Proletarier aller Länder …

Ita­liens Basis­ge­werk­schaft Si Cobas ver­bindet Anti­ras­sismus und Klas­sen­kampf

Seit wenigen Monaten ist die ita­lie­nische Rechts­re­gierung an der Macht und unter dem Innen­mi­nister Matteo Salvini von der rechten Lega Nord streitet die »Orba­ni­sierung« des Landes rapide voran. Sein harter Kurs gegen Geflüchtete scheint dem Rechts­po­li­tiker Zustimmung bei den Wähler*innen zu bringen, die Pro­teste sind schwach.

Dennoch gibt es auch in Italien Kräfte, die sich gegen den Rechtsruck stellen. Dazu zählt die Basis­ge­werk­schaft SI Cobas, die am 24. Sep­tember zu einer inter­na­tio­nalen anti­ras­sis­ti­schen Ver­sammlung nach Bologna einlädt. Die Gewerk­schaft hat dabei ein sehr ambi­tio­niertes Ziel, das sie in der Ein­ladung zu dem Treffen so for­mu­liert. »Wir sind für den Aufbau einer anti­ras­sis­ti­schen Front in Europa, die den Ras­sismus auf dem sozialen und gewerk­schaft­lichen Feld bekämpft, indem sie die Einheit der ein­hei­mi­schen und ein­ge­wan­derten Arbeiter*innen im Kampf stärkt«. Neben diesem großen Ziel werden auch die kleinen Schritte nicht ver­gessen. Die recht­liche Gleich­stellung der Migrant*innen ist die zen­trale For­derung, die nach Ansicht von Si Cobas im Interesse aller Arbeiter *innen ist, egal aus welchem Land sie kommen.

Für die Gewerk­schaft ist das anti­ras­sis­tische Enga­gement eine Klas­sen­frage. »Die Ein­ge­wan­derten sind in ihrer über­großen Mehrzahl Proletarier*innen, Lohnarbeiter*innen oder Arbeits­su­chende, sie sind in jedem Land ein wich­tiger Teil der Arbeiter*innenschaft.«

Wenn es in dem Aufruf heißt, dass migran­tische und ein­hei­mische Arbeiter*innen nur in gemein­samen Kämpfen ihre Lage ver­bessern können, kann die Gewerk­schaft SI Cobas auf lang­jährige eigene Erfah­rungen ver­weisen. Sie orga­ni­siert die Arbeits­kämpfe in der Logis­tik­brache Nord­ita­liens. Dort konnten die größ­ten­teils migran­ti­schen Beschäf­tigen Lohn­er­hö­hungen und eine Min­derung der Arbeits­hetze erreichen. In der letzten Zeit macht auch die Orga­ni­sierung von migran­ti­schen Erntearbeiter*innen Fort­schritte, die oft unter men­schen­un­wür­digen Bedin­gungen in Zelt­lagern in der Nähe ihres Arbeits­platzes unter­ge­bracht sind.

An den Orga­ni­sie­rungs­pro­zessen sind neben SI Cobas weitere Basis­ge­werk­schaften beteiligt. Anders als in Deutschland gibt es in Italien keine Ein­heits­ge­werk­schaft, was die Posi­tio­nierung zu gesell­schaft­lichen Fragen erleichtert. Aber auch in Deutschland hat sich der ver.di-Gewerkschaftsrat unter dem Motto »Men­schen zu retten, darf kein Ver­brechen sein« mit den zivil­ge­sell­schaft­lichen Initia­tiven der See­not­rettung soli­da­ri­siert. Gemeinsame Arbeits­kämpfe von Migrant*innen und Ein­hei­mi­schen gibt es aller­dings zu selten. Die Auf­nahme von meh­reren hundert Migrant*innen bei ver.di-Hamburg war ein wich­tiger Akt, fand aber leider keine Nach­ahmung.

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Peter Nowak