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Oktoberrevolution und Stalinismus

Sonntag, 04. März 2018

“Sie haben in der langen Nacht der Stalinschen Despotie die Sprache des revolutionären Marxismus restlos und hoffnungslos verlernt.“

In nicht wenigen Ländern sind sich selbst als KommunistInnen verstehende Menschen mit Stalinporträts zum Gedenken an die Oktoberrevolution auf die Straße gegangen.
Dabei feiern sie den Kopf eines Systems, das fast sämtliche Errungenschaften des Roten Oktober zurückgenommen hat und viele derjenigen, die an der Oktoberrevolution beteiligt waren, einkerkern und ermorden ließ. Der Historiker Christoph Jünke hat kürzlich eine Analogie mit Marxistischen Stalinismuskritiken im 21. Jahrhundert im ISP-Verlag herausgegeben. Dort ist dokumentiert, wie gründlich Marxisten das Phänomen des Stalinismus in den letzten 90 Jahren analysierten. Texte von 15 Autoren werden in dem Band dokumentiert, die sich kritisch mit dem Stalinismus und seinen Wurzeln befassen.
Es ist schade, dass Jünke nicht auch Texte von Frauen wie Agnes Heller, Ruth Fischer oder Angelica Balanoff aufgenommen hat, die in den von Jünke gewählten Bezugsrahmen fallen. In dem Buch sind keine anarchistischen und syndikalistischen Kritiken vertreten, auch räte- und linkskommunistische Beiträge findet man dort nicht. Jünke hat in der Einleitung betont, dass die Zusammenstellung seiner subjektiven Auswahl geschuldet ist. Er habe sich dabei um eine repräsentative Auswahl bemüht, was auch für das von ihm skizzierte marxistische Spektrum zutrifft. „Ausgelassen habe ich vieles, die frühen Kritiken der 1920er Jahre, seien es marxistische Sozialdemokraten wie Otto Bauer, Paul Levi oder linke Kommunisten wie Karl Korsch, Amadeo Bordiga u.v.a.“ Dazu ist anzumerken, dass Jünke die ausgelassenen anarchistischen Kritiken ebenso wenig erwähnt, wie er nicht begründet, warum er auch keine Frauen in dem von ihm ausgewählten Bereich berücksichtigt. Aller Kritik zum Trotz sind die ausgewählten Texte eine beeindruckende Lektion in linker Geschichte und sollten studiert werden.
Der erste Text in der Anthologie stammt von dem führenden bolschewistischen Politiker Christian Rakowski, der 1941 von Stalins Schergen erschossen wurde. Es ist erstaunlich, welche fast machtkritische Einsichten in seinem Text zu finden sind. „Sobald eine Klasse die Macht ergreift, verwandelt sich ein gewisser Teil in Agenten der Macht. Auf diese Weise entsteht die Bürokratie.“ (S.27)
An anderer Stelle kommt Rakowski zu der für ihn niederschmetternden Erkenntnis: „Ich glaube nicht sehr zu übertreiben, wenn ich sage, dass ein Parteigenosse von 1917 sich wohl kaum in der Gestalt eines Parteigenossen von 1928 wiedererkennen würde. Eine tiefe Wandlung hat sich in der Anatomie und der Psychologie der Arbeiterklasse vollzogen.“ Seine intime parteiinterne Kenntnis macht seinen Text interessant. So beschreibt Rakowski, dass die Bolschewiki in der Opposition auch den von Marx als Lumpenproletariat diffamierten Teil der Werktätigen angesprochen hat. Als sie an der Macht waren, haben sich ihre größtenteils zu BürokratInnen mutierten Mitglieder hingegen von diesem Teil der Klasse abgegrenzt. Rakowski prangert auch die Privilegien der Nomenklatura an und verweist darauf, dass die Bolschewiki immer gegen solche Vorteile für die Mächtigen gekämpft hatten. Dieser Text zeigt auch, dass innerhalb der bolschewistischen Partei, 1928 als er verfasst wurde, durchaus noch eine fundamentale Kritik am bürokratischen Kurs möglich war. Klar erkannte der Autor, in welche Richtung der Kurs der Partei geht und beklagte, dass sich die Parteiagenten nicht genieren, „Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Hass auf die Intelligenz usw. für ihre Zwecke einzusetzen“. So hat er schon 1928 präzise die Inhalte stalinistischer Praxis benannt. Mit Victor Serge stellt Jünke auch den Text eines langjährigen Anarchisten vor, der nach der Oktoberrevolution zum Parteigänger der Bolschewiki wurde. Ergänzend dazu könnte man die Kritik der Anarchistin Rirette Maitrejean heranziehen. Sie war seine Genossin in der anarchistischen Zeit und hat seine Wandlung zum Parteigänger der Bolschewiki wie seine Rolle als Antistalinist sehr kritisch kommentiert, wie Lou Marin in seinem 2016 im Verlag Graswurzelrevolution erschienenen Buch „Rirette Maitrejean – Attentatskritikerin, Anarchofeministin, Individualanarchistin“ dokumentiert hat.

