Taxifahrer wollen weniger Konkurrenz

ARBEIT Minigewerkschaft protestiert gegen Hungerlöhne und Vermittlungsgutscheine für Arbeitslose

Gewerk­schaftlich orga­ni­sierte Taxi­fah­re­rInnen wenden sich gegen die massive Ver­mittlung von Arbeits­losen in ihrer Branche. Am Dienstag wollen sie vor der Kreuz­berger Filiale der Bun­des­agentur für Arbeit demons­trieren. »Wir sind dagegen, dass die Arbeits­agentur über Ver­mitt­lungs­gut­scheine immer mehr Leute in das Taxi­ge­werbe ver­mittelt, ohne zu berück­sich­tigen, dass wir Fah­re­rInnen jetzt schon kaum noch von dem Ver­dienst leben können«, erklärte Andreas Kom­rowski der taz. Der Taxi­fahrer gehört zu dem rund einen Dutzend Ber­liner Fah­re­rInnen, die sich gewerk­schaftlich orga­ni­siert haben.

Seit drei Jahren exis­tiert die Ber­liner Taxi-AG bei der Dienst­lei­tungs­ge­werk­schaft Ver.di, die auch zu den Orga­ni­sa­to­rInnen der Pro­test­kund­gebung gehört. Die startete 2012 unter Ber­liner Taxi­fah­re­rInnen eine Umfrage über deren Ein­kom­mens­ver­hält­nisse. Dabei kam heraus, dass viele für Stun­den­löhne zwi­schen 4,50 bis 6,50 Euro hinter dem Lenkrad sitzen. Min­destens ein Viertel müssen als Auf­sto­cke­rInnen zusätz­liche Leis­tungen von der Bun­des­agentur für Arbeit bean­tragen, weil sie von ihrer Arbeit nicht leben können.

Ein Grund ist die sin­kende Zahl von Men­schen, die sich ein Taxi leisten können. »Unser Alltag ist durch Kon­kurrenz um die weniger wer­denden Fahr­gäste geprägt. Da die Höhe des Lohns vom Umsatz abhängig ist, ist die Denk­weise auch bei Ange­stellten oft unter­neh­me­risch geprägt«, so Kom­rowski. Die Zeiten, als das Taxi­fahren ein beliebter Job für Stu­die­rende in West­berlin war, kennt er nur vom Hören­sagen. So muss heute, anders als früher, bei Stu­die­renden die Sozi­al­ver­si­cherung bezahlt werden, wenn es mehr als ein Minijob ist. Zudem ver­langen die Taxi­schulen für einen Schein, der 1994 noch 300 DM kostete, inzwi­schen vier­stellige Euro­be­träge.

Die AG Taxi fordert die Ein­führung eines gesetz­lichen Min­dest­lohns von min­destens 8,50 Euro brutto. Für die Gewerk­schaf­te­rInnen gehört die Redu­zierung der Taxi- Kon­zes­sionen zu den dafür not­wen­digen Struk­tur­maß­nahmen. Eine Fahr­preis­er­höhung würde noch keine aus­kömm­lichen Löhne schaffen, solange die Kon­zes­si­ons­vergabe in Berlin unbe­grenzt ist, argu­men­tiert die Gewerk­schaft. Durch Neu­kon­zes­sio­nie­rungen würden die Umsätze pro Fahrzeug und damit auch die Löhne nach kurzem Auf­schwung wieder sinken, so die Analyse der Taxi-AG.
http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ba&dig=2013%2F08%2F26%2Fa0094&cHash=db0791930da794eb5ee0778fe992e53f

Peter Nowak

Kund­gebung am 27. August von 10 bis 13 Uhr vor der Bun­des­agentur für Arbeit, Char­lot­tenstr. 87–90