Alternativer Bebauungsplan

Bebauungsplan ohne Padovicz und Coral World

Die Initiative »Rettet die Rum­mels­burger Bucht« geht in ihren Alter­na­tivplan auf die Kritik großer Teile der Anwonhner*innen ein

Seit Monaten wehren sich Mieter/​innen und Gewer­be­trei­bende in Lich­tenberg gegen den Bebau­ungsplan Ost­kreuz, der das Areal zwi­schen den S-Bahnhof Ost­kreuz und der Rum­mels­burger Bucht grund­legend umge­stalten soll. Besonders in der Kritik steht dabei…

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»Coral World« heißt Verdrängung

Mieter/​innen und Gewer­be­trei­bende wehren sich gegen Kom­merz­projekt an der Rum­mels­bucht. Dabei haben sie auch die Mehrheit der LINKEN zum Kon­tra­henten.

Rund um den Bahnhof Ost­kreuz in Berlin wird viel gebaut. Auf der Lich­ten­berger Seite, in der Haupt­straße 1 g-i, konnten bisher einige über 80jährige Wohn­häuser der Abriss­birne trotzen. Doch wie lange noch? Inves­toren wie Padovicz haben ein Auge auf das Areal zwi­schen Ost­kreuz und Rum­mels­burger Bucht geworfen. Er hat mehrere sanie­rungs­be­dürftige Häuser in der Haupt­straße 1 g – i erworben. Den ange­grauten Wänden sieht man an, dass hier lange nicht mehr reno­viert wurde. Die Mieter/​innen sollen ver­schwinden. „Die Haus­ver­waltung kümmert sich schon lange nicht mehr um die Häuser. Selbst das kaputte Dach wird nicht repa­riert“, klagt Manuela Kaiser (Name auf Wunsch geändert). Sie wohnt seit vielen Jahren in einem der Häuser und will dort auch bleiben. Daher orga­ni­siert sie mit einigen Nachbar/​innen nicht nur Wider­stand gegen die Abriss­pläne des Eigen­tümers, sondern gegen die Bebau­ungs­pläne an der Rum­mels­bucht ins­gesamt. „Hinter den blu­migen Ver­sprechen der Inves­toren ver­steckt sich nichts anderes als Ver­wertung: Hier wird bil­liger Wohnraum beseitigt und teurer geschaffen“, so ihre Kritik. Die Bewohner/​innen haben sich bereits vor Monaten in den Häusern orga­ni­siert und auch mit Initia­tiven aus anderen Stadt­teilen sowie dem ber­lin­weiten Blog von Padovicz-Mie­ter/innen »Pado­watch« ver­netzt. Seitdem meh­reren sich auch rund um die Rum­mels­bucht die Pro­teste. Anfang Sep­tember gab es eine Orts­be­gehung zu Orten von Ver­drängung und Protest. Am 18. Oktober richtet sich der Unmut gegen die Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­sammlung von Lich­tenberg. Denn dort soll der Bebau­ungsplan Ost­kreuz beschlossen werden, der nach Meinung der Kritiker/​innen einen „Aus­verkauf wie in San Fran­cisco“ bedeuten würde.

Tou­ris­mus­pro­jekte in der Kritik
Kern des Bebau­ungs­plans Ost­kreuz ist die »Coral World«, ein Rie­sen­aquarium. Dabei handelt es sich um einen kom­mer­zi­ellem Enter­tainment-Aqua-Park, der pro Jahr 500.000 Besucher/​innen anziehen soll. Deshalb sollen auch neue Hotels an der Rum­mels­bucht ent­stehen. Sollten diese Pläne umge­setzt wären, droht eine Tou­ris­ti­fi­zierung des Areals zwi­schen Rum­mels­bucht und Ost­kreuz. Wie in anderen Stadt­teilen, in denen der rote Teppich für den Tou­rismus aus­ge­rollt wird, mögen dort neue prekäre Arbeits­plätze ent­stehen. Doch Men­schen mit geringen Ein­kommen können sich die Woh­nungen dort dann nicht mehr leisten. Daher findet das Motto „Bebauung heißt Ver­drängung“ viel Zustimmung unter den Mieter/​innen und Gewer­be­trei­benden an der Rum­mels­bucht. Dabei geht es gegen den Bau von Pro­jekten wie »Coral World« und Nobel­hotels und nicht gegen den Bau von bezahl­baren Woh­nungen. Gemeinsam will man den Lich­ten­berger Bezirks­ver­ord­neten deutlich machen, dass das Areal um die Rum­mels­bucht kein Brachland ist, das durch Tou­ris­mus­pro­jekte erschlossen werden muss. Besonders für die LINKE, die in der BVV-Lich­tenberg stärkste Fraktion ist und mit Michael Grunst den Bezirks­bür­ger­meister stellt, kann die Aus­ein­an­der­setzung tur­bulent werden. Während Grunst das Projekt »Coral World« als gut für den Bezirk lobt, unter­stützen einige Mit­glieder der Links­fraktion in der BVV die Kritiker/​innen. Sie dürften aller­dings in der BVV gemeinsam mit den Mit­gliedern der Fraktion der Grünen, die den Bebau­ungsplan Ost­kreuz in der bestehenden Form ablehnen, in der Min­derheit bleiben. Nun muss sich zeigen, ob die Kritiker/​innen mehr Druck von Außen auf­bauen können, um eine neue Tou­ris­muszone an der Rum­mels­bucht zu ver­hindern.

Mie­te­rEcho online 18.10.2018

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Peter Nowak