»Glaubt ihr, es macht Spaß, Drogen zu verkaufen?«

Wie eine Debatte um den Görlitzer Park abrupt ihr Ende fand

Eine Anwoh­ner­ver­sammlung zur Situation im Gör­litzer Park lief am Don­ners­tag­abend aus dem Ruder, als Pro­tes­tie­rende per Abstimmung aus dem Saal geworfen werden sollten.

Die Debatte um den Gör­litzer Park lässt die Wogen erst recht in Kreuzberg hoch­schlagen. Das wurde am Don­ners­tag­abend deutlich, als das Bezirks­par­lament Kreuzberg-Fried­richshain zu einer Ein­woh­ner­ver­sammlung zu diesem Thema in das Jugend­zentrum Chip geladen hatte. Ca. 280 Stadt­teil­be­wohner waren gekommen. Alle waren sich einig, dass die Zustände rund um den Park nicht optimal sind. Doch worauf soll der Fokus liegen? Darüber stritten sich die Teil­nehmer teil­weise sehr laut­stark. So berich­teten zahl­reiche Flücht­linge, die in Kreuzberg leben, über ständige Poli­zei­schi­kanen. Ein junger Mann aus Afrika brach in Tränen aus, als er über seine mit großen Stra­pazen ver­bundene Flucht erzählte. »Glaubt ihr, es macht mir Spaß Drogen zu ver­kaufen? Aber was soll ich machen, wenn ich meine Familie in Afrika ver­sorgen muss und nicht arbeiten darf?«

Auch viele Anwohner ver­mit­telten, wie empört sie über die starke Poli­zei­präsenz im Park sind. Andere Ein­wohner begrün­deten, warum sie der Dro­gen­handel vor allem auf den Wegen störe, an denen sich Kinder auf­hielten. Dabei betonten aller­dings viele der besorgten Eltern, dass sie sich nicht gegen die Flücht­linge wenden.

Einige machten kon­krete Vor­schläge. So regte ein Mann an, im Gör­litzer Park Areale zu errichten, in denen der Verkauf von Drogen möglich ist und andere, in denen ein Dro­gen­handel tabu sein soll. Dieser Vor­schlag fand bei vielen Men­schen Zustimmung, nicht aber beim eben­falls anwe­senden Staats­se­kretär des Ber­liner Innen­senats Bernd Krömer (CDU). Er mar­kierte auf der Ver­sammlung den kon­ser­va­tiven Hard­liner und gei­ßelte schwere Kri­mi­na­lität im Gör­litzer Park, die rigoros unter­bunden werden müsse. Seine Aus­füh­rungen waren von Pro­testen vieler Teil­nehmer begleitet. Öl ins Feuer goss auch die grüne Kreuz­berger Bür­ger­meis­terin Monika Herrmann, als sie den Kri­tikern vorwarf, gar nicht in Kreuzberg zu wohnen. »Ich bin 1981 hier her­ge­zogen und soll hier jetzt den Mund halten«, rief ein Mann. Als eine Mode­ra­torin über den Vor­schlag abstimmen lassen wollte, dass die Kri­tiker von Krömer und Herrmann poli­zeilich aus dem Saal geräumt werden sollen, war die Empörung auch bei manchem Mit­glied der Grünen groß. »Ich überlege, ob ich noch in dieser Partei bleibe«, rief ein empörter älterer Mann, bevor er den Saal verließ. Obwohl sich die Wogen wieder geglättet hatten und viele Teil­nehmer die Dis­kussion fort­setzen wollten, bestand die Mode­ra­torin auf dem Abbruch der Debatte.

Peter Nowak

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Links

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http://www.stroebele-online.dae/presse/26813.html

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http://​www​.hanf​parade​.de/

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http://​www​.bz​-berlin​.de/​b​e​z​i​r​k​/​k​r​e​u​z​b​e​r​g​/​d​r​o​g​e​n​r​a​z​z​i​e​n​-​i​m​-​g​o​e​r​l​i​-​s​i​n​d​-​s​i​n​n​l​o​s​-​a​r​t​i​c​l​e​1​7​1​6​9​9​7​.html

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http://​www​.kop​-berlin​.de/​v​e​r​a​n​s​t​a​l​t​u​n​g​/​s​c​h​l​u​s​s​-​m​i​t​-​d​e​n​-​r​a​s​s​i​s​t​i​s​c​h​e​n​-​p​o​l​i​z​e​i​k​o​n​t​r​o​l​l​e​n​-​e​n​d​-​r​a​c​i​a​l​-​p​r​o​f​i​l​i​n​g​-​e​s​-​g​i​b​t​-​h​i​e​r​-​k​e​i​n​-​p​r​o​b​l​e​m​-​m​i​t​-​d​e​r​-​s​i​c​h​e​r​h​e​i​t​-​e​s​-​g​i​b​t​-​h​i​e​r​-​e​i​n​-​p​r​o​b​l​e​m​-​m​i​t​-​d​e​r​-​p​o​l​i​z​e​i​-​t​h​e​r​e​-​s​-​n​o​-​p​r​o​b​l​e​m​-​w​i​t​h​-​s​a​f​e​t​y​-​h​e​r​e​-​t​h​e​r​e​-​s​-​a​-​p​r​o​b​l​e​m​-​w​i​t​h​-​t​h​e​-​p​olice

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http://​www​.tages​spiegel​.de/​b​e​r​l​i​n​/​p​o​l​i​z​e​i​-​j​u​s​t​i​z​/​g​o​e​r​l​i​t​z​e​r​-​p​a​r​k​-​i​n​-​b​e​r​l​i​n​-​d​r​o​g​e​n​k​o​n​t​r​o​l​l​e​n​-​u​n​d​-​g​e​g​e​n​k​u​n​d​g​e​b​u​n​g​/​8​5​8​7​4​6​0​.html

Solidemo für Roma

KREUZBERG Kund­gebung gegen For­derung nach schneller Räumung des Gör­litzer Parks

Mit einer Video­kund­gebung wollen sich anti­ras­sis­tische Gruppen am heu­tigen Mon­tag­abend mit den Roma soli­da­ri­sieren, die seit einigen Wochen im Gör­litzer Park leben. Sonja Wissel vom Pro­test­bündnis erklärte, mit der Kund­gebung wolle man auf den Druck von Poli­ti­ke­rInnen und Kreuz­berger Bewoh­ne­rInnen reagieren, die eine schnelle Räumung fordern. »Statt punk­tuell zu helfen, nötigen einige poten­zielle Wäh­le­rInnen das Bezirksamt Kreuzberg, aktiv zu werden«, kri­ti­siert Wissel die Haltung mancher Nach­ba­rInnen. Das Bezirksamt Kreuzberg schiebe wie­derum die Ver­ant­wortung an den Nach­bar­bezirk Mitte ab. Dort mussten die Roma ihre Woh­nungen räumen.

Die Bezirke Mitte und Kreuzberg sind nach Gesprächen mit dem Senat seit gut zehn Tagen auf der Suche nach Alter­nativ-Woh­nungen für die Familien – bislang ohne Erfolg.

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ba&dig=2011%2F08%2F29%2Fa0146&cHash=799f27b8dd

Peter Nowak

Demo 19.30 Uhr, Eingang Gör­litzer Park an der Ska­litzer Straße