Giftige Geschäfte

Nach einer Umwelt­ka­ta­strophe in Vietnam im Frühjahr halten die Pro­teste gegen das ver­ant­wort­liche Unter­nehmen und die viet­na­me­sische Regierung, die mit dem dubiosen Konzern koope­riert, an.

Unab­hängige Umwelt­schützer sind bei vielen Regie­rungen nicht gerne gesehen. Das ehemals real­so­zia­lis­tische Vietnam, das schon längst den Weg der kapi­ta­lis­ti­schen Markt­wirt­schaft ein­ge­schlagen hat, geht derzeit gegen Men­schen vor, die die Umwelt­ver­brechen des tai­wa­ne­si­schen Kon­zerns Formosa Plastics Group (FPG) in Vietnam öffentlich machen wollen. So wurden von der viet­na­me­si­schen Regierung kürzlich Repres­salien gegen Blogger ver­schärft, die Videos über welt­weite Aktionen ins Netz stellen, mit denen eine ange­messene Ent­schä­digung für die Umwelt­ver­schmut­zungen des Kon­zerns in Vietnam und die Bestrafung der dafür Ver­ant­wort­lichen gefordert wird.

Anfang April waren über mehrere hundert Kilo­meter an der Küste Vietnams Mil­lionen toter Mee­res­le­be­wesen ange­schwemmt worden. Zudem gibt es Berichte über schwere Erkran­kungen von Men­schen, die Fisch aus diesem Gebiet ver­zehrt haben. Die Formosa Ha Tinh Steel Company soll zuvor 200 Tonnen hoch­giftige Che­mi­kalien ins Meer geleitet haben (Jungle World 25/2016). In Vietnam waren dar­aufhin wochenlang Men­schen aus Protest gegen den Umwelt­skandal auf die Straße gegangen.

FPG hat zwar mitt­ler­weile eine Ent­schä­digung von 500 Mil­lionen US-Dollar zugesagt. Für die Kri­tiker des Unter­nehmens ist diese Summe ange­sichts der immensen Umwelt­schäden in Vietnam und der Ver­giftung der Meere jedoch völlig unzu­rei­chend. Zudem ist noch unklar, wie viele Men­schen Gesund­heits­schäden durch die Akti­vi­täten von FGB erlitten haben. Bekannt ist bisher nur, dass ein Taucher gestorben ist, nachdem er in dem Teil des Meeres unterwegs gewesen war, in den FPG das Gift geleitet hatte. Dass die viet­na­me­sische Regierung die Auf­klärung der Umwelt­schäden und der Folgen erschwert, zeigte sich, als Experten vor Ort recher­chieren wollten. Die viet­na­me­sische Regierung erlaubte ihnen nicht, Meer­was­ser­proben zu ent­nehmen, so dass sie sich auf die Daten der Regierung stützen mussten.

Der 1954 in Taiwan gegründete Konzern Formosa war im anti­kom­mu­nis­ti­schen Klima des Viet­nam­krieges zum weltweit füh­renden Unter­nehmen auf dem Gebiet der Chemie und Bio­tech­no­logie geworden war. Daher erstaunt die heutige Koope­ration, doch schon lange unterhält die Volks­re­publik Vietnam, die mit China über Grenz­fragen zer­stritten ist, gute Kon­takte mit Taiwan. Zudem könnte eine unab­hängige Zivil­ge­sell­schaft die Kritik auch auf die Umwelt­bilanz viet­na­me­si­scher Unter­nehmen aus­weiten. Das wollen die viet­na­me­si­schen Behörden ver­hindern. Dennoch haben sich am 17. Juni anlässlich der FPG-Jah­res­haupt­ver­sammlung in Taiwan neben inter­na­tio­nalen Umwelt­schützern auch Viet­na­mesen in ver­schie­denen Ländern an Pro­testen beteiligt. In Köln orga­ni­sierte die Gruppe »Viet Zukunft« an diesem Tag eine Unter­schrif­ten­kam­pagne für eine ange­messene Ent­schä­digung. Um poli­tische Ver­folgung in Vietnam zu ver­meiden, unterhält die Initiative aber keine Homepage und es finden sich auch keine Videos über die Aktion.

Doch FPG ist nicht erst wegen der Umwelt­schäden in Vietnam in die Kritik geraten. Bereits 1998 wurden Kon­zern­mit­ar­beiter dabei erwischt, wie sie 3 000 Tonnen gif­tiger Abfälle vor der kam­bo­dscha­ni­schen Hafen­stadt Siha­nouk­ville im Meer ver­senken wollten. Auch in Kam­bo­dscha geht die dortige eng mit der viet­na­me­si­schen Regierung ver­bündete Kom­mu­nis­tische Partei seit Jahren repressiv gegen zivil­ge­sell­schaft­liche Initia­tiven und Gewerk­schaften vor. In Taiwan ist in den ver­gan­genen Jahren die Kritik an dem Gebaren des Kon­zerns gewachsen. Mitt­ler­weile steht FPG auf einer Liste der zehn größten Umwelt­ver­schmutzer des Landes. Unab­hängige Gewerk­schaften prangern auch die Arbeits­be­din­gungen in dem Konzern an. Immer wieder komme es in Betrieben von FPG zu Todes­fällen und anderen Unfällen, schreibt auch die Stiftung Ethecon, die dem Konzern bereits 2009 ihren all­jährlich aus­ge­lobten Schmäh­preis Black Planet Award ver­liehen hat. Ethecon hat unter anderem die For­de­rungen der inter­na­tio­nalen Pro­test­be­wegung gegen FPG in Deutschland bekannt gemacht.

http://​jungle​-world​.com/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​0​1​6​/​3​4​/​5​4​7​2​6​.html

Peter Nowak