Von 68 reden?

Ver­ändert die aktu­ellen gesell­schaft­lichen Ver­hält­nisse!
„Die Kugel Nummer Eins kam aus Springers Zei­tungswald Ihr habt dem Mann die Gro­schen auch noch dafür bezahlt.“ Wolf Biermann, Drei Kugeln auf Rudi Dutschke

Was 2017 Luther war ist jetzt Marx, es ist ein runder Geburtstag und die Stand­ort­för­derung gibt sich redlich Mühe, den Jubilar zu ver­markten. 2017 gab es Luther-Brötchen in der Luther­stadt Wit­tenberg, 2018 Marx-Bier in Trier, das sich dann doch nicht den Zusatz­titel Marx­stadt zugelegt hat. Es ist halt Kommerz. Und im nächsten Jahr wird der nächste Jubilar an der Reihe sein. Doch nicht nur his­to­rische Per­sonen, sondern auch Jah­res­zahlen und damit ver­bundene geschicht­liche Ereig­nisse geraten in die Zeit­schleifen. So ist in diesem Jahr auch das 68er-Jubiläum – und das hat eine poli­tische Bot­schaft. Die 68er-Bewegung hat die BRD zivi­li­siert, die Grundlage für die Wie­der­ver­ei­nigung gelegt und die heutige Stellung Deutsch­lands als Hege­mo­ni­al­macht in der EU ist letztlich auch ein später Sieg von 68. 50 Jahre danach kämpft ein Groß- teil der Protagonist_​innen um die Deu­tungs­hoheit. Schließlich ist es das letzte Jubiläum, bei dem noch viele von ihnen sehr aktiv beteiligt sind. Von Daniel Cohn-Bendit bis Gerd Coenen, Wolfgang Kraushaar und Stefan Aust wollen hier Apo-Senioren noch einmal der Nachwelt deutlich machen, wie sehr sie doch bei­getragen haben zur deut­schen Renais­sance. Dazu haben sie zuerst die Ideen des 68er-Auf- bruchs ent­stellt, teil­weise in ein Gegenteil ver­kehrt und so zum Herr­schafts­in­strument gemacht. Wo es vor 50 Jahren um den Sturz der Mäch­tigen und den Kampf gegen Staat und Kapital ging, haben die selbst­ernann- ten Nach­lass­ver­walter, es sind doch meist nur Männer, daher die männ­liche Form, eine neue Macht kreiert und sie sitzen heute längst in den Auf­sichts­räten jener Kon­zerne, die sie einst bekämpft haben. Cohn-Bendit sitzt heute im Auf­sichtsrat der Uni­ver­sität von Nan­terre, die Stu­die­rende von der Polizei räumen lässt, wenn sie einen Beset­zungs­versuch an der Uni wagen. Cohn-Bendit ist auch stolz, zu den Beratern von Macron zuge­hören, des neo­li­be­ralen Prä­si­denten, der in Frank­reich end­gültig die Wider­stän­digkeit aus­merzen will.
In Deutschland ver­kauft Stefan Aust, der 68-Mit­läufer, zum Jubiläum des Attentats auf Rudi Dutschke seine Erin­ne­rungen an den rechten Mord­an­schlag an die Tages­zeitung „Die Welt“, also an den Sprin­ger­konzern, der damals nach Ansicht Tau­sender Apo-Anhän­ger_innen mit auf Dutschke geschossen hat. Nachdem 1968 ein durch die Hetze von BILD und Natio­nal­zeitung ver­hetzter Mann auf den linken Stu­denten Dutschke geschossen hat, wurde gegen den Sprin­ger­konzern in vielen Städten demons­triert und die Aus­lie­ferung der BILD-Zei­tungen blo­ckiert. Noch Jahre später hatte Wolf Biermann, als er noch nicht zum Bett­vor­leger der CSU geworden war, in seinen Song „3 Schüsse auf Rudi Dutschke“, die benannt, die mit geschossen haben.

