Wie die Armen und nicht die Armut bekämpft werden

Woh­nungs- und Obdachlose sind den Angriffen besonders aus­ge­liefert

Hilfe für Woh­nungs- und Obdachlose Men­schen ist gerade in der kalten Jah­reszeit dringend not­wendig. Doch nicht überall sind alle Betrof­fenen will­kommen. Der Verein Dres­dener Bürger helfen Dresdner Obdach­losen e.V. hat nicht zufällig gleich zweimal den Namen der Stadt im Ver­eins­namen. In der Satzung heißt es: »Der Verein Dresdner Bürger helfen Dresdner Obdach­losen und Bedürf­tigen e.V. unter­stützt Dresdner Obdachlose und Bedürftige. Wenn Sie unsere Ziele als Mit­glied oder För­der­mit­glied unter­stützen möchten, dann sind Sie herzlich will­kommen.«

Ein Reporter der Zeit wollte vom Ver­eins­gründer wissen, ob auch in Dresden lebende Flücht­linge Unter­stützung bekommen. Der gab darauf keine Antwort. Nach Recherchen der Zeit sind die Gründer des Vereins fest in der rechten Szene und bei Pegida ver­ankert. Es ist nun nicht unge­wöhnlich, dass Rechte die hei­mi­schen Woh­nungs- und Obdach­losen für ihre Pro­pa­ganda ent­decken. Sie werden so gegen Migranten aus­ge­spielt.

Da werden auf rechten Inter­net­seiten schon mal Bilder von bet­telnden Men­schen gepostet und dann gefragt, warum für sie kein Geld da ist, das dann angeblich für die Fremden aus­ge­geben wird. Wie die Rechte erst dann Frau­en­rechte ent­deckten, als es gegen die ara­bi­schen und afri­ka­ni­schen Männer ging und sie sich als Kämpfer gegen den angeblich aus den ara­bi­schen Ländern expor­tierten Anti­se­mi­tismus gerierten, so haben sie die Obdach- und Woh­nungs­losen erst ent­deckt, als sie sie gegen Migranten aus­spielen konnten.

Der Publizist und Autor Lucius Tei­delbaum schätzt, dass das Interesse der Rechten an Woh­nungs- und Obdach­losen bald wieder nach­lässt. Er hat sich mit dem Hass auf Obdach­losen nicht nur in der rechten Szene befasst. »Obdach­lo­senhass und Sozi­al­dar­wi­nismus« lautet der Titel seines Buches zum Thema.

Sozi­al­dar­wi­nismus oder Spielart des Ras­sismus?

Der Begriff Sozi­al­dar­wi­nismus sorgte durchaus für Kon­tro­versen bei einer Ver­an­staltung von Tei­delbaum in Berlin. Anne Allex vom Arbeits­kreis Mar­gi­na­li­sierte gestern und heute lehnt den Begriff Sozi­al­dar­wi­nismus ab. Sie bezeichnet »Frem­den­feind­lichkeit«, »Behin­der­ten­feind­lichkeit« und Anti­se­mi­tismus als Spiel­arten des Ras­sismus.

»Denn die zen­trale Kate­gorie des Ras­sismus heißt ‚Min­der­wer­tigkeit‘, egal ob sie gegen Leute mit anderer Haut­farbe, Religion, Her­kunft oder Arme und Woh­nungslose gerichtet ist«, so Allex. Vor einigen Jahren hat ein anti­ras­sis­ti­sches Bündnis, das sich gegen die Pro­pa­ganda von Thilo Sar­razin wandte, den Begriff Sozi­al­chau­vi­nismus ver­wendet. Er hat den Vorteil, dass er in letzter Instanz die kapi­ta­lis­tische Ver­wer­tungs­logik in den Fokus der Kritik rückte. In der Selbst­ver­ständ­nis­er­klärung des Bünd­nisses gegen Sozi­al­chau­vi­nismus hieß es:

Mit der glo­balen Krise sind Ras­sismus und Sozi­al­chau­vi­nismus in den poli­ti­schen Alltag zurück­ge­kehrt. Unter Druck geraten vor allem Erwerbslose, prekär Beschäf­tigte und Men­schen, denen eine migran­tische, ins­be­sondere mus­li­mische Iden­tität zuge­schrieben wird. Doch auch der Rest der Gesell­schaft wird auf­ge­mischt. Die Hetze gegen ver­meint­liche »Sozialschmarotzer_​innen« und »Integrationsverweiger_​innen« ebnet den Weg für eine umfas­sende Ver­schärfung kapi­ta­lis­ti­scher Stand­ort­po­litik.

