Rezensionen des Buches »Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht«

Arbeit Bewegung Geschichte
ZEITSCHRIFT FÜR HISTORISCHE STUDIEN 2016/III
Fünfzehnter Jahr gang Septe mber 2016
Bis Dezember 2015: JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung

Peter Nowak (Hrsg.): Ein Streik steht,
wenn mensch ihn selber macht. Arbeitskämpfe
nach dem Ende der großen Fabriken,
edition assemblage, Münster 2015,
112 S., ISBN 978–3‑942885–78‑2
Im Jahr 2015 sind Streiks in aller Munde und Thema der öffentlichen Debatte. Einzelhandel, Post, Amazon, KiTas und vor allem der Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer führen dazu, dass das Streikaufkommen „gefühlt“ recht hoch ist. Statistisch gesehen – geht man
von Teilnehmenden und den damit errechneten Streiktagen aus – gibt es aber keinen sensationellen Anstieg des Streikgeschehens, auch wenn die Streiktage des Jahres 2015 in der Tat leicht höher waren als in den Jahren zuvor. Würde man allerdings statt Streiktagen die einzelnen Streiks zählen,
würde man sicherlich auf eine höhere Zahl kommen. Das liegt vor allem daran, dass diese Streiks in relativ kleinen Betrieben und bei vergleichsweise schlecht organisierten Belegschaften stattfinden. Und
sie finden häufig in der Dienstleistung statt, sind also von KundInnen direkt
wahrnehmbar. Genau diesen Aspekt möchte Peter Nowak in dem von ihm herausgegebenen Buch genauer beleuchten. Und auf den ersten Blick tut er das auch, denn Nowak greift die kleinen Beispiele auf: Streiks in der italienischen Logistikbranche, bei H&M, Amazon, Berliner Taxifahrern,
Spätkauf, unter Sex- und Theaterarbeiterinnen und ‑arbeitern, Gefängnisinsassen, Flüchtlingen. Allerdings: Um Streiks, wie der Titel suggeriert, geht es ihm dabei nur sehr bedingt, vielmehr betrachtet er Organisierungsprozesse. So stellt sich etwa eingangs das Netzwerk TIE vor; ein Berliner Taxifahrer beschreibt im Interview, wie der Berliner Vertrauensleutekörper organisiert wurde; Nowak kommentiert das geringe
Engagement der Gewerkschaften für Sexarbeiterinnen und ‑arbeiter, aber ebenso die positiven Ansätze in der gewerkschaftlichen Organisierung von Flüchtlingen und mit der Gefangenengewerkschaft (GG/BO) einen jungen eigenständigen gewerkschaftlichen Organisierungsversuch. Es geht also nicht nur um (potenzielle) Streiks in Gemischtwarenläden, vielmehr
ist das Buch selbst ein Gemischtwarenladen. Das Problem dabei: Die Regale in diesem Gemischtwarenladen sind vollkommen unsortiert. So richtig will sich daher einem auch nicht erschließen, was die verschiedenen dokumentierten Beispiele denn gemeinsam haben, sind sie doch grundverschieden: international und regional, im DGB und neben dem DGB, zaghafte Organisierungsversuche und ausgewachsene Arbeitskämpfe, historisch (ein Beitrag behandelt den britischen Bergarbeiterstreik
der 1980er-Jahre bzw. die schwul-lesbische Solidarität mit diesem anhand des aktuellen Films „Pride“) und zeitgenössisch. Eigentlich ist alles sehr lesenswert, vor allem da, wo sehr konkrete Aktions- und Handlungshinweise
