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Das Firmengeflecht von Padovicz und Co. öffentlich machen

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Mit wem haben wir es als Mieter/​innen eigentlich zu tun? Ein Mittel der Immo­bi­li­en­wirt­schaft ist die Ver­schleierung der ver­ant­wort­lichen Eigen­tümer und Haus­ver­wal­tungen bis zur Anony­mi­sierung. Darüber klagen Mieter/​innen immer wieder. Die Kam­pagne „Padovicz und Co. an den Pranger“, die am 9. April…

„Das Fir­men­ge­flecht von Padovicz und Co. öffentlich machen“ wei­ter­lesen

Mieter/​innen machen Lärm vor Firmensitz von Padovicz

Pro­teste gegen das Gebaren der Ber­liner Immo­bi­li­enfima Padovicz gibt es schon lange. Doch am 25.10. trugen Mieter/​innen ihren Unmut direkt vor den Fir­mensitz von Padovicz am Kur­fürs­tendamm 178/179. Wie viele andere Immo­bi­li­en­firmen, hat auch Padovicz sein Domizil im noblen Ber­liner Westen, während er mit der Umstruk­tu­rierung von Stadt­teilen Profit macht, in denen bisher ein­kom­mens­schwache Mieter/​innen lebten. Der Kampf um die Durch­setzung von Mieter/​innenrechten gegen das Pro­fit­in­teresse von Padovicz hat eine lange Geschichte. Padovicz macht schließlich bereits seit den 90er Jahren als Käufer und Moder­ni­sierer ganzer Wohn­blöcke von sich reden. Immer wieder wurde auch im Mie­te­rEcho darüber berichtet. Dabei legte die Immo­bi­li­en­firma immer Wert auf gute Kon­takte mit Politiker/​innen unter­schied­licher Par­teien. Eng ver­knüpft mit dem Ber­liner Senat, war er einer der großen Pro­fi­teure der öffent­lichen Sanie­rungs­för­de­rungen im Rahmen des Stadt­umbaus der 2000er Jahre. Kom­munale Woh­nungs­bau­ge­sell­schaften wie die WBF ver­kauften ihm für Spott­preise ihre Bestände. Immer wieder wehrten sich auch in der Ver­gan­genheit Padovicz-Mie­ter/innen erfolg­reich gegen ihre dro­hende Ver­drängung. Es gab erfolg­reiche juris­tische Urteile, die den Inves­to­ren­träumen Grenzen setzten. Doch viele Mieter/​innen ließen sich allein durch oft nicht gerichts­feste Moder­ni­sie­rungs­an­kün­di­gungen abschrecken und zogen aus. Das lag auch an der Ver­ein­zelung vieler Mieter/​innen.

Gemeinsam den Ent­mie­tungs­stra­tegien trotzen
Doch seit einigen Monaten haben sich Padovicz-Mie­ter/innen ver­schie­dener Stadt­teile ver­netzt. Sie wollen gemeinsam den Ent­mie­tungs­stra­tegien des Investors trotzen. Mit dem Blog »Pado­watch« haben sie sich ein Forum geschaffen, auf dem sie sich gegen­seitig infor­mieren und ihre Pro­teste koor­di­nieren. Die Kund­gebung vor dem Fir­mensitz ist eine Aktion, mit der Mieter/​innen deutlich machen wollen, dass sie dem Investor auch direkt auf die Pelle rücken können. „Auf der Kund­gebung soll all denen Raum und ein offenes Ohr geboten werden, die Erfah­rungen mit diesem Ver­mieter sammeln mussten. Diese Geschichten werden öffentlich vor­ge­tragen, damit niemand damit alleine bleibt“, heißt es im Aufruf. Doch beim Erzählen der gemein­samen Geschichten von Ver­drängung und Ver­treibung wird es nicht bleiben. Dem Haus­projekt Lie­big­straße 34 in Fried­richshain droht zum Jah­resende die Kün­digung. Der Eigen­tümer Padovicz weigert sich, die zum 31.12.2018 aus­lau­fenden Ver­träge zu ver­längern. Die Unter­stützung für den Erhalt des Haus­pro­jekts wächst. Auch der Zusam­men­schluss der Padovicz-Koor­di­nation ist daran beteiligt. Das ist erfreulich, weil es sich bei der Aus­ein­an­der­setzung um einen Kon­flikt zwi­schen Mieter/​innen und Inves­toren und nicht um den Kampf um ominöse Frei­räume handelt. Am Sonntag, den 28.10., soll ab 17 Uhr in den Räumen des Wider­stands­mu­seums in der ehe­ma­ligen Galiläer Kirche in der Rigaer Straße 9/10 der Protest gegen die dro­hende Räumung der Lie­big­straße 34 auf einer Kiez­ver­sammlung vor­be­reitet werden. In der Ein­ladung heißt es: „Der Kampf gegen Gen­tri­fi­zierung ist eine soziale Bewegung. Dabei geht es nicht nur um ein ein­zelnes Haus oder Projekt, es geht um Ant­worten, die kol­lektiv gefunden werden müssen. Eine nach­bar­schaft­liche Ver­netzung ist ein Schritt zu einer soli­da­ri­schen Selbst­or­ga­ni­sierung, die sich außerhalb von Staat­lichkeit ver­ortet“.

