Weil zu wenige profitieren

Erster Kiez­spa­ziergang gegen den geplanten Google-Campus am Samstag in Kreuzberg

„Miete ver­weigern, Kün­digung ins Klo – Google ent­eignen so- wieso“, diese Parole wurde am Samstag in Kreuzberg skan­diert. Um 15 Uhr startete bei kaltem Win­ter­wetter der erste Kiez­spa­ziergang gegen den im ehe­ma­ligen Umspannwerk in der Ohlauer Straße geplanten Google-Campus. Red­ne­rInnen ver­schie­dener linker Gruppen machten deutlich, dass es ihnen um mehr als um Google geht. An der ehe­ma­ligen Cuvry­brache gab es eine kurze Zwi­schen­kund­gebung. Dort will im nächsten Jahr der Online-Ver­sand­handel Zalando eine Zen­trale eröffnen. Bereits vor einigen Wochen wurde der Rohbau gefeiert. Beim ehe­ma­ligen Post­ge­bäude zwi­schen Gör­litzer Park und Schle­si­scher Bahnhof wurde in einen Rede­beitrag moniert, dass die ange­sagte Location Pri­vatclub schließen soll. Mit­ar­bei­te­rInnen der in dem Gebäude befind­lichen Start- up-Unter­nehmen hatten sich über den Lärm beschwert, der mit Kon­zerten und Partys ver- bunden ist. Die Gruppe Theorie Orga­ni­sation Praxis (TOP) betontein ihrem Rede­beitrag, dass ihr Protest sich nicht gegen die Digi­ta­li­sierung richtet, sondern dagegen, dass davon im Kapi­ta­lismus nur wenige pro­fi­tieren. TOP war auch Teil eines linken Bünd­nisses, das die For­de­rungen der Amazon-Beschäf­tigten nach mehr Lohn und einem Tarif­vertrag unter­stützt. Ein Trans­parent mit der Parole „Make Amazon pay“ wurde getragen. Anfangs war die Teil­neh­me­rIn­nenzahl des Spa­zier­gangs recht bescheiden. Doch auf der Strecke schlossen sich weitere Anwoh­ne­rInnen an, die Zahl der Per­sonen wuchs schließlich auf knapp 150. Cor­nelia Möller, die den Protest mit vor­be­reitet hat, zeigte sich mit der Resonanz zufrieden: „Doch in den nächsten Wochen müssen die Pro­teste bei hof­fentlich bes­serem Wetter wei­ter­gehen und wachsen“, betonte Möller gegenüber der taz. Dass da noch Potenzial nach oben ist, zeigte sich beim Gang durch die Wran­gel­straße. Viele der Pas­san­tInnen, die am Samstag am Rande standen, hat- ten im Sommer 2015 als Teil der Bizim-Initiative wochenlang gegen die Kün­digung eines Gemü­se­ladens in der Nach­bar­schaft pro­tes­tiert.

aus: montag, 5. märz 2018 taz

Peter Nowak

Europäisch streiken?

Fahr­rad­ku­rie­rInnen beginnen sich inter­na­tional gewerk­schaftlich zu orga­ni­sieren. Auch mit der Trans­na­tio­nalen Strike Plattform wird ver­sucht, in ver­schie­denen euro­päi­schen Ländern die Arbeits­kämpfe zu ver­binden.

«Wir haben genug!», skan­dierten etwa 30 Men­schen am 10. November vor der Ber­liner Zen­trale des Lie­fer­dienstes Foodora. Dort haben sich Beschäf­tigte in der Gewerk­schaft Deli­ver­union zusam­men­ge­schlossen und kämpfen für bessere Löhne und Arbeits­be­din­gungen. Die Parole der Beschäf­tigten lautet «Riders united». In der vor einigen Monaten gegrün­deten Deli­ver­union sind auch Fahr­rad­ku­rie­rInnen aus ver­schie­denen anderen euro­päi­schen Ländern ver­treten, dar­unter aus Italien und Gross­bri­tannien.