aus der Erfahrung von Beteiligten gegeben werden. Eine allgemeine
Tendenz, wie der Titel sie vorgibt, wird allerdings nicht sichtbar.
Letztlich dokumentiert Peter Nowak all diese verschiedenen Konflikte und Organisierungsversuche. Was sie gemeinsam haben (könnten), bleibt aber völlig im Dunkeln. Thesen, die für den Hrsg. entweder aus den einzelnen Beiträgen folgen oder Ausgangspunkt der Beiträge waren, liefert eigentlich nur der Titel: Erstens müsse man Streiks selber organisieren und zweitens läge das daran, dass wir das „Ende der fordistischen Fabrikgesellschaft“ erleben würden. Beide Thesen finden aber in den Beiträgen keinen Rückhalt und sind so auch nicht haltbar: Erstens nehmen Streiks in den hier dokumentierten Feldern zwar zu, die große Zahl an Streiktagen findet
aber nach wie vor in den totgesagten „großen Fabriken“ statt. Und damit ist zweitens auch zweifelhaft, ob ein Streik tatsächlich nur dann steht, „wenn mensch ihn selber macht“: Streiks funktionieren durchaus immer noch da am besten, wo eine organisierte Belegschaft, durchaus auch schlicht
„auf Kommando“ der Gewerkschaft, die Arbeit niederlegt, ohne unbedingt viel selber machen zu müssen. „Selber machen“ muss man da viel, wo die strukturelle und organisatorische Macht gering ist. Sicherlich kann man das „Selber Machen“ auch positiv bewerten, doch garantiert es nicht den Erfolg.
Da Nowak exemplarisch vorgeht, erfahren wir nichts über die reine Anzahl
oder auch die Erfolge der „kleinen Streikbewegungen“, wir können
nicht auf eine Entwicklung schließen. Ja, Streiks, kollektive Konflikte oder auch Organisierungsversuche in der prekären Dienstleistungswelt werden zahlreicher, sie sind aber bei Weitem noch nicht prägend für den Konflikt zwischen Kapital und Arbeit. Wer aus diesem Buch Neues zum gesellschaftlichen Grundkonflikt herauslesen möchte, muss suchen. Und tatsächlich findet sich ein gemeinsames Element, das in den meisten Beiträgen enthalten ist und übrigens genauso für die real existierenden
großen Fabriken gilt: Das, was einmal „Proletariat“ genannt wurde, stellt
sich ebenfalls als bunter Gemischtwarenladen heraus. Besonders deutlich wird dies, und entsprechende Untersuchungen in der Großindustrie werden das bestätigen, in der zunehmenden migrantischen Zusammensetzung
der Arbeitenden. Das wäre ein Rahmen gewesen, der dieses Buch zusammengehalten hätte. Peter Nowak liefert uns – teilweise
sehr kurze – Reportagen und Momentaufnahmen. Das ist die Aufgabe eines Journalisten. Einige Beispiele sind sehr inspirierend, etwa die Publikumsaktion im Brecht-Theater. Andere Beiträge, vor allem
die Darstellung der italienischen Arbeitskämpfe durch Mitarbeiter- und Mitarbeiterinnen von labournet​.tv und der theoretisch rahmende Abschlussbeitrag der Frankfurter „Antifa Kritik und Klassenkampf“, regen zur Diskussion an. Aber es fehlt der rote Faden, den Nowak als Hrsg. hätte liefern müssen. Man orientiert sich nur schwer im Gemischtwarenladen.
Torsten Bewernitz

