Tee trinken und solidarisch sein


Die fran­zö­sische Koope­rative Scop Ti pro­du­ziert fairen Tee

Einst pro­du­zierten sie für Uni­lever, seit vier Jahren in eigener Regie – die Teerebell*innen im süd­fran­zö­si­schen Gémenos bei Mar­seille.

1336 – die Zahl steht auf allen Packungen der unter­schied­lichen Tee­sorten der süd­fran­zö­si­schen Koope­rative Scop Ti. Die Zahl hat eine besondere Bedeutung. Sie soll an die Fabrik­be­setzung erinnern, die 1336 Tage dauerte. Nun will die Koope­rative ein Ver­triebs­system mit anderen Ländern auf­bauen. Mehr als drei Jahre hatten die Beschäf­tigten in der Gemeinde Gémenos im Arron­dis­sement Mar­seille gegen den Uni­lever-Konzern gekämpft und die Pro­duktion schließlich selbst über­nommen.

Im Jahr 2011 wollte Uni­lever die Pro­duk­ti­ons­stätte der bekannten Tee­marke Lipton Ele­phant von Frank­reich nach Polen ver­lagern. Aber der Konzern hatte die Rechnung ohne die Arbeiter*innen gemacht. Die besetzten die Fabrik und for­derten die Rück­nahme des Schlie­ßungs­be­schlusses. Zunächst wurden sie vom Management und der fran­zö­si­schen Politik belä­chelt. Doch nach 1336 Tagen waren es die Arbeiter*innen, die lachen konnten: Der Konzern gab nach – und zahlte den Rebell*innen mehrere Mil­lionen Euro. »Nach fast vier Jahren Kon­flikt musste man einen Ausweg finden, damit beide Seiten ihren Weg unab­hängig von­ein­ander fort­setzen können«, begründete Uni­lever Frank­reich die Einigung. Die Beleg­schaft konnte in Eigen­regie weiter pro­du­zieren und bekam von Uni­lever eine Start­hilfe von 20 Mil­lionen Euro für die Gründung einer Genos­sen­schaft.

Die neu gegründete Koope­rative Scop Ti pro­du­ziert ver­schiedene bio­lo­gisch und regional ange­baute Tee­sorten. Den alten Namen Lipton Ele­phant durften sie nicht mehr benutzen. Heute sehen das die Beschäf­tigten positiv. Denn die 1336 erinnert immer an die Kämpfe, die dafür sorgten, dass es den Tee heute über­haupt noch gibt.

Auch in der Fabrik ist die rebel­lische Ver­gan­genheit gut doku­men­tiert. Ein großes Kon­terfei von Che Guevara fällt den Besucher*innen im Fabrikhof sofort ins Auge. An den Fenstern hängen Plakate, die zu aktu­ellen Arbeits­kämpfen mobi­li­sieren.

In den Betriebs­räumen hat nach den auf­rei­benden Kämpfen und rau­schenden Sie­ges­feiern der nicht immer ein­fache Alltag einer selbst­ver­wal­teten Fabrik in einem kapi­ta­lis­ti­schen Umfeld Einzug gehalten. Scop Ti muss sich auch ohne Chef am Markt behaupten. Für die Beschäf­tigten bedeutet das zuweilen Son­der­schichten. Immer wieder mal gibt es auch tech­nische Pro­bleme. »Und die müssen wir selber lösen«, sagt Henri Soler mit Stolz in der Stimme. Der Fünf­zig­jährige hält auch nach dem Ende der Besetzung an seinen ega­li­tären Idealen fest. Gern hätte er einen Ein­heitslohn für alle Beschäf­tigten ein­ge­führt, doch der Antrag wurde von der Mehrheit der knapp 80-köp­figen Beleg­schaft abge­lehnt. Es könne nicht sein, so das Gegen­ar­gument, dass ein junger Kollege, der gerade erst in der Fabrik ange­fangen hat und sich wenig für die Selbst­ver­waltung enga­giert, genau so viel ver­dient wie ein Beschäf­tigter mit jah­re­langer Erfahrung, der sich in ver­schie­denen Kom­mis­sionen an der Selbst­ver­waltung der Fabrik beteiligt. Soler bedauert die Ent­scheidung, doch sein Enga­gement ist unge­brochen. Schließlich hängt davon der Erfolg der gesamten Firma ab.

