Tropfen auf den heißen Stein

Stahlkonzern zahlt Entschädigung für Umweltschäden und Fischsterben

Das tai­wa­ne­sische Stahlwerk Formosa Plastic Group (FPG) steht seit Jahren wegen der Schä­digung der Umwelt in der inter­na­tio­nalen Kritik. Die Pro­teste zeigen mitt­ler­weile Wirkung. So hat sich der Kon­zern­vor­stand zur Zahlung von 500 Mil­lionen US-Dollar Ent­schä­digung wegen der mas­siven öko­lo­gi­schen Schäden und des Fisch­sterbens in Vietnam bereit erklärt.

»Offen­kundig haben unsere inter­na­tio­nalen Pro­teste in Koope­ration mit Partnern in Vietnam, Taiwan und anderen Ländern Wirkung gezeigt«, erklärt die Geschäfts­füh­rerin der Stiftung Ethecon, Sarah Schneider, gegenüber »nd«. Die Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sation hatte 2009 der Formosa Plastic Group den Schmäh­preis »Black Planet Award« ver­liehen. »Die Geschichte des Kon­zerns ist begleitet von einer andau­ernden Folge sozialer und öko­lo­gi­scher Ver­brechen in aller Welt«, hieß es in der Begründung.

Die Ursprünge des Kon­zerns liegen im Kalten Krieg: 1954 wurde er in Taiwan gegründet und hat sich zu einem füh­renden Bio­tech­no­logie- und Che­mie­un­ter­nehmen ent­wi­ckelt. Immer wieder geriet er mit Umwelt­skan­dalen in die Kritik. So wurde 1998 bekannt, dass FPG 3000 Tonnen gif­tigen Abfall vor Kam­bo­dschas Küste illegal ent­sorgte. Immer wieder gibt es auch Ver­letzte und Tote unter den Beschäf­tigten des Kon­zerns, der in Taiwan als einer der zehn größten Umwelt­ver­schmutzer gilt, die für ein Viertel der im Land pro­du­zierten Treib­hausgase ver­ant­wortlich sind.

Obwohl FPG im auch gegen Nord­vietnam gerich­teten Kalten Krieg groß geworden ist, will die heute auf dem Pfad der Markt­wirt­schaft wan­delnde viet­na­me­sische Regierung es sich mit dem Unter­nehmen nicht ver­derben. »Umwelt­schützer werden nicht gerade mit offenen Armen auf­ge­nommen«, erklärt Schneider. Ein inter­na­tio­nales Exper­tenteam, das die Ver­schmutzung unter­suchen wollte, durfte keine eigenen Meer­was­ser­proben ent­nehmen, sondern musste sich auf Daten der Regierung stützen. Gegen Blogger, die Videos über die Pro­teste gegen den Konzern ver­öf­fent­lichen, gehen die viet­na­me­si­schen Behörden mit Repres­sionen vor.

Daher hat die Gruppe »Viet Zukunft« auch keine eigene Homepage. Sie besteht aus in Deutschland lebenden Viet­na­mesen, die in ihr Hei­matland zurück­kehren wollen. Sie betei­ligten sich am 17. Juni par­allel zur Jah­res­haupt­ver­sammlung von FPG in Taiwan an einer Unter­schrif­ten­kam­pagne in Köln.

In vielen Ländern wurde an diesem Tag eine ange­messene Ent­schä­digung für die Umwelt­ver­brechen gefordert. »Die 500 Mil­lionen US-Dollar sind viel zu gering«, betont Schneider. Ethecon fordert auch die Bestrafung der für die Umwelt­ver­brechen Ver­ant­wort­lichen im Konzern. Von der viet­na­me­si­schen Regierung wird eine voll­ständige Trans­parenz über das Ausmaß der Umwelt­ver­schmutzung abge­mahnt. Das Thema wird auch auf der Ethecon-Jah­res­haupt­ver­sammlung am 19. November in Berlin eine Rolle spielen. Wer diesmal den Black Planet Award für besonders große unter­neh­me­rische Ver­ant­wor­tungs­lo­sigkeit ver­liehen bekommt, gibt Ethecon am 19. Sep­tember bekannt.

