15 Jahre Stiftung Ethecon

Anstiftung zum Anti­ka­pi­ta­lismus: Tepco, VW und Rhein­metall, aber auch Vandana Shiva und Angela Davis wurden von Ethecon prä­miert. Nun feiert die Stiftung Geburtstag.

Die Tepco-Leute haben Hun­dert­tau­senden ihrer Lands­leute Not und Elend gebracht, tragen für lang­wierige Gesund­heits­schäden infolge der Ver­strahlung Ver­ant­wortung, auch dafür, dass große Areale des Landes für lange Zeit unbe­wohnbar sein“. So begründete…

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Uniklinik Düsseldorf: Patienten solidarisieren sich mit streikendem Klinikpersonal

Dabei wird auch das neue Gesicht der Arbei­ter­be­wegung in Zeiten nach dem Ende der großen Fabriken deutlich: Es ist nicht mehr weiß und männlich

Seit zwei Monaten streikt das Per­sonal der Uni­klinik Düs­seldorf für mehr Per­sonal und Ent­lastung bei ihrer Arbeit. Hoch­rangige Kli­nik­mit­ar­beiter haben mitt­ler­weile in einem Offenen Brief den Minis­ter­prä­si­denten von NRW zur Ver­mittlung aufgefordert[1]:

»Es berührt uns zutiefst, seit Wochen die gra­vie­renden Folgen des Streiks für unsere Pati­enten hilflos erleben zu müssen«, schreiben die Ärzte jetzt in dem offenen Brief. Die Not­auf­nahme sei zeit­weise von der Not­fall­ver­sorgung abge­meldet, wodurch Ein­schrän­kungen für Pati­enten ent­stehen könnten.

Ärz­te­Zeitung

Jetzt bekommen die Strei­kenden auch Unter­stützung von den Pati­enten. Auf Initiative des Geschäfts­führers der Stiftung ethecon Axel Köhler-Schnura[2] ver­fassten 135 ehe­malige und aktuelle Kli­nik­pa­ti­enten einen Solidaritätsaufruf[3] mit den Strei­kenden.

Wir sind empört über die skan­dalöse Über­lastung und Über­for­derung des Per­sonals, über extrem man­gelnde Ent­lohnung, über unhaltbare Arbeits­be­din­gungen. Wir ver­ur­teilen, dass die Lei­tungen der Uni Klinik und ihrer Tochter-Gesell­schaften nicht dafür sorgen, dass genügend Per­sonal zur Ver­fügung steht und in ange­mes­sener Sorgfalt und Qua­lität gear­beitet werden kann. Es ist ein Skandal, dass bei den Geschäfts­füh­rungen der Uni Klinik Düs­seldorf und ihrer Tochter-Gesell­schaften betriebs­wirt­schaft­liche Über­le­gungen – wirt­schaft­lichkeit, Rendite und Profit – im Zentrum stehen und nicht das Wohl der Pati­en­tInnen.

Aus dem Soli­da­ri­täts­brief mit den Strei­kenden

Aus Per­so­nalnot vor das Bett gepinkelt

Im Gespräch mit Tele­polis nennt Axel Köhler-Schnura ein prä­gnantes Bei­spiel, wie die desolate Per­so­nal­si­tuation die Rechte der Pati­enten beein­trächtigt.

Wenn, wie eine mit­un­ter­zeich­nende Pati­entin berichtete, dass sie dringend auf die Toi­lette muss, aber wegen der Krankheit nicht kann, und niemand in ange­mes­sener Zeit auf den Notruf reagiert, und dann vor das Bett uri­nieren muss, was kann denn dann sonst noch pas­sieren?

Axel Köhler-Schnura

Neben dem Offenen Brief unter­stützt die Pati­en­ten­in­itiative die Strei­kenden auch finan­ziell und beteiligt sich an den Kund­ge­bungen. Die Initiative ist eine wichtige Soli­da­ri­täts­aktion, weil so ver­hindert wird, dass es der Kli­nik­leitung gelingt, Pati­enten und Per­sonal zu spalten. Es gab bereits in den letzten Jahren Soli­da­ri­täts­ak­tionen von außer­be­trieb­lichen Linken[4] mit den Strei­kenden an der Ber­liner Charité.

