Das APO-Lexikon: Menschenrechte

Lexikon der Bewe­gungs­sprache

Men­schen­rechte

»Die Inter­na­tionale erkämpft das Men­schen­recht«, heißt es im Refrain des wohl­be­kannten Kampf­liedes der Arbeiter*innenbewegung. Damals kämpften Proletarier*innen darum, über­haupt als Men­schen, die eigene Rechte haben, aner­kannt zu werden. Doch spä­testens nach der Okto­ber­re­vo­lution wurde die Frage relevant, wie es denn eine Linke mit den Men­schen­rechten hält, wenn sie Macht hat. Im Kalten Krieg wurden die Men­schen­rechte als Waffe gegen auto­ritäre Sozia­lis­mus­mo­delle benutzt und oft instru­men­ta­li­siert. Der Westen insze­nierte sich als Hüter der Men­schen­rechte, hatte oft keine Pro­bleme, mit Faschisten zu pak­tieren oder wie in Vietnam Krieg mit Napalm zu führen. Die außer­par­la­men­ta­rische Linke bleibt von der Debatte um die Men­schen­rechte nicht ver­schont. Femi­nis­tinnen erin­nerten nach 1968 daran, dass die Men­schen­rechte nicht geschlechts­blind sind. Antifaschist*innen müssen bei ihren Aktionen berück­sich­tigen, dass auch Neo­nazis Men­schen­rechte haben. Für inner­linke Kon­flikte sorgte in den ver­gan­genen Jahren zunehmend die Posi­tio­nierung zu Kriegen, die im Namen der Men­schen­rechte geführt werden. Während manche Linke ange­sichts von regres­siven Ideo­logien wie den Isla­mismus ein bloßes Nein zu einfach finden, betonen andere Linke, dass jeder Krieg per se eine Men­schen­rechts­ver­letzung dar­stellt.

https://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​0​8​7​7​0​8​.​m​e​n​s​c​h​e​n​r​e​c​h​t​e​.html

Peter Nowak

Politische Korrektheit – das Apo-Lexikon

Lexikon der Bewe­gungs­sprache

Anfang der 90er Jahre wurde der Begriff »poli­tical cor­rec­tness« (PC – poli­tische Kor­rektheit) einer grö­ßeren Öffent­lichkeit durch Artikel in der »Zeit« bekannt, die über die US-ame­ri­ka­nische PC-Debatte und ihre Aus­wir­kungen infor­mierten. Bald wurde PC von Kul­tur­linken wie dem Sati­riker Wiglaf Droste ver­wendet, um eine ver­spie­ßerte humor­freie Linke zu kri­ti­sieren. Doch nachdem die Rechten den Begriff gekapert hatten, traute sich in der Linken höchstens noch ein Monchi von Feine Sahne Fisch­filet, poli­tisch inkorrekt zu sprechen. Zumindest bei ihm weiß jeder, dass er nichts mit »PI-News« zu schaffen hat – der rechten Online­plattform, die schon im Namen bekennt, poli­tisch inkorrekt zu berichten. PC ist mitt­ler­weile ein Begriff, der die zer­strittene Rechte eint. Sie ver­bindet damit einen Kampf gegen poli­tische Werte von Linken, Grünen, Öko­logen und Femi­nisten. Als vor mehr als einem Jahr­zehnt die rechte Wochen­zeitung »Junge Freiheit« ihre »PC-Nein-Danke«-Aufkleber ver­teilte, dachten manche noch, hier gehe es gegen Per­sonal Com­puter. Doch eine Linke, die aus guten Gründen nicht in die Anti-PC-Debatte ein­stimmen mag, sollte sich immer daran erinnern, dass das »Poli­tische Korrektheits«-Verständnis des links­li­be­ralen Milieus an den kapi­ta­lis­ti­schen Aus­beu­tungs­ver­hält­nissen in der Regel nichts aus­zu­setzen hat. Es kann deshalb kein Ersatz für anti­ka­pi­ta­lis­tische Politik sein.
Lexikon der Bewe­gungs­sprache

https://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​0​8​6​4​4​4​.​p​o​l​i​t​i​s​c​h​e​-​k​o​r​r​e​k​t​h​e​i​t​.html

Peter Nowak