Campen gegen Krieg in der Altmark

Mag­deburg. Am 31. Juli hat unter dem Motto »War starts here. let’s stop it here« das anti­mi­li­ta­ris­tische Camp in der nie­der­säch­si­schen Altmark begonnen. Hier, nahe dem Gefechts­übungs­zentrum Altmark (GÜZ), wollen die Teilnehmer_​innen neue »Per­spek­tiven für anti­mi­li­ta­ris­ti­sches Handeln« ent­wi­ckeln. Das Camp wird noch bis zum 6. August dauern. Zu den Themen des umfang­reichen Pro­gramms gehören die Flücht­lings­po­litik und der Kampf gegen Rechts­po­pu­lismus. Am kom­menden Samstag wird mit einer Demons­tration gegen das GÜZ, in dem auch die NATO-Ein­sätze geprobt werden, ein Höhe­punkt der Zelt­woche statt­finden. Seit meh­reren Jahren wird das Camp von Antimilitarist_​innen vor­be­reitet. Ein Mit­or­ga­ni­sator erklärt gegenüber »nd«, dass das Camp in diesem Jahr kleiner aus­fällt, da haupt­sächlich in der Region mobi­li­siert wurde. Im nächsten Jahr soll es wieder eine bun­des­weite Mobi­li­sierung geben.


02.08.2017 Neues Deutschland

https://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​0​5​9​2​2​9​.​c​a​m​p​e​n​-​g​e​g​e​n​-​k​r​i​e​g​-​i​n​-​d​e​r​-​a​l​t​m​a​r​k​.​h​t​m​l​?​s​s​t​r=now

Peter Nowak

Alternativen für Friedensfreunde

Die soge­nannten Mon­tags­mahn­wachen haben in der tra­di­tio­nellen Frie­dens­be­wegung für Ver­stimmung gesorgt. Bei einer Kon­ferenz in Han­nover schien das keine Rolle mehr zu spielen.

»Viele Men­schen wollen gegen Kriege aktiv werden«, erklärte Susanne Gra­ben­horst kürzlich in einem Interview mit dem Neuen Deutschland. Die Vor­sit­zende der deut­schen Sektion der Inter­na­tio­nalen Ärzte zur Ver­hin­derung des Atom­kriegs (IPPNW) war Mit­or­ga­ni­sa­torin einer Akti­ons­kon­ferenz der Frie­dens­be­wegung in Deutschland, die am zweiten Okto­ber­wo­chenende in Han­nover tagte. Doch die Pro­teste, auf die man sich dort geeinigt hat, hören sich eher bescheiden an. Im Rahmen einer dezen­tralen Akti­ons­woche, die vom 9. bis zum 14. Dezember statt­finden soll, sind Demons­tra­tionen in Berlin, Hamburg, München, Leipzig und Düs­seldorf geplant. Der Cha­rakter der Aktionen dürfte tra­di­tionell aus­fallen und im Flag­ge­zeigen bestehen. »Der Tag der Men­schen­rechte am 10. Dezember soll ein ›Frie­dens­fah­nentag‹ werden, an dem ›Peace-Fahnen‹ in den Regen­bo­gen­farben und andere Frie­dens­fahnen das Bild prägen«, kon­kre­ti­siert Gra­ben­horst, wie eine solche dezen­trale Aktion aus­sehen soll.

Über Kon­tro­versen auf der Kon­ferenz erfährt man in ihrem Interview hin­gegen nichts. Dabei müsste es genügend Anlass für Streit gegeben haben. Inter­essant wäre zu erfahren, wie die ver­sam­melten Frie­dens­freunde den Ukraine-Kon­flikt beur­teilt haben. Es wäre beun­ru­higend, wenn es bei diesem Thema auf der Kon­ferenz nicht zu Kon­tro­versen gekommen wäre. Schließlich wird zurzeit darüber in Inter­net­foren und in Medien ver­schie­dener linker Spektren heftig gestritten. Der Sozi­al­wis­sen­schaftler Mathias Wör­sching wurde bereits ange­griffen, weil er in einem Debat­ten­beitrag für das Magazin der Ver­ei­nigung der Ver­folgten des Nazi­re­gimes – Bund der Anti­fa­schisten (VVN-BdA) vor » linken Illu­sionen über den Put­in­schen Bona­par­tismus« gewarnt und sich für einen »Anti­mi­li­ta­rismus auf der Höhe der Zeit« aus­ge­sprochen hatte. »Der Platz anti­fa­schis­tisch und anti­mi­li­ta­ris­tisch den­kender Men­schen ist nicht an der Seite Russ­lands, der USA oder eines anderen geo­po­li­ti­schen Spielers und auch nicht an der Seite ukrai­ni­scher oder rus­si­scher Natio­na­listen. Unser Platz ist bei den linken und anti­fa­schis­ti­schen Bewe­gungen in der Ukraine und Russland, so sehr diese auch an den Rand gedrängt sein mögen«, bezieht Wör­sching eine Position, die sich inhaltlich von einer bestimmten Fraktion der Frie­dens­freunde abgrenzt. Es geht um die Mon­tags­mahn­wachen für den Frieden und gegen die Fed, die über Monate neben naiv unpo­li­ti­schen Men­schen auch Ver­schwö­rungs­theo­re­tiker jeg­licher Couleur ange­zogen haben.