Seit knapp einem Jahr wird der Tee aus selbst­ver­wal­teter Pro­duktion in Deutschland über die Union Coop ver­trieben. Das ist ein Zusam­men­schluss von gewerk­schaft­lichen Kol­lek­tiv­be­trieben, die sich auf Grundlage einiger Prin­zipien zusam­men­getan haben. Diese Prin­zipien ver­pflichten jeden Union-Coop-Betrieb, jedem Beleg­schafts­mit­glied die gleichen Rechte bei Ent­schei­dungen und Ent­lohnung ein­zu­räumen. Zudem muss sich der Betrieb um Trans­parenz und soli­da­ri­sches Wirt­schaften bemühen. Für Hans Oos­tinga, der in der Ber­liner Union Coop aktiv ist, war es darum selbst­ver­ständlich, den Tee aus Süd­frank­reich mit ins Sor­timent auf­zu­nehmen.

»Es ist nicht nur eine kon­krete Soli­da­rität für dieses beein­dru­ckende Expe­riment eines von den Beschäf­tigen in Eigen­regie ver­wal­teten Betriebs, sondern auch ein prak­ti­scher Ansatz­punkt für eine wirt­schaft­liche Gegen­macht. Zumal die Beleg­schaft einen ähn­lichen Ansatz ver­tritt und sich nicht nur während des lang­jäh­rigen Kampfes, sondern auch heute noch als Teil einer brei­teren sozialen Bewegung posi­tio­niert«, pro­pa­giert Oos­tinga das soli­da­rische Tee­trinken.

aus: nd-Commun, 27.10.2018

Von Peter Nowak

Kollektiv Handel(n)

Union Coop: ein neuer Ver­trieb für Betriebe in Arbei­te­rInnen-Hand

Union Coop, 2017 offi­ziell gegründet, ist ein Versuch zur Orga­ni­sierung von Kol­lek­tiv­be­trieben, die einen basis­ge­werk­schaft­lichen Ansatz ver­folgen. Neben den Pro­dukten aus den betei­ligten Betrieben sollen in Zukunft auch ver­mehrt Gewerk­schafts­ma­te­rialien und Waren aus zurück­er­oberten Fabriken wie etwa Vio​.Me oder der Tee­beutel-Fabrik von Scop Ti (ehemals Lipton) ver­trieben werden.

Seit Kurzem können über die Union Coop Pro­dukte aus gewerk­schaftlich ori­en­tier­ten­Kol­lek­tiv­be­trieben gekauft werden. Peter Nowak sprach mit Hansi Oos­tinga von der Union Coop über das Konzept

Was ist die Union Coop?
Es ist ein Zusam­men­schluss von gewerk­schaft­lichen Kol­lek­tiv­be­trieben, die sich auf Grundlage einiger Prin­zipien zusam­men­ge­schlossen haben. So hat z.B. jedes Beleg­schafts­mit­glied in einem Union-Coop-Betrieb die gleichen Rechte bei Ent­schei­dungen.

Sind das nicht alte Ziele von Kol­lek­tiv­be­trieben?
Neu daran ist ver­mutlich, dass wir diese auf Grundlage ver­bind­licher Struk­turen und in Anbindung an eine breitere Gewerk­schafts­be­wegung umsetzen wollen Nicht in der Nische, sondern im Verbund mit anderen Kol­lek­tiv­be­trieben und der Basis-Gewerk­schaft FAU suchen wir soli­da­risch mit unseren Kol­le­ginnen und Kol­legen in Chef-Betrieben Ant­worten auf die viel­fäl­tigen Zumu­tungen der heu­tigen Wirt­schaftsform.


Nach welchen Kri­terien werden die Pro­dukte aus­ge­wählt, die dort ver­kauft werden?

Die Ver­mark­tungs­plattform „union coop // shop“ ist selbst ein Kol­lek­tiv­be­trieb, der als Projekt aus dem Zusam­men­schluss der gewerk­schaft­lichen Kol­lek­tiv­be­triebe ent­standen ist. Darüber sollen die Pro­dukte aus den Mit­glieds­be­trieben der Union Coop und ver­gleich­barer Pro­jekte aus dem Ausland sowie Gewerk­schafts­ma­te­rialien ver­trieben werden.

Welche Rolle spielen öko­lo­gische Kri­terien bei der Auswahl der Pro­dukte?
Dass wir relativ viele Bio-Pro­dukte im Sor­timent haben, ist eher ein Kol­la­te­ral­effekt der selbst­ver­wal­teten Pro­duk­ti­ons­weise. Dort, wo Beschäf­tigte über die Pro­duktion ent­scheiden, wollen sie in der Regel qua­li­tativ hoch­wertig und nach­haltig pro­du­zieren. Dies ist wahr­scheinlich effi­zi­enter als jedes Bio-Siegel.