Grün­dungs­statement der Bünd­nisses gegen Ras­sismus und Sozi­al­chau­vi­nismus (BgRS)

»Das war ja nur ein Penner«

Woh­nungs- und Obdachlose sind den Angriffen besonders aus­ge­liefert, weil sie eben keine Tür hinter sich schließen können. Auf dem »Blog für Straße und Leben« Ber­berinfo werden die Angriffe auf diese Men­schen bis zum Mord doku­men­tiert. Dort sind auch die Zahlen der getö­teten Obdach- und Woh­nungs­losen auf­ge­führt.

Einige bun­desweit bekannt gewordene Morde an Obdach­losen, für welche Neo­nazis ver­ant­wortlich sind, werden dort auch auf­ge­führt. Es sei hier nur ein Fall her­aus­ge­griffen, an dem deutlich wird, wie nicht nur die Rechten, sondern auch die viel­zi­tierte Mitte der Gesell­schaft an der Dis­kri­mi­nierung von Woh­nungs- und Obdach­losen beteiligt sind. Es geht um Günther Schwan­necke. Über ihn heißt es im Ber­berinfo:

29.08.1992: Günter Schwan­necke (58), ein zeit­ge­nös­si­scher Kunst­maler, wird am 29. August 1992 von einem Neonazi in Berlin-Char­lot­tenburg erschlagen. Mit einem anderen Woh­nungs­losen, Hagen Knuth, saß er abends auf der Bank eines Spiel­platzes an der Pes­ta­lozzi-/Frit­sche­s­traße. Die beiden Neo­nazis Norman Zühlke und Hendrik Jähn, damals in der rechts­ex­tremen Szene aktiv, kamen hinzu, um eben­falls dort sit­zende Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund ras­sis­tisch zu belei­digen und zu ver­treiben.

Günter Schwan­necke und Hagen Knuth bewiesen Zivil­courage und mischten sich ein. Nachdem die ursprüng­lichen Opfer der beiden Angreifer flüchten konnten, richtete sich ihre Wut gegen die beiden Woh­nungs­losen. Zühlke schlug mit einem Alumium-Base­ball­schläger auf die beiden ein. Hagen K. wurde nach schwerem Hirn­trauma im Kran­kenhaus gerettet, doch Günter Schwan­necke starb am 5. Sep­tember 1992 an den Folgen von Schä­del­bruch und Hirn­blu­tungen. Der Täter, der nach eigener Aussage »seine Aggres­sionen abre­agieren« wollte, wird später wegen Kör­per­ver­letzung mit Todes­folge zu sechs Jahren Haft ver­ur­teilt. Das Land­ge­richt Berlin hob hervor, dass seine ras­sis­tische Gesinnung ursächlich für die Tat gewesen ist. Zühlke sei bei der Urteils­ver­kündung ent­setzt gewesen, seine Skin­head­freunde kom­men­tierten das Urteil aus dem Zuschaue­rIn­nen­be­reich: »Wieso? Der war doch nur ein Penner!««

Ber­berinfo

»Der war ja nur ein Penner!« Diese Denke war auch der Grund, dass der Mann jah­relang ver­gessen war, obwohl er sterben musste, weil er Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund vor Neo­na­zi­an­griffen ver­tei­digte. Als der Geschäftsmann Dominik Brunner viele Jahre später in München an einem Herz­in­farkt starb, nachdem er Jugend­liche vor über­grif­figen migran­ti­schen Männern ver­teidigt hatte, wurde er bun­desweit zum Helden erklärt und war sogar posthum als Träger des Bun­des­ver­dienst­kreuz im Gespräch.

Dass Schwan­necke schließlich doch noch einen Gedenkort auf dem Platz seiner Ermordung erhielt, ist einer zivil­ge­sell­schaft­lichen Initiative zu ver­danken. Die Ber­liner Obdach­lo­sen­hilfe, die explizit Men­schen unab­hängig von ihrer Her­kunft unter­stützt, hatte in Berlin-Moabit Pro­bleme mit Bezirks­po­litik und Anwohnern bekommen, weil sie auf einen zen­tralen Platz kos­tenlos Essen für woh­nungslose Men­schen ver­teilt hatte.