Hier wird auch deutlich, dass die Arbeits­kämpfe in den Kli­niken in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle bei den bun­des­weiten Arbeitskämpfen[5] spielen werden. Lange Zeit galt die Arbeit in Kli­niken und der Pflege als Ehrenamt, Streiks waren schon deshalb kaum möglich, weil man die Pati­enten nicht im Stich lassen will.

Doch das hat sich in den letzten Jahren geändert. Quer durch die Republik gab und gibt es Arbeits­kämpfe von Kli­nik­per­sonal, die deutlich machen, dass es sich hier um Lohn­arbeit handelt, die gut bezahlt werden muss. Es geht nicht nur um Lohn, es geht immer mehr um mehr Per­sonal selbst. Die Beschäf­tigten sind nicht mehr bereit, Pflege am Limit[6] zu leisten.

Das neue Gesicht der Arbei­ter­be­wegung

In den Aus­ständen wird auch das neue Gesicht der Arbei­ter­be­wegung in Zeiten nach dem Ende der großen Fabriken deutlich. Es ist nicht mehr weiß und männlich (rein deutsch war auch die Beleg­schaft in der for­dis­ti­schen Phase des Kapi­ta­lismus nicht). Im Bereich der Pflege gibt es besonders viele weib­liche Arbeits­kräfte, die lange Zeit auch von großen Teilen der tra­di­tio­nellen Arbei­ter­be­wegung nicht so richtig als gleich­wertig aner­kannt wurden.

Das beginnt sich zu ändern. Schon vor einigen Jahren hat die Bewegung Carerevolution[7] auf die zuneh­mende Bedeutung der Pflege- und Sor­ge­berufe gelegt. Die Aus­stände in den Kliniken[8] sind ein Teil dieser Care­revo­lution und die Soli­da­ri­täts­ak­tionen können durchaus der Vor­schein sein für eine neue Soli­da­rität in Lohn­ar­beits­ver­hält­nissen.

Denn klar ist: Arbeits­kämpfe in Kli­niken, Kitas etc. können nicht gegen, sondern nur mit den Pati­enten bzw. Eltern und Kinder gewonnen werden. In einem Stahlwerk konnten die Strei­kenden noch singen. Alle Räder stehen still, wenn mein starker Arm es will. Für die Streiks der neuen Arbei­ter­be­wegung ist die Soli­da­rität mit der Bevöl­kerung und vor allem der Nut­ze­rinnen und Nutzer ihrer Dienst­leis­tungen die größte Stärke.