Noch im Früh­sommer gingen Ver­treter der tra­di­tio­nellen Frie­dens­be­wegung wie Peter Stru­t­ynski auf Distanz zu diesen Mahn­wachen. Dafür wurden sie auf den Web­seiten der Initia­toren in typisch neu­rechter Diktion als Hetzer beschimpft, die »Infor­ma­ti­ons­jauche« aus­schütten würden. Mitt­ler­weile scheint die anti­fa­schis­tische Firewall nicht mehr zu funk­tio­nieren. »Es waren Prot­ago­nisten der Mahn­wachen aus etlichen Städten dabei, dar­unter Dortmund, Berlin, Düs­seldorf, München, Hamburg. Dass die Mahn­wachen ein gleich­be­rech­tigter Teil der Frie­dens­be­wegung sind, war so klar, dass darüber nicht mehr dis­ku­tiert wurde«, sagte Andreas Grünwald vom Ham­burger Forum für Frieden und Völ­ker­ver­stän­digung über die Kon­ferenz in Han­nover.

Die Kritik an den rechten und ver­schwö­rungs­theo­re­ti­schen Inhalten der Frie­dens­wachen bezeichnet Grünwald »teil­weise als richtige Hetze« und über­nimmt sogar die Wortwahl der Angriffe von Prot­ago­nisten der Mon­tags­mahn­wachen, die sich gegen Stru­t­ynski und andere Kri­tiker aus den Reihen der Frie­dens­be­wegung gerichtet hatten. Dennoch lobte Grünwald »die sach­liche und respekt­volle Debatte in Han­nover«. Für den Ham­burger ist klar, dass die Frie­dens­be­wegung »viele Schichten bis in das kon­ser­vative Milieu« erreichen müsse und sich nicht als aus­schließlich linke Bewegung ver­stehen dürfe. Das war die deutsche Frie­dens­be­wegung ohnehin nie. Linke Kri­tiker wie der Publizist Wolfgang Pohrt klas­si­fi­zierten sie Ende der acht­ziger Jahre als »deutsch­na­tionale Erwe­ckungs­be­wegung«, die Massen als poten­tielle Opfer der Groß­mächte hal­lu­zi­nierte. Derzeit muss man die Frage stellen, ob eine Frie­dens­be­wegung, wie sie Grünwald vor­schwebt, über­haupt noch eine Plattform für Linke sein kann. Schließlich gibt es schon längst Alter­na­tiven.

Seit einiger Zeit hat sich eine neue Anti­mi­li­ta­ris­mus­be­wegung her­aus­ge­bildet, die sich in Wortwahl und Akti­ons­formen von der deut­schen Frie­dens­be­wegung unter­scheidet. Sie richtet nicht Appelle an UN und Groß­mächte und sieht im Schwenken der Peace-Fahne nicht die wich­tigste Akti­onsform. Statt­dessen widmet sie sich den ver­schie­denen Orten in Deutschland, an denen Kriege vor­be­reitet werden, die aber oft nicht im öffent­lichen Bewusstsein stehen. So werden seit einigen Jahren von der Kam­pagne »Bun­deswehr weg­treten aus dem Job­center« in meh­reren Städten Wer­be­ver­an­stal­tungen gestört, bei denen jungen Men­schen der Beruf des Sol­daten oder der Sol­datin nahe­ge­bracht werden soll. Eine feste Größe im Enga­gement dieser neuen Anti­mi­li­ta­ris­mus­be­wegung ist das Gefechts­übungs­zentrum GÜZ in der Altmark in der Nähe von Mag­deburg. Dort trai­niert die Bun­deswehr die Bekämpfung von Auf­ständen.