Obdach­lo­sigkeit ist kein Ver­brechen

Die Ber­liner Obdach­lo­sen­hilfe gehörte auch zu den wenigen Gruppen, die Mitte November eine Pro­test­kund­gebung gegen die vom Grünen Bezirks­bür­ger­meister Stephan von Dassel ver­ant­wor­teten Räu­mungen von woh­nungs­losen Men­schen ver­an­stal­teten.

Dabei wird selten erwähnt, dass auch die von der Räu­mungen betrof­fenen Men­schen mit einem Trans­parent pro­tes­tierten. Auf diesem stand: »Obdach­lo­sigkeit ist kein Ver­brechen.« Die Wed­dinger Orts­gruppe der Ber­liner Mie­ter­ge­mein­schaft stellte noch einmal den Zusam­menhang zwi­schen der Politik und der wach­senden Obdach- und Woh­nungs­lo­sigkeit her:

Wer heute zwangs­ge­räumt wird hat kaum Mög­lich­keiten auf­grund von Woh­nungsnot und Mie­ten­wahnsinn eine Aus­weich­wohnung zu finden. Das geschützte Markt­segment – der letzte Anker vor der Straße – liegt brach. Gleich­zeitig erinnern uns die Armen der Öffent­lichkeit daran, dass etwa auf den zahl­reichen Bau­stellen dieser Stadt, Men­schen zu Hun­ger­löhnen schuften müssen oder – wie im Fall der Mall of Shame – gar nicht bezahlt werden. Häufig bleibt den aus­ge­beu­teten Arbeiter*innen nur die Platte oder ein Bett in der Käl­te­not­hilfe.

Wed­dinger Orts­gruppe der Ber­liner Mie­ter­ge­mein­schaft

Wie schnell dann vor allem Lohn­ab­hängige von außerhalb Deutsch­lands zum Opfer werden können, zeigte sich vor wenigen Tagen in Berlin-Fried­richshain. In einem sehr belebten Tunnel starb am 5. Dezember ein Mann aus Polen. Sein Freund hat mit Blumen und Kerzen für eine kurze Zeit einen Gedenkort an der Stelle, an der er in den letzten Monaten lebte und im Ber­liner Winter starb, errichtet und mit einen Infor­ma­ti­ons­blatt auch daran erinnert, wie schnell es gehen kann, in Berlin ganz unten und ganz draußen zu sein.

Der Mann kam aus Polen, arbeitete mehrere Jahre in Berlin als selbst­stän­diger Hand­werker, ver­schuldete sich und dann begann die Spirale von Armut, Verlust der Wohnung und schließlich das Sterben in der Öffent­lichkeit. Als pol­ni­scher Staats­bürger konnte er von den deut­schen Behörden keine Hilfe erwarten. Bei den rechten Ver­einen, die sich plötzlich der Hilfe für Obdachlose ver­schrieben haben, wäre er eben­falls nicht will­kommen gewesen und Orga­ni­sa­tionen wie die Ber­liner Obdach­lo­sen­hilfe, die alle Men­schen ohne Unter­schied unter­stützen, haben nicht genug Kapa­zi­täten, um in ganz Berlin präsent zu sein.

Peter Nowak
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[3] http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016–12/sachsen-pegida-sozialarbeit-deutsche-obdachlose-fremdenfeindlichkeit-fluechtlinge
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[6] https://​berlin​.fau​.org/​t​e​r​m​i​n​e​/​o​b​d​a​c​h​l​o​s​e​n​h​a​s​s​-​u​n​d​-​s​o​z​i​a​l​d​a​r​w​i​n​ismus
[7] http://​www​.anne​-allex​.de/
[8] http://​www​.mar​gi​na​li​sierte​.de/
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Noch nicht Geschichte

VVN-Kon­ferenz mahnt

In ein­dring­lichen Worten beschwor der 90-jährige Volkmar Har­nisch die Anwe­senden, dem Auf­stieg einer neuen rechts­po­pu­lis­ti­schen Bewegung in Deutschland ent­gegen zu treten. Er war 1944 im Alter von 17 Jahren von den Nazis inhaf­tiert worden. Am Frei­tag­abend eröffnete er in der TU Berlin eine Kon­ferenz der Ver­ei­nigten der Ver­folgten des Nazi­re­gimes – Bund der Anti­fa­schis­ti­schen (VVN-BdA). Unter dem Titel »Deutschland wieder gut­ge­macht?« befasste sie sich mit dem Wandel der Erin­ne­rungs­po­litik an das NS-Régime. Har­nisch ist einer der wenigen noch lebenden Wider­stands­kämpfe