aus:
Mie­te­rEcho online 25.10.2018
https://​www​.bmgev​.de/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​-​o​n​l​i​n​e​/​w​u​t​-​k​u​n​d​g​e​b​u​n​g​-​g​e​g​e​n​-​p​a​d​o​v​i​c​z​.html
Peter Nowak

Mieter/​innen wollen Padovicz enteignen

Vielen Mieter/​innen in Berlin ist der Immo­bi­li­en­un­ter­nehmer Padovicz und seine Siganadia Grund­besitz GmbH seit Jahren bekannt. Schon in den 1990er Jahren fanden sich im Mie­te­rEcho Artikel über Ent­mie­tungs­ver­suche am Rande der Lega­lität. Immer wieder haben Gerichte seine Ent­mie­tungs­pläne gestoppt. Doch auch auf poli­ti­scher Ebene bekommt Padovicz Gegenwind. In Fried­richshain und Lich­tenberg haben sich Mieter/​innen von Padovicz-Häusern zusam­men­ge­schlossen. Sie wollen gemeinsam an die Öffent­lichkeit gehen und weitere Mieter/​innen ermu­tigen, eben­falls Wider­stand zu leisten. Dazu laden die Mieter/​innen am Sonntag, den 24.Juni, zu einem Kiez­spa­ziergang durch Fried­richshain ein. Start­punkt ist um 16 Uhr auf dem Box­ha­gener Platz. Im Anschluss sollen in Fried­richshain Padovicz-Häuser besucht werden. Mieter/​innen werden über Ent­mie­tungs­ver­suche und Ein­schüch­te­rungen, aber auch über Erfolge berichten. So haben die Bewohner/​innen eines Padovicz-Hauses in der Box­ha­gener Straße/​Ecke Gärt­ner­straße erfolg­reich eine Moder­ni­sierung abge­wehrt, weil sie sofort Haus­ver­samm­lungen ein­be­rufen haben und sich in der Mie­ter­ge­mein­schaft orga­ni­siert haben. Der Kiez­spa­ziergang soll an der Lie­big­straße 34 enden. Das Haus gehört eben­falls Padovicz. Ende 2018 läuft der Pacht­vertrag aus, was für die Bewohner/​innen den Raus­schmiss bedeuten könnte. Ver­suche, über neue Ver­träge zu ver­handeln, blieben bisher unbe­ant­wortet. Auch diese Bewohner/​innen sind ein wich­tiger Bestandteil des Netz­werkes der Padovicz-Mie­ter/innen. Mit der For­derung „Padovicz ent­eignen“ stellen sie die Eigen­tums­frage und knüpfen an die For­derung der Mieter/​innen der Deutsche Wohnen an, die eben­falls die Ent­eignung fordern.

