Spanische Revolution

Buen­aventura Durutti ist vielen als spa­ni­scher Anar­chist bekannt. Doch wer kennt Amparo Poch y Gascón? Über die Mit­be­grün­derin der liber­tären Frau­en­or­ga­ni­sation Mujeres Libres hat Martin Bax­meyer jetzt eine Bio­grafie her­aus­geben, die sich auch kri­tisch mit dem Umgang der spa­ni­schen Anarchist_​innen mit selbst­be­wussten Frauen aus­ein­an­der­setzt. Bax­meyer erwähnt den mili­tanten Anti­fe­mi­nismus Proudhons, der auch unter spa­ni­schen Anarchist_​innen Anhänger_​innen fand. Doch er beschreibt auch Strö­mungen im Anar­chismus, die sich für die Rechte der Frauen ein­setzten. Den Femi­nismus lehnten aller­dings auch sie ab, weil er im dama­ligen Spanien als Bewegung wohl­ha­bender Frauen aus dem Bür­gertum galt. Kri­tisch geht Bax­meyer mit dem anar­chis­ti­schen Mythos der bewaffnet kämp­fenden Frau um. Auf den während der Spa­ni­schen Revo­lution ver­brei­teten Fotos seien Models in Uniform abge­bildet gewesen; mit der Rea­lität innerhalb der liber­tären Milizen habe das nur wenig zu tun gehabt. Bax­meyer hat mit seinem Buch über Amparo von Poch y Gascón auch eine kri­tische Aus­ein­an­der­setzung mit Mythos und Rea­lität der liber­tären Bewegung in Spanien vor­gelegt – ganz im Sinne von Poch y Gascón, die auch in den eigenen Reihen nicht mit Kritik und Spott sparte. Das belegen ihre am Schluss des Buches doku­men­tierten Artikel, in denen sie sich über büro­kra­ti­schen Leerlauf und den Drang, Pro­bleme in irgend­welche Komitees abzu­schieben, lustig machte.

Peter Nowak

aus: ak – analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 643 / 13.11.2018
https://​www​.akweb​.de/​a​k​_​s​/​a​k​6​4​3​/​0​3.htm


Martin Bax­meyer (Hg.): Amparo Poch y Gascón. Bio­graphie und Erzäh­lungen aus der spa­ni­schen Revo­lution. Verlag Gras­wur­zel­re­vo­lution, Hei­delberg 2018. 152 Seiten, 13, 90 EUR.

Frauen im Anarchismus

Geht es um den spa­nische Anar­chismus, fällt stets der Name Buen­aventura Durruti. Doch wer kennt Amparo Poch y Gascón? Martin Bax­meyer hat nun eine lesen­werte Bio­graphie der 1968 in Frank­reich ver­stor­benen Mit­be­grün­derin der liber­tären Frau­en­or­ga­ni­sation Mujeres Libres ver­fasst, die auch deutlich macht, warum die Medi­zi­nerin und anar­chis­tische Publi­zistin heute wenig bekannt ist. Bax­meyer schildert den Kampf, den selbst­be­wusste Frauen aus­zu­fechten hatten, um sich innerhalb der män­ner­do­mi­nierten anar­chis­ti­schen Bewegung zu behaupten, und beschreibt den Ein­fluss des mili­tanten Anti­fe­mi­nismus des fran­zö­si­schen Sozio­logen Pierre-Joseph Proudhon auf die Bewegung. Doch auch nach dem Zurück­drängen dieser Strömung mussten die Mujeres Libres um Aner­kennung kämpfen. Die liber­tären Frauen lehnten den Femi­nismus als Bewegung wohl­ha­bender Frauen aus dem Bür­gertum ab.

Daher kri­ti­siert Bax­meyer den Begriff Anar­chofe­mi­nismus, mit dem die Mujeres Libres in den sieb­ziger Jahren eti­ket­tiert wurden. »Keine der Akti­vis­tinnen der drei­ßiger Jahre bezeichnete sich so«, betont der Autor. Kri­tisch geht er auch mit dem anar­chis­ti­schen Mythos der bewaffnet kämp­fenden Frau um. Auf den während der Spa­ni­schen Revo­lution ver­brei­teten Fotos seien Foto­mo­delle in Uniform abge­bildet gewesen. Mit der Rea­lität auch innerhalb der liber­tären Kolonnen, die gegen die Faschisten kämpften, habe das nur wenig zu tun gehabt.

Zu solchen Behaup­tungen hätte man sich mehr Belege gewünscht. Ins­gesamt aber gelingt Bax­meyer eine kri­tische Aus­ein­an­der­setzung mit Mythos und Rea­lität der liber­tären Bewegung. Poch y Gascón selbst sparte nicht mit Kritik. Davon zeugen einige im Buch doku­men­tierten ­Artikel der Publi­zistin. Dort spottete sie über die Büro­kratie der Bewegung und die Gepflo­genheit ihrer Genossen, Kon­flikte in ein eigens gegrün­detes Komitee abzu­schieben.

Martin Bax­meyer: »Amparo Poch y Gascón. Bio­graphie und Erzäh­lungen aus der spa­ni­schen Revo­lution«

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Peter Nowak