Mietwohnungen sollen Aquapark weichen

Zwi­schen Ost­kreuz und Rum­mels­burger See pro­tes­tieren Anwoh­ne­rInnen gegen Abriss- und Neu­bau­pläne eines Investors

Rund um den Bahnhof Ost­kreuz in Berlin wird viel gebaut. Auf der Lich­ten­berger Seite, in den Häusern Haupt­straße 1 g–i, konnten bisher einige über 80 Jahre alte Wohn­häuser der Abriss­birne trotzen. Doch wie lange noch? Inves­toren haben ein Auge auf das Areal zwi­schen Ost­kreuz und Rum­mels­burger Bucht geworfen. In den kom­menden Wochen soll in der Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­sammlung Lich­tenberg die Bebauung der letzten Frei­flächen am Rum­mels­burger See beschlossen werden. Neben teuren Woh­nungen sollen dort Büros und das Projekt Coral World ent­stehen – ein Enter­tainment- Aquapark, der 500.000 Besucher pro Jahr anziehen soll. Dafür sollen nicht nur die weit­räu­migen Grün­an­lagen hinter der Haupt­straße 1 g–i weichen, auch die Wohn­häuser selbst sollen ver­schwinden. Viele Mie­te­rInnen haben ihre Woh­nungen schon geräumt. Seit einigen Jahren gehören diese dem Immo­bi­li­en­un­ter­nehmen Padovicz, das in Berlin einige Hundert Häuser besitzen soll. „Die Haus­ver­waltung kümmert sich schon lange nicht mehr um die Häuser. Selbst das kaputte Dach wird nicht repa­riert“, klagt eine Mie­terin, die seit vielen Jahren in einem der Häuser wohnt und dort auch bleiben will. Daher orga­ni­siert sie mit Nach­ba­rInnen Wider­stand gegen die Abriss- und Bebau­ungs­pläne. „Hinter den blu­migen Ver­sprechen der Inves­to­rInnen ver­steckt sich nichts anderes als Ver­wertung: Hier wird bil­liger Wohnraum beseitigt und teurer geschaffen“, so ihre Kritik. Am 1. Sep­tember wollen die Kri­tiker unter dem Motto „Bebauung heißt Ver­drängung“ ab 14 Uhr par­allel zum Rum­mels­burger Was­serfest eine Gelän­de­er­kundung rund um das Areal unter­nehmen, um die von der Ver­drängung Betrof­fenen zum Protest zu moti­vieren. Neben­Mie­te­rInnen gehören dazu Gewer­be­trei­bende und Besit­ze­rInnen der Haus­boote. Gemeinsam will man den Lich­ten­berger Bezirks­ver­ord­neten klar machen, dass das Areal kein Brachland ist. Besonders auf das Abstim­mungs­ver­halten der Linken, die mit Michael Grunst den Bezirks­bür­ger­meister stellt, schauen die Kri­ti­ke­rInnen. Während der Coral World als gut für den Bezirk lobt, unter­stützen andere Mit­glieder der Links­fraktion die Mie­te­rInnen.

taz, freitag, 24. august 2018

Peter Nowak