Wie wird eine Erin­ne­rungs­po­litik ohne die Zeit­zeugen aus­sehen? Das ist eine Frage, die sich auch der Leiter der KZ-Gedenk­stätte Neu­en­gamme Detlef Garbe in seinem Ein­füh­rungs­re­ferat stellte. Er warnte vor einem »Auf­ar­bei­tungs­stolz« deut­scher Poli­tiker, die eine neue Rolle Deutsch­lands in der Welt­po­litik damit begründen, dass das Land sich der NS-Geschichte vor­bildlich gestellt habe. Garbe erin­nerte daran, dass bis in die 1980er Jahre der Kampf um Erin­ne­rungsorte von NS-Terror und Ver­folgung eine Aufgabe zivil­ge­sell­schaft­licher Orga­ni­sa­tionen war und von der Politik oft igno­riert oder gar sabo­tiert wurde. Er betonte, Gedenk­po­litik müsse auch wei­terhin poli­tisch ver­un­si­chern. Wenn die AfD in den Bun­destag ein­ziehe, stünden ihr auch Sitze in Kom­mis­sionen zu, die sich mit Gedenk­po­litik befassen. Zudem beklagte der His­to­riker dar­aufhin, dass der Etat für die Auf­ar­beitung der DDR-Geschichte größer sei als für die Erin­nerung an den NS-Terror. Der Publizist Wolfgang Herzberg wie­derum, der als Kind jüdi­scher Kom­mu­nisten im bri­ti­schen Exil geboren wurde, ver­wahrte sich in einer enga­gierten Rede gegen die Gleich­setzung der DDR mit dem NS-Régime.

In einer von der His­to­ri­kerin Cor­nelia Siebeck mode­rierten Podi­ums­dis­kussion ging es dann um die Frage, wie eine Erin­ne­rungs­po­litik aus­sehen kann, die in die aktuelle Politik kri­tisch inter­ve­nieren will. Nach dem Tod der letzten Zeit­zeugen befürchtet sie eine His­to­ri­sierung des Faschismus. Der Publizist und Jurist Kamil Majchrzak verwies in diesem Kontext auf die Ver­ant­wortung der dritten Generation, der Kinder und Enkel von NS-Opfern und Wider­stands­kämpfern. Dabei griff er eine Dis­kussion auf, die in Israel schon einige Jahre geführt wird. Majchrzaks Groß­vater war NS-Wider­stands­kämpfer und KZ-Häftling. Dessen Erfah­rungen hätten auch ihn geprägt.

Für Anne Allex von der AG »Mar­gi­na­li­sierte gestern und heute« ist Geschichte der Ver­folgung in der NS-Dik­tatur noch längst nicht voll­ständig erforscht. Sie wies dar­aufhin, dass Men­schen, die von den Nazis als »arbeits­scheu« und »asozial« klas­si­fi­ziert wurden, bis heute keine Ent­schä­digung erhalten haben und in den Nach­kriegs­jahren oft weiter ver­folgt wurden. Der Wis­sen­schaftler Stefan Heinz, der in einem For­schungs­projekt der FU Berlin über das Schicksal von Gewerk­schaftern und Gewerk­schaf­te­rinnen im NS-Staat mit­ar­beitet, ist der Über­zeugung, dass vor allem die Wider­stands­ge­schichte der Arbei­ter­be­wegung gegen die Hit­ler­dik­tatur noch nicht aus­ge­forscht sei.

