Wo bleibt das »CyberSyn« in Venezuela?

Bleibt ehe­ma­ligen Unter­stützern des boli­va­ria­ni­schen Pro­zesses nur, Abbitte zu leisten?

Der Macht­kampf um Vene­zuela geht weiter. Je länger die Dop­pel­herr­schaft andauert, desto größer wird die Gefahr eines mili­tä­ri­schen Ein­greifens der Nach­bar­länder gemeinsam mit den USA. Dagegen haben in den letzten Tagen in vielen Ländern, auch in Deutschland, Men­schen unter der Parole »Hände weg von Vene­zuela« [1] demons­triert. Es ist aller­dings…

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Ein Blick auf mögliche Zukünfte

Ein Sammelband diskutiert Kybernetik und emanzipatorische Perspektiven

Roboter ver­nichten Arbeits­plätze, Smart­phones sorgen dafür, dass die Men­schen sich nicht mehr zum Plausch treffen und Drohnen sind eine neue, besonders heim­tü­ckische Form der Kriegs­führung. Tat­sächlich hat der tech­nische Fort­schritt auch unter außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken keine guten Ruf mehr.

Die drei Sozi­al­wis­sen­schaftler Anne Kop­pen­burger, Paul Buckerkmann und Simon Schaupp wählen einen anderen Ansatz, der schon im Titel deutlich wird. Sie ver­binden Kyber­netik mit eman­zi­pa­to­ri­schen Per­spek­tiven. Dabei kri­ti­siert das Her­aus­ge­bertrio zwei Posi­tionen, die in der Linken zur Tech­nik­frage zu finden sind: »Die einen treibt es zurück in den Garten, in ihren Augen hält ein tech­no­lo­gi­scher Wandel grund­sätzlich nur Schlechtes bereit und kann nicht mehr auf­ge­halten oder nach­jus­tiert werden. Für die anderen erstrahlt ein voll­au­to­ma­ti­scher Luxus-Kom­mu­nismus am Horizont des Silicon-Valley, eine Welt ohne schlechte Arbeit durch Kyber­netik, Roboter und künst­liche Intel­ligenz scheint möglich.«

In den elf Auf­sätzen setzen sich ver­schiedene Autorinnen und Autoren mit den Ver­hei­ßungen und Ver­spre­chungen, die mit bestimmten Tech­no­logien ver­bunden sind, kri­tisch aus­ein­ander. So dekon­struiert Matteo Pas­qui­nelli den Mythos von den den­kenden Maschinen und der künst­le­ri­schen Intel­ligenz als eine neue Form von Klas­sen­kampf. Simon Schaupp zeigt anhand his­to­ri­scher Bei­spiele auf, dass es falsch wäre, Kyber­netik nur mit dem Kapi­ta­lismus in Ver­bindung zu bringen. So hat der Begründer der modernen Kyber­netik, Norbert Wiener, US-ame­ri­ka­ni­schen Indus­trie­ge­werk­schaften Beratung in Auto­ma­ti­sie­rungs­fragen ange­boten. Dass es dazu nicht kam, lag daran, dass die Gewerk­schafts­führung in den 1960er Jahren die Not­wen­digkeit dafür nicht erkannte. Weiter vor­an­ge­schritten waren die Pla­nungen für das Projekt Cybersyn im sozia­lis­ti­schen Chile während der kurzen Zeit der Unidad-Popular-Regierung unter Sal­vador Allende. »Gerade der Blick in die Ver­gan­genheit – also die his­to­rische Rekon­struktion kyber­ne­ti­scher Utopien – kann den Blick für mög­liche Zukünfte schärfen«, betont Schaupp.

Mit Nick Srnicek kommt ein Ver­treter des Akze­le­ra­tio­nismus zu Wort, die sich besonders tech­nik­freundlich gebären. Auch er bezieht sich positiv auf das Projekt Cybersyn in Chile. Philipp Frei wie­derum erklärt, wie im Kapi­ta­lismus der Traum von einer Auto­ma­ti­sierung der Arbeitswelt, die die Men­schen von schmut­zigen, gesund­heits­schäd­lichen Tätig­keiten ent­lasten könnte, zum Alp­traum wird. Zu seinen radi­kal­po­li­ti­schen Vor­schlägen zählt eine radikale Arbeits­zeit­ver­kürzung und ein bedin­gungs­loses Grund­ein­kommen. Auch femi­nis­tische Debatten werden im Band reflek­tiert. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Buch eine leb­hafte Dis­kussion unter Linken auslöst.

Paul Buckermann/​Anne Koppenburger/​Simon Schaupp (Hg.): Kyber­netik, Kapi­ta­lismus, Revo­lu­tionen, eman­zi­pa­to­rische Per­spek­tiven im tech­no­lo­gi­schen Wandel
Unrast. 300 S., br., 20 €.

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Peter Nowak

Erinnerung an ein Stück Computersozialismus

In Chile wurde unter dem sozia­lis­ti­schen Prä­si­denten Sal­vador Allende ver­sucht, eine com­pu­ter­ge­steuerte Plan­wirt­schaft umzu­setzen. Im Roman «Gegen die Zeit» von Sascha Reh stehen die Mit­ar­bei­te­rInnen dieses Pro­jekts im Mit­tel­punkt.

Langsam ver­blasst die Erin­nerung an die knapp drei­jährige Regie­rungszeit der Unidad Popular unter Prä­sident Sal­vador Allende in Chile. Im Herbst 1970 wurde der linke Prä­sident ins Amt gewählt und im Anschluss immer hef­tiger von der chi­le­ni­schen Kon­ter­re­vo­lution
und ihren Ver­bün­deten in den USA, aber auch in latein­ame­ri­ka­ni­schen Nach­bar­staaten atta­ckiert.

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