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Links in diesem Artikel:
[1] https://​www​.aerz​te​zeitung​.de/​p​r​a​x​i​s​_​w​i​r​t​s​c​h​a​f​t​/​k​l​i​n​i​k​m​a​n​a​g​e​m​e​n​t​/​a​r​t​i​c​l​e​/​9​6​9​2​6​4​/​u​n​i​k​l​i​n​i​k​u​m​-​d​u​e​s​s​e​l​d​o​r​f​-​o​f​f​e​n​e​r​-​b​r​i​e​f​-​l​a​n​d​e​s​v​a​t​e​r​-​d​r​u​c​k​m​i​t​t​e​l​.html
[2] https://​www​.ethikbank​.de/​d​i​e​-​e​t​h​i​k​b​a​n​k​/​u​n​s​e​r​e​-​k​u​n​d​e​n​-​i​m​-​p​o​r​t​r​a​e​t​/​a​x​e​l​-​k​o​e​h​l​e​r​-​s​c​h​n​u​r​a​.html
[3] http://​www​.labournet​.de/​w​p​-​c​o​n​t​e​n​t​/​u​p​l​o​a​d​s​/​2​0​1​8​/​0​8​/​S​t​r​e​i​k​_​U​n​i​k​l​i​n​i​k​D​_​O​f​f​e​n​e​r​B​r​i​e​f.pdf
[4] https://​inter​ven​tio​nis​tische​-linke​.org/​b​e​i​t​r​a​g​/​s​o​l​i​d​a​r​i​t​a​t​-​m​i​t​-​d​e​m​-​s​t​r​e​i​k​-​d​e​r​-​c​h​arite
[5] http://​mehr​-kran​ken​haus​per​sonal​-bremen​.de/​2​0​1​8​/​0​7​/​0​5​/​s​o​l​i​d​a​r​i​t​a​e​t​s​e​r​k​l​a​e​r​u​n​g​-​m​i​t​-​d​e​n​-​s​t​r​e​i​k​e​n​d​e​n​-​b​e​s​c​h​a​e​f​t​i​g​t​e​n​-​d​e​r​-​u​n​i​k​l​i​n​i​k​e​n​-​d​u​e​s​s​e​l​d​o​r​f​-​u​n​d​-​e​ssen/
[6] https://​thue​ringen​.verdi​.de/​t​h​e​m​e​n​/​n​a​c​h​r​i​c​h​t​e​n​/​+​+​c​o​+​+​d​6​9​3​6​b​9​0​-​7​2​b​b​-​1​1​e​7​-​b​8​8​1​-​5​2​5​4​0​0​4​23e78
[7] https://​care​-revo​lution​.org/
[8] https://​de​.labournet​.tv/​k​a​e​m​p​f​e​-​i​m​-​g​e​s​u​n​d​h​e​i​t​s​b​e​reich

Jeden Patienten kann es treffen

Axel Köhler-Schnura ist nicht nur Leiter der Stiftung Ethecon und erfah­rener poli­ti­scher Aktivist, sondern seit Neu­estem auch Initiator eines Soli­da­ri­täts­aufrufs mit den Strei­kenden am Uni­ver­si­täts­kli­nikum Düs­seldorf. Dazu bewogen haben ihn unter anderem seine eigenen Erfah­rungen als Patient. Über seine Moti­vation zum Aufruf sprach mit ihm Peter Nowak.

Eine Initiative sam­melte 5000 Euro und Unter­schriften zur Unter­stützung der Kli­nik­streiks in Düs­seldorf

Eigentlich könnte man annehmen, dass Patient*innen sauer sind, wenn das Kli­nik­per­sonal streikt. Warum der Soli­da­ri­täts­aufruf als ehe­malige Patient*innen?

Ja, es gibt zwei­fellos Patient*innen, die sauer sind. Das ist ja genau einer der Gründe, weshalb ich die Initiative ergriffen habe zu dieser Aktion: Jede und jeder von uns war schon mal Patient oder Pati­entin oder wird das viel­leicht einmal sein. Und da muss sich jeder darüber im Klaren sein, dass mise­rabel bezahltes, unter­be­setztes und gehetztes Per­sonal schlecht – wenn nicht sogar tödlich – für die eigene Gesundheit sein kann. Darüber wollte ich mit meiner Initiative auf­klären. Es muss umge­kehrt sein: Wir alle müssen uns als ehe­malige, tat­säch­liche oder mög­liche zukünftige Patient*innen darüber freuen, dass im Gesund­heits­wesen für bes­seres Entgelt, bessere Per­so­nal­aus­stattung und bessere Aus­bil­dungs­qua­lität gekämpft und auch gestreikt wird.

Gab es bereits Reak­tionen auf Ihren Aufruf?

Da ich wegen einer Reha-Maß­nahme unter zeit­lichem Druck stand, hatte ich nicht viel Zeit, Unter­schriften für den Aufruf zu sammeln. Innerhalb von lediglich einer Woche haben sich eine ganze Menge Patient*innen aus Düs­seldorf gemeldet. Aller­dings wollten einige nicht öffentlich genannt werden, weshalb wir uns darauf geeinigt haben, nur die Zahl der Unter­stüt­ze­rinnen und Unter­stützer zu nennen: mit mir 136 aus Düs­seldorf und 67 aus ganz Deutschland, die die Aktion gut fanden.