Die gut­be­suchte Kon­ferenz machte deutlich, dass die Gruppe jener wächst, die sich gegen Ver­suche stemmt, die Erin­ne­rungs­po­litik an die Ver­brechen des NS-Staates als ver­gangene Geschichte zu betrachten.

https://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​0​6​3​3​0​0​.​n​o​c​h​-​n​i​c​h​t​-​g​e​s​c​h​i​c​h​t​e​.html

Peter Nowak

Ganz am Rand

Den Namen »Schick­sals­ge­mein­schaft der Ver­ges­senen« wollte sich 1946 eine Gruppe von Ver­folgten des Nazi­re­gimes in Berlin geben. Ihnen ­wurde von den Alli­ierten die Zulassung als Verein ver­weigert. Es han­delte sich um Men­schen, die als asozial und arbeits­scheu stig­ma­ti­siert worden waren. Dar­unter konnten alle Men­schen fallen, die sich nicht den Normen anpassten, die der NS-Staat und die deutsche Volks­ge­mein­schaft gesetzt hatten. Obwohl sie zeit­weilig die größte Gruppe der KZ-Häft­linge stellten, wurden sie in der BRD und der DDR wei­terhin stig­ma­ti­siert und ver­folgt. Erst in den ver­gan­genen Jahren erfor­schen Initia­tiven das Schicksal dieser Men­schen und fordern ein wür­diges Gedenken. Der 2007 gegründete »AK Mar­gi­na­li­sierte gestern und heute« spielt dabei eine wichtige Rolle. Seine Mit­be­grün­derin Anne Allex hat nun einen Sam­melband heraus­gegeben, der einen Über­blick über die Initia­tiven gibt, die sich für die Aner­kennung der beschwie­genen NS-Opfer ein­setzen. Die Bemü­hungen um einen Gedenkort in der Nähe des ehe­ma­ligen Ber­liner Arbeits­hauses Rum­melsburg werden ebenso dar­ge­stellt wie die Uckermark-Initiative, die durch­setzen konnte, dass die Inhaf­tierung von Mädchen und jungen Frauen in KZ nicht mehr mit dem Täter­be­griff Jugend­schutz­lager belegt wird. Der Uckermark-Initiative gelang auch eine Koope­ration mit der Lager­ge­mein­schaft Ravens­brück, die die Inter­essen der poli­ti­schen Gefan­genen ver­tritt, die sich oft von den als asozial stig­ma­ti­sierten Häft­lingen distan­zierten. Das Buch ­besticht durch eine Mischung aus Berichten von geschichts­po­li­ti­schen Initia­tiven und wis­sen­schaft­lichen Texten über die Ver­folgung soge­nannter Aso­zialer. Her­vor­zu­heben sind die Inter­views mit den letzten Über­le­benden und ihren Ange­hö­rigen. Sie wurden nicht ver­gessen, sondern zum Schweigen gebracht, wie Allex schreibt.

Anne Allex (Hg.): Sozi­al­ras­sis­tische Ver­folgung im deut­schen Faschismus. AG Spak Buch, Berlin 2017, 434 Seiten, 28 Euro

https://​jungle​.world/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​0​1​7​/​3​1​/​v​e​r​m​i​t​t​e​l​b​a​r​e​-​a​k​t​i​o​n​s​f​ormen

Peter Nowak

Service für Wohnungslose bedroht

SOZIALES Die Straßenzeitung »Querkopf« hat eine Kündigung erhalten – und stellt sich dagegen quer

Man darf Werner Schnei­dewind einen Querkopf nennen. Der Erwerbs­lo­sen­ak­tivist legt sich mit den Behörden und Job­centern an. »Macht euch unab­hängig von Sozi­al­ämtern. Es ist leichter, als ihr glaubt«, steht auch in der Stra­ßen­zeitung Querkopf, für die Schnei­dewind arbeitet.

Er ist nicht nur Mit­glied des »Querkopf«-Vereins, er betreut auch die Ver­eins­räume in der Blü­cher­straße 37. Plakate zeugen von den viel­fäl­tigen poli­ti­schen Akti­vi­täten dort. Der Kampf gegen Ämter­willkür gehört ebenso dazu wie der Umwelt­schutz oder der Einsatz für eine Lega­li­sierung von Drogen. Jetzt ist der Standort bedroht.

Wenn Schnei­dewind derzeit einen kleinen Klapp­tisch vor dem Verein auf­stellt, auf dem dann neben der aktu­ellen Querkopf-Ausgabe auch Comics und Flug­blätter zu finden sind, erkun­digen sich viele Nach­ba­rInnen oft über den neu­esten Stand der Aus­ein­an­der­setzung mit der Haus­ver­waltung. Die Immo­bi­li­en­firma Bearm GmbH hatte dem Verein die Räume, die er 2001 gemietet hat, zum 31. März dieses Jahres gekündigt.