Peter Nowak

Vergessene Opfer

Konzernkritiker erinnern an Bhopal und Sudankonflikt

»Flucht­ur­sachen bekämpfen, nicht die Flücht­linge«, lautete das Motto der Tagung der kon­zern­kri­ti­schen Stiftung »Ethecon« am Wochenende in Berlin. Viele Men­schen müssten fliehen, weil die reichen Nationen der Welt ihre Länder zer­stören, betonte Judith Kopp von Pro Asyl. Seit 2006 ver­leiht die Ethecon-Stiftung jährlich einen Posi­tiv­preis, den Blue Planet Award, für Per­sonen und Insti­tu­tionen, die sich für eine soziale und öko­lo­gische Welt enga­gieren. Der Black Planet Award hin­gegen geht an Per­sonen und Insti­tu­tionen, die für Ruin und Zer­störung der Erde ver­ant­wortlich gemacht werden. Übli­cher­weise folgen die Emp­fänger des Nega­tiv­preises der Ein­ladung nicht. So war auch diesmal kein Ver­treter des Che­mie­kon­zerns Dow Che­mical anwesend, um die Schmährede des indi­schen Arztes Mali Muttana Mallapi aus Bhopal zu hören.

Die Stadt steht für eines der größten Ver­brechen des Kon­zerns. Tau­sende Men­schen wurden durch ein Leck in der dor­tigen Che­mie­fabrik am 3. Dezember 1984 getötet und Hun­dert­tau­sende ver­letzt. Noch immer kämpfen die Opfer und ihre Ange­hö­rigen um eine Ent­schä­digung. Weil sich der Konzern weigert, das Fabrik­ge­lände zu sanieren, sterben noch immer Men­schen und Kinder ver­giften sich erneut. Für den Ethecon-Mit­be­gründer Axel Köhler-Schnura ist Bhopal die Folge einer ver­bre­che­ri­schen Kon­zern­po­litik. »Dow Che­mical ist von Steu­er­hin­ter­ziehung, Fäl­schung von Mes­sungen, Bestechung bis zu Kriegs­trei­berei in zahllose Ver­brechen gegen Mensch und Umwelt ver­wi­ckelt und muss gestoppt werden«, betont Köhler-Schnura. Auch mit den tod­brin­genden Che­mi­kalien Dioxin und Agent Orange ist der Name ver­knüpft.

Gewürdigt wurde hin­gegen der slo­we­nische Fil­me­macher und Jour­nalist Tomo Križnar. In seiner Rede widmete sich der Men­schen­rechts­ak­tivist der indi­genen Bevöl­kerung in Sudan, die im Kon­flikt zwi­schen dem Norden und dem Süden zwi­schen die Fronten geraten ist. Viele Men­schen wurden aus ihren Dörfern ver­trieben und leben unter erbärm­lichen Bedin­gungen in Erd­höhlen. Križnar hat ihr Schicksal auch mit Filmen einer grö­ßeren Welt­öf­fent­lichkeit bekannt gemacht. In Berlin for­derte er, Indigene wie die Nuba gegen die mili­tä­ri­schen Über­griffe des Al-Bashir-Regimes durch ein Pro­tek­torat sowie den Einsatz von zivilen Über­wa­chungs­drohnen zu schützen. Auch inter­na­tionale Kon­zerne macht der Sudan­ak­tivist ver­ant­wortlich. So seien viele Regionen Afrikas für sie inter­essant geworden, weil dort das für die Han­dy­pro­duktion not­wendige Coltan abgebaut wird. »Während für Gorillas und andere bedrohte Tier­arten Natio­nal­parks errichtet werden, ist die indigene Bevöl­kerung wei­terhin schutzlos der isla­mis­ti­schen Dik­tatur in Sudan aus­ge­liefert«, so Križnars bit­teres Resümee.

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Peter Nowak