Trotzki zwischen Zweckoptimismus und Pessimismus

Trotzki ist gleich mit drei Texten im Band vertreten. War er anfangs noch überzeugt, dass die stalinistische Epoche nur eine Episode in der Parteigeschichichte bleibt, wurde er zunehmend skeptischer und hielt auch ein Scheitern der gesamten Revolution für denkbar. So machte er sich in einem dokumentierten Text kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs Gedanken, was geschehen würde, wenn es in der Folge in den kapitalistischen Ländern zu keiner proletarischen Revolution kommen sollte oder es sich den RevolutionärInnen, worunter Trotzki natürlich KommunistInnen seiner Strömung meint, nicht gelingt, sich zu halten. „Dann wären wir gezwungen einzugestehen, dass der Grund für den bürokratischen Rückfall nicht in der Rückständigkeit des Landes zu suchen ist, auch nicht in der imperialistischen Einkreisung, sondern in der naturgegebenen Unfähigkeit des Proletariats zur herrschenden Klasse zu werden. Dann müssten wir feststellen, dass die jetzige UdSSR in ihren Grundzügen Vorläufer eines neuen Ausbeuterregimes im internationalen Maßstab ist.“ (S.119)
Es ist frappant, dass von den vielen Gruppen, die sich auf Trotzki berufen, auf diese pessimistische Volte kaum eingegangen wird. Bemerkenswert ist, dass Trotzki gar nicht in Erwägung zieht, dass vielleicht das zentralistische Parteimodell in die Niederlage führt, nein, er versteigt sich zu anthropologischen Formeln, wenn er von einer naturgegebenen Unfähigkeit des Proletariats schreibt.
Im letzten Text beschäftigt er sich mit der Frage, wie sich seine AnhängerInnen verhalten sollten, falls sich herausstellt, dass die Sowjetunion einen Teil von Polen besetzt. Er plädierte dafür, trotz Stalin, die Rote Armee zu unterstützen, weil die zumindest gegen die Großgrundbesitzer kämpfen würde. Trotzkis letzter in dem Buch publizierter Text ist wenige Wochen nach Beginn des Zweiten Weltkriegs verfasst, als der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt viele KommunistInnen nachhaltig ver- stört hat. Er endet phrasenhaft: „Das Proletariat hat eine junge und noch schwache revolutionäre Führung. Aber die Führung der Bourgeoisie verfault bei lebendigem Leib. … Allein diese Tatsache ist Grund genug für unseren unerschütterlichen revolutionären Optimismus.“ (S.142)
Erfreulicherweise wurden auch Texte von heute wenig rezipierten Autoren aufgenommen. So ist der Sozialphilosoph Leo Kofler heute nur noch wenigen bekannt, der sich ebenso wie der in den 1970er populäre Edward P. Thompson mit den Problemen des sozialistischen Humanismus befasst. Der Ökonom und Historiker Roman Rosdolsky beendet seine Stalinkritik mit der treffenden Charakterisierung der nominalsozialistischen Nomenklatura. „Sie haben in der langen Nacht der Stalin’schen Despotie die Sprache des revolutionären Marxismus restlos und hoffnungslos verlernt; sie sind eben nur mehr: Reformisten gewordene Thermidorianer!“ (S.296). Bezüge zur Französischen Revolution finden sich auch bei anderen Autoren des Buches, die Klassi zierung der Bolschewiki als Jakobiner ist durchaus nicht nur negativ gemeint. Rosdolsky wurde nach der Implosion des Nominalsozialismus bestätigt, wo manche wie der ebenfalls im Buch vertretene Ernest Mandel noch auf einen revolutionären Glutkern hofften, der von Stalinismus und Bürokratismus verschüttet war, zeigte sich bald, dass diese Parteien im Innern verfault und unrettbar verloren waren. Wer mehr über den lange vergessenen Roman Rosdolsky, der bedeutende Texte zur Wertkritik veröffentlicht hat, wissen will, sollte zu dem kürzlich im Mandelbaum-Verlag erschienenen Buch „Mit permanenten Grüßen“, greifen, in dem Leben und Werk von Emmy und Roman Rosdolsky dargestellt sind (ISBN 978-3-85476-662-9).