Wollen Sie über den Aufruf hinaus Strei­kende ander­weitig unter­stützen, etwa auf Demons­tra­tionen?

Ja, natürlich. Wir haben 5000 Euro Spenden ein­ge­sammelt und unseren Aufruf in allen Tages­zei­tungen in Düs­seldorf mit einer Gesamt­auflage von mehr als 260 000 Stück ver­öf­fent­licht. In meh­reren Zei­tungen und Lokal­radios wurde darüber berichtet. Wir sind im Streikzelt präsent, wir werden auf einer Demons­tration sprechen. Wir druckten den Aufruf auch als Flug­blatt und ver­teilten das.

Sie kri­ti­sieren die unver­ant­wort­liche Haltung der Klinik. Können Sie dafür ein Bei­spiel nennen?

Die Ver­ant­wor­tungs­lo­sigkeit zeigt sich bereits an den kleinen Dingen: Wenn, wie ich es selbst erlebte, eine Pfle­ge­kraft für 30 bis 40 Patient*innen zuständig ist, dann ist nicht mehr gewähr­leistet, dass auf die lebens­ret­tende Not­klingel unmit­telbar reagiert werden kann. Ja, nicht einmal zeitnah wäre das möglich. Ich habe erlebt, dass selbst nach drei Stunden noch niemand kommen konnte. Wie soll dann eine gesund­heits- oder gar lebens­be­droh­liche Situation, für die die Not­klingel ja die letzte Rettung bedeutet, bewältigt werden?

Wenn, wie eine mit­un­ter­zeich­nende Pati­entin berichtete, sie dringend auf die Toi­lette muss, aber wegen der Krankheit nicht kann, und niemand in ange­mes­sener Zeit auf den Notruf reagiert und sie dann vor das Bett uri­nieren muss – was kann denn dann sonst noch pas­sieren? Wenn die Hygiene wegen Arbeits­hetze und Über­lastung nicht ein­ge­halten werden kann und dann Patient*innen durch mul­ti­re­sis­tente Keime zu Tode kommen, dann nenne ich das men­schen­ver­ach­tende Ver­ant­wor­tungs­lo­sigkeit.

Wäre aber nicht auch die Politik in der Ver­ant­wortung, mehr Gelder für die Kli­niken zur Ver­fügung zu stellen?

Selbst­redend. Die Arbeits­kämpfe richten sich auch an die Politik. Doch darf nie ver­gessen werden, wir haben Kapi­ta­lismus und damit kapi­ta­lis­tische Politik. Und im Kapi­ta­lismus, das weiß ja nun schon jedes Kind, da regiert der Profit. Auch in den Kran­ken­häusern und in der Politik. Niemand darf erwarten, dass die Politik es richten wird. Nur wenn wir uns selber helfen, wird uns geholfen – Patient*innen und Per­sonal im Gesund­heits­wesen gemeinsam. Übrigens bei dieser Gele­genheit: Natürlich sind auch die Doktor*innen und Professor*innen an den Kli­niken längst dem Zwang zu Gewinn und Effi­zienz unter­worfen.

https://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​0​9​7​4​7​0​.​k​l​i​n​i​k​s​t​r​e​i​k​-​i​n​-​d​u​e​s​s​e​l​d​o​r​f​-​j​e​d​e​n​-​p​a​t​i​e​n​t​e​n​-​k​a​n​n​-​e​s​-​t​r​e​f​f​e​n​.html

Interview: Peter Nowak

Veränderung statt Caritas

Gründer möchte mit ethecon-Stiftung die Welt ver­ändern

Wirt­schaft und Gesell­schaft werden zunehmend von den großen mul­ti­na­tio­nalen Kon­zernen geprägt. Die Stiftung ethecon will deshalb Ethik und Öko­nomie zusammen bringen. Dazu werden regel­mäßig Tagungen und Preis­ver­lei­hungen orga­ni­siert.