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Prekär streiken

Peter Nowak (Hg.)
Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht
Arbeits­kämpfe nach dem Ende der großen Fabriken
Der Band ver­sammelt Berichte und Refle­xionen über Arbeits­kämpfe in unge­wöhn­lichen Arbeits­be­reichen.

Prekäre Arbeits­ver­hält­nisse wie unsi­chere oder schlecht bezahlte Arbeits­plätze, Leih­arbeit und Schein­selbst­stän­digkeit sind längst keine Rand­phä­nomene mehr. Sie finden sich mitt­ler­weile in sämt­lichen Bereichen der Arbeitswelt. Durch die Aus­la­gerung ganzer Unter­neh­mens­be­reiche und die Auf­wei­chung (oder neu­deutsch „Fle­xi­bi­li­sierung“) gesetz­licher sowie tarif­ver­trag­licher Rege­lungen sind davon längst auch die soge­nannten Nor­mal­ar­beits­ver­hält­nisse, das heißt sozi­al­ver­si­che­rungs­pflichtige Fest­an­stel­lungen, betroffen. Das bekommen auch die Gewerk­schaften zu spüren, die mit sin­kenden Mit­glie­der­zahlen und einer abneh­menden Kom­pro­miss­be­reit­schaft der Unter­neh­mens­füh­rungen kon­fron­tiert sind. Nicht zuletzt das lange Zeit als besonders fort­schrittlich gel­tende Modell der Indus­trie­ge­werk­schaft, das sich an der Inter­es­sen­ver­tretung und sozi­al­part­ner­schaft­lichen Mit­wirkung der Stamm­be­leg­schaften in großen Unter­nehmen ori­en­tiert, zeigt große Schwie­rig­keiten, auf die zunehmend frag­men­tierten Arbeits­ver­hält­nisse zu reagieren. Das äußert sich auch in der wach­senden Bedeutung klei­nerer kämp­fe­ri­scher Gewerk­schaften in einigen Bereichen der heu­tigen Arbeitswelt. Zugleich hat sich in den letzten Jahren eine leb­hafte Debatte über neue Orga­ni­sa­ti­ons­an­sätze und Instru­mente des Arbeits­kampfes ent­wi­ckelt. Sie wird vor allem inter­na­tional geführt, in gewerk­schafts­nahen Publi­ka­tionen wie der euro­paweit erschei­nenden „Transfer“ oder auf trans­na­tio­nalen Kon­fe­renzen von Streikaktivist*innen und Basisgewerkschafter*innen, wie im Oktober 2015 im pol­ni­schen Poznan. Einige Arbeitssoziolog*innen ver­gleichen die Situation dabei sogar mit der­je­nigen im 19. Jahr­hundert, als Gewerk­schaften wesentlich netz­werk­ar­tiger orga­ni­siert waren und ihre Funktion nicht so sehr in der Inter­es­sen­ver­tretung innerhalb der Unter­nehmen, sondern in der Orga­ni­sation von Soli­da­rität auf regio­naler Ebene bestand.

Streiks außerhalb der großen Fabrik

Diese Situation in der heu­tigen Arbeitswelt bildet den aktu­ellen Hin­ter­grund für das kleine Sam­mel­bändchen des Ber­liner Jour­na­listen Peter Nowak zu „Arbeits­kämpfen nach dem Ende der großen Fabrik“, wie es im Unter­titel heißt. Es kann als Beitrag zu den lau­fenden Debatten aus akti­vis­ti­scher Sicht betrachtet werden. Dabei ver­sammelt Nowak Bei­spiele von Arbeits­kämpfen aus sehr unter­schied­lichen und teil­weise auch sehr unge­wöhn­lichen Bereichen. So geht es um Arbeits­kämpfe von Sex­ar­bei­te­rinnen und um Arbeits­kämpfe in einem Ber­liner Spätkauf, im Theater und im Gefängnis. Die Autoren und Autorinnen waren und sind zumeist selbst Protagonist*innen dieser Kämpfe oder in Unter­stüt­zungs­ak­tionen aktiv. Deutlich wird dabei die große Rolle, die ein soli­da­ri­sches Umfeld und die Aus­ein­an­der­setzung in der Gesell­schaft ein­nehmen, um eine oftmals man­gel­hafte Pro­duk­ti­ons­macht der Beschäf­tigten aus­zu­gleichen. Daher geht es in dem Buch auch um die Ver­bindung von Arbeits­kämpfen und sozialen Bewe­gungen.

Es finden sich auch his­to­rische Aus­flüge, so zu einem Soli­da­ri­täts­ko­mitee von Lesben und Schwulen für den bri­ti­schen Berg­ar­bei­ter­streik 1984 und 1985, für das sich die Kumpels mit ihrer Betei­ligung auf der Gay-Pride-Parade in London revan­chierten. Zum größten Teil werden in dem Buch jedoch noch sehr frische und teil­weise noch lau­fende Aus­ein­an­der­set­zungen behandelt.

Der Blick über den Tellerrand hinaus…

Zu loben ist, dass die Bei­träge sich nicht auf Deutschland beschränken, sondern sich, durch Bei­spiele aus Frank­reich und Italien, in einen euro­päi­schen Kontext ein­ordnen lassen. So geht Willi Hajek im Rahmen eines Bei­trages über ein euro­päi­sches Netzwerk von Basis- und alter­na­tiven Gewerk­schaften auf die fran­zö­si­schen Basis­ge­werk­schaften SUD-Soli­daires und ihr Selbst­ver­ständnis eines „syn­di­ca­lisme dif­férent“(S. 10) ein. Damit ist gemeint, dass sich die fran­zö­si­schen Basisgewerkschafter*innen nicht nur auf die Pro­bleme am Arbeits­platz kon­zen­trieren, sondern auch das Ver­hältnis zu den Konsument*innen reflek­tieren und diese in die eigene Stra­tegie mit ein­be­ziehen.

