GEGEN DIE ZERSTÖRUNG VON HERZ UND HIRN

„Arbeits­be­dingte Krank­heiten nehmen zu. Dieser Ent­wicklung sollte Einhalt geboten werden. Dafür möchte ich meine arbeits- und gesund­heits­wis­sen­schaft­liche Kom­petenz ein­setzen.“

Mit diesen Sätzen beschreibt Wolfgang Hien sein lang­jäh­riges Enga­gement für den Gesund­heits­schutz in der Arbeitswelt. Warum das Thema zu seiner Lebens­aufgabe wurde, kann man in einem langen Gespräch erfahren, das Hien mit dem His­to­riker Peter Birke geführt hat. Im VSA-Verlag ist es unter dem Titel…

GEGEN DIE ZER­STÖRUNG VON HERZ UND HIRNwei­ter­lesen

Stifter versus Zivilklausel

»Ent­weder die Uni ändert die Zivil­klausel oder wir lassen die Pro­fessur sein.« Diese klare Ansage des Vor­sit­zenden des Bremer Kon­zerns OHB Marco Fuchs im »Weser­kurier« sorgen am Campus der Bremer Uni­ver­sität für Auf­regung. 165 000 Euro will sich OHB eine Pro­fessur für Raum­fahrt­tech­no­logie an der Uni kosten lassen. Die Zivil­klausel wurde vor mehr als 25 Jahren von kri­ti­schen Wis­sen­schaftlern und Stu­die­renden erkämpft. Damit sollte »jede Betei­ligung von Wis­sen­schaft und For­schung mit mili­tä­ri­scher Nutzung bzw. Ziel­setzung« an der Bremer Uni aus­ge­schlossen werden.

Kein Wunder, dass der OHB-Konzern, der mit dem Bau von Auf­klä­rungs­sa­tel­liten reich geworden ist, mit einer solchen Fest­legung Schwie­rig­keiten hat. Dass Fuchs aber die Uni-Gremien jen­seits aller demo­kra­ti­schen Pro­ze­duren schlicht erpresste, brachte nicht nur den AStA auf die Palme. Bedenklich ist aller­dings, dass der Rektor der Uni­ver­sität, Wil­fried Müller, sich nicht ein­deutig gegen die Kritik von Fuchs ver­wahrte. Vielmehr beteuerte Müller, dass die Uni»mit Nach­druck« zur OHB-Pro­fessur stehe und diese für »außer­or­dentlich wichtig« halte. Die Zivil­klausel müsse »aktua­li­siert« werden, da sich die geo­po­li­tische Gesamt­si­tuation seit den 80er Jahren erheblich ver­ändert habe, ver­suchte der Rektor dem Willen des Stifters nach­zu­kommen.

»Das läuft auf die Abschaffung der Klausel hinaus,«kommentierte AStA-Sprecher Sören Böhrnsen dieses devote Ver­halten. Er hätte noch hin­zu­fügen können, dass die Demo­kratie an der Hoch­schule dabei gleich mit abge­schafft würde. Es ist aller­dings kei­nes­falls nur ein Problem der Bremer Uni­ver­sität, wie ähn­liche Debatten um die Abschaffung der Zivil­klausel an der Uni Karlsruhe und an anderen Hoch­schulen zeigen. In Zeiten der Stif­tungsuni droht auch anderswo die inner­uni­ver­sitäre Demo­kratie auf der Strecke zu bleiben.

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Peter Nowak

Kein Tag für Deutschland

Linke mobi­li­sieren gegen die Ein­heits­feiern in Bremen

Was haben der Bun­des­vor­sit­zende der Jusos Sascha Vogt, die Euro­pa­ab­ge­ordnete der LINKEN Gaby Zimmer und der Intendant am Ber­liner Maxim-Gorki-Theater Armin Petras gemein­samen? Alle drei haben in der taz vom ver­gan­genen Sonn­abend die Frage ver­neint, ob der zwan­zigste Jah­restag der deut­schen Wie­der­ver­ei­nigung Grund zum Feiern sein soll. Sie stehen mit ihrer Meinung nicht allein. Unter dem Motto »Etwas Bes­seres als die Nation« ruft ein linkes Bündnis zu einer bun­des­weiten Demons­tration auf, die am 3. Oktober um 16.30 Uhr am Bremer Haupt­bahnhof beginnt.