Das andere 68
50 Jahre später kennt man in Deutschland keine Täter und Opfer mehr, sondern nur noch 68er, die alle schon immer nur Deutschland größer und grüner machen wollten. Dazu müsste man erst einmal einen großen Teil der Protagonist_​innen des Auf­bruchs vor 50 Jahren ver­gessen. Sie wurden ent­weder weg­ge­sperrt als Mili­tante oder auf andere Art zum Schweigen gebracht. Es waren viele. Die Jungarbeiter_​innen und Lehr­linge, die sich ange­steckt von der 68er-Bewegung, auch zu rühren begannen. Die pro­le­ta­ri­schen Frauen, die nicht rebel­lierten, um Gleich­be­rech­tigung bei der Bun­deswehr und im Auf­sichtsrat von Dax-Kon­zernen zu bekommen, den vielen radi­kalen Stadtteil- und Umwelt­in­itia­tiven, die nicht nur die AKWs, sondern die herr­schenden Klassen abschalten und damit inDeutschland anfangen wollten. Sie alle sind nicht dabei, wenn in diesem Jahr die 68er sich abfeiern, die mit dem Marsch durch die Insti­tu­tionen am Ziel ange­kommen sind. Die herr­schende Meinung ist immer die Meinung der Herr­schenden, die Erkenntnis von Karl Marx wird aktuell zum 68er Jubiläum immer wieder bestätigt. Die­je­nigen, die sich von der Herr­schaft haben koop­tieren lassen, inter­pre­tieren jetzt die Geschichte. Die vielen anderen, die sich nicht haben kor­rum­pieren lassen, sollen ver­gessen werden. Doch bisher gibt es noch immer die Mög­lichkeit das Bild eines anderen 68 zu ver­mitteln. Dafür steht das Sozia­lis­tische Pati­en­ten­kol­lektiv (SPK) ebenso wie der Psy­cho­lo­gie­pro­fessor Peter Brückner, der jah­relang gegen Rufmord und Berufs­verbot ankämpfen musste. Dafür steht die Lehr­lings­be­wegung ebenso wie die Menge heute unbe­kannter Jugend­licher, für die 68 auch eine ganz per­sön­liche Befreiung war. Dieses andere 68 ist es, was Men­schen heute inspi­rieren kann, wenn sie gegen die heutige Macht und Auto­rität ankämpfen.
Während 50 Jahre 68 abge­feiert wird, werden im Ver­gleich dazu kleine Pro­teste fast schon kri­mi­na­li­siert und die in den Staat koop­tierten 68er sind mit dabei. Kürzlich wurde in der taz stu­den­ti­scher Protest gegen den His­to­riker Jörg Babe­rowski, ein Ver­treter der neuen wis­sen­schaft­lichen Rechten, als linke Zen­sur­ver­suche abge­ur­teilt. Bereits im letzten Jahr wurden in der taz Kritiker_​innen von Babe­rowski im Duktus der Neuen Rechten als Volks­kom­missare abge­watscht. Vor einigen Wochen folgte dann gleich auf meh­reren Seiten eine Ver­tei­digung des rechten Pro­fessors.
Umso schärfer wird auf die kleine linke ne Gruppe der stu­den­ti­schen Babe­rowski-Kri­ti­ker_innen ein­ge­dro­schen. Dabei könnte man die doch als wahre Erben der 1968er bezeichnen. Die haben schließlich auch nicht gewartet, bis sie an der Reihe waren, wenn sie Kritik vor­zu­bringen hatten. In Bran­denburg an der Havel bekamen einige engagier- te Schüler_​innen eine Anzeige. Sie hatten sich dagegen aus­ge­sprochen, dass ein AfD-Poli­tiker zum Poli­ti­kertalk in ihre Schule ein­ge­laden wird. Die hat schließlich die Aus­zeichnung: Schule ohne Ras­sismus – Schule mit Courage. Die cou­ra­gierten Schüler_​innen schrieben auf ein Trans­parent als Protest gegen den AfD-Talk: „Schule mit Ras­sismus – Schul­leiter ohne Courage“. Das reichte für die Anzeige.
Das zeigt, wie not­wendig ein neuer gesell­schaft­licher Auf­bruch ist, damit die Mäch­tigen, ob Schuldirektor_​innen, Vorarbeiter_​inen oder Rektor_​innen doch nicht ganz so sicher sitzen. In diesem Sinne. Es kommt darauf an, die Welt zu ver­ändern.