Doch die Quer­köpfe holten nicht den Umzugs­wagen, sondern for­mu­lierten einen Soli­da­ri­täts­aufruf unter der Über­schrift: »Man will uns aus dem Kiez ver­treiben«. Seitdem erreichten die Bearm GmbH zahl­reiche Pro­test­schreiben. Auch Anne Allex vom »Arbeits­kreis Mar­gi­na­li­sierte gestern und heute« fordert die Rück­nahme der Kün­digung. »Der Querkopf ist eine der am längsten in Berlin erschei­nenden Woh­nungs­lo­sen­zei­tungen. Sie bietet in ihrer Zeitung einen Service für Woh­nungslose an, in dem sie Beschlüsse der Politik, neue Geset­zes­re­ge­lungen, Gerichts­ur­teile mit­teilt und Bera­tungs­stellen und Anlauf­stellen emp­fiehlt«, heißt es in ihrem Schreiben. Ein Verlust der Räume würde die Arbeit gefährden, befürchtet Allex.

Schließlich ist der Verein Anlauf­punkt für viele Men­schen, die sich durch den Verkauf der Zeitung etwas dazu­ver­dienen. Zudem dienen die Räume auch als Depot für Gegen­stände aus Haus­halts­auf­lö­sungen, ein Zuver­dienst für die Erwerbs­losen.

Einen per­sön­lichen Erfolg hat Schnei­dewind gegenüber den Bearm-Geschäfts­führer schon errungen. Der habe ihm im März pro­phezeit, dass die Ver­eins­räume in sechs Monaten leer sein werden. Bisher ist aber noch nicht einmal ein Gerichts­termin zu einer mög­lichen Räumung benannt worden. Eine Mit­ar­bei­terin der Bearm GmbH erklärte gegenüber der taz, ihre Firma gebe in der Ange­le­genheit keine Aus­künfte.

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=bl&dig=2014%2F08%2F07%2Fa0212&cHash=b81bac59ea9b6ba3040c6262959b1b1f

Peter Nowak

Gedenkzone

Viel ist über das Leben von Erna K. nicht bekannt. Die aus armen Ver­hält­nissen stam­mende Frau arbeitete als Haus­halts­hilfe und wurde in der Nazi-Zeit im Alter von 17 Jahren von ihrem Chef miß­braucht. Schwanger und als »asozial« stig­ma­ti­siert, war sie zwi­schen 1941 und 1944 im Arbeitshaus Rum­melsburg inhaf­tiert. 1944 wurde sie dort zwangs­ste­ri­li­siert. Die His­to­ri­kerin Susanne Doetz ist bei ihren For­schungen zur Geschichte der Zwangs­ste­ri­li­sierung auf die Daten dieser Frau gestoßen. Sie war eine von Tau­senden, die im Arbeitshaus Rum­melsburg litten, weil sie als »asozial« galten. Das Ende des 19. Jahr­hun­derts errichtete zen­trale Ber­liner Arbeitshaus wurde im Natio­nal­so­zia­lismus zum Ort der Ver­folgung von Men­schen aus­gebaut, die nicht ins Bild der deut­schen Volks­ge­mein­schaft paßten. Son­der­ab­tei­lungen für Homo­se­xuelle und soge­nannte »psy­chisch Abartige« wurden ein­ge­richtet. Als unter Betei­ligung der Kri­mi­nal­po­lizei am 13. Juni 1938 im Deut­schen Reich mehr als 10.000 Per­sonen als »asozial« stig­ma­ti­siert in Kon­zen­tra­ti­ons­lager ver­schleppt wurden, war das Arbeitshaus Rum­melsburg ein Zentrum dieser »Aktion Arbeits­scheu Reich«. Während des Zweiten Welt­kriegs waren dort jüdische Zwangs­ar­beiter ein­ge­pfercht.