Der trans­na­tionale Erfah­rungs­aus­tausch läuft gröss­ten­teils über das Internet. Doch vom 10. bis 12. November trafen sich Basis­ge­werk­schaf­te­rInnen aus 12 euro­päi­schen Ländern in Berlin. Die kleine Kund­gebung war ein guter Auftakt. Es war die mitt­ler­weile fünfte Kon­ferenz der Trans­na­tio­nalen Strike Plattform (TNS). Nach dem ersten Treffen in Poznan gab es weitere Mee­tings in Paris, London und der slo­we­ni­schen Haupt­stadt Ljub­ljana. Zu den Grund­for­de­rungen der TNS-Plattform gehören das Recht auf Migration, der Kampf gegen prekäre Arbeits- und Lebens­be­din­gungen und der Kampf um ein euro­päi­sches Grund­ein­kommen und einen euro­päi­schen Min­destlohn. Ein Arbeiter der besetzten grie­chi­schen Fabrik Viome kri­ti­sierte die For­derung nach einem Grund­ein­kommen als neo­li­be­rales Instrument zur Still­legung der Arbeits­kämpfe. Aller­dings wurden diese wie auch andere Kon­tro­versen auf dem Treffen nicht aus­dis­ku­tiert. So gab es auch den Einwand, warum die migran­tische Arbeit auf dem Treffen so in den Vor­der­grund gerückt wird. Es wurde betont, dass das Pro­le­tariat schon immer trans­na­tional orga­ni­siert gewesen sei. In Deutschland waren bereits vor mehr als 100 Jahren viele pol­nische Arbeits­kräfte in der dama­ligen indus­tri­ellen Herz­kammer, dem Ruhr­gebiet, beschäftigt.

Amazon und Deli­ver­union
Doch jen­seits der inhalt­lichen Debatten geht es natürlich um die Frage, welche Relevanz die Plattform in den realen Arbeits­kämpfen hat. Schliesslich gab es in den letzten 20 Jahren schon einige Ansätze einer trans­na­tio­nalen Orga­ni­sierung von Beschäf­tigten und Pre­kären. Erinnert sei an die Euro­märsche gegen Erwerbs­lo­sigkeit und Pre­ka­ri­sierung, an die Euro­mayday-Bewegung, in der sich von Italien aus­gehend Prekäre kurz­zeitig rund um den 1. Mai unab­hängig von den grossen Gewerk­schaften Gehör ver­schafften und dann wieder von der Bild­fläche ver­schwanden. Während der Kri­sen­pro­teste der Jahre 2012 und 2013 gab es einen Dis­kus­si­ons­zu­sam­menhang, der sich über die Unter­stützung eines euro­päi­schen Gene­ral­streiks Gedanken machte, einen Aufruf und eine Web­seite ver­fasste und wieder ver­schwand. Das TNS wird nur länger bestehen, wenn es aus den Erfah­rungen dieser Kämpfe und ihrem Scheitern lernt.

Blo­ckade geplant
In meh­reren Refe­raten wurde auf die Kämpfe in der euro­päi­schen Logis­tik­branche ein­ge­gangen. Auf diesem Sektor gab es in ver­schie­denen euro­päi­schen Ländern Arbeits­kämpfe, bei­spiels­weise im slo­we­ni­schen Koper und in Nord­italien. Auch die immer wieder auf­flam­menden Streiks beim Inter­net­konzern Amazon fallen in den Bereich. Im Rahmen des TNS-Mee­tings stellte sich die Kam­pagne «Make Amazon Pay» (Lässt Amazon zahlen) vor. Aus­ser­be­trieb­liche linke Gruppen wollen rund um den «Black Friday», am 24. November, die Beschäf­tigten im Kampf für bessere Löhne und Arbeits­be­din­gungen unter­stützen. Denn der «Black Friday» ist bei Amazon ein Schnäpp­chentag, an dem das Weih­nachts­ge­schäft ein­ge­läutet wird. Für die Beschäf­tigten sind solche Termine gut geeignet, um Druck für ihre For­de­rungen zu machen. Die aus­ser­be­trieb­lichen Unter­stüt­ze­rInnen wollen am 24. November ein Ver­teil­zentrum in Berlin blo­ckieren. Auch in Frank­reich und Polen sollen an dem Tag Unter­stüt­zungs­ak­tionen laufen.
Auf der Ver­an­staltung berich­teten Beschäf­tigte aus Frank­reich, Polen und Deutschland, dass sie nicht nur für mehr Lohn, sondern gegen ein System der Über­wa­chung kämpfen. Der Arbeits­kampf in der digi­talen Fabrik Amazon und die Aus­ein­an­der­set­zungen der Deli­ver­union haben viele Unter­schiede. Aber in beiden Fällen ist eine trans­na­tionale Ver­netzung zumindest in Ansätzen gelungen.

aus: Vor­wärts 24.11.2017

Euro­päisch streiken?