Warum ver­kauft Ihr nun den Tee aus Mar­seille?
Es war unserer Meinung nach längst über­fällig, den Ver­trieb von Scop Ti auch in Deutschland zu starten. Das ist nicht nur eine Form kon­kreter Soli­da­rität mit diesem beein­dru­ckenden Expe­riment eines selbst­ver­wal­teten Betriebs, sondern auch mit einem prak­ti­schen Ansatz­punkt für wirt­schaft­liche Gegen­macht. Zumal die Beleg­schaft von Scop Ti einen ähn­lichen Ansatz ver­tritt und sich nicht nur während des lang­jäh­rigen Kampfes, sondern auch heute noch als Teil einer brei­teren Bewegung posi­tio­niert. Ihr Kampf war auch immer ein gewerk­schaft­licher Kampf mit der CGT. Das hat sich bis heute nicht geändert, auch wenn sie, wie ein Kollege es aus­drückte, den Kapi­ta­lismus nicht über­wunden haben durch ihren Kampf und heute mit seinen Vasallen spielen müssen.

Wie kam der Kontakt zustande?
Die Idee ent­stand auf dem zweiten Euro­me­di­ter­ranen Workers-Economy-Treffen, das im Herbst 2016 auf dem besetzten Betriebs­ge­lände von Vio​.Me stattfand. Das Treffen in der auch in Deutschland bekannten Fabrik am Stadtrand von Thes­sa­loniki reihte sich in die Tra­dition meh­rerer glo­baler und regio­naler Treffen von besetzten bzw. durch die Beleg­schaften über­nom­menen Betrieben ein. Ein Ergebnis dieser Kon­ferenz, an der auch andere selbst­ver­waltete Betriebe, poli­tische und gewerk­schaft­liche Gruppen teil­nahmen, war die Erkenntnis, dass ein Schwach­punkt aller Fabriken im Ver­trieb liegt. Wir als Bewegung haben gerade im Zusam­men­spiel mit dem kämp­fe­ri­schen Teil der Gewerk­schaften wesentlich mehr Mög­lich­keiten, hier eigene Struk­turen auf­zu­bauen.

Welche Pro­dukte wollt Ihr noch anbieten?
Dem­nächst wird es neben den eher bekannten Pro­dukten von Vio​.Me, also den Seifen und Rei­ni­gungs­mitteln, auch Liköre aus der besetzten Fabrik Rimaflow in Mailand und Öl aus einer von der Land­ar­beiter-Gewerk­schaft SAT besetzten Finca in Anda­lusien geben.

aus: express – Zeitung für sozia­lis­tische Betriebs- und Gewerk­schafts­arbeit
Ausgabe: Heft 5/2018

http://​www​.labournet​.de/​e​x​p​ress/

Interview: Peter Nowak

Mehr über die Pro­dukte der Union-Coop und der Bestell­mög­lich­keiten gibt es hier:
https://​www​.union​-coop​.org/

Arbeiten ohne Chef

Ein Interview mit Hansi Oos­tinga von der Föde­ration „union coop“

Ohne Chef arbeiten? Basis­de­mo­kra­tisch und selbst­or­ga­ni­siert? Wir wagen den Versuch, weil das für uns die einzig mensch­liche Art des Wirt­schaftens ist.“ So heißt es in der Selbst­dar­stellung der „union coop“, einer Föde­ration, in der sich Betriebe zusam­men­ge­schlossen haben, die diesen Weg gehen. Seit Kurzem können über die Homepage https://​www​.union​-coop​.org Pro­dukte aus Kol­lek­tiv­be­trieben gekauft werden. Peter Nowak sprach in Berlin für die Gras­wur­zel­re­vo­lution mit Hansi Oos­tinga von der Union Coop über das Konzept.

GWR: Ist die Union-Coop die Kon­sum­ge­nos­sen­schaft der anarcho-syn­di­ka­lis­ti­schen Basis­ge­werk­schaft Freie Arbei­te­rInnen Union (FAU)?
Hansi Oos­tinga: Eher das Äqui­valent auf Seiten der Pro­duktion: Es ist ein Zusam­men­schluss von gewerk­schaft­lichen Kol­lek­tiv­be­trieben, die sich auf Grundlage einiger Prin­zipien zusam­men­ge­schlossen haben. Jedes Beleg­schafts­mit­glied in einem union-coop-Betrieb hat die gleichen Rechte bei Ent­schei­dungen.

Sind das nicht alte Ziele der Kol­lek­tiv­be­triebe?
Neu daran ist ver­mutlich, dass wir diese auf Grundlage ver­bind­licher Struk­turen und in Anbindung an eine breitere Gewerk­schafts­be­wegung umsetzen wollen. Nicht in der Nische, sondern im Verbund mit anderen Kol­lek­tiv­be­trieben und der Basis-Gewerk­schaft FAU suchen wir soli­da­risch mit unseren Kol­le­ginnen und Kol­legen in Chef-Betrieben Ant­worten auf die viel­fäl­tigen Zumu­tungen der heu­tigen Wirt­schaftsform.