Der Haus­meis­ter­service „Dr. House“
Die aktiven Padovicz-Mie­ter/innen beschäf­tigen sich auch mit der Dr​.House Solu­tions Service GmbH, die in den letzten Jahren ver­stärkt als Haus­meis­ter­firma vor allem in Fried­richs­hainer Padovicz-Häusern auf­tritt. Doch um Män­gel­be­sei­tigung gehe es ihr in der Regel nicht, kri­ti­sieren Mieter/​innen. „Dafür kümmert sich Dr. House vor allem um Ent­rüm­pe­lungen. Die Kosten werden dann auf die Miete ange­rechnet“, berichtet die Bewoh­nerin eines Hauses, die ihren Namen nicht nennen möchte. Zudem würden die Mitarbeiter/​innen von Dr. House regel­mäßig von Mieter/​innen ange­legte Gärten oder selbst­or­ga­ni­sierte Instand­set­zungen zer­stören, so die Kritik. Auf dem Kiez­spa­ziergang sollen die Mieter/​innen von Padovicz-Häusern ihre Erfah­rungen mit der Haus­meis­ter­firma Dr. House mit­teilen. Dafür kann auch die Email­adresse padowatchblog@​riseup.​net genutzt werden.

Pado­watch ein Blog von Mieter/​innen für Mieter/​innen
Der Name ver­weist auf den Blog (https://pado​watch​.noblogs​.org ), der seit Kurzem online ist. Erstellt wurde er von Mieter/​innen, die in den letzten Jahren Erfah­rungen mit Padovicz und seinen Firmen gesammelt haben. „Seit den 90er Jahren kauft er im großen Stil Wohn­häuser in Berlin, saniert, oft mit öffent­lichen Geldern, und wirft die Altmieter/​innen auf die Straße. Immer wieder haben sich Mieter/​innen gegen Padovicz zusam­men­getan, immer wieder gab es Erfolge gegen diesen »Big Player« der Immo­bi­li­en­branche. Wir wollen diese wehr­haften Miete­rI­innen mit Infor­ma­tionen unter­stützen und sie zusam­men­bringen“, heißt es auf dem Blog. Auf der Start­seite gibt es eine Skizze von dem Fir­men­ge­flecht des Padovicz-Impe­riums sowie eine Ber­linkarte, auf dem Padovicz-Häuser auf­ge­zeichnet sind. Da Padovicz trotz seiner seit Jahren bekannten Ent­mie­tungs­prak­tiken wei­terhin mit öffent­lichen Geldern gefördert wird, sollte auch dessen Ver­bindung zur Politik ein wich­tiges Thema sein.

Mie­te­rEcho 19.06.2018
http://​www​.bmgev​.de/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​-​o​n​l​i​n​e​/​p​a​d​o​v​i​c​h​-​e​n​t​e​i​g​n​e​n​.html
Peter Nowak