Das Bun­desland Bremen richtet in diesem Jahr die Ein­heits­fei­er­lich­keiten aus. Bun­des­prä­sident Wulff und Bun­des­kanz­lerin Merkel werden dort Reden halten und zum Kul­tur­pro­gramm gehören der Auf­tritt von Silly aus der DDR und Nena aus der BRD. »Super­deutschland begießt 20 Jahre Einheit, mit Angela, Christian und Nena. Es gibt zwar kein Freibier, aber wir kommen trotzdem«, kom­men­tieren die Anti­na­tio­na­listen das Pro­gramm iro­nisch. Die Aus­richter des Ein­heits­tages werden von Alex Schneider, einem Mit­or­ga­ni­sator der Gegendemo, mit Spott bedacht: »Ursprünglich war geplant, eine Mauer aus weißen Laken zu errichten, die gemein­schaftlich bemalt und anschließend sym­bo­lisch ein­ge­rissen werden sollte. Doch noch nicht mal das haben die Bremer Fei­er­tags­bü­ro­kraten hin­ge­kriegt.« In dieser Unbe­hol­fenheit sieht er keinen Grund für eine Ent­warnung. »Der nationale Burg­frieden braucht kein von oben ver­ord­netes Kul­tur­pro­gramm, er gründet im spon­tanen All­tags­na­tio­na­lismus der Bürger«, warnt Schneider.
Kein Frieden mit »Schland«

Genau an diesem Punkt setzt die Kritik der Anti­na­tio­na­listen an. Auch der scheinbar heitere Par­ty­na­tio­na­lismus der Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft, in dem Deutschland zu »Schland« zusam­men­schrumpfte, sei nicht so harmlos, wie es scheint, betont Schneider. Auf einer Ver­an­staltung des Ber­liner Bünd­nisses gegen die Wen­de­fei­er­lich­keiten, das zur Bremer Demons­tration mobi­li­siert, wurde auf ver­schiedene Facetten des von ihnen kri­ti­sierten All­tags­na­tio­na­lismus ein­ge­gangen. The­ma­ti­siert wurde dabei auch der Flag­gen­streit im Ber­liner Stadtteil Neu­kölln. Während der Fußball-WM waren dort häufig Läden und Woh­nungen von Men­schen mit migran­ti­schem Hin­ter­grund mit schwarz-rot-gol­denem Stoff ver­ziert, was bei linken Gruppen im Stadtteil auf Kritik stieß. Kri­tisch sehen die Ver­an­stalter auch die um ihren Arbeits­platz kämp­fenden Opel-Arbeiter, die einem bestimmten Investor Lohn­ver­zicht anboten und damit ein Bei­spiel für »betrieb­lichen Stand­ort­na­tio­na­lismus« dar­stellten.

Eine zen­trale Rolle bei den Pro­testen spielt das 2006 gegründete »Ums-Ganze!«-Bündnis, in dem sich Ablehnung von »Staat, Nation und Kapital« mit avant­gar­dis­ti­scher Attitüde ver­bindet. Schon im letzten Jahr hat sich am 8. November das Bündnis kri­tisch mit den Wen­de­fei­er­lich­keiten beschäftigt. Mehrere tausend Men­schen betei­ligten sich an einer Demons­tration in Berlin unter dem Motto »Es gibt kein Ende der Geschichte«. Auch in Bremen rechnet Alex Schneider mit einigen tausend Teil­nehmern. In zahl­reichen Städten habe es gut besuchte Vor­be­rei­tungs­ver­an­stal­tungen gegeben und ein Jugend­bündnis ruft zu einem eigenen Block auf der Demons­tration auf.

http://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​8​0​6​3​2​.​k​e​i​n​-​t​a​g​-​f​u​e​r​-​d​e​u​t​s​c​h​l​a​n​d​.html

Peter Nowak