Nur wenige Kilo­meter vom kleinen Städtchen Letz­lingen wird derzeit eine Groß­stadt mit Hoch­häusern und U-Bahn-Sta­tionen auf­gebaut. 2017 soll der »urbane Bal­lungsraum Schnög­gersburg« fer­tig­ge­stellt worden sein. Wohnen wird dort kein Mensch. Schnög­gersburg soll das Zentrum von Europas größtem Gefechts­übungs­zentrum werden, Bun­des­wehr­sol­daten sollen sich dort auf Aus­lands­ein­sätze vor­be­reiten und für den Krieg im urbanen Raum trai­nieren. Dafür wurden auch afgha­nische und koso­va­rische Orte in der Heide nach­gebaut. Für Tobias Pflüger von der Infor­ma­ti­ons­stelle Mili­ta­ri­sierung (IMI) ist das GÜZ ein wich­tiger Bau­stein der deut­schen und euro­päi­schen Mili­tär­po­litik. »Hier werden die Bun­des­wehr­sol­daten unmit­telbar auf lau­fende Militär­einsätze, dar­unter auch alle zukünf­tigen Inter­ven­ti­ons­kriege, vor­be­reitet. Das GÜZ ist für viele Sol­daten die letzte Station vor dem Auslands­ein­satz«, erklärt Pflüger. Doch auch die Zer­schlagung von Pro­testen wird im GÜZ geprobt. Dreimal orga­ni­sierten Anti­mi­li­ta­risten aus ver­schie­denen euro­päi­schen Ländern in der Nähe des GÜZ im Sommer ein anti­mi­li­ta­ris­ti­sches Camp. Ein Vor­be­rei­tungs­treffen für das Camp im kom­menden Jahr soll am 22. November in Mag­deburg statt­finden.

Auch über solche Pro­test­camps hinaus ist die neue Anti­mi­li­ta­ris­mus­be­wegung nicht untätig. So pro­tes­tierte sie mit einer Fahrraddemons­tra­tion gegen die von der Deut­schen Gesell­schaft für Mili­tär­technik in Berlin orga­ni­sierte »Inter­na­tional Urban Ope­ra­tions Con­fe­rence«, ein Lob­by­treffen von deut­scher Politik und Rüs­tungs­in­dustrie. Das Motto der Anti­mi­li­ta­ris­mus­be­wegung »War start’s here« wurde auch bei einer Demons­tration, die Ende Sep­tember im nord­rhein-west­fä­li­schen Kalkar stattfand, ver­wendet. Die Stadt war lange ein wich­tiges Ziel der Anti-AKW-Bewegung, weil dort ein Standort für einen Schnellen Brüter geplant war. 1985 wurde das Atom­kraftwerk Kalkar fertig gestellt, aber nie in Betrieb genommen. Mitt­ler­weile werden von einer Ein­richtung der Nato in einer Kaserne am Stadtrand von Kalkar inter­na­tionale Droh­nen­ein­sätze koor­di­niert. Bei der Vor­be­reitung der Demons­tration in Kalkar kam es übrigens zur Koope­ration von Akti­visten der alten Friedens- und der neuen Anti­mi­li­ta­ris­mus­be­wegung.

http://​jungle​-world​.com/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​0​1​4​/​4​3​/​5​0​7​7​0​.html

Peter Nowak

Aus Großvaters Tagebuch

Kriegsgegner besetzten das »GÜZ« in der Altmark

Am Dienstag und am gest­rigen Mittwoch besetzten Kriegs­gegner das »Gefechts­übungs­zentrum Heer« (GÜZ) der Bun­deswehr in der Colbitz-Letz­linger Heide (Sachsen-Anhalt). Peter Nowak sprach mit Jan Stehn, einem der Orga­ni­sa­toren der Aktion, die vom Pro­testcamp »War Starts Here« ausging.

nd: Was hat Sie zu der Besetzung des GÜZ moti­viert?
Stehn: Nachdem ich längere Zeit im Ausland lebte, haben mich die Aktionen gegen das GÜZ moti­viert, mich wieder poli­tisch zu betä­tigen. Dort bereitet sich die Bun­deswehr auf ihre Ein­sätze vor und dort ist es auch möglich, Kriegs­pla­nungen direkt zu behindern. Gerade in der aktu­ellen Debatte darum, was deutsche »Ver­ant­wortung« bedeutet, ist uns wichtig deutlich zu machen, dass Militär und Waf­fen­export krie­ge­rische Kon­flikte ver­längern und eska­lieren. Es gibt viele Mög­lich­keiten, sich frie­dens­för­dernd zu enga­gieren. Die Bun­deswehr brauchen wir nicht.