Peter Nowak

»Make Amazon-Pay« oder den Schnäppchentag zum Zahltag machen

Län­der­über­grei­fende Soli­da­ri­sierung und Pro­test­ak­tionen gegen den Konzern, der stil­prägend für ein neues Pro­duk­ti­ons­modell steht

Es gehört zur Regression im weltweit herr­schenden Kapi­ta­lismus, dass große Teile der Massen nicht mehr auf die eine ver­nünftige Welt hin­ar­beiten, sondern sich über die Krümel freuen, die die herr­schenden Gewalten ihnen von Zeit zu Zeit zuwerfen. Davon zeugen die überall mit großem Tamtam beworben Schnäpp­chendays.

Das ist die Wei­ter­ent­wicklung der Wühl­tische, an denen sich die Men­schen um die Son­der­an­gebote balgten, auf der Höhe der tech­ni­schen Ent­wicklung. Wenn wer noch Zweifel hatte, ob in China unter der nomi­nal­so­zia­lis­ti­schen Nomen­klatura etwa nicht längst der Kapi­ta­lismus herrsche, wird durch den Schnäpp­chenday made in China eines Bes­seren belehrt.

Natürlich sind die kapi­ta­lis­ti­schen Player wie Amazon die Pio­niere bei den Schnäpp­chendays. Höhe­punkt ist der Black Friday, bei dem Amazon welt­weilt das Weih­nachts­ge­schäft ein­läutet. An einem solchen Tag, wo besonders viele Kunden bedient werden wollen, ist Amazon besonders druck­emp­findlich.

Das hat ein Pro­test­bündnis gut erkannt, das den Schnäpp­chenday zum Zahltag machen will: Make Amazon Pay will die Amazon-Beschäf­tigten bei ihrem Kampf für mehr Lohn und bessere Arbeits­be­din­gungen unter­stützen.

Es geht um mehr als Lohn

Seit 2013 kommt es in ver­schie­denen Amazon-Ver­sand­zentren wie Graben, Leipzig, Bad Hersfeld, Werne immer wieder zu Arbeits­nie­der­le­gungen. Die Beschäf­tigten for­derten die Anwendung des Tarif­ver­trags des Einzel- und Ver­sand­handels.

Der Amazon-Konzern hat sich bisher geweigert, über diese For­de­rungen zu ver­handeln. In den letzten Jahren war die Vor­weih­nachtszeit besonders vom Arbeits­kampf geprägt, weil eben der Konzern dann besonders druck­emp­findlich ist. Doch der Konzern ließ es sich viel kosten und ver­teilte Prämien, wenn vor Weih­nachten nicht gestreikt wird. Das macht deutlich, dass es dem Konzern darum geht, die Gewerk­schaften aus dem Betrieb raus­zu­halten, und nicht um die zusätz­lichen Kosten, die für das Management nur Peanuts sind.

Auch die Amazon-Kri­tiker betonen, dass es ihnen bei der Kam­pagne um mehr als einen höheren Lohn geht. So gehört zum Bündnis »Make Amazon Pay« auch das daten­kri­tische Bündnis Capulcu, das kürzlich im Unrast-Verlag ein Buch unter dem pro­gram­ma­ti­schen Titel Wider­stand gegen den tech­no­lo­gi­schen Angriff her­aus­geben hat.

»Amazon ist stil­prägend für ein neues Pro­duk­ti­ons­modell, in dem intel­li­gente Infor­ma­ti­ons­tech­no­logie zur effek­ti­veren Unter­werfung mensch­licher Arbeit genutzt wird«, sagte ein Capulcu-Ver­treter auf einem Ber­liner Vor­be­rei­tungs­treffen zur Akti­ons­woche in Berlin. Amazon binde die Nutzer nicht nur beim Online-Shopping in den Prozess per­ma­nenter Bemessung und Bewertung ein. Ein Bei­spiel dafür sei die Aus­wertung sämt­licher ver­füg­barer Nut­zer­daten.