»Ich trete auf der ethecon Tagung auf, um Gesicht zu zeigen. Mir ist es wichtig, dass Men­schen mir in die Augen sehen und ich ihr Feuer erkennen kann. Das stärkt meinen Willen und zeigt mir, dass ich nicht alleine bin.« So begründet der Rapper Kern seinen Auf­tritt bei der Ver­leihung der beiden inter­na­tio­nalen ethecon-Preise am 19. November im Ber­liner Pfef­ferwerk. Es ist mitt­ler­weile die sechste Preis­ver­leihung.

Seit 2006 ver­leiht ethecon den Posi­tiv­preis Blue Planet Award und würdigt damit einen außer­or­dent­lichen Einsatz zum Erhalt und zur Rettung des Pla­neten. In diesem Jahr geht der Preis an die US-ame­ri­ka­nische Bürger- und Men­schen­rechts­ak­ti­vistin Angela Davis, die den Preis per­sönlich in Empfang nehmen wird. Damit steht sie in einer guten Tra­dition. Mit den Posi­tiv­preisen hat ethecon in den ver­gan­genen Jahren Diane Wilson aus den Ver­ei­nigten Staaten, Vandana Shiva aus Indien, José Abreu und Hugo Chávez aus Vene­zuela, Uri Avnery aus Israel sowie Elias Bierdel aus Öster­reich aus­ge­zeichnet.

Der Schmäh­preis Black Planet Award, mit dem Ver­ant­wort­liche für den Ruin und die Zer­störung der Erde mar­kiert werden sollen, geht an Tsunehisa Kats­umata und Masataka Shimizu, die als Groß­ak­tionäre und ver­ant­wort­liche Manager des Tepco-Konzern in Japan für ihre Ver­ant­wortung für die Atom­ka­ta­strophe. In den ver­gan­genen Jahren haben unter anderem Manager der Kon­zerne Mon­santo, Black­water und Nestlé diesen unge­liebten Preis bekommen. Es sind bewusst immer Men­schen und nicht Insti­tu­tionen, die mit den Preisen im Posi­tiven wie im Nega­tiven bedacht werden. »Es sind immer ein­zelne Men­schen, die im Guten wie im Schlechten die Ver­ant­wortung tragen und die Ent­schei­dungen fällen. Nur zu gerne wird dies vor allem bei öko­lo­gi­schen, sozialen, frie­dens­po­li­ti­schen und anderen Ver­brechen hinter den Fas­saden von Insti­tu­tionen und »Sach­zwängen« ver­borgen«, ist Stif­tungs­gründer Schnura-Köhler über­zeugt. Die ethecon-Preise sollen Ross und Reiter klar beim Namen nennen.

Kri­tiker könnten ein­wenden, dass durch die Kon­zen­tration auf Per­sonen die Illusion erweckt werden könnte, man müsste nur die Men­schen und nicht die Struk­turen ändern, um Gerech­tigkeit zu erreichen. Doch als Reformist würde sich der lang­jährige poli­tische Aktivst Schnura-Köhler kei­neswegs ver­stehen. Der 1949 in Hof geborene Betriebswirt wird auf Wiki­pedia als »Kon­zern­kri­tiker mit inter­na­tio­nalem Wir­kungsfeld« bezeichnet. Seit früher Jugend ist er in der DKP aktiv. Er gehörte dem deut­schen Koor­di­nie­rungs­kreis des Euro­päi­schen Sozi­al­forums (ESF) an und war von 1999 bis 2003 jeweils ver­ant­wortlich für den Bereich »Mul­ti­na­tionale Kon­zerne« beim ersten ESF 2002 in Florenz und beim zweiten ESF 2003 in Paris. Da blickte er schon auf eine jahr­zehn­te­lange poli­tische Bio­graphie zurück. 1978 war er an der Gründung der linken Tages­zeitung taz ebenso beteiligt wie 1980 an der Ent­stehung der Ökobank-Genos­sen­schaft, die inzwi­schen in der GLS-Bank auf­ge­gangen ist. Auch bei der Gründung und dem Aufbau des Bun­des­ver­bands Bür­ger­initia­tiven Umwelt­schutz (BBU) sowie des Pes­tizid-Akti­ons­netz­werkes (PAN) hatte er wesent­lichen Anteil. Beruflich arbeitete er in der Geschäfts­leitung ver­schie­dener Unter­nehmen, bevor er sich 1988 selbst­ständig machte. Bei ethecon kann er betriebs­wirt­schaft­lichen Kennt­nisse mit poli­ti­schem Enga­gement ver­binden.