Nach welchen Kri­terien werden die Pro­dukte aus­ge­wählt, die dort ver­kauft werden?
Der „union coop // shop“ ist ein Kol­lek­tiv­be­trieb, der als ein Projekt aus diesem Zusam­men­schluss ent­standen ist. Darüber sollen die Pro­dukte der union coop-Betriebe und ver­gleich­barer Pro­jekte aus dem Ausland sowie Gewerk­schafts­ma­te­rialien ver­trieben werden.

Spielen auch öko­lo­gische Kri­terien bei der Auswahl der Pro­dukte eine Rolle?
Es ist eher ein Kol­la­te­ral­effekt der selbst­ver­wal­teten Pro­duk­ti­ons­weise, dass wir relativ viele Bio-Pro­dukte im Sor­timent haben. Dort, wo Beschäf­tigte über die Pro­duktion ent­scheiden, wollen sie in der Regel qua­li­tativ hoch­wertig und nach­haltig pro­du­zieren. Dies ist wahr­scheinlich efi­zi­enter als jedes Bio-Siegel.

Warum ver­kauft Ihr nun auch Tee aus Mar­seille?
Es war unserer Meinung nach längst über­fällig, den Ver­trieb von Scop Ti auch in Deutschland zu starten. Es ist nicht nur eine kon­krete Soli­da­rität für dieses beein­dru­ckende Experi-ment eines von den Beschäf­tigen selbst­ver­wal­teten Betriebs, sondern auch als prak­ti­scher Ansatz­punkt für eine wirt­schaft­liche Gegen­macht zu ver­stehen. Zumal die Beleg­schaft einen ähn­lichen Ansatz ver­tritt und sich nicht nur während des lang- jäh­rigen Kampfes, sondern auch heute noch als Teil einer brei­teren Bewegung posi­tio­niert. Ihr Kampf war auch immer ein gewerk­schaft­licher Kampf mit der fran­zö­si­schen Gewerk­schaft CGT. Das hat sich bis heute nicht geändert, auch wenn sie, wie ein Kollege es aus­drückte, den Kapi­ta­lismus nicht über­wunden haben durch ihren Kampf und heute mit seinen Vasallen spielen müssen.

Wie kam der Kontakt zustande?
Die Idee ent­stand auf dem 2. Euro­me­di­ter­ranen Workers-Economy-Treffen im Herbst 2016 auf dem besetzten Betriebs­ge­lände von Vio​.Me. Das Treffen in der auch in Deutschland bekannten Fabrik am Stadtrand von Thes­sa­loniki reihte sich in die Tra­dition meh­rerer glo­baler und­re­gio­naler Treffen von besetzten bzw. durch die Beleg­schaften über­nom­menen Betrieben ein. Ein Ergebnis dieser Kon­ferenz, an der auch andere selbstve waltete Betriebe, poli­tische und gewerk­schaft­liche Gruppen teil­nahmen, war die Erkenntnis, dass ein Schwach­punkt aller Fabriken der Ver­trieb ist. Wir als Bewegung haben gerade im Zusam­men­spiel mit dem kämp­fe­ri­schen Teil der Gewerk­schaften wesentlich mehr Mög­lich­keiten, hier eigene Struk­turen auf­zu­bauen.

Welche Pro­dukte wollt Ihr noch anbieten?
Dem­nächst wird es neben den eher bekannten Pro­dukten von Vio​.Me auch Liköre aus der besetzten Fabrik Rimalow in Mailand und Öl aus einer von der Land­ar­beiter-Gewerk­schaft SAT besetzten Finca in Anda­lusien geben.

Interview: Peter Nowak

Mehr über die Pro­dukte der Union-Coop und der Bestell­mög­lich­keiten gibt es hier: https://​www​.union​-coop​.org/

aus: gras­wur­zel­re­vo­lution februar 2018/426

http://​www​.gras​wurzel​.net/426/

Teesolidarität

Reaktion auf Schwach­punkt: Selbst­ver­waltete Betriebe helfen sich gegen­seitig beim Ver­trieb

»It‘s Teatime! Scop Ti jetzt auch in Deutschland« – so bewirbt Union Coop, ein Zusam­men­schluss von basis­ge­werk­schaft­lichen Kol­lek­tiv­be­trieben in Deutschland, ganz besondere Tee­sorten. Sie werden in einer selbst­ver­wal­teten Tee­fabrik in Mar­seille pro­du­ziert. Mehr als drei Jahre hatten die Beschäf­tigten dort gegen den Uni­lever Konzern gekämpft und die Pro­duktion schließlich selbst über­nommen. Die neu gegründete Koope­rative Scop Ti pro­du­ziert ver­schiedene bio­lo­gisch und regional ange­baute Tee­sorten unter dem Mar­ken­namen 1336. Das soll an die Fabrik­be­setzung erinnern, die 1336 Tage dauerte. Nun will die Koope­rative ein Ver­triebs­system mit anderen Ländern auf­bauen. 

