Prenzlberg geht auf die Straße Mieten-

Demo am Freitag soll beweisen: In Prenz­lauer Berg haben längst nicht alle mit der Gen­tri­fi­zierung abge­schlossen

Unter der Parole „Gemeinsam gegen Mie­ten­wahnsinn und Ver­drängung“ gab es in den letzten Monaten zahl­reiche Demons­tra­tionen in Kreuzberg und Neu­kölln. Doch am kom­menden Freitag gehen unter die- sem Motto auch in Prenz­lauer Berg Mie­te­rInnen auf die Straße. Beginnen soll die Demo um 16 Uhr am U- Bahnhof Sene­feld­erplatz. Von dort soll es zu Orten von dro­hender Ver­drängung und geplantem Wider­stand gehen. Orga­ni­siert werde die Demo von Men­schen aus dem Helm­holtz- und Koll­witzkiez, erklärt Enrico Schönberg von der stadt­po­li­ti­schen Intiative „Wir bleiben alle“ gegenüber der taz. Sie hätten sich seit den Akti­ons­tagen gegen Ver­drängung im Vorfeld der großen Ber­liner Mie­te­rIn­nen­de­mons­tration im April regel­mäßig im Nach­bar­schaftshaus Helm­holtz­platz getroffen und kleinere Aktionen bei­spiels­weise bei Woh­nungs­be­sich­ti­gungen durch Kauf­in­ter­es­sen­tInnen vor­be­reitet. Zu den Orga­ni­sa­to­rInnen gehört außerdem das Pan­kower Mie­te­rIn­nen­forum, in dem sich Bewoh­ne­rInnen aus dem Stadtteil ver­netzen. Mit der Demons­tration wolle man dem Ein­druck ent­ge­gen­treten, in Prenz­lauer Berg sei die Gen­tri­fi­zierung abge­schlossen. „Es gibt viele Mie­te­rInnen, Haus­ge­mein­schaften und Gewer­be­trei­bende, die sich in dem Stadtteil gegen ihre Ver­drängung wehren“, betont Schönberg. Sie sollen auf der Demo zu Wort kommen. Dazu gehören etwa die Mie­te­rInnen der Gleim­straße 56, die nach ihren Pro­testen gegen den geplanten Verkauf an einen pri­vaten Investor einen Erfolg ver­melden können: Sie konnten erreichen, dass der Bezirk das Vor­kaufs­recht anwenden will (taz berichtete). Die wenigen noch ver­blie­benen Mie­te­rInnen der Kopen­ha­gener Straße 46 hin­gegen müssen wei­terhin um ihre Woh­nungen bangen. Dazu gehört Sven Fischer, der durch sein jah­re­langes Enga­gement eine der Sym­bol­fi­guren für den Kampf gegen Ver­drängung durch ener­ge­tische Sanierung geworden ist. Die Demons­tration will mit ihrem Zwi­schen­stopp vor diesem Haus auch ein Zeichen der Ermu­tigung senden. Die Demons­tration soll auch auf Wohn­häuser auf­merksam machen, die zum Objekt von Immo­bi­li­en­firmen geworden sind, in denen sich aber noch kein Wider­stand ent­wi­ckelt hat. Schließlich ist der Stadtteil gerade durch sein Image als gut­bür­ger­licher Bezirk für Akteu­rInnen der Immo­bi­li­en­wirt­schaft besonders inter­essant, die dort anders als in Kreuzberg oder Fried­richshain weniger Protest und Wider­stand erwartet. Mit der Demons­tration soll diesem Image ent­ge­gen­ge­treten werden.

aus:
taz dienstag, 25. sep­tember 2018

Peter Nowak