Unter Schutz gestellt – und abgerissen

GEN­TRIF­ZIERUNG Fried­richs­hainer Geschichts­verein kri­ti­siert Abriss von zwei denk­mal­ge­schützten Häusern in der Rigaer Straße

Die Zukunft des sozial‑, industrie-und bau­ge­schichtlich inter­es­santen Bau­ob­jektes ist immer noch ungewiss“: So wird, ein wenig umständlich, im Pro­grammheft des Lan­des­denk­mal­samts (LDA) zum Tag des Offenen Denkmals eine Exkursion zu den Eckert’schen Häusern in der Rigaer Straße 71–73 beworben. Wanja Abra­mowski vom Fried­richs­hainer Geschichts­verein
Hans Kohlhase e. V. leitet die Tour – und spricht von einer bewussten Irre­führung durch das Lan­des­denk­malamt. „Zu dieser Führung hat das Lan­des­denk­malamt in seinem Pro­grammheft einen Text ver­öf­fent­licht, in dem ent­gegen den Tat­sachen behauptet wird, die Zukunft des Denk­mal­ob­jektes sei ungewiss, obwohl es bereits vor Redak­ti­ons­schluss des Pro­gramm­hefts abge­rissen wurde“, kri­ti­siert Abra­mowski. Tat­sächlich ist von den 1875 errich­teten Eckert’schen Häusern nur noch ein Trüm­mer­haufen zu sehen. Am 30. Juni sind die Häuser über­ra­schend abge­rissen worden. Nachdem der 2008 vom Fried­richs­hainer Geschichts­verein bean­tragte Denk­mal­schutz von der damals im Bezirk regie­renden SPD abge­lehnt wurde, hatten die Grünen die ältesten Häuser im Fried­richs­hainer Nordkiez vor zwei Jahren dann doch noch unter Denk­mal­schutz
gestellt. Für Abra­mowski war das aber nur ein tak­ti­sches Manöver des Bezirks im Zuge der Ver­hand­lungen mit dem neuen Investor für das Grund­stück: Abra­mowski spricht von Denk­mal­schutz für den Abriss. Auf dem Areal plant die CGGruppe
ein Nobel­objekt, das sie als Carree Sama Riga bewirbt. In den letzten Wochen hatte die Stadt­teil­in­itiative „Keine Rendite
mit der Miete“ mehrere Pro­test­ak­tionen gegen den geplanten Neubau orga­ni­siert, durch den die Anwoh­ne­rInnen Miet­stei­ge­rungen im Kiez befürchten. Am kom­menden Samstag orga­ni­sieren die Anwoh­ne­rInnen ein Stra­ßenfest in der Rigaer
Straße, auch der Wider­stand gegen den Neubau soll dort the­ma­ti­siert werden.

aus taz vom 12.9.2016
PETER NOWAK