Ermunterung zum Kampf gegen rechte Ideologien

Das thü­rin­gische Bad Blan­kenburg debat­tiert über den Umgang mit einem durch einen Neonazi ver­übten Mord

Am 24. Mai 2001 tötete ein damals 24-jäh­riger Neonazi im thü­rin­gi­schen Bad Blan­kenburg den 27-jäh­rigen Epi­lep­tiker Axel U. Der wurde in einem anonymen Armengrab bestattet. Doch 17 Jahre später wird in der kleinen Stadt wieder über die Tat geredet und auch die Frage gestellt, warum damals der Täter nicht als solcher bezeichnet wurde.

Aus­löser für die Dis­kussion ist der Film »Das blinde Auge – Ein Todesfall in Thü­ringen«, den der Erfurter Regisseur Jan Smendek gedreht hat. Am 19. Sep­tember war der Film erstmals in Bad Blan­kenburg zu sehen. Etwa 120 Men­schen waren in den Frö­belsaal des Rat­hauses gekommen, dar­unter viele junge Leute. Sie erfuhren durch den Film erstmals mehr über die Hin­ter­gründe des rechten Täters. Sie hörten von den wenigen Bekannten des Opfers, wie sie nach der Tat stig­ma­ti­siert und aus­ge­grenzt worden sind. Über eine Gedenk­ver­an­staltung für Axel U. schrieb die »Ost­thü­rin­gische Zeitung«, dass sich dort »stadt­be­kannte Trinker und Aso­ziale« getroffen hätten.

Eine poli­tische Aus­ein­an­der­setzung hat damals nicht statt­ge­funden. Nach der Film­vor­führung gab es erstmals in der Stadt eine öffent­liche Dis­kussion über den Umgang der Men­schen mit dem Todesfall. Dazu mussten die Inter­es­sierten vom Rathaus in die Räume des Bad Blan­ken­burger Kunst­kreises umziehen. Der Bür­ger­meister erklärte, dass die Gefahr bestanden habe, dass auch die AfD und andere rechte Gruppen Anspruch auf Räume im Rathaus anmelden könnten, wenn er dort eine poli­tische Dis­kussion zuge­lassen hätte.
Der Regisseur Jan Smendek berichtete, wie er Anfang 2017 bei einer Recherche über durch Rechte ver­ur­sachte Todes­fälle in Thü­ringen auf Axel U. stieß. Beim Studium der Akten erfuhr er von den Ver­stri­ckungen des Neonazi-Täters mit der »Anti-Antifa-Ost­thü­ringen« und dem »Thü­ringer Hei­mat­schutz«. Mit Silke Streipert saß auch eine Bekannte von Axel U. auf dem Podium, die nach dessen Tod dafür ange­feindet wurde, dass sie mit Gleich­ge­sinnten gegen die Neo­nazis aktiv war. Sie sagte, dass damals viele in der Stadt weg­ge­schaut hatten. Doch sie erwähnte auch, dass sich seitdem in Bad Blan­kenburg einiges geändert habe. Sie verwies auf zivil­ge­sell­schaft­liche Initia­tiven, in denen nicht nur Linke, sondern auch Christen aktiv sind. Zu ihnen gehört auch der Bad Blan­ken­burger Pastor Andreas Kämpf, der sich bei der Dis­kussion gegen die Aus­grenzung von Geflüch­teten wandte und beklagte, dass es solche Ten­denzen auch in den Kir­chen­ge­meinden gäbe.

Zur Zivil­ge­sell­schaft gehört auch das Bür­ger­bündnis Zivil­courage und Men­schen­rechte im Land­kreis Saalfeld-Rudol­stadt, das Thomas Endter auf dem Podium vertrat. Im Film berichtet er, wie er vor einigen Jahren von Neo­nazis an seinem Arbeits­platz bedroht wurde. Er betonte in der Debatte, dass er mit dem Bündnis die bür­ger­liche Gesell­schaft ermuntern wolle, gegen rechte Ideo­logien auf­zu­stehen. Dabei ist er sich auch mit dem Mit­glied der LINKEN im Landtag von Thü­ringen Rainer Kräuter einig, der viele Jahre in Bad Blan­kenburg als Polizist gear­beitet hat und beruflich auch mit dem Tod von Axel U. befasst war. Kräuter setzte sich für mehr Trans­parenz bei Polizei und Justiz ein.

Alle Podi­ums­teil­nehmer waren sich einig, dass der Film es ermög­licht hat, dass in Bad Blan­kenburg nach 17 Jahren öffentlich über den Todesfall geredet wird. Aus dem Publikum kam der Vor­schlag, zum 20. Jah­restag einen Gedenkort in Bad Blan­kenburg für Axel U. ein­zu­richten. Rainer Kräuter signa­li­sierte Unter­stützung.

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Peter Nowak