Die »AG Mar­gi­na­li­sierte gestern und heute«, die in den letzten Jahren diese Infor­ma­tionen zusam­men­tragen hat, fordert die Errichtung eines Gedenkorts für die als »asozial« Stig­ma­ti­sierten auf dem Gelände des ehe­ma­ligen Arbeits­hauses Rum­melsburg. Diese Men­schen haben nach 1945 in der Regel keine Ent­schä­digung erhalten, wurden nicht selten in Nach­kriegs-BRD wie -DDR wei­terhin dis­kri­mi­niert. Bis heute leben soge­nannte Aso­ziale in Deutsch­lands Braun­zonen gefährlich. Ein Gedenkort in Rum­melsburg wäre also mehr als bloße Erin­ne­rungs­po­litik. Doch wird es dazu wohl nicht kommen. Weil im ehe­ma­ligen Arbeitshaus Rum­melsburg ab 1951 ein DDR-Gefängnis ein­ge­richtet wurde, soll der Ort neben Hohen­schön­hausen zu einem wei­teren Gedenkort des »DDR-Unrechts« werden. Bei der Prä­sen­tation dieser Pläne Ende Juni wurde die Bezeichnung »Arbeitshaus« nicht einmal erwähnt, kri­ti­siert der His­to­riker Robert Sommer. Eine App zum DDR-Gefängnis Rum­melsburg exis­tiert bereits, eine weitere über Rum­melsburg in der NS-Zeit soll es nur geben, wenn das Geld reicht. Mit einer Aus­weitung der DDR-Gedenkzone können sich auch die Town­house- Bewohner in der Rum­mels­bucht anfreunden, die die Kund­ge­bungen für einen Gedenkort für die Aso­zialen hinter zuge­zo­genen Vor­hängen miß­trauisch beäugten. Im Anderen Haus VIII, einem Hotel im ehe­ma­ligen »Arresthaus für männ­liche Cor­ri­genden«, können jene Berlin-Besucher ihr Nacht­quartier in indi­vi­duell ein­ge­rich­teten Zellen, »teil­weise mit Was­ser­blick«, beziehen, die von der Ver­folgung Aso­zialer nichts hören und sehen wollen.

http://​www​.konkret​-magazin​.de/​h​e​f​t​e​/​h​e​f​t​a​r​c​h​i​v​/​i​d​-​2​0​1​4​/​h​e​f​t​-​8​2​0​1​4​/​a​r​t​i​c​l​e​s​/​g​e​d​e​n​k​z​o​n​e​.html

aus: Konkret 8/2014

Peter Nowak

Die Punktierungen haben wehgetan

HEIMKIND Bruno Schlein­stein wurde durch Filme Werner Herzogs bekannt. Seine Vita, durch jahr­zehn­te­lange Auf­ent­halte in Anstalten geprägt, war wenig bekannt – bis er sich für die Geschichte der »Aso­zialen« enga­gierte

Ein Gefühl der Hei­mat­lo­sigkeit begleitete den Künstler Bruno Schlein­stein von frü­hester Kindheit an. 1932 wurde er in Berlin-Fried­richshain geboren. Schon im Alter von drei Jahren wurde er in ein Heim ein­ge­wiesen, weil er als unehe­liches Kind einer Pro­sti­tu­ierten geboren worden war. Allein dieser Umstand machte ihn in den Kate­gorien der Zeit zu einem »Aso­zialen«.

Sol­cher­maßen bereits als Kind stig­ma­ti­siert, brachte er die nächsten 23 Jahre in ver­schie­denen Heimen, psych­ia­tri­schen Kli­niken und soge­nannten Bes­se­rungs­an­stalten zu. Die »Stunde null« änderte daran nicht alles. Die Wit­ten­dorfer Kli­niken in Rei­ni­ckendorf, die Städ­tische Ner­ven­klinik Wie­sen­grund und die Clas­zeile 57 in Zehlendorf waren Sta­tionen seiner Odyssee durch Anstalten und Heime.

Viel hat er über diese ihn prä­gende Zeit nicht preis­ge­geben. Doch in dem Wenigen, was er über sich in der dritten Person erzählte, werden seine Gefühle umso deut­licher: »Der Bruno wurde nie besucht«, lautete einer seiner Sätze. Oder: »Die Punk­tie­rungen haben dem Bruno weh­getan.« Damit kom­men­tierte er die Expe­ri­mente, die Ärzte und Psych­iater im Natio­nal­so­zia­lismus an den Insassen von Wie­sen­grund vor­nahmen.