Wie ist Ihnen gelungen, in das GÜZ ein­zu­dringen?
Das war nicht schwer. Wir hatten die Aktion ange­kündigt und waren auf Wach­leute, Polizei oder Feld­jäger vor­be­reitet. Doch wir konnten unbe­helligt zwei Kilo­meter vor­dringen und uns auf einer Brache nie­der­lassen. Einige setzten dort vor­be­reitete Frie­dens­zeichen, es wurden Bäume gepflanzt. Ich trug aus dem 100 Jahre alten Kriegs­ta­gebuch meines Groß­vaters vor. Er hat sich zu Beginn des Ersten Welt­krieges begeistert beteiligt, aber bald die Grau­samkeit des Krieges erkannt.

Wie reagierten die Wach­mann­schaften?
Kurz, nachdem wir uns nie­der­ge­lassen hatten, sind Sol­daten ein­ge­troffen und haben uns beob­achtet. Dabei war auch der Leiter des GÜZ, Oberst Gunter Schneider, der bis zur Räumung durch die Polizei nach 2,5 Stunden vor Ort war. Ein Teil von uns verließ den Platz frei­willig, andere wurden vom Gelände getragen.

Welche juris­ti­schen Folgen kann die Aktion haben?
Das wird sich zeigen. Da das GÜZ kein ein­ge­frie­detes, umzäuntes Gelände ist, haben wir keinen Haus­frie­dens­bruch begangen. Ob das Betreten des Geländes eine Ord­nungs­wid­rigkeit dar­stellt, ist eben­falls unklar. Der Weg, auf dem wir uns befanden, war nicht einmal beschildert. Einige Akti­visten haben Wider­spruch gegen die frag­wür­digen Platz­ver­weise ein­gelegt, die die Polizei für das GÜZ-Gelände aus­ge­sprochen hat. Dort ist weder eine Begründung noch die ver­ant­wort­liche Behörde ange­geben.

Die Aktionen finden im Rahmen des »War Starts Here«-Camps statt, an dem ver­schie­denste Gruppen teil­nehmen. Wie klappt die Koope­ration der­selben?
Das Camp wird bereits zum dritten Mal Spektren über­greifend orga­ni­siert. In diesem Jahr wurde beson­derer Wert darauf gelegt, deutlich zu machen, dass unter­schied­liche Gruppen ihre Aktionen auf dem Camp vor­be­reiten, sodass die Teil­nehmer unter­schied­liche poli­tische Ansätze ken­nen­lernen und darüber gemeinsam dis­ku­tieren können.

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Interview: Peter Nowak


Ein Camp gegen das Kriegstraining

Protestwoche am Truppenübungsplatz startet

Am Sonntag hat die Pro­test­woche von Kriegs­gegnern am Gefechts­übungs­zentrum (GÜZ) bei Mag­deburg begonnen. Etwa 400 Anti­mi­li­ta­risten aus der gesamten Republik und dem euro­päi­schen Ausland werden dazu erwartet, bis Sonn­tag­nach­mittag waren bereits rund 40 Akti­visten ange­reist. Zum dritten Mal findet das Akti­onscamp in der sachsen-anhal­ti­schen Altmark, auf einer Wiese in der Nähe der kleinen Ort­schaft Pot­zehne statt. Der modernste Trup­pen­übungs­platz Europas, auf dem sich Sol­daten, nicht nur aus Deutschland, auf ihre Aus­lands­ein­sätze vor­be­reiten, ist nur wenige Kilo­meter ent­fernt. Auf dem vom Rüs­tungs­konzern Rhein­metall betrie­benen Areal wurden zu Übungs­zwecken afgha­nische und koso­va­rische Orte nach­gebaut. Erst Anfang August hatte Rhein­metall von der Bun­deswehr den Zuschlag bekommen, das GÜZ bis 2018 weiter zu betreiben – der Wert des Auf­trags liegt nach eigenen Angaben bei rund 70 Mil­lionen Euro.