Peter Nowak

Hinweis auf diesen Artikel in der jungen Welt:
https://​www​.jun​gewelt​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​3​3​4​7​8​6​.​n​e​u​-​e​r​s​c​h​i​e​n​e​n​.html
Gras­wur­zel­re­vo­lution
Eine Akti­vistin berichtet über die im April und Mai durch­ge­führten Räu­mungen auf einem besetzten Gelände bei Nantes, wo die fran­zö­sische Regierung jahr­zehn­telang Pläne für den Bau eines Groß­flug­hafens ver­folgte. Anfang 2018 wurden diese auf­ge­geben. Michèle Winkler hält das neue baye­rische Poli­zei­auf­ga­ben­gesetz für »ein­deutig ver­fas­sungs­widrig«: »Der Skandal ist, dass die CSU es dennoch mit unüber­biet­barer Arroganz vor­gelegt und beschlossen hat.« Gisela Notz setzt den Auf­bruch von 1968 und die »neuen Frau­en­be­we­gungen« der Gegenwart im Interview ins Ver­hältnis. »Während 50 Jahre 68 abge­feiert wird, werden im Ver­gleich dazu kleine Pro­teste fast schon kri­mi­na­li­siert, und die in den Staat koop­tierten 68er sind mit dabei«, meint Peter Nowak. An eine öffent­liche Ver­brennung von Wehr­pässen vor 40 Jahren erinnert Johann Bauer.

Gras­wur­zel­re­vo­lution, Jg. 47/​Nr. 430, 24 Seiten, 3,80 Euro, Bezug: Verlag Graswurzel­revolution e. V., Vauba­n­allee 2, 79100 Freiburg, E-Mail: abo@​graswurzel.​net

»Die Krankheit zur Waffe machen«

Mit dem SPK-Komplex kommt am 19. April ein Film in die Kinos, der nicht nur aus his­to­ri­schem Interesse inter­essant sein könnte

»Der Stein, den jemand in die Kom­man­do­zen­trale des Kapitals wirft und der Nie­ren­stein sind aus­tauschbar. Nehmt Euch vor Nie­ren­steinen in Acht.« So lautete eine der Thesen von Wolfgang Huber. Der Arzt hat gemeinsam mit 53 Psych­iatrie-Pati­enten im Februar 1970 in Hei­delberg das Sozia­lis­tische Pati­en­ten­kol­lektiv gegründet.

»Die Krankheit zur Waffe machen«, war das Motto. In der SPK-Publi­kation »Pati­en­teninfo« hieß es im Juni 1970: »Das System hat uns krank­ge­macht. Geben wir dem kranken System den Todesstoß.« Die Auf­for­derung richtete sich an Men­schen, die oft jah­relang in der Psych­iatrie erniedrigt und ent­rechtet wurden und im Zuge des gesell­schaft­lichen Auf­bruchs von 1968 dagegen auf­be­gehrten.

Doch das SPK wird aus dem 1968er Erbe aus­ge­grenzt. Schließlich passt es nicht zu der Erzählung, die von vielen sich 50 Jahre später zu Wort mel­denden Prot­ago­nisten der 68er-Bewegung ver­breitet wird. Es sei doch nur um die Zivi­li­sierung Deutsch­lands gegangen. Und dann hätte der bür­ger­liche Auf­stand gegen den Nomi­nal­so­zia­lismus in Ost­europa 1989 end­gültig die eigent­lichen Ziele der 68er-Bewegung offenbart, so der Spin der alt­ge­wor­denen 68er in allen Medien und Par­teien.

Nur hatte der Bür­ger­auf­stand in Ost­europa so wenig mit eman­zi­pa­to­ri­schen Zielen zu tun wie der Sta­li­nismus mit Sozia­lismus. Daher ist es das Bestreben all derer, die die Bun­des­re­publik zivi­li­sieren wollte, alles was nach Revo­lution und Umsturz klingt, aus der Bewegung aus­zu­sondern. Damit wollte man nichts zu tun haben. Es ist klar, dass das Sozia­lis­tische Pati­en­ten­kol­lektiv gleich mit ent­sorgt wird.

SPK-Komplex zeigt ein anderes 68

Da ist es umso erfreu­licher, dass mit SPK-Komplex von Gerd Kroske ein Film in die Kinos kommt, der Gele­genheit gibt, etwas über die Moti­vation einiger derer zu erfahren, die sich im SPK oder dessen Umfeld enga­gierten.

Zu Wort kommen Men­schen, die auch heute noch bei aller Kritik, dem SPK als Ver­dienst zurechnen, einer Psych­iatrie den Krieg erklärt zu haben, die nicht nur ein Großteil des Per­sonals, sondern auch viele der Zwangs­maß­nahmen aus der NS-Zeit über­nommen zu haben. Besonders Carmen Roll, die im Film häufig zu Wort kommt, ver­teidigt so die ursprüng­liche Intention des SPK, die Ver­hält­nisse in der Psych­iatrie anzu­greifen.

