»Es war kein hierarchiefreies Gremium«

Chris Rotmund ist Mit­glied der Initiative für einen Gedenkort ehe­ma­liges KZ Uckermark e.V., die kürzlich aus der Arbeits­ge­mein­schaft (AG) Uckermark aus­ge­treten ist. Das Gelände des nicht erhal­tenen Lagers Uckermark grenzt an das ehe­ma­ligen Frau­en­kon­zen­tra­ti­ons­lager Ravens­brück in Fürstenberg/​Havel (Bran­denburg), das bereits eine Gedenk­stätte ist.

Welches Ziel hatte die AG Uckermark?

Sie war ein insti­tu­tio­na­li­sierter Runder Tisch für einen wür­digen Gedenkort an der Stätte des ehe­ma­ligen Jugend­kon­zen­tra­ti­ons­lagers für Mädchen und junge Frauen und spä­teren Ver­nich­tungs­lagers Uckermark während des Natio­nal­so­zia­lismus. In den Gremien waren unter anderem die Ver­ei­nigung der Ver­folgten des Nazi­re­gimes – Bund der Anti­fa­schis­tinnen und Anti­fa­schisten (VVN/​BdA), die Lager­ge­mein­schaft Ravensbrück/​Freundeskreis, die Stadt Fürs­tenberg sowie ver­schiedene Abtei­lungen des Landes Bran­denburg und die Stiftung Bran­den­bur­gische Gedenk­stätten ver­treten.

Wie verlief die bis­herige Koope­ration?

Wir konnten die Ent­fernung der vor­han­denen mili­tä­ri­schen Bebauung und des mili­tä­ri­schewn Geräts der Roten Armee auf dem Gelände beenden. Seit Februar 2015 wurde die AG Uckermark ohne Begründung nicht mehr ein­be­rufen.

Warum hat Ihre Initiative das Gremium ver­lassen?

Es war kein hier­ar­chie­freies und kein gleich­be­rech­tigtes Gremium. Das bemängeln im übrigen nicht nur wir, sondern auch andere Betei­ligte der AG Uckermark.

Gab es auch inhalt­liche Gründe für euren Aus­tritt?

Ja. Die Ver­tre­te­rinnen und Ver­treter der Mahn- und Gedenk­stätte ver­wenden bei­spiels­weise den Begriff »Jugend­schutz­lager«. Diesen euphe­mis­ti­schen Begriff aus der NS-Zeit lehnen wir aus zwei Gründen ab. Juris­tisch ist das Lager Uckermark als »KZ-ähn­liches Lager« aner­kannt, was für die Ent­schä­digung der Opfer eine große Bedeutung hat. Für die ehemals Inhaf­tierten ist die Ver­wendung des Nazi­be­griffs außerdem ein Schlag ins Gesicht.

Wie wollt ihr eure Arbeit fort­setzen?

Wir fordern ein Gremium, in dem alle Per­sonen und Gruppen, die sich für einen wür­digen Gedenkort am KZ Uckermark ein­setzen, gleich­be­rechtigt zusam­men­ar­beiten. Beim dies­jäh­rigen femi­nis­ti­schen Bau- und Begeg­nungscamp, das vom 25. August bis 3. Sep­tember auf dem Gelände statt­findet, werden wir die Dis­kussion darüber fort­setzen.

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Interview: Peter Nowak