Die Amazon-Beschäf­tigten seien bereits vom Einsatz intel­li­genter Infor­ma­ti­ons­tech­no­logie betroffen. So gebe bei dem Konzern eine ler­nende Lager-Software das Tempo und die Abfolge der Arbeits­schritte vor. Diesen Aspekt betonten auch Amazon-Beschäf­tigte aus ver­schie­denen deut­schen Stand­orten, aber auch aus dem pol­ni­schen Poznań und Frank­reich.

Da wird davon gesprochen, dass die Beschäf­tigten von Vor­ge­setzten ange­sprochen werden, wenn der Scanner signa­li­siert, dass sie mal keine Hand­griffe machen. Selbst Zeit für den Toi­let­tengang müsse erkämpft werden. In Polen sollen krank­ge­schriebene Beschäf­tigte sogar von Amazon-Mit­ar­beitern zu Hause auf­ge­sucht werden.

Vor­nehmlich soll es den Team­geist stärken, wie es vom Amazon-Management immer wieder beteuert wird. In der Rea­lität aber fühlen sich viele Mit­ar­beiter nicht nur im Betrieb, sondern auch zu Hause kon­trol­liert.

Vorbild für grenz­über­grei­fende Arbeits­kämpfe

Der Arbeits­kampf bei Amazon hat eine besondere Bedeutung über die unmit­telbar Betei­ligten hinaus. Zumindest in Ansätzen ist dort eine trans­na­tionale Orga­ni­sierung ent­standen. So gab es mehrere Treffen von Amazon-Beschäf­tigten aus Polen und Deutschland.

Besonders die in der anarcho-syn­di­ka­lis­ti­schen Basis­ge­werk­schaft Arbei­ter­initiative orga­ni­sierten Kol­legen in Poznań soli­da­ri­sierten sich gegen ihre aus­beu­te­ri­schen Arbeits­be­din­gungen und ver­hin­derten durch Dienst nach Vor­schrift, dass sie fak­tisch zu Streik­bre­chern werden, wenn an Stand­orten in Deutschland gestreikt wird.

Solche län­der­über­grei­fenden Soli­da­ri­sie­rungen sind noch Neuland. Verdi koope­riert zudem in Polen mit der eher kon­ser­va­tiven Gewerk­schaft Soli­darność, nicht aber mit der kämp­fe­ri­schen IP. Anfang November traf sich die Trans­na­tionale-Strike-Plattform in Berlin.

Es ist ein Versuch, Arbeits­kämpfe län­der­über­greifend zu führen. Bei dem Treffen merkte man, dass es noch ein Such­prozess ist. Es kommt immer darauf an, was in den jewei­ligen Branchen an Vor­arbeit geleistet wurde. In diesem Sinne sind die Amazon-Soli­bünd­nisse Vor­reiter eines solchen trans­na­tio­nalen Bünd­nisses. Dass es zu einer Koope­ration der Beschäf­tigten kam, ist auch der Arbeit eines außer­ge­werk­schaft­lichen Soli­da­ri­täts­bünd­nisses zu ver­danken.

Besonders in Leipzig hat sich seit 3 Jahren enger Kontakt mit dem Teil der Beleg­schaft ent­wi­ckelt, der sich regel­mäßig an Streiks beteiligt. Es gab mitt­ler­weile drei bun­des­weite Treffen des außer­be­trieb­lichen Amazon-Soli­da­ri­täts­bünd­nisses. Das schuf die Grundlage für das Bündnis »Make Amazon Pay«.

Es kann auf ähn­liche Unter­stüt­zungs­ak­tionen im Ein­zel­han­dels­kampf vor fast 10 Jahren zurück­greifen. 2009 blo­ckierten außer­be­trieb­liche Unter­stützer während dieses Arbeits­kampfes Filialen von Dis­countern und die Mit­ar­bei­te­rinnen und Mit­ar­beiter applau­dierten. Aus arbeits­recht­lichen Gründen konnten sie selbst nicht zur Blo­ckade auf­rufen.