Koope­ra­ti­ons­partner in Deutschland ist die Union Coop, zu deren Grund­sätzen gehört, dass alle Beschäf­tigten die gleichen Rechte bei Ent­schei­dungen und einen Ein­heitslohn haben. Hansi Oos­tinga von der Union Coop betont, dass es sich nicht um eine Nische für Aus­steiger handelt. »Im Verbund mit anderen Kol­lek­tiv­be­trieben und der Basis­ge­werk­schaft FAU suchen wir Ant­worten auf die Frage, wie eine soli­da­rische Wirt­schaft aus­sehen kann«, betont er gegenüber »nd«.

Der Ver­trieb des Tees aus der selbst­ver­wal­teten Fabrik ist für ihn mehr als Soli­da­rität. »Es ist ein prak­ti­scher Ansatz­punkt für eine wirt­schaft­liche Gegen­macht.« Die Beleg­schaft habe sich während ihres lang­jäh­rigen Kampfs als Teil einer brei­teren sozialen Bewegung posi­tio­niert. Die Ver­ein­barung zur Koope­ration ist auf einem Treffen von selbst­ver­wal­teten Betrieben im Mit­tel­meerraum ent­standen, das vor einem Jahr in Grie­chenland auf dem besetzten Gelände von Vio​.Me stattfand. »Ein Ergebnis dieser Kon­ferenz war die Erkenntnis, dass ein Schwach­punkt aller selbst­ver­wal­teten Fabriken der Ver­trieb ist«, sagt Oos­tinga. Die Union coop will deshalb in der nächsten Zeit ihr Sor­timent erweitern. Neben den Seifen von Vio​.Me sollen auch Liköre aus der besetzten Fabrik Rimaflow in Mailand und Öl aus einer von der Land­ar­bei­ter­ge­werk­schaft SAT besetzten Finca in Anda­lusien ange­boten werden. 

Oos­tinga hofft, dass der Verkauf der Pro­dukte in Deutschland auch das Thema Betriebs­be­setzung und Selbst­ver­waltung wieder mehr in den Fokus rückt. Er erinnert an die selbst­ver­waltete Fahr­rad­fabrik in Nord­hausen, wo vor zehn Jahren einige Wochen lang das Strikebike pro­du­ziert wurde. Das Projekt schei­terte. Aber es steht bis heute für den Versuch, wie Arbeiter auch in Deutschland eine andere Form des Wirt­schaftens und Pro­du­zierens durch­setzen wollten. www​.union​-coop​.org/shop

https://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​0​7​1​8​3​7​.​t​e​e​s​o​l​i​d​a​r​i​t​a​e​t​.html

Peter Nowak

Keine Babylöhne im Kino

Der Kampf um die Ein­haltung des Tarif­ver­trags im Kino Babylon geht weiter

Im Jahr 2010 hat die Beleg­schaft des Kinos Babylon in Berlin-Mitte ver­sucht, einen Haus­ta­rif­vertrag zu erkämpfen (die SoZ berichtete). Die Gewerk­schaft Ver.di konnte dann einen abschließen, doch die Geschäfts­leitung hält sich nicht daran. Jetzt wird das Kino wieder bestreikt.

