Kollektiv Handel(n)

Union Coop: ein neuer Ver­trieb für Betriebe in Arbei­te­rInnen-Hand

Union Coop, 2017 offi­ziell gegründet, ist ein Versuch zur Orga­ni­sierung von Kol­lek­tiv­be­trieben, die einen basis­ge­werk­schaft­lichen Ansatz ver­folgen. Neben den Pro­dukten aus den betei­ligten Betrieben sollen in Zukunft auch ver­mehrt Gewerk­schafts­ma­te­rialien und Waren aus zurück­er­oberten Fabriken wie etwa Vio​.Me oder der Tee­beutel-Fabrik von Scop Ti (ehemals Lipton) ver­trieben werden.

Seit Kurzem können über die Union Coop Pro­dukte aus gewerk­schaftlich ori­en­tier­ten­Kol­lek­tiv­be­trieben gekauft werden. Peter Nowak sprach mit Hansi Oos­tinga von der Union Coop über das Konzept

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Teesolidarität

Reaktion auf Schwach­punkt: Selbst­ver­waltete Betriebe helfen sich gegen­seitig beim Ver­trieb

»It‘s Teatime! Scop Ti jetzt auch in Deutschland« – so bewirbt Union Coop, ein Zusam­men­schluss von basis­ge­werk­schaft­lichen Kol­lek­tiv­be­trieben in Deutschland, ganz besondere Tee­sorten. Sie werden in einer selbst­ver­wal­teten Tee­fabrik in Mar­seille pro­du­ziert. Mehr als drei Jahre hatten die Beschäf­tigten dort gegen den Uni­lever Konzern gekämpft und die Pro­duktion schließlich selbst über­nommen. Die neu gegründete Koope­rative Scop Ti pro­du­ziert ver­schiedene bio­lo­gisch und regional ange­baute Tee­sorten unter dem Mar­ken­namen 1336. Das soll an die Fabrik­be­setzung erinnern, die 1336 Tage dauerte. Nun will die Koope­rative ein Ver­triebs­system mit anderen Ländern auf­bauen. 

Koope­ra­ti­ons­partner in Deutschland ist die Union Coop, zu deren Grund­sätzen gehört, dass alle Beschäf­tigten die gleichen Rechte bei Ent­schei­dungen und einen Ein­heitslohn haben. Hansi Oos­tinga von der Union Coop betont, dass es sich nicht um eine Nische für Aus­steiger handelt. »Im Verbund mit anderen Kol­lek­tiv­be­trieben und der Basis­ge­werk­schaft FAU suchen wir Ant­worten auf die Frage, wie eine soli­da­rische Wirt­schaft aus­sehen kann«, betont er gegenüber »nd«.

Der Ver­trieb des Tees aus der selbst­ver­wal­teten Fabrik ist für ihn mehr als Soli­da­rität. »Es ist ein prak­ti­scher Ansatz­punkt für eine wirt­schaft­liche Gegen­macht.« Die Beleg­schaft habe sich während ihres lang­jäh­rigen Kampfs als Teil einer brei­teren sozialen Bewegung posi­tio­niert. Die Ver­ein­barung zur Koope­ration ist auf einem Treffen von selbst­ver­wal­teten Betrieben im Mit­tel­meerraum ent­standen, das vor einem Jahr in Grie­chenland auf dem besetzten Gelände von Vio​.Me stattfand. »Ein Ergebnis dieser Kon­ferenz war die Erkenntnis, dass ein Schwach­punkt aller selbst­ver­wal­teten Fabriken der Ver­trieb ist«, sagt Oos­tinga. Die Union coop will deshalb in der nächsten Zeit ihr Sor­timent erweitern. Neben den Seifen von Vio​.Me sollen auch Liköre aus der besetzten Fabrik Rimaflow in Mailand und Öl aus einer von der Land­ar­bei­ter­ge­werk­schaft SAT besetzten Finca in Anda­lusien ange­boten werden. 

Oos­tinga hofft, dass der Verkauf der Pro­dukte in Deutschland auch das Thema Betriebs­be­setzung und Selbst­ver­waltung wieder mehr in den Fokus rückt. Er erinnert an die selbst­ver­waltete Fahr­rad­fabrik in Nord­hausen, wo vor zehn Jahren einige Wochen lang das Strikebike pro­du­ziert wurde. Das Projekt schei­terte. Aber es steht bis heute für den Versuch, wie Arbeiter auch in Deutschland eine andere Form des Wirt­schaftens und Pro­du­zierens durch­setzen wollten. www​.union​-coop​.org/shop

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Peter Nowak