Hoffnung auf interne Reformen schwinden

Bei den jüngeren dokumentierten Texten ist die Hoffnung auf eine Reform des Nominalsozialismus durch einen Sturz der Bürokratie verschwunden. Im Text von Jacek Kuron und Karol Modzelewski kündigt sich ihre spätere Hinwendung zur kapitalistischen Zivilgesellschaft an und im dokumentierten Text von Rudolf Bahro sein später mit esoterischen Elementen durchdrängter Ökologismus, der keine gesellschaftlichen Widersprüche und Klassen mehr kennen wollte. Auch der Philosoph Lucio Colletti endet schließlich als Abgeordneter in der Partei des Rechtspopulisten Berlusconi. Dabei hat er in dem abgedruckten Text „Zur Stalin-Frage“ aus dem Jahr 1970 die gesellschaftlichen Ursachen des Stalinismus gut beleuchtet. „Die sozialdemokratischen Führer, die im Januar 1919 Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet hatten …, haben den ersten Stein zu je- ner Straße gelegt, die Stalin zur Macht verholfen hat. Die übrigen Steine wurden dann durch die revolutionäre Welle gelegt, die auf Europa niederging und Mussolini, Primo de Rivera, Horthy und so viele andere emporhob.“ (S.479)
Diese historischen Tatsachen werden heute bei der Diskussion über die Oktoberrevolution gerne ausgeblendet. Alle, auch die hier nicht erwähnten Texte des Buches, bieten eine Fülle von Assoziationen und Stoff für Debatten. Das Buch kann dazu beitragen, zu verstehen, warum die Hoffnung, die die Oktoberrevolution vor 100 Jahren für viele Menschen in aller Welt hatte, auch für AnarchistInnen wie Alexander Berkman und Emma Goldmann so schnell in das Gegenteil umschlug. Daran hat Bini Adamczak in ihrem kürzlich in der Edition Assemblage erschienenem Buch „Der schönste Tag im Leben des Alexander Berkman. Vom möglichen Gelingen der Russischen Revolution“ erinnert. Wer neue Versuche unternimmt, eine Gesellschaft jenseits von kapitalistischer Verwertungslogik, rassistischer und sexistischer Unterdrückung zu schaffen, sollte es lesen.

Christoph Jünke (Hg.): Marxistische Stalinismus-Kritik im 20. Jahrhundert – Eine Anthologie, Neuer ISP- Verlag, Karlsruhe 2017, 616 Seiten,, 29,80 Euro, ISBN 978-3-89900-150-1

märz 2018/427 graswurzelrevolution

Peter Nowak

Schweigen und Verschleppung

Sonntag, 21. Januar 2018

Ein neues Buch über das Leben von Roman Rosdolsky und dessen Frau Emmy, die Trotzki nahestanden, gibt die Möglichkeit, das Werk eines wenig bekannten marxistischen Ökonomen kennenzulernen.

