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Zeitzeugen erinnern sich an die Schrecken von einst

Freitag, 30. Januar 2015

GEDENKEN Ein Arbeitskreis sammelt die Geschichten von NS-Überlebenden und macht sie öffentlich

“Ich war der einzige Jude in der Klasse und wurde selbst von den Sechsjährigen sofort ausgegrenzt. Ich wurde geschlagen und bespuckt. Selbst Kinder, mit denen ich noch vor der Einschulung gespielt hatte, spielten jetzt nicht mehr mit mir.” So erlebte Horst Selbiger, dessen Vater Jude war, seinen Schulalltag 1934 in Berlin. Der 84-Jährige schildert sie in einem Interview, das der Arbeitskreis “Fragt uns, wir sind die Letzten” in seiner fünften Broschüre veröffentlichte.

Bisher wurden 25 Biografien gesammelt

Gegründet wurde der Arbeitskreis 2010 von Aktiven aus dem Umfeld der Berliner VVN-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) und der Antifaschistischen Initiative Moabit (AIM) mit dem Ziel, die Stimmen der letzten Überlebenden des NS-Terrors aufzuzeichnen. “Alle sind aus der Generation der Nachgeborenen und auf die eine oder andere Weise antifaschistisch aktiv”, erklärt ein Mitglied des Arbeitskreises, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Die bisher 25 Interviews, die in fünf rund 65-seitigen Broschüren veröffentlicht wurden, können unter http://fragtuns.blogsport.de/broschuere/ heruntergeladen werden.

In der aktuellen Broschüre kommt auch Peter Perel zu Wort. Er wurde Zeuge der Massenerschießungen von Juden in seinem ukrainischen Heimatdorf unmittelbar nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht. Zu lesen ist auch von Lore Diehl, die den schweren Alltag einer antifaschistischen Familie in NS-Zeiten schildert. Als Kind einer sozialdemokratischen Familie musste sie miterleben, wie ihr Vater bereits 1933 in das Konzentrationslager Sonnenburg verschleppt wurde.

Leningrader Blockade erlebt – und überlebt

Dorothea Paley überlebte als Kind die Blockade Leningrads durch die deutsche Wehrmacht. Die Frau lebt heute in Deutschland und hat den Eindruck, dass viele Menschen über eines der größten deutschen Kriegsverbrechen in der ehemaligen Sowjetunion nicht informiert sind. Auch deswegen sei es so wichtig, dass diese Erlebnisse aufgezeichnet werden.

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ba&dig=2015%2F01%2F30%2Fa0127&cHash=06bc3a09c5859d02d7a60189aced111f

Peter Nowak