Rassistische Übergriffe im Berliner Mauerpark


Anfang Sep­tember haben mut­maßlich rechte Fans des BFC Dynamo in Berlin Teil­nehmer eines Grill­fests des Kame­runer Vereins ange­griffen und ver­letzt – dass der Staats­schutz ermittelt, wurde in der Öffent­lichkeit erst jetzt bekannt.

„Ich bin 22 Jahre in Deutschland und ich hätte nicht für möglich gehalten, dass ich mitten in Berlin ange­griffen werde und das mich die Polizei nicht schützen kann“, erklärte Patrice Alain Zombou. Der in Kamerun geborene Ber­liner ist noch immer empört, wenn er berichtet, was sich am 3. Sep­tember gegen 20.00 Uhr im Ber­liner Mau­erpark zuge­tragen hat. Dort hatte der Kame­runer Verein ein Grillfest gefeiert. „Viele meiner Freunde, dar­unter Frauen und Kinder waren fröhlich und ent­spannt. Dann brach Panik aus“, berichtete Zombou über die Situation, als eine Gruppe von rund 200 Fans vom FC Dynamo die Gruppe atta­ckierte. „Erst beschimpften sie uns mit ras­sis­ti­schen Sprüchen, dann griffen sie uns mit Fla­schen an“, erinnert sich Zombou. Er wurde dabei im Gesicht ver­letzt. Ein anderer Gast des Grill­festes erlitt so schwere Gesichts­ver­let­zungen, dass er 12 Tage sta­tionär im Kran­kenhaus behandelt werden musste. Er erstattete sofort Anzeige wegen Kör­per­ver­letzung.

Doch erst zwei Wochen nach der Tat wurde bekannt, dass der Staats­schutz ermittelt und dabei den Fokus auf rechte Fans des BFC Dynamo legt. Der Kame­runer Verein kri­ti­sierte am ver­gan­genen Samstag auf einer Pres­se­kon­ferenz am Tatort Mau­erpark das Ver­halten der Polizei. Gäste des Grill­feses hätten die Beamten, die die Abreise der Fuß­ballfans absi­cherten, über den Angriff infor­miert, als die Täter noch vor Ort waren. Da die Polizei deren Per­so­nalien nicht auf­ge­nommen hat, konnten bisher keine Tat­ver­däch­tigen fest­ge­stellt werden.

Überfall kein Einzelfall in der Gegend

Dass erst zwei Wochen nach dem Überfall bekannt wurde, dass der Staats­schutz die Ermitt­lungen auf­ge­nommen hat, kri­ti­siert auch die Opfer­be­ra­tungs­stelle „Reach Out“. Der Pres­se­sprecher der Ber­liner Polizei Thomas Neu­endorf erklärte gegenüber der Zeitung „Der Tages­spiegel“, die Vor­würfe würden geprüft. Unmit­telbar nach der Tat, sei der Polizei „eine Aus­ein­an­der­setzung zwi­schen einer Gruppe von Dynamo-Fans und einer Gruppe Men­schen mit dunkler Haut­farbe“ bekannt geworden. Hin­weise auf Straf­taten habe es zunächst nicht gegeben.

Zivil­ge­sell­schaft­liche Gruppen machten auf der Pres­se­kon­ferenz am Samstag darauf auf­merksam, dass der Überfall vom 3. Sep­tember kein Ein­zelfall in der Gegend rund um den Mau­erpark ist, der eigentlich als ein Ort gilt, an dem sich viele Tou­risten aus aller Welt treffen. „People of Color“, die mit der Situation ver­traut sind, meiden an Sonn­tagen, an denen Fuß­ball­spiele im angren­zenden Jahn­station statt­finden, die Gegend wegen der zuneh­menden Präsenz rechter Fuß­ballfans. Beschimp­fungen vor allem von BFC-Anhängern seien an diesen Tagen keine Sel­tenheit. Davon betroffen waren in den letzten Monaten auch nicht­deutsche Mit­ar­beiter von Imbissen und das alter­native Knei­pen­kol­lektiv Baiz.

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Peter Nowak

Hooligans im Edelkiez

RASSISMUS 150 Menschen erinnern an Übergriff von Dynamo-Hools auf Fest im Mauerpark

„Das Problem heißt Ras­sismus“, stand auf dem Trans­parent, das am Sams­tag­nach­mittag am Eingang des Mau­er­parks in Prenz­lauer Berg hing. Davor hatten sich etwa 150 Men­schen ver­sammelt, dar­unter auch Mit­glieder des Kame­runer Vereins in Berlin. Deren Grillfest war Anfang Sep­tember von etwa 200 Fans des BFC Dynamo, der im Jahn­stadion gegen den Ham­burger
SV spielte, ange­griffen worden (taz berichtete). Mehrere Men­schen wurden ver­letzt, ein Mann musste mit Gesichts­ver­let­zungen
zehn Tage sta­tionär im Kran­kenhaus behandelt werden. Patrice Alain Zombou wurde bei dem Angriff von einer Flasche am Kopf getroffen. Am Samstag berichtete er über die Panik, die bei den Gästen des Fests – dar­unter viele Frauen und Kinder – aus­brach, als sie von dem ras­sis­tische Paro­len­grö­lenden Mob atta­ckiert wurden. „Ich bin 22 Jahre in Deutschland und hätte nicht für möglich gehalten, dass ich mitten in Berlin ange­griffen werde und dass mich die Polizei nicht schützen kann“, erklärte Zombou. Die Opfer­be­ra­tungs­stelle Reach Out hatte die Kund­gebung gemeinsam mit Anti­fa­gruppen vor­be­reitet. „Wir müssen
nicht auf Orte in Ost­deutschland zeigen, wenn es um rechte Über­griffe geht. Sie pas­sieren auch im angeblich so bunten
Prenz­lauer Berg“, erklärte eine Spre­cherin der (NEA).

Rechtes Duell am 2. Oktober

Anti­fa­gruppen wollen auch am kom­menden Sonntag rund um das Jahn­stadion präsent sein. Dann spielen dort mit BFC Dynamo
gegen Loko­motive Leipzig zwei Vereine mit einer rechten Fan­szene.

aus Taz vom 26.9.2016

Peter Nowak