Schöner Leben ohne CG im Friedrichshainer Nordkiez

Befor­schung durch Sozi­al­päd­ago­gi­sches Institut stößt auf Wider­stand

Mit­ein­ander leben im Sama­ri­terkiez“ heißt es auf einem gelben Plakat, das in der letzten Woche im Fried­richs­hainer Nordkiez geklebt wurde. Dort erfahren die Anwohner/​innen, dass noch bis zum 2. Dezember täglich von 10 – 20 Uhr in einem Laden­lokal in der Rathaus-Passage in der Frank­furter Allee 35 – 37 ein Team des Sozi­al­päd­ago­gi­schen Instituts Berlin (SPI) darauf wartet, dass Anwohner/​innen ihnen ihre Wünsche über die Gestaltung des Stadt­teils über­mitteln. Das SPI hat vom Bezirksamt Fried­richshain-Kreuzberg den Auftrag bekommen, Anwohner/​innen, Gewer­be­trei­bende, Bil­dungs­ein­rich­tungen und die Polizei über die Pro­bleme im Stadtteil zu befragen. „Gestalten Sie Ihr Viertel mit! Nutzen Sie die Chance, Ihren Tra­di­ti­onskiez neu zu defi­nieren“, werden die Bewohner/​innen ani­miert, dem SPI-Team einen Besuch abzu­statten.

Eher eine Pro­vo­kation als ein Angebot

Doch für Erika Schmidt (Name geändert) ist diese Ein­ladung eher eine Pro­vo­kation als ein Angebot. Sie enga­giert sich in der Akti­ons­gruppe Rigaer Straße 71–73 gegen den Bau eines Nobel­pro­jekts der CG- Gruppe. Trotz zahl­reicher Kund­ge­bungen, Kiez­spa­zier­gänge und anderer Pro­teste hat der Bau­prozess inzwi­schen begonnen. Auch auf dem gegen­über­lie­genden Grund­stück ist der Bau von Eigen­tums­woh­nungen schon weit fort­ge­schritten. Dort baut die W Deve­lopment. „Seit Monaten haben wir mit unter­schied­lichen Aktionen deutlich gemacht, dass die CG Gruppe und die KW Deve­lopment und ihre Pro­jekte im Kiez keine Akzeptanz haben“, erklärt Erika Schmidt. Sie hält es eine Frechheit, nun vom SPI zum Mit­ge­stalten des Kiezes auf­ge­fordert zu werden. „Sie sprechen vom Tra­di­ti­onskiez und haben im letzten Jahr grünes Licht für den Abriss denk­mal­ge­schützter Häuser auf dem Gelände der Rigaer Straße 71–73 gegeben“, ärgert sich auch Michael Benkert (Name geändert), der eben­falls in der Akti­ons­gruppe aktiv ist. Für ihn ist die Befragung durch das SPI Teil der von der Politik geför­derten Auf­wertung des Stadt­teils. Immo­bi­li­en­firmen wie die CG-Gruppe haben schließlich den Anspruch for­mu­liert, ganze Stadt­viertel zu ver­ändern. Die wohl­ha­bende, neu in den Stadtteil zie­hende Kli­entel soll durch solche Mit­mach­pro­jekte ange­sprochen werden und kann dann über den Standort von Bänken und Baum­scheiben ent­scheiden.


Mieter/​innen und Gewer­be­trei­bende bekommen die Auf­wertung schon zu spüren

Gewer­be­trei­bende und Mieter/​innen mit geringen Ein­kommen haben andere Pro­bleme. Sie bekommen schon heute die Folgen der von der Politik gewollten Auf­wertung des Stadt­teils zu spüren. So sind die Mieten im Fried­richs­hainer Nordkiez seit 2009 um 62 % gestiegen. Seit 1. August 2017 ist die Rigaer Straße an den beiden Bau­stellen der CG-Gruppe und des die KW Deve­lopment gesperrt. Die Gewer­be­trei­benden in der Umgebung klagen über massive Umsatz­ein­bußen. Einige Betriebe haben schon Mit­ar­bei­te­rInnen ent­lassen. Solche Pro­bleme aber inter­es­siert aber weder die Bezirks­po­litik noch das in ihren Auftrag for­schende SPI. Das sind aber die Themen, über die die Anwohner/​innen auf einer Kund­gebung sprechen wollen, die am 2. Dezember 2017 ab 15 Uhr vor dem Eingang der Rathaus -Passage in der Frank­furter Allee 35/37 beginnt. „Schöner leben ohne CG und Politik“ lautet das Motto.

aus: Mie­te­rEcho 30.11.2017
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Peter Nowak