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. Mitstreiter in Mietsachen NACHRUF

Donnerstag, 06. April 2017

Gropiusstadt- Macher und Gehag- Leiter Karl-Heinz Peters 105-jährig gestorben

„Ohne diesen Mann gäbe es sie nicht, wie sie ist, und sie würde auch nicht Gropiusstadt heßen. Der Vorstand des gemein-
nützigen Wohnungsunternehmens Gehag, Karl-Heinz Peters, ist der Gründer unseres Stadtteils“, heißt es auf der Home-
page des Quartiersmanagement Gropiusstadt über den langjährigen Leiter der Gehag. Mit 105 Jahren ist Peters Mitte März in
Baden-Württemberg verstorben, wie der VSA-Verlag erstkürzlich erfahren hat. „Als bis zuletzt aktiven Mitstreiter für eine Wohnungspolitik im Interesse der MieterInnen“ würdigte der Verlag Peters in einem Nachruf auf seinen ältesten Autor. Unter dem Titel „Von der Gemeinnützigkeit zum Profit“ hatte Peters 2014 im VSA-Verlag ein Buch herausgegeben,
das mit der Privatisierungspolitik der Gehag und aller Berliner Senate seit den 1980er Jahren abrechnete.


Vergebliche Warnung

Bereits 1984 hatte Peters in dem heute nur noch antiquarisch erhältlichen Buch „Wohnungspolitik am Scheideweg“ die Berli-
ner Politik davor gewarnt, den Weg des sozialen Wohnungsbaus zu verlassen. Er tat es vergeblich: Die Privatisierungspolitik, deren Weichen bereits in den 1970er Jahren gestellt wurden und gegen die Peters als
Gehag-Leiter angehen wollte, nahm nach dem Fall der Mauer erst richtig Fahrt auf. Beteiligt daran waren alle Parteien, von der CDU bis zur PDS. Der Ärger darüber hat Peters im Alter von 104 Jahren zu seinem letzten Buch veranlasst, das nun zu seinem Vermächt nis wurde. „Die ganzen Größen der früheren Wohnungswirtschaft sitzen alle auf ihrer Pension und tun nichts. Da habe ich gedacht, da musst du eingreifen und deine Ansicht kundtun, damit es nicht so weitergeht“, ließ der Autor in den Medien wissen Im Vorwort des Buches beschreibt der Stadtsoziologe und kurzzeitige Bau-Staatssekretär Andrej Holm Peters als einen frühen Mitstreiter der aktuellen mietenpolitischen Bewegung: „Tief verankert ist bei ihm die Üerzeugung, dass Wohnungen keine Waren sind, mit denen an Börsen spekuliert werden kann. Gemeinnütziger Wohnungsbau heißt vor allem, Wohnen als Menschenrecht anzusehen und es auch praktisch umzusetzen.“

Peter Nowak

Karl-Heinz Peters rechnet mit der Berliner Wohnungspolitik ab

Freitag, 23. Dezember 2016

„Ohne diesen Mann gäbe es sie nicht, wie sie ist und sie würde auch nicht Gropiusstadt heißen. Der Vorstand des gemeinnützigen Wohnungsunternehmens Gehag, Dr. Karl-Heinz Peters, ist der Gründer unseres Stadtteils“, heißt es auf der  Homepage des Quartiersmanagement Gropiusstadt. Jetzt hat der mittlerweile 103jährige Peters im VSA-Verlag ein Buch veröffentlicht, in dem vehement mit der Berliner Wohnungspolitik  der letzten 30 Jahre  abrechnet.  Bereits 1984 meldete sich  Peters mit der Schrift „Wohnungspolitik am Scheideweg“ kritisch zu Wort und warnte davor, den Weg des sozialen Wohnungsbaus zu verlassen. Dieses Buch ist heute nur noch antiquarisch zu erwerben. Nun hat Peters in seinem neuen Buch die Kritik aktualisiert und zugespitzt.  Gleich im Vorwort benennt Peters das Kernanliegen seiner Kritik: „1990 gab die Wohnungspolitik dem jahrelangen, hartnäckigen Drängen von Lobbyisten der verschiedenen Verbänden der privaten Haus- und Grundbesitzer nach: Sie hob die steuerrechtlichen Privilegien für den großen Bereich der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft auf, die vor allem den Mietern zugutegekommen waren“: Im Buch zeigt er dann allerdings auf, dass die Weichen für die Entwicklung schon Ende der 1970er  Jahre gestellt, mit dem Ende der DDR aber wesentlich forciert worden ist. So beschreibt Peters einen Wechsel im GEHAG-Vorstand im Jahr 1978: „Auf Vorschlag von Hermann Brandt wurde Wolfgang Materne 1978 auf fünf Jahre zum Vorstandsmitglied bestellt. Schon bei der ersten Abteilungsleiterbesprechung erklärte er: „Ihr seid hier alle viel zu gemeinnützig““. Solches Insiderwissen streut Peters immer wieder ein und manchmal kann er die Entwicklung sehr polemisch beschreiben: So spart er nicht mit beißender Kritik an den Funktionär/innen der DGB-nahen Neuen Heimat, die in den 1980er Jahren zum Inbegriff von Filz und Klientelpolitik im Berliner Wohnungsbau werden sollte.

Der erste  Nagel zum Sarg der GEHAG


Über Wolfgang Materne, der sich nach fünf Jahren im GEHAG-Vorstand  mit 75 % seiner letzten Bezüge verrenten ließ, schreibt Peters: „Der erste Nagel zum Sarg  der GEHAG hatte für sein Leben lang ausgesorgt.“ Im letzten Kapitel  gibt sich Peters sogar als Befürworter einer kämpferischen MieterInnenpolitik zu erkennen, begrüßt den Widerstand gegen Zwangsräumungen und fordert solidarische MieterInnenorganisationen. „Heute sind die Mieter die Ausgebeuteten. Die Mieterorganisationen müssen – über ihre hervorragende Hilfe im Einzelfall hinaus –hierüber aufklären, so dass alle Mitglieder, vor allem die der fraglichen Einkommensgruppen, sich solidarisch erklären und die Organisationen unterstützen“. Peters betont mehrmals, dass nur eine Wiederaufnahme des sozialen Wohnungsbaus und die Ausweitung des kommunalen Wohnungsbaus den Bedarf an preiswerten Wohnraum decken können.  Die Wohnungspolitik müsse mit zwei Prämissen brechen: die Portfoliomaximierung  und die Politik einer höchstmöglichen Rendite. Diese klaren Worte machen das Buch des ehemaligen GEHAG-Vorstands lesenswert. Dabei sollten auch die Schwachpunkte in seiner Argumentation nicht verschwiegen werden: So sieht er die Ursachen für die von ihm kritisierte Entwicklung in der Wohnungspolitik allein im Agieren von Heuschrecken. Auch sein Lob für die DeGeWo, die er als Lichtblick und Gegenpol zur Entwicklung der  GEHAG beschreibt, muss doch stark relativiert werden. Die DeGeWo lässt Zwangsräumungen vollstrecken und in den letzten Monaten haben in den Räumen des Wohnungsunternehmens dagegen Proteste stattgefunden.   Auch seine Rolle als Mitglied der  Reichswirtschaftskammer ab 1942 wird von Peters  in keiner Weise kritisch hinterfragt. Dafür spart er nicht mit Kritik an der Politik der Alliierten, die die GEHAG noch 1949 auf einer Liste der abzuwickelnden nationalsozialistischen Unternehmen führten.

http://www.bmgev.de/mieterecho/mieterecho-online/karl-heinz-peters.html

MieterEcho online 23.12.2016

Peter Nowak