Gemeinsam mit Gudrun Rehmann gründete Köhler-Schnura die Stiftung 2004. Die Preis­ver­leihung ist für sie eine eminent poli­tische Demons­tration. Einmal jährlich nehme die Stiftung poli­tisch Stellung zu aktu­ellen poli­ti­schen Pro­blemen und Kon­flikten und ver­breitet diese Erklä­rungen national und inter­na­tional. Jährlich einmal wird in einer großen öffent­lichen Vor­trags­ver­an­staltung in Berlin ein aktu­elles Thema der sozialen Bewe­gungen in den Mit­tel­punkt gestellt.

Vom Profit- zum Soli­dar­prinzip

Für die Gründer ist der Name der Stiftung Pro­gramm. »Ziel der Stiftung ist es, die Beachtung ethi­scher, öko­lo­gi­scher, sozialer und men­schen­recht­licher Prin­zipien im Wirt­schafts­prozess zu fördern und durch­zu­setzen sowie demo­kra­tische und selbst­be­stimmte Struk­turen zu stärken.« Da Profit zunehmend zum ein­zigen Kri­terium für das gesell­schaft­liche Leben und den Umgang mit der Umwelt geworden sei, trete ethecon für einen Wandel weg vom Pro­fit­prinzip und hin zu einem Soli­dar­prinzip ein. Der Frage, ob solche Ziele nicht im Kapi­ta­lismus illu­so­risch sind, kann Köhler-Schnura durchaus ver­stehen. Er betont aber, dass ethecon eine Stiftung ist, die auf den Wandel statt auf kari­tative Hilfe setzt. »Kari­tative Für­sorge lindert viel­leicht das eine oder andere öko­lo­gische, soziale Problem, löst dieses aber niemals end­gültig, ist Köhler-Schnura über­zeugt. Deshalb würden Spenden gegen den Hunger nie zum Ende der Unter­ernährung bei­tragen.

»Hunger kann nur durch eine Ver­än­derung der poli­ti­schöko­no­mi­schen Ver­hält­nisse beendet werden«, ist eines der Credos von ethecon. Mit dieser klaren Posi­tio­nierung macht sich die Stiftung nicht überall Freude. »Je kon­se­quenter auf eine grund­le­gende Änderung gesetzt wird, desto weniger wird dafür gespendet«, weiß der erfahrene Stif­tungs­gründer. Schließlich werden ca. 95 Prozent aller Spenden und Zustif­tungen im kari­ta­tiven Bereich geleistet. Mit leuch­tenden Kin­der­augen, die für »edle Spender« als großes Erfolgs­er­lebnis betrachtet werden, kann ethecon nicht dienen. Wer auf gesell­schaft­lichen Wandel setzt, braucht eher einen langen Atem als ein gutes Gewissen. Hinzu kommt, dass eine Stiftung wie ethecon nicht die Mittel besitzt, um mit Fern­seh­spots und auf Groß­lein­wänden auf die Trä­nen­drüse zu drücken. Genau das ist aber auch gar nicht das Ziel einer Stiftung, die mehr auf den Ver­stand als auf das Gemüt setzt.

Doch für ein Lamento sieht Optimist Köhler-Schnura keinen Grund. »Gemessen an dem Stif­tungs­ver­mögen und den begrenzten Mitteln, die uns für Kam­pagnen und Aktionen zur Ver­fügung stehen und der Tat­sache, dass uns nur eine haupt­amt­liche Kraft zur Ver­fügung steht, haben wir bereits viel erreicht.«

https://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​0​9​4​4​2​.​v​e​r​a​e​n​d​e​r​u​n​g​-​s​t​a​t​t​-​c​a​r​i​t​a​s​.html

Peter Nowak