„Bärgida“-Kundgebung am Bendlerblock

Der Berliner Pegida-Ableger sieht sich in der Tradition des 20. Juli.

Erneut trafen sich am Mon­tag­abend etwa 150 Men­schen zum 29. „Bärgida“-Spaziergang am Rande des Ber­liner Haupt­bahnhofs. Die Trans­pa­rente gegen die Isla­mi­sierung und die Fahnen unter­schieden sich nicht von den vorigen Auf­mär­schen des Ber­liner Pegida-Ablegers. Auch die Rede­bei­träge waren wie in den Vor­wochen eine Kom­bi­nation von Islam­kritik und Lin­ken­ba­shing. Ein Mann, der sich als Stephan aus dem Bezirk Fried­richshain-Kreuzberg vor­stellte, wet­terte gegen ein „rotgrün ver­gut­mensch­lichtes und gen­de­ri­siertes Stadt­viertel“ mit „links­fa­schis­ti­schem Terror und Refugees welcome Pro­pa­ganda.“ Danach pran­gerte der Vor­sit­zende von „pro Deutschland“ Manfred Rouhs den angeb­lichen „Asyl­wahnsinn“ im Bezirk Rei­ni­ckendorf an.Wie üblich zog die „Bärgida“-Demonstration zum Bran­den­burger Tor und wurde dort offi­ziell auf­gelöst. Doch die meisten Teil­nehmer trafen sich wenig später am Pots­damer Platz wieder, wo ein spon­taner Demons­tra­ti­onszug zum Bend­ler­block, in dem sich heute die Gedenk­stätte Deut­scher Wider­stand befindet, ange­meldet wurde. Dort hielt der „Bärgida“-Organisator Karl Schmitt eine Rede, in der der Hitler-Atten­täter von Stauf­fenberg als Wider­stands­kämpfer von rechts gelobt wurde. Damals wie heute gäbe es rechte Anti­fa­schisten, die „Flug­blätter in der Öffent­lichkeit ver­teilen, bereit sind, sich für die Sache zu opfern und generell ein hohes Risiko für die Freiheit aller Men­schen ein­zu­gehen“. Wie 1944 gäbe es heute das Recht auf Wider­stand, wenn sou­veräne Natio­nal­staaten „im Auftrag der New World Order abge­schafft“ werden sollen. Die Wider­stands­gruppe des 20. Juli 1944 habe nur aus rund 150 Per­sonen bestanden und habe es trotzdem fast geschafft ein faschis­ti­sches System, dem Mil­lionen gefolgt sind, an nur einem Tag zu stürzen. Und wir sind selbst schon weit mehr, ver­suchte „pro Deutschland“-Mitglied Schmitt „Bärgida“ in die Tra­dition des 20. Juli zu stellen.

Trotz Abgren­zungs­be­kun­dungen zu „Bärgida“ gehört das Mit­glied des AfD-Kreis­vor­standes Lich­tenberg Heribert Eisen­hardt seit Beginn zu den Orga­ni­sa­toren und Rednern der Ber­liner Mon­tags­spa­zier­gänge. Wie die TAZ berichtet, hat der Ber­liner AfD-Vor­stand Maß­nahmen gegen Eisen­hardt ange­kündigt, ohne kon­kreter zu werden. Was auch nicht ver­wundert. Schließlich ver­steht sich die AfD nach dem Rechtsruck und dem Aus­tritt des natio­nal­li­be­ralen Flügels aus­drücklich auch als „Pegida-Partei“.

Peter Nowak

aus: Blick nach Rechts

http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/b‑rgida-kundgebung-am-bendlerblock