Ob am kom­menden Freitag auch vor dem Amazon-Ver­teil­zentrum in Berlin solche Bilder zu sehen sein werden, das als Höhe­punkt der Aktion »Make Amazon Pay« ab 10 Uhr blo­ckiert werden soll, wird sich zeigen. Die streik­be­reiten kampf­erfah­renen Teile der Beleg­schaft sind auf jeden Fall auf der Seite der Akti­visten.

Streiken im digi­talen Konzern

Aber es gibt bei Amazon auch einen nicht geringen Teil der Beleg­schaft, der sich als Teil des Teams Amazon begreift und von Gewerk­schaften und betrieb­licher Inter­es­sen­ver­tretung nichts wissen will. Die werden auch über die außer­be­trieb­lichen Akti­ons­formen nicht begeistert sind.

Die Sozi­al­wis­sen­schaft­lerin Sabrina Api­cella hat in einer Studie für die Rosa-Luxemburg-Stiftung mit Amazon-Beschäf­tigten gesprochen, die die Arbeits­kämpfe ablehnen. Sie sehen sich als Teil des weltweit erfolg­reichen Teams Amazon und wer sich da für bessere Arbeits­be­din­gungen und weniger Über­wa­chung ein­setzt, gilt dann schnell als Nest­be­schmutzer, der einen erfolg­reichen Welt­konzern ans Bein pinkeln will.

Eine solche Ideo­logie ist mit dem digi­talen Kapi­ta­lismus kom­pa­tibel, wo neue Mana­ger­me­thoden pro­pa­giert werden, um den deut­schen Standort im inter­na­tio­nalen Kon­kur­renz­ka­pi­ta­lismus vor­an­zu­bringen. Der FDP-Poli­tiker und lang­jährige Kon­zernchef Thomas Sat­tel­berger gehört zu den Expo­nenten einer solchen neuen Manage­ment­stra­tegie. Sein Hauptziel ist es, die Gewerk­schaften mög­lichst aus den Betrieb zu halten und den Beschäf­tigten das Gefühl zu geben, sie sind ein Team und können stolz sein, in einem Welt­klas­seteam mit­zu­ar­beiten.

Wer wird dann da von Löhnen reden. In dieser Situation müssen auch Gewerk­schaften und Unter­stützer von Arbeits­kämpfen neue Wege gehen und expe­ri­men­tieren. Die Kam­pagne »Make Amazon Pay« kann dazu einen Beitrag leisten. Die zahl­reichen Ver­an­stal­tungen während der Akti­onstage unter Anderem vom Cinema Klas­sen­kampf gehören genauso dazu wie die Blo­ckade des Ver­teil­zen­trums am 24.11. in Berlin.

Kurz vor dem Beginn der Akti­onstage wurde die Kam­pa­gnen­seite von »Make Amazon Pay« gehackt. Das zeigt auch, dass der Klas­sen­kampf im Internet ange­kommen ist. Der wird ja bekanntlich auch in der Realwelt immer von zwei Seiten geführt und oft war der Klas­sen­kampf von oben viel stärker als der der Lohn­ab­hän­gigen.

https://​www​.heise​.de/​t​p​/​f​e​a​t​u​r​e​s​/​M​a​k​e​-​A​m​a​z​o​n​-​P​a​y​-​o​d​e​r​-​d​e​n​-​S​c​h​n​a​e​p​p​c​h​e​n​t​a​g​-​z​u​m​-​Z​a​h​l​t​a​g​-​m​a​c​h​e​n​-​3​8​9​4​3​6​4​.html