«Mit permanenten Grüssen» ist eine merkwürdige Form, sich zu verabschieden. Manche dürften sich dabei an Trotzkis Theorie von der permanenten Revolution erinnert fühlen. Und damit liegen sie richtig. Emmy und Roman Rosdolsky, deren Leben das im Mandelbaumverlag veröffentlichte Buch gewidmet ist, hätten sich wohl selber nie als TrotzkistInnen bezeichnet. Doch sie standen dem russischen Revolutionär nahe, wenn sie auch durchaus kritisch manche politische Wendung von Trotzki und noch mehr seinen EpigonInnen gegenüberstanden. Das optisch ansprechend gestaltete Buch macht die LeserInnen mit zwei MarxistInnen bekannt, die von früher Jugend bis an ihr Lebensende ihren Idealen treu geblieben sind.

Hohe Ansprüche
Roman Rosdolsky dürfte manchen als Pionier der Marx’schen Werttheorie ein Begriff sein. Seine Schrift «Entstehungsgeschichte des Marx’schen ‹Kapital›» erfuhr in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren mehrere Auflagen und gilt als «Standardwerk der Marxforschung». Doch Rosdolsky starb, bevor das Buch veröffentlicht wurde. Auch einen geplanten Vortrag auf einer internationalen Marx-Konferenz zum 100. Jubiläum der Fertigstellung der ersten Ausgabe des Kapitals in Frankfurt/Main konnte er nicht mehr halten. Wegen seiner Erkrankung musste er seine Teilnahme absagen und wenige Wochen später starb er. So konnte er auch nicht mehr erleben, wie die ausserparlamentarische Bewegung in den USA und Europa Rosdolsky die Anerkennung verschafft hat, die er Zeit seines Lebens oft vermisste. In dem Buch werden verschiedene Briefe zitiert, in denen Rosdolsky bezweifelte, ob sein Manuskript je veröffentlicht werden wird. Gelegentlich fragte er sich, ob er einen Text zu Marx schaffen kann, der seinen hohen Ansprüchen gerecht wird. FreundInnen und GenossInnen sprachen ihm immer wieder Mut zu. Tatsächlich hatte Rosdolsky keinen Grund, an seinen Fähigkeiten zu zweifeln, das ökonomische und philosophische Werk von Karl Marx zu analysieren und einzuordnen. Der Marxist Ernest Mandel schrieb in der Einleitung seines viel gelesenen Hauptwerks «Der Spätkapitalismus»: «Die grösste Schwierigkeit beim Verfassen des Buches war die Tatsache, dass Roman Rosdolsky, jener politische Ökonom, der mir in unseren Tagen theoretisch und politisch am meisten nahestand, starb, bevor ich mit der Arbeit daran beginnen konnte.» Mandel widmete Rosdolsky sein Buch.

Über beide Rosdolskys
In den letzten Jahren war er weitgehend vergessen und nur noch einen kleinen Kreis von WertkritikerInnen bekannt. Mit diesem Buch zu seinem 50. Todestag verschafft ihm und seiner Frau und Genossin der Rosdolsky-Kreis wieder die verdiente Aufmerksamkeit und regt zur Beschäftigung mit seinen Schriften an. Im Rosdolsky-Kreis hat sich eine Runde von unabhängigen Linken in Österreich zusammengefunden, die über die Lektüre der «Entstehungsgeschichte des Marx’schen ‹Kapital›» auf die beiden MarxistInnen aufmerksam geworden sind. Sehr erfreulich ist, dass sie Emmy Rosdolsky gleichberechtigt in dem Buch behandelt haben. Sie war schliesslich selber von frühester Jugend an in der sozialistischen Bewegung engagiert und in den USA und in Österreich jahrelang in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit aktiv. Sie hat mit ihrem Gehalt mit dafür gesorgt, dass Roman Rosdolsky seine langjährigen Forschungen betreiben konnte.

