Linkspartei nominierte Klarsfeld einstimmig zur Präsidentschaftskandidatin


Die beiden anderen Kan­di­daten, die ins Spiel gebracht wurden, hatten ver­zichtet

Die Links­partei hat am Montag Beate Klarsfeld zur Prä­si­dent­schafts­kan­di­datin nomi­niert. Damit ist ihr eigentlich ein poli­ti­scher Coup gelungen. Denn Klarsfeld ist dadurch bekannt geworden, dass sie 1968 den dama­ligen CDU-Bun­des­kanzler Georg Kie­singer wegen dessen NS-Ver­gan­genheit öffentlich geohr­feigt hat.

Während linke und liberale Kreise Klarsfeld für ihr Enga­gement lobten, wurde sie in kon­ser­va­tiven Kreisen zur Buhfrau. Zumal sie auch in den fol­genden Jahr­zehnten mit ihrer Arbeit dafür sorgte, dass berüch­tigte NS-Täter, die unbe­helligt in Deutschland lebten, gerichtlich belangt werden konnten. In Deutschland wurde dieses Enga­gement zur pri­vaten Ange­le­genheit von Klarsfeld erklärt, wo sie auch mit dem Begriff Nazi­jä­gerin belegt wurde. Bei diesen For­mu­lie­rungen schwingen auch offen Res­sen­ti­ments gegen eine Frau mit, für die die Auf­ar­beitung der NS-Ver­gan­genheit keine Ange­le­genheit von Sonn­tags­reden ist. In Frank­reich hin­gegen genießt Klarsfeld quer durch alle poli­ti­schen Lager Ansehen und wurde mit zahl­reichen Ehrungen bedacht.

Bis in die jüngste Ver­gan­genheit enga­gierte sich Klarsfeld gegen den Ras­sismus in Deutschland und bei­spiels­weise für die Ehrung von jüdi­schen Kindern, die mit der deut­schen Bahn in die Ver­nich­tungs­lager trans­por­tiert wurden.

Streit um die Isra­el­so­li­da­rität

Mit ihrer Nomi­nierung hat die Links­partei gerade noch einmal eine Zer­reiß­probe ver­mieden. Denn am ver­gan­genen Freitag war es gar nicht mehr so sicher, ob Klarsfeld, die von der Par­tei­vor­sit­zenden Gesine Lötzsch ins Gespräch gebracht worden war und sich zur Kan­di­datur bereit erklärt hatte, in der Partei akzep­tiert wird. Dass anti­zio­nis­tische Flagg­schiff junge Welt bezeichnete die Kan­di­datin als eine Fehl­be­setzung, weil sich Klarsfeld für das Exis­tenz­recht Israel aus­ge­sprochen und auch den Aufruf Stop the Bomb unter­zeichnet hat, in dem die euro­päi­schen Staaten zur Kappung der Wirt­schafts­be­zie­hungen mit dem ira­ni­schen Mullah-Régime auf­ge­fordert werden. Damit könne, so hoffen die Orga­ni­sa­toren aus allen poli­ti­schen Lagern, eine atomare Bewaffnung des Irans ohne krie­ge­ri­sches Ein­greifen ver­hindert werden.

Schnell wurde kol­por­tiert, dass der immer noch ein­fluss­reiche Oskar Lafon­taine mit dem links­so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Kölner Poli­to­logen Christoph But­ter­wegge, der sich als Kri­tiker der neo­li­be­ralen Wirt­schafts­po­litik und vor allem der Hartz-IV-Gesetze einen Namen gemacht hatte, einen wei­teren Kan­di­daten für die sym­bo­lische Prä­si­dent­schafts­kan­di­datur ins Gespräch brachte. Als der am Sonntag aber erklärte, er stehe für inner­linke Macht­spiele nicht bereit, und seine Bereit­schaft zur Kan­di­datur zurückzog, war der Weg für Klarsfeld frei. Denn die Bun­des­tags­ab­ge­ordnete der Linken Luc Joa­chimsen, die bei der letzten Prä­si­den­tenwahl für ihre Partei kan­di­diert hatte, machte schon vor Tagen deutlich, dass sie eigentlich eher für einen Boykott der Wahlen ein­ge­treten ist.

Zwi­schen­zeitlich hatten Teile der Links­partei mit der Kan­di­datur des von der Pira­ten­partei ins Gespräch gebrachten Kaba­ret­tisten Georg Schramm gelieb­äugelt, der aller­dings bald auf eine Kan­di­datur ver­zichtete. Auch gegen ihn waren Vor­würfe laut geworden, dass seine Reden nicht von anti­se­mi­ti­schen Kon­no­ta­tionen frei gewesen seien.

Mit Beate Klarsfeld hat die Linke nun eine Kan­di­datin, der diese Vor­würfe niemand machen kann. Es muss sich zeigen, ob sie von allen Wahl­männern und -frauen der Links­partei und viel­leicht, wie sie hofft, auch noch von einigen Dele­gierten aus anderen poli­ti­schen Spektren gewählt wird.
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Peter Nowak