Einen Erfolg haben aber auch die Kriegs­gegner schon erzielt: Das GÜZ ist mitt­ler­weile bun­desweit bekannt. Vor allem wegen der derzeit im Bau befind­lichen Übungs­groß­stadt Schnög­gersburg, in der zwi­schen Hoch­häusern und U-Bahn-Sta­tionen der Häu­ser­kampf in urbanen Bal­lungs­räumen trai­niert werden soll.

Für LINKE-Vize Tobias Pflüger ist das GÜZ ein wich­tiger Bau­stein der deut­schen und euro­päi­schen Mili­tär­po­litik. »Es ist für viele Sol­daten die letzte Station vor dem Aus­lands­einsatz«, so Pflüger. »War start’s here« – Krieg beginnt hier – ist deshalb das Motto des anti­mi­li­ta­ris­ti­schen Camps. Eine Woche lang stehen Arbeits­gruppen zu Themen wie Militär und Rüstung, der Umsetzung der Zivil­klausel an den Hoch­schulen bis hin zu zivilen Lösungen im Afgha­ni­s­tan­kon­flikt auf dem Pro­gramm. Aus der Ukraine reisen Linke an, die in Oppo­sition zur Regierung in Kiew stehen. Sie werden über die schwie­rigen Bedin­gungen berichten, unter denen sie ihre poli­tische Arbeit leisten. Höhe­punkt des Camps soll der Akti­onstag am Sonn­abend werden. Akti­visten wollen zuvor das Gelände für mehrere Tage gewaltfrei besetzen.

Militär und Polizei bereiten sich unter­dessen auf einen Groß­einsatz zur Abwehr der Anti­mi­li­ta­risten vor. Für das GÜZ erklärte Oberst Ludger Ter­brüggen, dass man während des Camps »mit einer ver­stärkten Militanz« rechne. In der Akti­ons­woche werde es keine Gefechts­übungen geben.

In der struk­tur­schwachen Region, in der viele Bewohner auf Jobs durch das GÜZ hoffen, finden die Akti­visten eben­falls kaum Zuspruch. »Die Sol­daten werden aus­ge­bildet für ihren Job. Und wir alle wollen doch, dass sie heil und gesund wieder nach Hause kommen«, ver­tei­digte eine Kom­men­ta­torin der »Altmark-Zeitung« die Übungen. Solche Töne bestärken die Cam­por­ga­ni­sa­toren in ihrem Wider­stand. »Wir wollen deutlich machen, dass es kein ruhiges Hin­terland für Bun­des­wehr­sol­daten gibt«, so eine Spre­cherin.

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Peter Nowak

Campen gegen Kriegstraining

FRIEDEN In Sachsen-Anhalt entsteht Europas größtes Militärübungszentrum. Kriegsgegner protestieren

BERLIN taz | Nichts deutet im kleinen Letz­lingen in der Altmark (Sachsen-Anhalt) darauf hin, dass nur wenige Kilo­meter ent­fernt eine Groß­stadt mit U-Bahn-Sta­tionen und Hoch­häusern ent­steht. Doch in der Metropole wird kein Mensch wohnen. Die Stadt soll bis 2017 das Zentrum von Europas größtem Gefechts­übungs­platz werden, auf dem sich Bun­des­wehr­sol­daten für Aus­lands­ein­sätze vor­be­reiten. Schon heute wurden dafür afgha­nische und koso­va­rische Orte in der Heide nach­gebaut.

Nicht ohne Wider­stand: Seit zwei Jahren orga­ni­sieren Anti­mi­li­ta­ris­tInnen nahe der Geis­ter­stadt ein ein­wö­chiges Pro­testcamp. Ab Sonntag ist es wieder so weit. Mehr als 300 Besu­che­rInnen erwarte sie, sagt Martina aus dem Vor­be­rei­tungsteam, die ihren Nach­namen nicht in der Zeitung lesen will. »Nicht nur aus Deutschland, auch aus dem euro­päi­schen Ausland.«

Neben Work­shops rufen die Kriegs­gegner auch zu einem »Akti­onstag«: Am 23. August soll der Trup­pen­übungs­platz besetzt werden – »gewaltfrei«, wie die Ver­an­stal­te­rInnen betonen.