Die Bewegung der frühen Ukraine
Von frühester Jugend in der sozialistischen Bewegung seines Herkunftslandes Ukraine aktiv, nahm er sich nicht die Zeit für Studium und Ausbildung. Er beteiligte sich an den Auseinandersetzungen innerhalb der zersplitterten sozialistischen Bewegung am Vorabend der Russischen Revolution. Die politischen und gesellschaftlichen Konflikte im zerfallenden Habsburger Imperium der Jahre 1915/1918 werden in dem Buch gut vermittelt. Es ist so auch ein Buch über eine weitgehend unbekannte Geschichte der sozialistischen und kommunistischen Bewegung der frühen Ukraine. Es vermittelt die leidenschaftlichen Diskussionen der damaligen ukrainischen Linken über die Frage der nationalen Selbstbestimmung. Die Schriften des österreichischen Sozialdemokraten Otto Bauer wurden ebenso rezipiert wie die von Lenin und Rosa Luxemburg. Hier vermitteln die AutorInnen einen lebendigen Überblick über eine linke Debatte, die einerseits zeitlich weit entfernt, aber doch sehr aktuell scheint. Schliesslich wiederholte sie sich nach 1989, als die Nationalstaaten erneut entstanden, die Debatte über die Sinnhaftigkeit dieser Entwicklung. Rosdolsky befasste sich auch früh mit der Geschichte der ukrainischen Bauern- und Landarbeitergewerkschaft. Diese Schriften wurden in den späten 1950er Jahren in Polen veröffentlicht, obwohl die Rosdolskys zu den KritikerInnen der Entwicklung der Sowjetunion seit Ende der 1920er Jahre gehörten. In der heutigen Ukraine hingegen wurde eine geplante Herausgabe von Schriften von und über Roman Rosdolsky gestoppt. In einem Staat, in dem ein Pro-Faschist wie Bandera wieder als Nationalheld gefeiert wird, ist kein Platz für entschiedene SozialistInnen und AntifaschistInnen.


Das Schweigen über Auschwitz

Über die persönlichen Angelegenheiten der Rosdolskys liest man in dem Buch wenig. Das Gerüst sind die Schriften und Diskussionsveranstaltungen. Ein eigens Kapitel nimmt die Verfolgungsgeschichte der Rosdolskys ein. Er war ein Jahr in Auschwitz inhaftiert und wurde von dort nach Ravensbrück, dann nach Sachsenhausen deportiert. Er gehörte zu denen Überlebenden eines Todesmarsches. «Immer derselbe Traum. Ich komme irgendwie wieder ins KZ, obwohl der Krieg schon aus ist, und ich muss die ganze Suppe noch mal auslöffeln», vertraute er viele Jahre später seinem Freund an, dem Psychoanalytiker Ernst Federn. Seine Enkelin Diana Rosdolsky schreibt in einem Kapitel über das Schweigen, über die Verfolgung und vor allem seine Verschleppung nach Auschwitz in seiner Familie. Er war als Kommunist und nicht als Jude inhaftiert, sah aber tagtäglich, wie in der Todesfabrik Menschen vernichtet wurden. «In Auschwitz arbeitet Roman in einer Tischlerei, in welcher ständig darüber gestritten wird, ob die Fenster offen oder geschlossen gehalten werden sollen. Dies wird verständlich, angesichts des fürchterlichen Gestanks, brennender Leichen, die bei offenen Fenster umso ungehinderter in die Räume dringt», schreibt Diana Rosdolsky.
Es ist erfreulich, dass jetzt die Gelegenheit besteht, sich mit den Leben und den Werken dieser zwei MarxistInnen vertraut zu machen. In der Einleitung schreiben die HerausgeberInnen, dass der Optimist Rosdolsky Zeiten der Krise für die theoretische und praktische Weiterentwicklung nutzte. Wenn die LeserInnen das Buch ebenfalls in diesem Sinne verstehen würden, wäre viel gewonnen. Dass der Rosdolsky-Kreis ihr Buch «Den Verdammten der Erde» gewidmet hat, dürfte ganz im Sinne der beiden NamensgeberInnen sein.

Rosdolsky-Kreis (Hrsg.): Mit permanenten Grüssen. Mandelbaum-Verlag, Wien 2017. 22 Euro.

http://www.vorwaerts.ch/kultur/schweigen-und-verschleppung/#more-11581

Peter Nowak