«Dieses kom­munale Kino wird heute bestreikt. Darum bitten wir Sie, heute von einem Kino­besuch Abstand zu nehmen und damit die berech­tigen For­de­rungen der Beschäf­tigten nicht zu unter­laufen», heißt es auf Pla­katen, die in den letzten Wochen rund um das Kino Babylon in Berlin-Mitte zu finden sind. Ver­fasst wurden sie von der Ver.di-Betriebsgruppe des Kinos.
Es geht um die Ver­bes­serung der Arbeits­be­din­gungen der 15 Kino­be­schäf­tigten. «Fünf Jahre Ver­zicht sind genug», «Gleicher Lohn für gleiche Arbeit», steht auf wei­teren Pla­katen rund um das Kino. «Im Dezember 2013 wurde mein Stun­denlohn nach einer For­derung des Senats auf 8,50 Euro tarif­ver­traglich ange­hoben. Seitdem gab es keine wei­teren Anpas­sungen», erklärt ein Kino-Ange­stellter. Die Film­vor­führer hätten sogar seit fünf Jahren keine Gehalts­er­höhung bekommen.
Ver.di fordert die Über­nahme des Bun­des­ta­rif­ver­trags des Haupt­ver­bands Deut­scher Film­theater (HDF) für die Babylon-Beschäf­tigten. Außerdem soll eine ver­bind­liche Min­dest­be­setzung während des lau­fenden Kino- und Ver­an­stal­tungs­pro­gramms ver­einbart werden, die auf die Besu­cher­zahlen abge­stimmt ist. Immer wieder gibt es Klagen wegen Arbeits­über­lastung.
Andreas Köhn vom Verdi-Lan­des­bezirk Berlin-Bran­denburg betont, dass das Kino die For­de­rungen wirt­schaftlich tragen kann. «Schließlich sind die Ein­tritts­preise und die Ein­mietung in den letzten Jahren um teil­weise 20% gestiegen. Auch die Anzahl der Besucher hat sich deutlich erhöht.»
Zudem steigen auch die Sub­ven­tionen, die das Land Berlin jährlich an das Kino über­weist. Im Dop­pel­haushalt 2016/17 sind dafür 361.500 (vorher 358.000) Euro vor­ge­sehen. Ver.di fordert nun vom Senat, die Aus­zahlung der Zuwen­dungen an die Umsetzung des bun­des­weiten HDF-Tarif­ver­trags zu koppeln.

Vor­ge­schichte
In den Jahren 2009 und 2010 war das Kino Babylon durch einen Arbeits­kampf über Berlin hinaus bekannt geworden. Damals wandten sich die Beschäf­tigten an die Basis­ge­werk­schaft Freie Arbeiter-Union (FAU). «Der Arbeits­kampf machte damals deutlich, dass auch in pre­kären Ver­hält­nissen enga­gierte Arbeits­kämpfe möglich sind», heißt es im Vorwort einer Bro­schüre*, die vom FAU-Akti­visten Hansi Oos­tinga her­aus­ge­geben wurde. «Die Bro­schüre erinnert an den von heute aus gesehen doch sehr orga­ni­sierten und pro­fes­sio­nellen Arbeits­kampf», erklärt der mitt­ler­weile beur­laubte, der FAU ange­hö­rende Babylon-Betriebsrat Andreas Heinz.
Den aktu­ellen Streik von Ver.di unter­stützt die FAU aus­drücklich. Dabei waren die Bezie­hungen zwi­schen beiden Gewerk­schaften nicht immer die besten. Die FAU warf Ver.di vor, mit dem Geschäfts­führer Timothy Grossman einen Tarif­vertrag abge­schlossen zu haben, nachdem dieser der Basis­ge­werk­schaft ihre Tarif­fä­higkeit aberkennen wollte. Damals hatten sich in einem Soli­da­ri­täts­ko­mitee aller­dings auch Mit­glieder von DGB-Gewerk­schaften mit der FAU soli­da­ri­siert.
Für Ver.di ist der Arbeits­kampf der FAU immer noch eine Leer­stelle. So heißt es auf der Titel­seite von Sprachrohr (Nr.2/2015), der Mit­glie­der­zeitung des Fach­be­reichs Medien, Kunst und Industrie für Ver.di-Berlin-Brandenburg: «2010 wurde für die Neue Babylon Berlin GmbH der bis tariflose Zustand beendet. Ver­einbart wurde die Über­nahme des Bun­des­ta­rif­ver­trags HDF-Kino von 2009, aller­dings mit deutlich schlech­teren Regeln.» Kein Wort davon, dass es der enga­giert geführte Arbeits­kampf der FAU war, der die Babylon-Geschäfts­führung so unter Druck setzte, dass sie den Tarif­vertrag mit Ver.di schloss. Die jetzt auch von Ver.di beklagten Ver­schlech­te­rungen hat die FAU schon beim Abschluss heftig kri­ti­siert.
Der Kon­flikt zwi­schen der FAU und Grossman geht jedoch weiter. So wurde Betriebsrat Andreas Heinz wegen angeb­licher Zer­störung eines Film­plakats nicht nur fristlos ent­lassen. Sogar der Staats­schutz wurde ein­ge­schaltet worden. Im Juni wurde die Wohnung von Stefan Heinz durch­sucht. Auch die Ver.di-Betriebsräte will die Kino­ge­schäfts­führung los­werden, musste dabei Mitte August jedoch eine juris­tische Nie­derlage ein­stecken. Die 1.Instanz des Ber­liner Lan­des­ar­beits­ge­richt hat nämlich ent­schieden, dass der drei­köpfige Babylon-Betriebsrat recht­mäßig gewählt wurde. Die Wahl war von der Geschäfts­führung mit der Begründung ange­fochten worden, die zahl­reichen selb­stän­digen Beschäf­tigten, die mitt­ler­weile im Kino als Dienst­leister bei Technik, Geträn­ke­verkauf und Ticket­kon­trolle ein­ge­setzt werden, dürften bei der Betriebs­ratswahl nicht berück­sichtigt werden.