Bereits in Vor­jahren gab es im Umfeld des Camps zahl­reiche Aktionen. 2013 gerieten in der 60 Kilo­meter ent­fernten Bun­des­wehr­ka­serne Havelberg 16 Fahr­zeuge in Brand. Es ent­stand ein Mil­lio­nen­schaden. Das Camp beteuerte, nichts damit zu tun zu haben. Intern wurde heftig dis­ku­tiert: Gewalt­freie lehnten die Aktion strikt ab, andere zeigten Ver­ständnis. Könnten doch zer­störte Bun­des­fahr­zeuge keinen Schaden mehr anrichten.

In der Region, in der viele auf Arbeits­plätze durch das Mili­tär­zentrum hoffen, finden die Kriegs­gegner nur wenig Zuspruch. »Die Sol­daten werden aus­ge­bildet für ihren Job«, schreibt eine Kom­men­ta­torin der Altmark-Zeitung. »Und wir alle wollen doch, dass sie heil und gesund wieder nach Hause kommen.« Ein Sprecher des Gefechts­zen­trums sagte, man rechne während des Camps »mit einer ver­stärkten Militanz«. In der Akti­ons­woche werde es keine Übungen geben.

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=in&dig=2014%2F08%2F15%2Fa0057&cHash=fa311e2dd3442b8d17fca096086b5fd0

Peter Nowak

Mit Gewalt gegen den Krieg

Am Ende eines Frie­dens­camps brennen Mili­tär­fahr­zeuge. Muss man sich distan­zieren?

Die Gewalt­dis­kussion hat zum Schluss doch nochmal an Relevanz gewonnen. Frie­dens­ak­ti­visten demons­trieren tagelang gegen den Ausbau des Gefechts­übungs­zen­trums (GÜZ) der Bun­deswehr in der Letz­linger Heide westlich von Mag­deburg. Hier trai­niert die Armee für den Aus­lands­einsatz. Kurz vor Ende des Pro­test­camps wird in der nahe gele­genen Kaserne Havelberg ein Brand­an­schlag verübt, 16 Mili­tär­fahr­zeuge werden beschädigt.

Die Polizei erklärte prompt, bei der Aktion vom ver­gan­genen Wochenende handele es sich um „eine bisher nie da gewesene Gewalt gegen die Bun­deswehr in Sachsen-Anhalt“. Deutsch­landweit betrachtet sind solche Angriffe auf Bun­deswehr-Ein­rich­tungen aber nichts Neues. So wurden im April 2009 bei einem Anschlag auf die Offi­ziers­schule des Heeres in Dresden 42 Armee­fahr­zeuge zer­stört, wie auch mehrere Fahr­zeuge im ver­gan­genen Jahr bei Anschlägen auf Bun­des­wehr­ein­rich­tungen in Han­nover und Rostock. Per­sonen kamen in allen Fällen nicht zu Schaden.

In der Frie­dens­be­wegung sind solche Aktionen umstritten, die Gruppen äußern sich dann meist eher diplo­ma­tisch. Das Pro­testcamp gegen das GÜZ ver­öf­fent­lichte eine Erklärung, in der es heißt: „Es ist in unseren Augen nach­voll­ziehbar, wenn sich Men­schen für Sabotage als anti­mi­li­ta­ris­ti­sches Mittel ent­scheiden und Abrüstung selbst in die Hand nehmen.“ Ein Zusam­menhang zwi­schen dem Anschlag und dem Camp wird jedoch als „plumper Kri­mi­na­li­sie­rungs­versuch“ zurück­ge­wiesen.

Der poli­tische Sprecher der Frie­dens­or­ga­ni­sation DFG-VK, Monty Schädel, lehnt eine reflex­hafte Distan­zierung von der Aktion ab. In seinem Verband gebe es neben ent­schie­denen Gegnern solcher mili­tanten Aktionen auch Men­schen, die die Motive ver­stehen können. Dass unbrauchbar gemachtes Bun­des­wehr­gerät keinen Schaden mehr anrichten kann, könne auch von Men­schen nach­voll­zogen werden, die diese Aktionen nicht unter­stützen.

