Kurden und Juden als Feindbilder

Kri­tiker des Moschee­ver­bandes DITIB warnen vor isla­mis­ti­scher Indok­tri­nation

»Ver­nichte die Feinde der Religion« oder »Ohne Mär­tyrer und ohne Opfer gibt es keinen Weg ins Paradies«. Solche mar­tia­li­schen Parolen finden sich in zahl­reichen Videos auf Facebook. Zu sehen sind dort Kinder im Schul­alter, die von Erwach­senen mit dieser men­schen­feind­lichen Ideo­logie indok­tri­niert werden. Gepostet werden sie von Moschee­ver­einen, die der tür­ki­schen Regierung nahe­stehen und oft im größten Moschee­verband in Deutschland DITIB orga­ni­siert sind. Dieser ist wie­derum mit dem tür­ki­schen Reli­gi­ons­prä­sidium ver­bunden.

Vor den Gefahren dieser isla­mis­ti­schen Beein­flussung von Kindern warnten am Montag Mit­glieder des Komitees gegen die DITIB-Akti­vi­täten bei einem Pres­se­ge­spräch in Berlin, zu dem der Koor­di­nie­rungsrat Deut­scher Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen gegen Anti­se­mi­tismus ein­ge­laden hatte. Die am Beginn gezeigten Videos ver­deut­lichten die Dring­lichkeit der Akti­vi­täten. Die isla­mis­tische Pro­pa­ganda in den Moscheen habe sich mit der tür­ki­schen Offensive auf Afrin noch bedeutend ver­stärkt, erklärte der Ber­liner LINKE-Poli­tiker Giya­settin Sayan.

Der Vor­sit­zende der Kur­di­schen Gesell­schaft für die Ver­einten Nationen e.V. erin­nerte daran, dass die an der Eroberung Afrins in Nord­syrien betei­ligten isla­mis­ti­schen Ver­bände an Ver­ge­wal­ti­gungen und Ver­trei­bungen von Men­schen, die als Ungläubige bezeichnet werden, beteiligt waren. Die Türkei sei unter dem Erdogan-Régime zur Schutz­macht der unter­schied­lichen isla­mis­ti­schen Orga­ni­sa­tionen von der Hamas bis zu der Mos­lem­bru­der­schaft geworden, erklärte Sayan.

Ismail Par­maksiz und Arslan Argun vom Komitee gegen DITIB-Akti­vi­täten in Berlin beschrieben, wie junge Men­schen in den Moscheen mit anti­se­mi­ti­scher und anti­kur­di­scher Ideo­logie indok­tri­niert werden. Sie erin­nerten daran, dass diese damit ganz im Sinne Erdogans arbei­teten. Unter seiner Herr­schaft wurde die Zahl der Moscheen und Reli­gi­ons­vereine in der gesamten Türkei massiv aus­ge­weitet. Schon als Ober­bür­ger­meister von Istanbul ver­fasste Erdogan vor mehr als 20 Jahren ein Gedicht, in dem er die Moscheen als »Kasernen« und die Mina­rette als »Dolche« bezeichnete. Damals kostete diese offene isla­mis­tische Ansage Erdogan das Amt. Er wurde in der damals noch kema­lis­tisch geprägten Türkei zu einer Gefäng­nis­strafe ver­ur­teilt.

Viele dachten, dass Erdogans poli­tische Kar­riere damit beendet wäre – sie sollten sich täu­schen. Heute setzt er seine isla­mis­tische Agenda nicht nur in der Türkei, sondern über DITIB auch im Ausland um, erklärten die Kri­tiker während des Pres­se­ge­sprächs. Manche Eltern würden ihre Kinder in die Moschee schicken, damit sie sich über die Religion infor­mieren. Ihnen sei oft gar nicht bewusst, dass sie sie damit der Ideo­logie von Anti­se­miten aus­setzen. Die Folgen seien unter anderem Mob­bing­kam­pagnen gegen jüdische Schü­le­rInnen in Ber­liner Schulen, die in den letzten Wochen für Schlag­zeilen sorgten. Doch auch Kinder mit kur­di­schen Namen seien solchen Attacken von durch Moscheen auf­ge­hetzten Schü­le­rInnen aus­ge­setzt, berichtet Ismail Par­maksiz.

Sein Verband hat mitt­ler­weile eine Unter­schrif­ten­kam­pagne gestartet, mit der der Ein­fluss von DITIB begrenzt werden soll. Die Koope­ration des deut­schen Staates mit DITIB müsse ebenso auf den Prüf­stand gestellt werden wie die Teil­nahme des Ver­bandes an der »Islam­kon­ferenz«. Das war bei allen am Pres­se­ge­spräch Betei­ligten Konsens. Auch die staat­liche För­derung müsse sofort abge­schafft werden, so die Kri­tiker. Die schon geplante Kürzung der För­derung für den ver­län­gerten Arm der tür­ki­schen Regierung reiche nicht mehr aus, um den Ein­fluss des isla­mi­ti­schen Ver­bandes zu stoppen, betonen die DITIB-Kri­tiker.

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