Peter Nowak

Links in diesem Artikel:
[1] http://​www​.taz​.de/​!​5​4​5​9289/
[2] https://​www​.amazon​.de/​P​r​i​m​e​-​D​a​y​/​b​?​i​e​=​U​T​F​8​&​n​o​d​e​=​1​0​1​5​7​7​07031
[3] https://www.amazon.de/Black-Friday/b/ref=s9_acss_bw_cg_PD17LO03_md3_w?ie=UTF8&node=7361369031&pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_s=merchandised-search-3&pf_rd_r=TSQ2AJ2BEH1HX1K96SQF&pf_rd_t=101&pf_rd_p=16a5659e-97b3-4098–87f9-ab149cfe1c62&pf_rd_i=10157707031
[4] https://​make​am​a​zonpay​.org
[5] https://​capulcu​.black​blogs​.org
[6] https://​www​.unrast​-verlag​.de/​n​e​u​e​r​s​c​h​e​i​n​u​n​g​e​n​/​d​i​s​r​u​p​t​-​d​etail
[7] http://​www​.labournet​.de/​c​a​t​e​g​o​r​y​/​i​n​t​e​r​n​a​t​i​o​n​a​l​e​s​/​p​o​l​e​n​/​a​r​b​e​i​t​s​b​e​d​i​n​g​u​n​g​e​n​-​p​olen/
[8] https://​amworkers​.word​press​.com
[9] https://​www​.trans​na​tional​-strike​.info
[10] http://​streiksoli​.blog​sport​.de
[11] https://​dicht​machen​.word​press​.com
[12] https://​www​.rosalux​.de/​p​r​o​f​i​l​/​e​s​_​d​e​t​a​i​l​/​A​R​6​1​Z​O​K​N​Y​2​/​s​a​b​r​i​n​a​-​a​p​i​c​ella/
[13] https://​www​.rosalux​.de/​p​u​b​l​i​k​a​t​i​o​n​/​i​d​/​8801/
[14] http://​politik​.thomas​-sat​tel​berger​.de
[15] http://​de​.labournet​.tv/​c​i​n​e​m​a​-​k​l​a​s​s​e​n​kampf
[16] http://www.labournet.de/politik/gw/zielgruppen/prekaere/kampagne-make-amazon-pay-block-blackfriday-24–11-17-aktionswoche-zur-unterstuetzung-der-streikenden-bei-amazon/

Versand im Getriebe

Beschäf­tigte von Amazon kämpfen für höhere Löhne und bessere Arbeits­be­din­gungen

Der Welt­konzern Amazon weigert sich, seine Ange­stellten dem Tarif für den Einzel- und Ver­sand­handel ent­spre­chend zu ent­lohnen. Dagegen regt sich Wider­stand.

Ende Sep­tember sollte das neue Com­pu­ter­spiel »Fifa 18« erscheinen und viele Gamer sorgten sich, ob Amazon es ihnen pünktlich liefern werde. »So wie viele Spie­le­rinnen und Spieler auf die Aus­lie­ferung des neuen Fifa-Spiels warten, warten die Beschäf­tigten auf faire Löhne und gute Arbeits­be­din­gungen«, sagte Silke Zimmer von der Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft Verdi aus diesem Anlass. Pünktlich zum Erscheinen des Spiels waren Beschäf­tigte bei dem Ver­sand­händler in Streik getreten. Sie for­derten die Anwendung des Tarif­ver­trags des Einzel- und Ver­sand­handels. Nach Angaben von Verdi kam es in den Ver­sand­zentren Graben, Leipzig, Bad Hersfeld, Werne und Koblenz zu Arbeits­nie­der­le­gungen. In dem Tarif­kon­flikt ist es bereits seit dem Frühjahr 2013 immer wieder zu Streiks gekommen, doch der Konzern weigert sich wei­terhin, über die Gewerk­schafts­for­de­rungen zu ver­handeln.

Der Arbeits­kampf bei Amazon hat eine besondere Bedeutung über die unmit­telbar Betei­ligten hinaus. Zumindest in Ansätzen ist eine trans­na­tionale Orga­ni­sierung ent­standen. So gab es mehrere Treffen von Amazon-Beschäf­tigten aus Polen und Deutschland. Besonders die in der anarcho-syn­di­ka­lis­ti­schen Basis­ge­werk­schaft »Arbei­ter­initiative« (IP) orga­ni­sierten Kol­legen in Poznań soli­da­ri­sierten sich mit dem Arbeits­kampf in Deutschland. Solche län­der­über­grei­fenden Soli­da­ri­sie­rungen sind eher selten. Verdi koope­riert zudem in Polen mit der eher kon­ser­va­tiven Gewerk­schaft Soli­darność, nicht aber mit der kämp­fe­ri­schen IP. Dass es trotzdem zu einer Koope­ration der Beschäf­tigten kam, ist auch der Arbeit eines außer­ge­werk­schaft­lichen Soli­da­ri­täts­bünd­nisses zu ver­danken. Besonders in Leipzig hat es engen Kontakt mit dem Teil der Beleg­schaft ent­wickelt, der sich regel­mäßig an Streiks beteiligt. Es gab mitt­ler­weile drei bun­des­weite Treffen.

