»Mich hätten sie damals auch mitgenommen«

Mit einem Videoprojekt erinnern junge GewerkschafterInnen aus Berlin, Brandenburg und Sachsen an die Nazizeit

»Widerstand leisten – zu jeder Zeit und überall!« lautet das Motto einer antifaschistischen Videoreihe der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen. Der Bezirksjugendsekretär der Gewerkschaft Christian Schletze-Wischmann hat das Projekt zusammen mit jungen GewerkschafterInnen initiiert. Mit ihm sprach für »nd« Peter Nowak.

nd: Wie ist die Idee zu dem Video­projekt »Wider­stand leisten – zu jeder Zeit und überall!« ent­standen?

Schletze-Wischmann: Die IG Metall Jugend Berlin Bran­denburg Sachsen hat ihre Tra­dition im Kampf gegen Nazis. Ob bei Gegen­de­mons­tration klei­nerer wie grö­ßerer Nazi­ak­ti­vi­täten, Unter­stützung von Bünd­nissen gegen Nazis und vor allem im Rahmen unserer poli­ti­schen Bildung stehen wir für eine demo­kra­tische Gewerk­schafts­be­wegung.

Im Kreise unserer aktiven Metaller ent­stand die Idee, sich im Rahmen des 80. Jah­restags der Zer­schlagung der Gewerk­schaften mit diesem Thema aus­ein­an­der­zu­setzen. Zudem sollte etwas Beson­deres dazu ent­stehen. Es sollte eine Bot­schaft vor allem für die sozialen Netz­werke sein. Wir wollen einfach unseren Kol­legen danken, dass sie trotz Ver­folgung und Inhaf­tierung wei­terhin Wider­stand geleistet haben. Wir wollen ganz klar zum nach­denken und zum kämpfen ani­mieren.

War es schwer, eine Geneh­migung für das Drehen der Videos im ehe­ma­ligen KZ zu bekommen?
Dank der Gedenk­stätte Sach­sen­hausen in Ora­ni­enburg konnten wir direkt vor Ort drehen und so dem Projekt eine besondere Stimmung geben. Als Recher­che­grundlage konnten wir das von war das von Sieg­fried Mielke und Stefan Heinz im Metropol.-Verlag her­aus­ge­gebene Buch: „Funk­tionäre des Deut­schen Metall­ar­bei­ter­ver­bandes im NS-Staat. Wider­stand und Ver­folgung“.
Warum war der Bezug auf die his­to­ri­schen Wider­stands­kämpfer für den Kampf gegen Neo­nazis wichtig?
Es geht um die ein­fache und leicht ver­ständ­liche Bot­schaft, dass wir aktive Gewerk­schafter heut­zutage, würden die Nazis an die Macht kommen, die Ersten wären, die ihrer Freiheit beraubt würden. Genau wie unsere Kol­legen vor 80 Jahren. Wir spitzen es in den Videobei­trägen mit der Aussage zu: „Vor 80 Jahren hätten mich die Nazis auch mit­ge­nommen“. Das Unter­schätzen der Nazis und die von Teilen der Gewerk­schaften voll­zogene Anpas­sungs­stra­tegie kurz vor der Zer­schlagung 1933 haben dazu bei­getragen, dass es im End­effekt so leicht für die Nazis gewesen ist. Wir lernen daraus, dass kon­se­quenter Wider­stand der bessere Weg ist.
Gab es mehr Inter­es­senten für die Spre­cher­rollen und nach welchen Kri­terien wurden sie aus­ge­wählt?
Wir haben uns in einem Seminar aus­führlich mit den Hin­ter­gründen der Macht­er­greifung durch die Nazis beschäftigt und mit den Teil­nehmer die Videoidee ent­wi­ckelt, dass jeder einen Paten des DMV (Deut­scher Metall­ar­bei­ter­verband) vor­stellt. Da wir mit unserem IG Metall Bezirk drei Bun­des­länder abdecken, haben wir geschaut, dass wir aus allen drei Bun­des­ländern auch Kol­legen vor­stellen. Das haben wir dann auch mit den aktiven Metallern ver­binden können, so dass nicht nur ein poli­ti­scher, sondern auch ein lokaler Bezug ent­stand. Im End­effekt sind wir Anfang März mit 15 Kol­legen nach Ora­ni­enburg und haben 11 Folgen plus ein Hin­ter­gründe-making- of an zwei Tagen drehen können.
Welche Reak­tionen gab es bisher auf die Videos?
Nur Positive. Wir freuen uns natürlich, dass wir im gesamten The­menjahr zur Zer­schlagung einen eigenen beson­deren Beitrag leisten konnten.

Sind Sie nur für junge Leute gedacht?
Nein. Der Wider­stand gegen Nazis hat keine Alters­grenze!

Wo werden die Videos ein­ge­setzt?
Innerhalb der IG Metall und anderer Gewerk­schaften bei­spielswiese auf den Ver­an­stal­tungen zum 1. Mai, auf unserem youtube-Kanal www​.youtube/​i​gmbbs und auf unserer Facebook-Seite https://​www​.facebook​.com/​I​g​M​e​t​a​l​l​J​u​g​e​n​d​B​e​r​l​i​n​B​r​a​n​d​e​n​b​u​r​g​S​a​chsen. Nach Rück­sprache mit uns, können die Clips auch für Ver­an­stal­tungen ver­wendet werden. Wir würden uns z.B. über inter­es­sierte Schulen freuen.

Sind Nach­fol­ge­pro­jekte geplant?
Die Her­aus­for­derung, dass Geschichte einen Bezug zum heu­tigen Leben junger Men­schen hat und daraus gemeinsam eine poli­tische Bot­schaft zu ent­wi­ckeln, nehmen wir auch in Zukunft an.
https://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​9​1​9​1​3​5​.​m​i​c​h​-​h​a​e​t​t​e​n​-​s​i​e​-​d​a​m​a​l​s​-​a​u​c​h​-​m​i​t​g​e​n​o​m​m​e​n​.html
Interview: Peter Nowak