Verdrängung und Widerstand rund um den Boxhagener Platz

Die Gegend um den Box­ha­gener Platz ist schon längst ein Eldorado für die junge, fle­xible Schicht von Managern aus Wirt­schaft, Politik und Kunst, die vom Ber­liner poli­ti­schen Estab­lishment umworben wird. Mieter/​innen mit geringen Ein­kommen können sich dort kaum noch die Woh­nungen leisten. Darauf machten am Sonn­tag­nach­mittag Anwoh­ne­rInnen mit einem Kiez­spa­ziergang auf­merksam. Es wurde nicht nur die Ver­drängung ange­prangert, sondern auch gezeigt, dass man sich wehren kann, wie ein Ver­treter der Stadt­teil­in­itiative „Keine Rendite mit der Miete/​Friedrichshain“ betonte. Ein gutes Bei­spiel dafür ist die Grün­berger Straße 84/​Ecke Gärtner Straße 14. „Wir haben uns erfolg­reich gewehrt gegen Gijora Padovicz. Wir haben schnell reagiert und noch am Tag der Ankün­digung der Moder­ni­sierung eine Mie­ter­ver­sammlung ein­be­rufen“, begrün­deten sie ihren Erfolg. Weil das Haus bereits in den 1990er mit Kre­diten der Inves­ti­ti­onsbank Berlin saniert wurde und der damalige Vertrag eine Klausel ent­hielt, dass einer künf­tigen Moder­ni­sierung 70 % der Mie­te­rInnen zustimmen müssen, konnten die neuen Moder­ni­sie­rungs­pläne aus­bremst werden ( siehe Mie­te­rEcho Online vom 13.10.2016). „Schließt Euch zusammen und soli­da­ri­siert Euch. Macht Euch schlau und holt Euch anwalt­lichen Rat“, been­deten die Mieter/​innen ihren Beitrag über ein ermu­ti­gendes Bei­spiel von Gegenwehr. Miriam Stein (Name geändert) konnte sich nicht auf eine soli­da­rische Nach­bar­schaft stützen, als sie eben­falls von der Padovicz-Immo­bi­li­en­firma mit der Moder­ni­sie­rungs­an­kün­digung kon­fron­tiert war. Fast ein Jahr lebte ich allein auf einer Bau­stelle in der Dir­schauer Straße/​Ecke Revaler Straße. Sie war in dieser Zeit mit Was­ser­schäden und Ein­brüchen kon­fron­tiert. Kürzlich hat sich auch Stein zum Umzug ent­schlossen. Jetzt wird das Haus, in dem Jahre lang Mieter/​innen mit geringem Ein­kommen wohnten, nur noch für Men­schen mit viel Geld erschwinglich sein. Rund um die Dir­schauer Straße kann man zurzeit viele Bau­stellen sehen. In den wenigen noch unsa­nierten Häusern wächst der Leer­stand. Die Auf­wertung des Stadt­teils hat mitt­ler­weile auch die Neben­straßen in Fried­richshain erreicht.

Mie­te­rInnen der Padovicz-Häuser schließen sich zusammen
In der Simon Dach Straße hin­gegen, die bereits seit mehr als ein Jahr­zehnt als ange­sagte Event­meile abge­feiert wird, haben es Mieter/​innen mit geringen Ein­kommen immer schwerer, noch eine Wohnung zu finden. Aktuell sind Mieter/​innen der Simon Dach Straße 34 mit Moder­ni­sie­rungs­an­kün­di­gungen der Padovicz-Gruppe kon­fron­tiert. Vor dem Haus betonte ein Mieter, der bereits fast 30 Jahre in dem Haus wohnt, wie wichtig auch eine soli­da­rische Nach­bar­schaft ist, um die Mieter/​innen zu unter­stützen und zu infor­mieren. Dazu sollen Treffen von Mieter/​innen aus ver­schie­denen Padovicz-Häusern aus Fried­richshain dienen, die bereits zweimal im Mie­ter­laden in der Kreut­ziger Straße 23 stattfand. Dort sollen Erfah­rungen aus­ge­tauscht werden, damit sich die Mieter/​innen besser wehren können. Schließlich berichten Mie­te­rEcho und andere Zei­tungen bereits seit 2 Jahr­zehnten über die Ent­mie­tungs­stra­tegien der Immo­bi­li­en­ge­sell­schaft. Aber Padovicz ist nur ein Player, der rund um den Box­ha­gener Platz aktiv ist. So werden auf der Inter­net­plattform „Wohnen am Boxi“ Woh­nungen des kürzlich moder­ni­sierten Hauses Gabriel-Max-Straße 6 /​Grünbergerstraße 71 ange­boten. Die Gesamt­miete für eine 74,39 Qua­drat­meter-Wohnung beträgt 1.301, 46 Euro. Für 87,51 Qua­drat­meter fällen monatlich 1.367,63 Euro an.
http://​www​.bmgev​.de/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​-​o​n​l​i​n​e​/​k​i​e​z​s​p​a​z​i​e​r​g​a​n​g​-​b​o​x​h​a​g​e​n​e​r​-​p​l​a​t​z​.html

MieterEcho online 08.11.2016

Peter Nowak