Eine nach­ge­baute Kriegs­stadt

Wo beginnt ille­gitime Gewalt? Die Teil­nehmer des Pro­test­camps mussten sich über diese Frage mit den Anwohnern streiten. Die hatten nämlich eine Kund­gebung orga­ni­siert mit dem Motto „Gegen Gewalt und Sach­be­schä­digung“. Gemeint waren Aktionen, die den Frie­dens­ak­ti­visten zuge­schrieben werden. Einige Bun­deswehr-Gebäude wurden mit Farb­beuteln beworfen, zudem wurden Steine aus den Bahn­gleisen am Übungs­ge­lände ent­fernt.

„Es ist absurd, diese Aktionen als Gewalt zu bezeichnen und zu schweigen, wenn hier in der Altmark die Kriege der Bun­deswehr in anderen Teilen der Welt vor­be­reitet werden“, sagt eine Camp­teil­neh­merin. Der Aus­tausch zwi­schen Akti­visten und Anwohnern beschränkt sich jedoch auf kurze Wort­ge­fechte. Schließlich findet man kaum eine gemeinsame Sprache, wenn die einen mit dem Slogan „gegen Gewalt“ die Vor­be­rei­tungen für den Aus­lands­einsatz der Bun­deswehr ver­ur­teilen, und die anderen die Aktionen dagegen.

Bisher war die Bun­deswehr in der Altmark kaum mit Kritik kon­fron­tiert. Viele Bewohner der wirt­schafts­schwachen Region sehen die Armee vor allem als Arbeit­geber. Wenn rund 300 Anti­mi­li­ta­risten zum Pro­testcamp anreisen, bedeutet das schon Aus­nah­me­zu­stand. An vielen Laternen kleben bun­des­wehr­kri­tische Sticker, an den Wänden steht die Parole „War starts here“.

Grund für den Protest ist eine Groß­bau­stelle der beson­deren Art. Bereits seit 2006 bereiten sich im GÜZ jährlich rund 700 Sol­daten auf ihren Aus­lands­einsatz vor, bis zum Jahr 2017 soll hier eine kom­plett nach­ge­baute Stadt ent­stehen, nur für den Krieg. Die taz beschreibt die Ein­richtung fast lyrisch: „Im dünn­be­sie­delten Norden von Sachsen-Anhalt, umgeben von einem undurch­dring­lichen Gürtel aus Wald, ist für 100 Mil­lionen Euro eine Retor­ten­stadt im Werden, eine Mischung aus Kin­shasa, Tim­buktu und Bagdad, ihr Name ist Schnög­gersburg.“

Zu der Kriegs­stadt gehört dann den Pla­nungen zufolge unter anderem eine Stadt­au­tobahn, eine 1,5 Kilo­meter lange Kana­li­sation und eine U-Bahn-Station. Die Sol­daten sollen aus ganz Deutschland anreisen. Und auch die Akti­visten werden sich nicht lumpen lassen. Sie kommen wieder. Ganz bestimmt.