Höhe­punkt der Soli­da­ri­täts­woche soll die Blo­ckade des Amazon-Ver­teil­zen­trums in Berlin werden.

Für Ende November plant ein außer­be­trieb­liches Bündnis eine Soli­da­ri­täts­woche unter dem Motto »Make Amazon Pay«. Höhe­punkt soll die Blo­ckade des Amazon-Ver­teil­zen­trums in Berlin am 24. November werden. Der Termin ist mit Bedacht gewählt. Seit Wochen bewirbt das Ver­sand­un­ter­nehmen den 24. November als »Black ­Friday«. An diesem Tag will Amazon mit besonders güns­tigen Ange­boten ­locken, so dass das Bestel­lauf­kommen ent­spre­chend hoch sein dürfte. Das Bündnis rechnet sich deshalb besonders gute Chancen aus, dem Konzern Ein­nah­me­aus­fälle zu bescheren. Ein solcher Erfolg im Sinne der Initia­toren wird aber nur ein­treten, wenn die Aktion nicht auf einen Standort beschränkt bleibt. Jonathan Schneider vom Vor­be­rei­tungs­kreis äußerte sich im Gespräch mit der Jungle World opti­mis­tisch. Er geht davon aus, dass das Vor­haben in meh­reren euro­päi­schen Ländern unter­stützt wird.


Akti­onstag zum »Black Friday« Ende November

Auf einem bun­des­weiten Vor­be­rei­tungs­treffen Mitte Sep­tember in Berlin waren auch eine Gruppe von Beschäf­tigten aus Poznań und ein Betriebs­rats­mit­glied vom Standort Brie­selang anwesend. Für kri­tische Nach­fragen sorgte aller­dings die Abwe­senheit von Beschäf­tigten aus streik­er­fah­renen Unter­neh­mens­stand­orten wie Bad Hersfeld und Leipzig. Das Bündnis wolle in den kom­menden Wochen diesen Kontakt ver­stärken, sagten die Orga­ni­sa­toren, bei denen das kom­mu­nis­tische Bündnis »Ums Ganze« feder­führend ist. Ver­treten sind auch Mit­glieder des Redak­ti­ons­kol­lektivs Capulcu. Sie ver­stehen sich als »tech­no­lo­gie­kri­tische Akti­visten und Hack­ti­visten« und bringen dieser Tage unter dem Titel »Disrupt! Wider­stand gegen den tech­no­lo­gi­schen Angriff« ein Buch heraus, in dem sie den Angriff »auf die Len­kungs­logik einer Big-Data-ani­mierten Selb­st­op­ti­mierung« pro­pa­gieren.

Der Amazon-Konzern ist für Capulcu die Speer­spitze einer solchen Ent­wicklung. Daher betont der Vor­be­rei­tungs­kreis für den Akti­onstag zum »Black Friday«, dass es ihm nicht nur um die For­de­rungen der Beschäf­tigten nach einem bes­seren Tarif­vertrag und mehr Lohn gehe. »Amazon ist stil­prägend für ein neues Pro­duk­ti­ons­modell, in dem intel­li­gente Infor­ma­ti­ons­tech­no­logie zur effek­ti­veren Unter­werfung mensch­licher Arbeit genutzt wird«, sagte ein Capulcu-Ver­treter auf dem Ber­liner Treffen. Amazon binde die Nutzer nicht nur beim Online-Shopping in den Prozess per­ma­nenter Bemessung und Bewertung ein. Ein Bei­spiel dafür sei die Aus­wertung sämt­licher ver­füg­barer Nut­zer­daten. Die Amazon-Beschäf­tigten seien bereits vom Einsatz intel­li­genter Infor­ma­ti­ons­tech­no­logie betroffen. So gebe bei dem Konzern eine ler­nende Lager­software das Tempo und die Abfolge der Arbeits­schritte vor.

