-​b​e​r​l​i​n​-​t​i​e​r​g​a​r​t​e​n​-​s​t​r​e​i​t​-​u​m​-​e​s​s​e​n​s​a​u​s​g​a​b​e​-​f​u​e​r​-​o​b​d​a​c​h​l​o​s​e​/​1​9​2​4​0​8​8​8​.html

Grüne nehmen Artikel als Grundlage für große Anfrage:

http://​www​.berlin​.de/​b​a​-​m​i​t​t​e​/​p​o​l​i​t​i​k​-​u​n​d​-​v​e​r​w​a​l​t​u​n​g​/​b​e​z​i​r​k​s​v​e​r​o​r​d​n​e​t​e​n​v​e​r​s​a​m​m​l​u​n​g​/​o​n​l​i​n​e​/​v​o​0​2​0​.​a​s​p​?​V​O​L​F​D​N​R​=7682

Sach­verhalt
Anlage/​n
Anlagen:
1. Große Anfrage Grüne vom 10.01.2017

Wir fragen das Bezirksamt:

Bezug­nehmend auf http://​www​.bmgev​.de/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​-​o​n​l​i​n​e​/​o​b​d​a​c​h​l​o​s​e​-​h​a​n​s​a​p​l​a​t​z​.html frage ich das Bezirksamt:

1. Haben Mit­ar­beiter des BA an der im Artikel genannten Ver­an­staltung teil­ge­nommen und welche Position des Bezirks­amtes wurde dabei ver­treten und gibt es hierzu eine Pro­to­koll­notiz oder einen Vermerk des betref­fenden Mit­ar­beiters, die ein­sehbar ist?

2. Welche Position ver­tritt das Bezirksamt zu Bestre­bungen, Obdachlose am Hansa­platz mit bedenk­lichen Methoden gezielt zu ver­treiben?

3. Teilt das Bezirksamt das Ansinnen, Gewer­be­trei­bende zur sys­te­ma­tische n Nicht­be­dienung von Obdach­losen auf­zu­fordern? Wenn nein, inwiefern gedenkt das Bezirksamt auf die Gewer­be­trei­benden zuzu­gehen mit dem Ziel, ent­spre­chenden Auf­for­de­rungen Ein­zelner nicht nach­zu­kommen?

4. Wie unterstützt das Bezirksamt die Arbeit der Ber­liner Obdach­lo­sen­hilfe?

5. Welche eigenen Anstren­gungen unter­nimmt das Bezirksamt im Rahmen des Runden Tisches Hansa­platz, um Nut­zungs­kon­flikte im öffent­lichen Raum vor Ort dis­kri­minierungsfrei zu regeln?


Artikel in Ber­liner Woche, der darauf Bezug nimmt:
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Nina Apin in der Taz vom 28.1.2017, S. 10:

Hier den Abschnitt in dem län­geren text, der sich um Isenberg und den Hansa­platz dreht:
»Weil wir noch Joghurt brauchen, stieg ich erst mal am Hansa­platz aus. In dem moder­nis­ti­schen Hoch­haus­quartier hat zwi­schen Läden und Imbissen der SPD-Abge­ordnete Thomas Isenberg sein Wahl­kreisbüro. Über Berlin-Mitte hinaus bekannt geworden ist der Gesund­heits­po­li­tiker dadurch, dass er Mit­ar­beitern einer Hilfs­or­ga­ni­sation verbot, einmal die Woche auf dem Super­markt­park­platz warmes Essen an Obdachlose aus­zu­teilen. Isen­bergs Begründung: Die vielen Men­schen, in der Mehrzahl aus Ost­europa stam­mende, die im angrenzen Tier­garten cam­pieren, seien eine Belastung für Gewer­be­trei­bende und Anwoh­ne­rInnen. Schon zuvor hatte der Sozi­al­de­mokrat unter dem Motto „Sicherheit und Sau­berkeit am Hansa­platz“ zu einer Anwoh­ne­rIn­nen­ver­sammlung ein­ge­laden. Der Tenor: Die Obdach­losen sollen da weg. Isenberg wollte Gewer­be­trei­bende anschreiben und auf­fordern, den Obdach­losen keine Pfand­fla­schen mehr abzu­nehmen. Selbst die Polizei, die keinen Anlass sah, den Hana­platz zum „gefähr­lichen Ort“ zu erklären, war da gelas­sener. Isenberg aber ist das anste­hende 60. Jubiläum der Welt­kultur erbe-Siedlung offenbar so wichtig, dass er eine Ver­drän­gungs­po­litik befür­wortet, die weder Anzahl noch Pro­bleme der Obdach­losen vom Tier­garten ver­mindert. Zu Recht kriegt er dafür jetzt mas­siven Gegenwind.«

Essen für Obdachlose unerwünscht

Seit zwei Jahren bietet der Verein Ber­liner Obdach­lo­sen­hilfe an ver­schie­denen Plätzen in Berlin gesundes Essen für Obdachlose an. Auch der Hansa­platz in Moabit gehört seit kurzem dazu. Doch ein Teil der Anwohner ist über dieses ehren­amt­liche Enga­gement nicht erfreut. Sie werfen dem Verein vor, Woh­nungslose anzu­locken und damit den Bezirk abzu­werten. Schließlich soll das Areal zum 70. Jubiläum des Han­sa­viertels ver­schönert werden, und da passen arme Men­schen offen­sichtlich nicht allen ins Bild.

Zum Sprachrohr der Kri­tiker der Obdach­lo­sen­hilfe machte sich der Abge­ordnete Thomas Isenberg (SPD), der seinen Wahl­kreis im Han­sa­viertel hat. Auf einer von ihm mode­rierten Ver­an­staltung sagte er am Diens­tag­abend, er wolle in einem Jahr einen sau­beren Hansa­platz haben. Dazu sei er auch bereit, Obdachlose zu ver­drängen. Er werde alle recht­lichen Schritte prüfen, um der Obdach­lo­sen­hilfe die Essens­ausgabe auf dem Hansa­platz zu ver­bieten.

Ein Teil der rund 100 Teil­nehmer der Ver­an­staltung stimmten Isenberg zu. Nur wenige machten darauf auf­merksam, dass Obdachlose nicht ver­schwinden, wenn sie am Hansa­platz kein Essen mehr bekommen. Sie for­derten sozi­al­ar­bei­te­rische und gesund­heits­po­li­tische Maß­nahmen, um die Obdach­lo­sigkeit und nicht die Armen zu bekämpfen. »Wir würden uns gerne über­flüssig machen, wenn der Staat ein bes­seres Betreu­ungs­pro­gramm auf­legen würde. Bis dahin werden wir weiter unsere Hilfe anbieten«, sagte Hel­ferin Sabrina Wolter dem »nd«.

Peter Nowak