aus: Der Freitag, 31/2013

http://​www​.freitag​.de/​i​n​h​a​l​t​s​v​e​r​z​e​i​chnis

Peter Nowak

Eine Geisterstadt zum Üben

Unter dem Motto »Gegen Sach­be­schä­digung und Gewalt« ver­an­staltete am Samstag eine Bür­ger­initiative in Letz­lingen eine Kund­gebung. 30 Per­sonen, dar­unter auch einige Ver­treter der regio­nalen rechten Szene, hatten sich ein­ge­funden. Die Kund­gebung richtete sich gegen ein inter­na­tio­nales anti­mi­li­ta­ris­ti­sches Camp, mit dem eine Woche lang gegen das Gefechts­übungs­zentrum (GÜZ) Altmark pro­tes­tiert wurde. Im GÜZ probt die Bun­deswehr vor ihren Aus­lands­ein­sätzen das Krieg­führen. Dafür werden in Sachsen-Anhalts Heide ganze Städte nach­gebaut. Bis 2017 soll dort die Geis­ter­stadt Schnög­gersburg ent­stehen, die in der Taz als eine »Mischung aus Kin­shasa, Tim­buktu und Bagdad« beschrieben wird. Die Bun­deswehr hat also noch einiges vor in der Welt. Seit zwei Jahren rücken ihr Anti­mi­li­ta­risten aus der ganzen Republik und den euro­päi­schen Nach­bar­ländern auf die Pelle. »War starts here«, lautet die Parole der noch jungen Bewegung, die anders als die tra­di­tio­nelle deutsche Frie­dens­be­wegung nicht die USA, sondern die deutsche Kriegs­politik kri­ti­siert. Deshalb hegt die Alt­marker Bevöl­kerung auch kaum Sym­pa­thien für sie. In den ver­gan­genen Tagen wurden Gleise im GÜZ »geschottert« und beim Stöbern auf dem Gelände ein ver­las­sener Kon­troll­punkt der Bun­deswehr ent­deckt, in dem neben Berichten über mili­tä­rische Übungen auch Haken­kreuz­krit­ze­leien gefunden wurden. Am letzten Tag rückte die Polizei ins anti­mi­li­ta­ris­tische Camp ein und beschlag­nahmte einen PKW. Es soll geprüft werden, ob er mit einem Anschlag in der 50 Kilo­meter ent­fernten Kaserne Havelberg zu tun hat, bei dem in der Nacht zu Sonntag 16 Bun­des­wehr­fahr­zeuge unbrauchbar gemacht wurden. Die Anti­mi­li­ta­risten erklärten, sie hätten davon lediglich aus der Presse erfahren und könnten daher keine Stel­lung­nahme abgeben. Auch damit unter­scheiden sie sich von der alten deut­schen Frie­dens­be­wegung und ihren Distan­zie­rungs­ri­tualen.

http://​jungle​-world​.com/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​0​1​3​/​3​1​/​4​8​2​0​4​.html

Peter Nowak

Vor dem Auslandseinsatz geht es künftig zur Probe in die Altmark

[1]

http://​www​.heise​.de/​t​p​/​b​l​o​g​s​/​8​/​1​52711

[2]

http://​www​.deut​schesheer​.de/​p​o​r​t​a​l​/​a​/​h​a​/​!​u​t​/​p​/​c​4​/​0​4​_​S​B​8​K​8​x​L​L​M​9​M​S​S​z​P​y​8​x​B​z​9​C​P​3​I​5​E​y​r​p​H​K​9​j​N​T​U​o​v​i​M​R​L​2​U​z​N​S​8​4​p​L​i​k​t​S​c​H​L​3​0​1​L​T​U​5​I​y​S​4​t​L​U​p​C​r​9​g​m​x​H​R​Q​C​o​_8Cq/

[3]

http://​www​.war​starts​he​recamp​.org/

[4]

https://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=sw&dig=2013%2F07%2F24%2Fa0092&cHash=bf7c353b62fbb245896155d1468596b7

[5]

http://​dip21​.bun​destag​.de/​d​i​p​2​1​/​b​t​d​/​1​7​/​1​0​4​/​1​7​1​0​4​4​5.pdf

[6]

http://www.warstartsherecamp.org/sites/default/files/files/Antwort%20KA%20GUEZ%20Z.pdf

[7]

http://​www​.war​starts​he​recamp​.org/​d​e​/​p​r​e​s​s​e​-​z​u​m​-camp

[8]

http://www.streitkraeftebasis.de/portal/a/streitkraeftebasis/!ut/p/c4/NYvLCsIwEEX_KJOgInVnqAu3brTdSNoOZTAvJqOC-PEmC–BszlcGKES3YtWJ5Si83CDYabD9FblMd0zfVRmLAVVIBEkD9f2WFDNKaI0C0ah6pWdJFY5sfhWnsy1KFpg0Ka3eqv_M9-uG-1ptzeb_mwvkEM4_gA7KNra/

[9]

http://warstartsherecamp.org/de/story/pressemitteilung-3–27-juli-2013

[10]

http://warstartsherecamp.org/de/story/pressemitteilung-2–27-juli-2013

[11]

http://​per​spektive​.nostate​.net/235

[12]

http://www.edition-nautilus.de/programm/biografien/buch-978–3-89401–460-5.html

[13]

http://​arab​.blog​sport​.de/​2​0​1​1​/​1​1​/​2​1​/​2​3​-​n​o​v​e​m​b​e​r​-​s​o​l​i​d​a​r​i​t​a​e​t​-​m​i​t​-​i​n​g​e​-​u​n​d​-​t​hies/

[14]

http://​www​.amazon​.de/​d​p​/​3​4​2​3​0​0​5​6​6​1​/​r​e​f​=​n​o​s​i​m​?​t​a​g​=​t​e​l​e​p​o​l​i​s​0b-21