Roll ging wie einige andere SPK-Akti­visten später zur RAF. Bei ihrer Fest­nahme in Augsburg wurde Thomas Weis­becker erschossen. Nach ihrer Haft­ent­lassung enga­gierte sich Roll in Italien für eine Psych­ia­trie­reform, die wesentlich von Franco Basaglio ein­ge­leitet wurde.

Schon im Herbst 1971 waren einige SPK-Mit­glieder auf der Suche nach Soli­da­rität zu dem inter­na­tional bekannten Psych­ia­trie­kri­tiker gereist. Zu diesem Zeit­punkt war das SPK bereits zur kri­mi­nellen Ver­ei­nigung erklärt worden und ein Großteil ihrer Akti­visten saß im Gefängnis oder war unter­ge­taucht. Damals gab es aller­dings sowohl im In- als auch im Ausland noch Unter­stützung für das SPK.

Jean-Paul Sartre setzte sich ebenso für die Psych­ia­trie­kri­tiker ein, wie Peter Brückner, Horst Eber­hardt Richter und sogar der ehe­malige Leiter der Hei­del­berger Uni­ver­si­täts­po­li­klinik Dieter Spazier. Anfang der 1970er Jahre wurden auch mehrere Bücher ver­öf­fent­licht, die sich mit der Theorie und Praxis des SPK sowie den staat­lichen Reak­tionen befassten.

Einige an der Ver­folgung betei­ligte Poli­zei­beamte und Juristen kommen im Film eben­falls zu Wort. So erfährt man, dass ein Teil der Fotos für die Fahn­dungs­plakate der RAF-Mit­glieder damals von der Hei­del­berger Poli­zei­wache geschossen wurde, die sich in unmit­tel­barer Nach­bar­schaft zum SPK-Zentrum befunden hat.

Wie weit die Abwertung von als Irre stig­ma­ti­sierte Men­schen in den staat­lichen Ermitt­lungs­be­hörden noch ver­breitet war, erfährt man im durch die Akten­no­tizen zum SPK, die im Film ver­lesen werden. Dabei handelt es sich um Auszüge aus der Kor­re­spondenz zwi­schen Polizei, der Leitung des medi­zi­ni­schen Instituts der Uni­ver­sität Hei­delberg und dem Innen­mi­nis­terium von Baden-Würt­temberg sowie um Obser­va­ti­ons­pro­to­kolle.

Dabei ging es darum, Wege zu finden, wie man das SPK ille­ga­li­sieren kann. Da schrieb ein Mit­ar­beiter des Innen­mi­nis­te­riums, dass das gar nicht so einfach ist, weil Wolfgang Huber appro­bierter Medi­ziner ist. So dis­ku­tierten die Behörden, ob es möglich wäre, den Arzt für ver­rückt zu erklären. In den Doku­menten liest man dann, dass man erkunden sollte, ob es Indizien gibt, dass Huber »geistig min­der­wertig« ist.

Hier zeigt sich, wie weit der NS-Jargon in den 1970er noch in den Staats­ap­pa­raten ver­breitet war. Es war also kei­neswegs Ver­fol­gungswahn, wenn das SPK wie zahl­reiche weitere linke Gruppen in den 1970er Jahren davor warnten, dass der Faschismus eher aus den Staats­ap­pa­raten als von Stra­ßen­nazis drohe.

Wie präsent die NS-Geschichte in den 1970er Jahren noch war, berichtete im Film auch Lutz Taufer, der über das SPK zur RAF gekommen war und viele Jahre in Iso­la­ti­onshaft ver­bringen musste.

Deshalb freute er sich zunächst, dass er in der JVA Schwalbach Zel­len­nachbarn hatte. Bis er fest­stellen musste, dass es sich dabei um ver­ur­teile NS-Täter dar­unter einen in Auschwitz tätigen Sani­täter han­delte.

Keine Mit­läufer vom Typus eines Stefan Aust

»Ich wollte statt eines Por­träts die Ereig­nisse um das SPK erzählen, weil sie bislang weit­gehend unbe­kannt sind«, diesen Anspruch hat Gerd Kroske mit dem Film ein­gelöst. Ein Plus­punkt ist für den Film, dass Wolfgang Huber auch für Kroske nicht erreichbar ist. Seit seiner Haft­ent­lassung hat er sich aus der Öffent­lichkeit zurück­ge­zogen.