Ob die jüngsten Streiks tat­sächlich die Aus­lie­ferung von »Fifa 18« ver­zögert ­haben, ist umstritten. »Das Unter­nehmen musste Kunden Briefe schicken, dass das Fifa-Spiel nicht recht­zeitig geliefert werden kann und statt­dessen ein Fünf-Euro-Gut­schein zur Ver­fügung gestellt wird«, sagte Verdi-Spre­cherin Zimmer. Ein Amazon-Sprecher ehauptete hin­gegen, das Lie­fer­ver­sprechen des Unter­nehmens sei ein­ge­halten worden.

https://​jungle​.world/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​0​1​7​/​4​1​/​v​e​r​s​a​n​d​-​i​m​-​g​e​t​riebe

Peter Nowak

Linke wollen Amazon blockieren

Akti­ons­woche rund um die Schnäpp­chentage am Standort Berlin geplant

Der Countdown läuft. Am 24. November 2017 ist Black-Friday beim Online-Riesen Amazon. Auf der Homepage werden schon die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden gezählt. Ange­lehnt an das US-Ern­te­dankfest offe­riert Amazon an diesem Tag besonders günstige Pro­dukte. Doch nicht nur Schnäpp­chen­jäger bereiten sich vor. Unter dem Motto »Make Amazon Pay« planen linke Gruppen vom 20. bis 26. November eine Akti­ons­woche, in der der Umgang des Online­kon­zerns mit den Beschäf­tigten the­ma­ti­siert werden soll. Als Höhe­punkt am 24. November kün­digen sie an, das Amazon-Ver­teil­zentrum in Berlin zu blo­ckieren. Damit soll der aus­dau­ernde Kampf von Amazon-Beschäf­tigten ver­schie­dener deut­scher Standorte für einen Tarif­vertrag nach den Bestim­mungen des Ein­zel­handels unter­stützt werden. 

Seit fast vier Jahren legen Beschäf­tigte an ver­schie­denen Amazon-Stand­orten immer wieder die Arbeit nieder – auch in der Adventszeit. Außer­par­la­men­ta­rische linke Gruppen ver­suchen, den Strei­kenden den Rücken zu stärken. Von ihnen stammt auch der Vor­schlag, den Schwarzen Freitag zum Anlass für eine neue Kam­pagne zu nehmen. Der Vor­schlag wurde vom Ums-Ganze-Bündnis in die Dis­kussion gebracht, das Teil der post­au­to­nomen Linken ist. Schon im Rahmen der Pro­teste gegen den G 20-Gipfel in Hamburg war es an der Hafen­blo­ckade beteiligt, mit der die Beschäf­tigten im Logis­tik­sektor unter­stützt werden sollten. »Wir wollen mit der Akti­ons­woche rund um den Schwarzen Freitag die Wirkung der vor­weih­nacht­lichen Streiks ver­stärken«, meinte Jonathan Schneider von der Vor­be­rei­tungs­gruppe. Beteiligt sind auch Gewerk­schafter aus dem pol­ni­schen Amazon-Standort Poznan. Sie sind in der Basis­ge­werk­schaft IP orga­ni­siert und haben sich bereits mehrmals mit dem Kampf der Amazon-Beschäf­tigten in Deutschland soli­da­ri­siert. Bei einem Pla­nungs­treffen in Berlin kri­ti­sierten sie genauso wie Amazon-Beschäf­tigte aus dem Bran­den­burger Brie­selang »die Methode Heuern und Feuern«, die in dem Unter­nehmen üblich sei. Agnieszka Mroz von der IP-Poznan sieht in der Black-Friday-Kam­pagne eine Mög­lichkeit, den Druck auf den Konzern zu erhöhen. Es geht ihnen nicht nur um zu wenig Lohn, auch die ständige Über­wa­chung wird als Problem benannt. Die finde nicht nur vor Ort am Arbeits­platz statt, sondern reiche weit ins Pri­vat­leben hinein. So würden Beschäf­tigte sogar zu Hause von Amazon auf­ge­sucht, wenn sie häu­figer krank sind, wie pol­nische Gewerk­schafter berichten. Bei der Akti­ons­woche soll Amazon deshalb auch als Vor­reiter von Kon­trolle und Über­wa­chung am Arbeits­platz kri­ti­siert werden.

https://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​0​6​5​2​1​2​.​l​i​n​k​e​-​w​o​l​l​e​n​-​a​m​a​z​o​n​-​b​l​o​c​k​i​e​r​e​n​.html

Peter Nowak


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