»Bruno hat oft die Ver­bindung zwi­schen Zuchthaus, Arbeitshaus und Friedhof gezogen«, sagt Anne Allex. Die Erwerbs­lo­sen­ak­ti­vistin und Mit­be­grün­derin des Arbeits­kreises »Mar­gi­na­li­sierte – gestern und heute« hat Schlein­stein vor mehr als zwei Jahren ken­nen­ge­lernt. »Ein Mit­streiter konnte ihn dafür gewinnen, bei Ver­an­stal­tungen auf­zu­treten, die dem Gedenken der im Natio­nal­so­zia­lismus als asozial ver­folgten Men­schen gewidmet sind.« Die AG Mar­gi­na­li­sierte will dazu bei­tragen, dass das Schicksal dieser auch in der linken Geschichts­schreibung weit­gehend aus­ge­blen­deten Per­so­nen­gruppe dem Ver­gessen ent­rissen wird.

Arbeitshaus Rum­melsburg

Auf der Ver­nissage einer von dem Arbeits­kreis orga­ni­sierten Aus­stellung über Woh­nungslose im Natio­nal­so­zia­lismus hat Schlein­stein im Januar 2008 seine Lieder gesungen. Auch vor dem ehe­ma­ligen Ber­liner Arbeitshaus in Rum­melsburg ist Schlein­stein im selben Jahr zweimal auf­ge­treten. Das Arbeitshaus war 1879 gegründet worden. Im kai­ser­lichen Berlin diente es als Straf­an­stalt für Leute, die der »Bet­telei« bezichtigt wurden. Im Natio­nal­so­zia­lismus wurde die Anlage zum »Städ­ti­schen Arbeits- und Bewah­rungshaus Berlin-Lich­tenberg« umgebaut. Unter Betei­ligung der Kri­mi­nal­po­lizei wurden am 13. Juni 1938 im Rahmen der Aktion »Arbeits­scheu Reich« in ganz Deutschland mehr als 10.000 Per­sonen als »Aso­ziale« in Kon­zen­tra­ti­ons­lager ver­schleppt. Einer der Aus­gangsorte dieser Aktion war das Arbeitshaus in Rum­melsburg.

Begleitet von seinem Akkordeon, sang Schlein­stein hier nun seine Lieder von Ver­folgung und der Sehn­sucht nach Freiheit. Vor sich hatte er ver­schiedene Glocken mit unter­schied­lichen Tönen arran­giert, die er im Takt der Musik läutete. Besonders gern trug er das Lied »Die Gedanken sind frei« vor. »Er betonte jede Silbe und legte Wert darauf, das Lied mit all seinen Strophen zu singen«, erinnert sich Anne Allex.

In dem von der Ber­liner Fil­me­ma­cherin Andrea Beh­rendt erst in diesem Jahr gedrehten Film »arbeits­scheu – abnormal -asozial« – Zur Geschichte der Ber­liner Arbeits­häuser« findet sich nicht nur ein Aus­schnitt von Schlein­steins Auf­tritt vor dem ehe­ma­ligen Arbeitshaus in Rum­melsburg. Die Fil­me­ma­cherin konnte ihm State­ments ent­locken. »Die Armen sind die Sklaven der Reichen, und die Reichen, wer weiß, was die im Keller oder sonst wo ver­steckt haben«, erzählt Schlein­stein. Die Erfah­rungen mit seiner Umwelt fasst er in die Worte: »Die Leute nehmen mich nicht für voll, weil ich anders aussehe.« In die Kritik hat er auch Fil­me­macher wie Werner Herzog ein­be­zogen, der sich in den 70er Jahren mit seinem Kaspar-Hauser-Film als Ent­decker des Künstlers Bruno S. feiern ließ. »Bruno ist doch nur ein Weg­werf­ar­tikel«, war sein Kom­mentar zu dieser Zusam­men­arbeit Jahre später.

Auch über den Tod hat Schlein­stein in Beh­rendts Doku phi­lo­so­phiert und die höchst ori­gi­nelle Ansicht bei­gesteuert: »Wenn die Toten singen könnten, würden sie sagen, ich bin ein Star, holt mich hier raus.« Viel­leicht ist das auch der Grund dafür, dass Schlein­stein, der am 10. August im Alter von 78 Jahren gestorben ist, seinen Körper für For­schungs­zwecke an die Charité ver­kauft hat. Er, der so viele Jahre ein­ge­sperrt war, wollte zumindest nach dem Tod nicht wieder auf jemand warten, der ihn rausholt.

Begleitet von seinem Akkordeon, sang Schlein­stein hier seine Lieder von Ver­folgung und Freiheit

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&dig=2010%2F08%2F28%2Fa0205&cHash=801116a25b

Peter Nowak