So bleibt nur seine Stimme vom Tonband. Dadurch entgeht der Film der Gefahr einer Per­so­na­li­sierung und einer Geschichts­schreibung, in der doch wieder vor allem linke Männer den Ton vor­geben. So hatte Kroske die Mög­lichkeit, den vielen weniger bekannten SPK-Akti­vis­tinnen und Akti­visten Raum zu geben, egal, ob sie heute ihr dama­liges Enga­gement ablehnen oder nicht.

Sie alle waren in ihrer aktiven Zeit keine Mit­läufer vom Typus eines Stefan Aust, der überall dabei war, aber nir­gends Spuren hin­ter­lassen hat. Aust war nur nahe genug an der dama­ligen Bewegung dran, dass er sie heute an alle mög­lichen Medien meist­bietend ver­hökern kann. Da hat der sol­vente Sprin­ger­konzern natürlich immer seine Vor­teile.

So ver­kaufte Aust zum Jubiläum des Attentats auf Rudi Dutschke seine Erin­ne­rungen an den rechten Mord­an­schlag an die Tages­zeitung Die Welt, also an den Sprin­ger­konzern, der damals nach Ansicht Tau­sender Apo-Anhänger mit auf Dutschke geschossen hat.

Daher wurde vor 50 Jahren gegen den Sprin­ger­konzern in vielen Städten demons­triert und die Aus­lie­ferung der Zei­tungen blo­ckiert. Noch Jahre später hatte Wolf Biermann, der noch zum Bett­vor­leger der CSU geworden war, in seinen Song Drei Kugeln auf Rudi Dutschke for­mu­liert:

Die Kugel Nummer Eins kam
aus Springers Zei­tungswald
Ihr habt dem Mann die Gro­schen
Auch noch dafür bezahlt.

Wolf Biermann, Drei Kugeln auf Rudi Dutschke

Das SPK, das ist sicher, kann niemand an den Sprin­ger­konzern ver­kaufen. Dort ist Stefan Aust garan­tiert nicht mit­ge­laufen.

Was vom SPK noch heute aktuell ist

Es gibt einige Psych­iater in Deutschland, die die SPK-Schriften kennen und den Ansatz des SPK noch heute für wertvoll halten«, betont Kroske und machte damit deutlich, dass das, wofür das SPK kämpfte, kein his­to­risch erle­digtes Thema ist. Bayern will ein neues Psych­ia­trie­gesetz ver­ab­schieden, dass als psy­chisch krank bezeichnete Men­schen ver­stärkt stig­ma­ti­siert, so die Warnung von Kri­tikern.

Wie schnell psy­chisch Kranke zum Sicher­heits­risiko erklärt werden, zeigt auch die Dis­kussion nach der Amok­fahrt in Münster. Viele waren erleichtert, dass sich die von Rechten ver­breitete These von einem isla­mis­ti­schen Hin­ter­grund nicht bestä­tigte. Doch nun wurde der Täter in eine andere I-Gruppe ein­ge­ordnet, die Irren. Nur wenige warnten vor den Folgen


Ein gewalt­samer Vorfall wie in Münster erschüttert die Men­schen und es ist ver­ständlich, nach den aus­lö­senden Ursachen zu fragen. Trotzdem hält es die Deutsche Gesell­schaft für Psych­iatrie als wis­sen­schaft­liche Fach­ge­sell­schaft für unan­ge­messen und vor­schnell, auf der Basis unvoll­stän­diger Infor­ma­tionen die mög­liche Rolle einer psy­chi­schen Erkrankung beim Täter zu dis­ku­tieren. Das Unfassbare mensch­lichen Han­delns darf nicht auto­ma­tisch mit »psy­chisch krank» ‚« gleich­ge­setzt werden. Men­schen mit psy­chi­schen Erkran­kungen, und dazu zählt zeit­weise jeder Dritte in Deutschland, dürfen nach schweren Gewalt­taten nicht unter Gene­ral­ver­dacht gestellt werden.

Taz

Tat­sächlich kann, solange die Schriften des Täters nicht ver­öf­fentlich werden, letztlich zu den Hin­ter­gründen der Amok­fahrt wenig gesagt werden. Es ist nur auf­fallend, wie bemüht die Gesell­schaft ist, den Täter ins gesell­schaft­liche Abseits zu rücken.

Wenn es nicht der Isla­mismus war, dann war es der Irrsinn. Dabei müsste geklärt werden, warum der Täter zu Mitteln griff und Ziele aus­wählte, die durch Isla­misten bekannt wurden. In der Ver­gan­genheit hat sich schon öfter gezeigt, dass erklärte Gegner der Isla­misten deren Methoden über­nommen hatten.

