Klug & heiter

Als Grande Dame der Rosa-Luxemburg-For­schung wird Annelies Laschitza gern bezeichnet. Schließlich war die Erfor­schung von Leben und Werk der vor fast 100 Jahren ermor­deten Jüdin und Sozia­listin ihr Lebenswerk. Im Salon der Rosa-Luxemburg-Stiftung stellte sie jetzt ihr Erin­ne­rungsbuch vor, das sie aus­drücklich nicht als Bio­grafie ver­standen wissen will. Der Titel des in der Reihe Rosa-Luxemburg-For­schungs­be­richte erschie­nenen Buches »Sich treu bleiben und heiter sein« fasste gut die Stimmung an diesem Abend zusammen.

Es ging heiter zu, es wurde viel gelacht. Schließlich waren viele Freunde und Freun­dinnen von Annelies Laschitza gekommen. Bereits als 15-jährige Aus­zu­bil­dende hatte sie beim Rat der Stadt Leipzig auf einer FDJ-Grup­pen­ver­sammlung Rosa Luxemburg für sich ent­deckt. Ein sehr per­sön­licher, warm­her­ziger Brief hatte es ihr angetan, ver­fasst von der pol­nisch-deut­schen Theo­re­ti­kerin und Revo­lu­tio­närin im Gefängnis, gerichtet an ihre Mit­strei­terin Sophie Lieb­knecht, die sie mit ihrem Kose­namen »Sonit­jschka« anredete. Unver­gessen ist ihr auch ihr Lehrer an der Uni­ver­sität, Josef Schleif­stein, der in der NS-Zeit in Haft war und später nach Prag und dann nach London emi­grierte.

Der Ruf der Luxemburg-Expertin par excel­lence bescherte Annelies Laschitza die Freund­schaft mit der west­deut­schen Fil­me­ma­cherin Mar­ga­rethe von Trotta. Sie hatte während der Vor­ar­beiten an ihrem Film »Rosa Luxemburg« den legen­dären linken Ver­leger Theo Pinkus in Zürich nach wei­teren Mate­rialien gefragt. »Da müssen Sie die Laschitza fragen«, lautete dessen Antwort. Mar­ga­rethe von Trotta befolgte dessen Rat, ihre Bitte um Ein­sicht in die noch nicht ver­öf­fent­lichten For­schungs­er­geb­nisse direkt an das ZK der SED zu richten, der dann bei Annelies Laschitza landete. Viele Stunden ver­brachen beide Frauen in den Archiven beim Studium der Doku­mente. Für Annelies Laschitza war der Blick einer Künst­lerin auf die Prot­ago­nistin ihrer For­schungen eine wichtige Berei­cherung. Dass Rosa Luxemburg in Mar­ga­rethe von Trottas Film von 1986 nicht als naïve Kriegs­geg­nerin, sondern als erfahrene Sozia­listin und Revo­lu­tio­närin gezeigt wurde, war das Ergebnis der Koope­ration zwi­schen den beiden Frauen aus Ost und West. Aus der wis­sen­schaft­lichen Zusam­men­arbeit ist eine Freund­schaft geworden, die bis heute andauert.

Das Erscheinen von Mar­ga­rethe von Trotta auf der Ver­an­staltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung war dann auch eine explizite Wür­digung, über die sich Annelies Laschitza natürlich sehr gefreut hat.

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Peter Nowak