Am Beginn der Weimarer Republik standen Staatsmassaker

In diesen Tagen jähren sich Ereig­nisse, die zeigen, wie schmal die Trennung zwi­schen bür­ger­lichem Staat und Faschismus ist

Paul Brandt, Ernst Bursian, Werner Weber: Das sind nur drei von 29 Namen, die am Mon­tag­vor­mittag vor dem Gebäude der Fran­zö­si­schen Straße 32 in Mitte in die Höhe gehalten wurden. Dort waren diese Männer am 11. März 1919 erschossen worden.

Etwas mehr als 100 Jahre später trafen sich nun etwa 50 Men­schen zu einer Gedenk­ver­an­staltung. Initiiert wurde sie vom Regisseur und Buch­autor Klaus Gie­tinger. Er hat in den letzten Jahren über die Gewalt geforscht, mit der im Frühjahr 1919 rechte Frei­korps gegen auf­stän­dische Arbeiter und sie unter­stüt­zende Sol­daten vor­ge­gangen sind.

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Gedenken an ermordete Matrosen 1919

Nichts erinnert an das Massaker

Eine Gedenk­ver­an­staltung in der Fran­zö­si­schen Straße kri­ti­siert das feh­lende Geschichts­be­wusstsein am Ort der Morde vom 11. März 1919.

Paul Brandt, Ernst Bursian, Werner Weber: Das sind nur drei von 29 Namen, die am Mon­tag­vor­mittag vor dem Gebäude der Fran­zö­si­schen Straße 32 in Mitte in die Höhe gehalten wurden. Dort waren diese Männer am 11. März 1919 erschossen worden. Etwas mehr als 100 Jahre später trafen sich nun

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Kronstädter Aufstand

Zum 90. Jah­restag der Nie­der­schlagung des Arbeiter- und Matro­sen­auf­stands von Kron­stadt ver­öf­fent­licht »Die Buch­ma­cherei« Klaus Gie­tingers Dar­stellung von Vor­ge­schichte, Verlauf und Ende des Auf­standes. Erstmals erschienen sind die Texte 1997 in der jungen Welt. Der Autor wider­spricht der sowohl von Anhän­ge­rInnen Stalins als auch Trotzkis ver­brei­teten Behauptung, der Auf­stand sei von Zaristen und Kon­ter­re­vo­lu­tio­nären zu ver­ant­worten gewesen. Die Erhebung war vielmehr das Ergebnis der Unzu­frie­denheit über die öko­no­mische Situation und den begin­nenden Büro­kra­tismus in der jungen Sowjet­union. Im Grunde for­derte die auf­stän­diche Kommune etwas, was die Bol­schewiki nur wenig später gezwun­ge­ner­maßen nach­voll­zogen: den Übergang vom Kriegs­kom­mu­nismus zur Neuen Öko­no­mi­schen Politik. Später von den Bol­schewiki als »ultra­links« ver­ur­teilte Kon­zepte, wie die sofortige Abschaffung des Geldes als Zah­lungs­mittel, wurden auch von den Kron­städtern abge­lehnt. Umso ver­häng­nis­voller war, dass Ver­mitt­lungs­ver­suche, auch aus den Reihen der Bol­schewiki, nicht auf­ge­griffen wurden. Hier hätte der Autor auch die poli­ti­schen Fehler auf Seiten der Kron­städter stärker her­aus­ar­beiten können. Sie waren wenig kom­pro­miss­bereit, weil sie meinten, inter­na­tional unter­stützte Vor­reiter einer dritten Revo­lution zu sein. Manches in Gie­tingers Arbeit ist his­to­risch frag­würdig, etwa die These, dass Lenin von Rosa Luxemburg spä­testens seit 1911 nichts mehr gehalten habe, oder der Ver­gleich Lenins mit Noske. Auch dass Trotzki die rus­sische Bau­ern­schaft hasste, kann zumindest aus dessen Schriften nicht begründet werden.
 
http://​www​.akweb​.de/​a​k​_​s​/​a​k​5​6​1​/​0​8.htm

Peter Nowak
 
Klaus Gie­tinger: Die Kommune von Kron­stadt. Die Buch­ma­cherei, Berlin, 2011. 138 Seiten, 10 EUR