Zudem gibt es eben neben Isla­misten und Irren viele andere Inter­pre­ta­ti­ons­mög­lich­keiten für die Täter. Es ist nur fatal, dass hier als psy­chisch krank stig­ma­ti­sierte Men­schen wieder als Gefahr dar­ge­stellt werden.

Mit dem geplanten baye­ri­schen Psych­ia­trie­gesetz werden ihnen schon mal die Instru­mente gezeigt. Da wäre es wirklich sehr positiv, wenn nicht nur einige Psych­iater, sondern viele Psych­ia­trie­er­fahrene Theorie und Praxis des SPK kennen würden und sich fragen, ob es nicht wieder an der Zeit wäre, die Krankheit zur Waffe zu machen.

https://​www​.heise​.de/​t​p​/​f​e​a​t​u​r​e​s​/​D​i​e​-​K​r​a​n​k​h​e​i​t​-​z​u​r​-​W​a​f​f​e​-​m​a​c​h​e​n​-​4​0​2​5​6​0​4​.html

URL dieses Artikels:
http://​www​.heise​.de/​-​4​0​25604

Links in diesem Artikel:
[1] https://​mathphys​.fsk​.uni​-hei​delberg​.de/​w​/​h​i​n​t​e​r​g​r​u​e​n​d​e​/​g​e​s​c​h​i​c​h​t​e​-​d​e​r​-​f​a​c​h​s​c​h​a​f​t​/​a​u​s​-​d​e​r​-​k​r​a​n​k​h​e​i​t​-​e​i​n​e​-​w​a​f​f​e​-​m​a​chen/
[2] https://​mathphys​.fsk​.uni​-hei​delberg​.de/​w​/​h​i​n​t​e​r​g​r​u​e​n​d​e​/​g​e​s​c​h​i​c​h​t​e​-​d​e​r​-​f​a​c​h​s​c​h​a​f​t​/​a​u​s​-​d​e​r​-​k​r​a​n​k​h​e​i​t​-​e​i​n​e​-​w​a​f​f​e​-​m​achen
[3] http://​www​.spk​-komplex​-film​.de/
[4] http://​rea​listfilm​.de/de/
[5] https://​biapsy​.de/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​/​d​e​/​9​-​b​i​o​g​r​a​p​h​i​e​n​-​a​-​z​/​1​0​4​-​b​a​s​a​g​l​i​a​-​f​ranco
[6] https://​mathphys​.fsk​.uni​-hei​delberg​.de/​w​/​h​i​n​t​e​r​g​r​u​e​n​d​e​/​g​e​s​c​h​i​c​h​t​e​-​d​e​r​-​f​a​c​h​s​c​h​a​f​t​/​a​u​s​-​d​e​r​-​k​r​a​n​k​h​e​i​t​-​e​i​n​e​-​w​a​f​f​e​-​m​a​chen/
[7] http://​www​.deutsch​land​funk​kultur​.de/​l​u​t​z​-​t​a​u​f​e​r​-​u​e​b​e​r​-​g​r​e​n​z​e​n​-​v​o​m​-​r​a​f​-​t​e​r​r​o​r​i​s​t​e​n​-​z​u​m​.​1​2​7​0​.​d​e​.​h​t​m​l​?​d​r​a​m​:​a​r​t​i​c​l​e​_​i​d​=​3​91163
[8] https://​www​.welt​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​d​e​u​t​s​c​h​l​a​n​d​/​p​l​u​s​1​7​5​2​6​3​3​6​0​/​S​t​e​f​a​n​-​A​u​s​t​-​W​i​e​-​i​c​h​-​d​a​s​-​A​t​t​e​n​t​a​t​-​a​u​f​-​R​u​d​i​-​D​u​t​s​c​h​k​e​-​e​r​l​e​b​t​e​.html
[9] http://​www​.song​texte​.com/​s​o​n​g​t​e​x​t​/​w​o​l​f​-​b​i​e​r​m​a​n​n​/​d​r​e​i​-​k​u​g​e​l​n​-​a​u​f​-​r​u​d​i​-​d​u​t​s​c​h​k​e​-​7​3​f​a​2​6​3​9​.html
[10] https://www.stmgp.bayern.de/wp-content/…/2018_01_15_entwurf_baypsychkhg.pdf
[11] http://​www​.taz​.de/​!​5​4​9​6005/
[12] http://​www​.taz​.de/​!​5​4​9​4691/
[13] https://​www​.dgppn​.de/
[14] http://​www​.taz​.de/​!​5​4​94691