*Hans Oos­tinga: Babylohn. Der Arbeits­kampf im Ber­liner Kino Babylon. Moers: Syn­dikat A, 2015, 2,50 Euro.

aus: SoZ, Sep­tember 2015

http://​www​.sozonline​.de/​2​0​1​5​/​0​9​/​k​e​i​n​e​-​b​a​b​y​l​o​e​h​n​e​-​i​m​-​kino/

Peter Nowak ist Autor des Buchs: Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht, das Mitte Sep­tember in der Edition Assem­blage erscheint.

Wenn die Leinwand dunkel bleibt

STREIK Im Kino Babylon Mitte gibt es immer wieder Warn­streiks. Es geht um mehr Lohn und Per­sonal

Worst Case Sce­nario“ lautet der Titel eines Film im aktu­ellen Pro­gramm des Kinos Babylon Mitte. Für den Geschäfts­führer des Film­hauses am Rosa-Luxemburg Platz, Timothy Grossman, wäre es ein Worst-Case-Sce­nario, wenn
die Leinwand dunkel bliebe. Denn die Verdi-Betriebs­gruppe im Kino ruft seit dem 22. Mai immer wieder zu Warn­streiks auf. Die Gewerk­schaft hatte den vor zehn Jahren geschlos­senen Tarif­vertrag gekündigt und die Geschäfts­führung zu Tarif­ver­hand­lungen auf­ge­fordert. Sie will die Über­nahme des Bun­des­ta­rif­ver­trages des Haupt­ver­bands Deut­scher Film­theater (HDF) für die Babylon-Beschäf­tigten und eine Erhöhung der Per­so­nal­be­setzung erreichen. „Seit fünf Jahren gab es im Bereich der Film­vor­füh­re­rInnen keine Ent­gelt­er­höhung. Lediglich der Ein­stiegslohn für Platz­an­wei­se­rInnen
wurde 2014 auf den jetzt gel­tenden gesetz­lichen Min­destlohn von 8,50 Euro erhöht“, erklärt Andreas Köhn vom
Verdi-Lan­des­bezirk Berlin-Bran­denburg. Bei zwei Ver­hand­lungen habe Grossman erklärt, die z usätz­lichen Gelder könne das Kino nicht auf­bringen. „Die Ein­tritts­preise sind um teil­weise 20 Prozent gestiegen“, kontert Köhn. „Auch die Anzahl der Besu­che­rInnen hat sich deutlich erhöht.“ Zudem sind im Dop­pel­haushalt 2016/17 Sub­ven­tionen
in Höhe von 361.500 Euro für das Filmhaus ein­ge­plant. Bisher betrugen die Zuschüsse 358.000 Euro jährlich.
Zeit­gleich mit dem aktu­ellen Verdi-Streik ist im Syn­dikat A die Bro­schüre „Babylohn“ von Hansi Oos­tinga erschienen, die an den Arbeits­kampf der Basis­ge­werk­schaft Freie Arbeiter Union (FAU) in den Jahren 2008 bis 2010 in dem Kino erinnert. Neben zahl­reichen Soli­da­ri­täts­ak­tionen linker Gruppen spielen dort auch die juris­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zungen mit den Gewerk­schaf­te­rInnen eine Rolle. Diese sind bis heute nicht beendet. FAU-Mit­glied und Betriebsrat Andreas H. wehrt sich juris­tisch gegen seinen Rauswurf. Mit der Beschul­digung, ein Plakat beschädigt
zu haben, wurde ihm fristlos gekündigt und seine Wohnung poli­zeilich durch­sucht. Den aktu­ellen Arbeits­kampf unter­stützt der bis zur gericht­lichen Klärung Beur­laubte trotzdem. Babylon-Geschäfts­führer Grosman war für eine Stel­lung­nahme nicht zu erreichen.

aus: Taz, 9.7.2015

Peter Nowak

Dieses Kino wird bestreikt

Beschäftigte am Babylon in Mitte demonstrieren für Anpassungen ihrer Verträge

Weil ihre Ver­träge in zwei bezie­hungs­weise fünf Jahren nicht tarif­rechtlich ange­passt wurden, bestreiken Mit­ar­beiter das Kino Babylon.

»Dieses kom­munale Kino wird heute bestreikt. Darum bitten wir Sie, heute von einem Kino­besuch Abstand zu nehmen und die berech­tigen For­de­rungen der Beschäf­tigten nicht zu unter­laufen«, heißt es auf Pla­katen, die in den ver­gan­genen Tagen rund um das Kino Babylon am Rosa-Luxemburg Platz ver­teilt wurden. Ver­fasst wurden sie von der ver.di-Betriebsgruppe des Kinos Babylon. Sie fordert die Ver­bes­serung der Arbeits­be­din­gungen der 15 Kino­mit­ar­bei­te­rInnen. »Fünf Jahre Ver­zicht sind genug. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit«, steht auf einem Schild, den ein Strei­kender am Montag in die Höhe hält, als er mit einem Kino­be­sucher über den Arbeits­kampf dis­ku­tiert. »Im Dezember 2013 wurde mein Stun­denlohn nach einer For­derung des Senats auf 8,50 Euro tarif­ver­traglich ange­hoben. Seitdem gab es keine wei­teren Anpas­sungen«, erklärte der Mit­ar­beiter. Die Film­vor­führer hätten sogar seit fünf Jahren keine Gehalts­er­höhung bekommen.

Ver.di fordert die Über­nahme des Bun­des­ta­rif­ver­trages des Haupt­ver­bands Deut­scher Film­theater (HDF) für die Babylon-Beschäf­tigten. Außerdem soll es eine ver­bind­liche Min­dest­be­setzung während des lau­fenden Kino- und Ver­an­stal­tungs­pro­gramms geben, die auf die Besu­cher­zahlen abge­stimmt wird. Andreas Köhn vom ver.di-Landesbezirk Berlin-Bran­denburg betont, dass das Kino die For­de­rungen wirt­schaftlich tragen kann. »Schließlich sind die Ein­tritts­preise und die Ein­mietung in den letzten Jahren um teil­weise 20 Prozent gestiegen. Auch die Anzahl der Besucher hat sich deutlich erhöht.«

Zudem erhöhen sich auch die Sub­ven­tionen, die das Land Berlin jährlich an das Kino über­weist. Im Dop­pel­haushalt 2016/2017 sind 36 5000 Euro Zuschuss vor­ge­sehen. Bisher betrug der jähr­liche Zuschuss an das Kino 35 8000 Euro. Ver.di fordert nun vom Senat, die Aus­zahlung der Zuwen­dungen an die Umsetzung des bun­des­weiten HDF-Tarif­ver­trages zu koppeln. Der Geschäfts­führer der Neuen Babylon GmbH, Timothy Grossman, erklärte bei den zwei Ver­hand­lungs­ter­minen mit ver.di, aus eigenen Mitteln sei kein Spielraum für die Erfüllung der For­de­rungen. Gegenüber »nd« war Grossmann nicht zu einer Stel­lung­nahme bereit.

Bereits 2009 und 2010 war das Kino Babylon durch einen Arbeits­kampf über Berlin hinaus bekannt geworden. Damals wandten sich die Beschäf­tigten an die Basis­ge­werk­schaft Freie Arbeiter Union (FAU). »Der Arbeits­kampf machte damals deutlich, dass auch in pre­kären Ver­hält­nissen enga­gierte Arbeits­kämpfe möglich sind«, heißt es im Vorwort einer Bro­schüre über den Arbeits­kampf, die kürzlich vom FAU-Akti­visten Hansi Oos­tinga beim Verlag Syn­dikat A her­aus­ge­geben wurde. »Die Bro­schüre erinnert an den von heute aus gesehen doch sehr orga­ni­sierten und pro­fes­sio­nellen Arbeits­kampf«, sagt FAU-Mit­glied und Babylon-Betriebsrat Andreas Heinz dem »nd«. Auch den aktu­ellen Streik von ver.di unter­stützt die FAU aus­drücklich. Dabei waren die Bezie­hungen zwi­schen beiden Gewerk­schaften nicht immer die besten. Die FAU warf ver.di vor, mit Grossman einen Tarif­vertrag abge­schlossen zu haben, nachdem der der Basis­ge­werk­schaft ihre Tarif­fä­higkeit aberkennen wollte. Damals hatten sich in einen bun­des­weiten Soli­da­ri­täts­ko­mitee aller­dings auch Mit­glieder von DGB-Gewerk­schaften mit der FAU soli­da­ri­siert.

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Peter Nowak