„Der Typ Syn­di­ka­lismus, den die Sud-Gewerk­schaften reprä­sen­tieren, betrachtet umge­kehrt die Gesell­schaft als prak­ti­schen Zusam­menhang der Men­schen, in dem die Lohn­ab­hän­gigen nicht nur Objekte, sondern zugleich tätige Sub­jekte, gesell­schaft­liche Produzent_​innen sind und in dieser Eigen­schaft das Kapi­tal­ver­hältnis und die es schüt­zende Politik als Hin­dernis, als ‚Ballast‘ erleben“ (S. 10f.).

In diesem Zusam­menhang wird auf eine Reihe von Arbeits­kämpfen ein­ge­gangen, in denen sich die Arbeiter und Arbei­te­rinnen direkt an ihr gesell­schaft­liches Umfeld wandten. So etwa Arbeits­nie­der­le­gungen im Pariser Hotel- und Fri­seur­ge­werbe, die mit großer öffent­licher Unter­stützung geführt wurden, oder bei einem Ener­gie­ver­sorger, bei dem die Mon­teure für kos­tenlose Strom­ver­sorgung für arme Haus­halte sorgten. Besonders inter­essant ist das Bei­spiel der Inter­mittents du spec­tacle, der fran­zö­si­schen Kul­tur­schaf­fenden, denen die Regierung Hol­lande 2014 mit Kür­zungen der Aus­gleich­zah­lungen im Falle von Arbeits­un­ter­bre­chung drohte. Eine Maß­nahme, gegen die sich die Inter­mittents mit öffent­lichen Mobi­li­sie­rungen und Dis­kus­sionen zur Wehr setzten. Die Schil­derung dieses Kampfes kann dabei als Prolog zu den jüngsten Aus­ein­an­der­set­zungen um die Reform des Arbeits­ge­setzes El Khomri und die Platz­be­set­zungs­be­wegung Nuit Debout gelesen werden: „[D]ie Inter­mit­tants sind prak­tisch seit 2003 ein aktiver Teil der rebel­li­schen Lohn­arbeit, der auch gerade durch seine Akti­ons­formen, durch seine Kultur der Ver­samm­lungen, durch sein öffent­liches Auf­treten ein wirklich sozi­al­re­vo­lu­tio­näres Milieu geschaffen hat“ (S. 22f.).

Zwei Mit­glieder von labournet​.tv behandeln die Aus­ein­an­der­set­zungen in der ita­lie­ni­schen Logis­tik­branche. Das Besondere an diesem Arbeits­kampf ist, dass hier seit 2008 vor allem migran­tische Arbeits­kräfte, in einer all­ge­meinen öko­no­mi­schen Kri­sen­si­tuation und ohne Unter­stützung der großen natio­nalen Gewerk­schaften, erfolg­reich für Lohn­er­hö­hungen und die Aner­kennung der natio­nalen Bran­chen­ta­rif­ver­träge in ihren Unter­nehmen kämpfen. Unter­stützung erhalten sie dabei von kleinen Basis­ge­werk­schaften, wie der S.I. COBAS, in der ältere Mili­tante aus den Fabrik­kämpfen der 1960er und 1970er Jahre aktiv sind, und durch die außer­par­la­men­ta­rische Linke aus dem Umfeld der centri sociali, der ita­lie­ni­schen Hausbesetzer*innenbewegung. Letztere sorgten vor allem für die mas­sen­hafte Betei­ligung bei Streik­posten und Stra­ßen­blo­ckaden, die erfolg­reich die Aus­lie­ferung von Waren aus den Lager­häusern blo­ckierten und die Unter­nehmen an einem emp­find­lichen Punkt trafen.

… und wieder nach Deutschland

Es bleibt dem Leser und der Leserin selbst über­lassen, die vielen Par­al­lelen und Ver­bin­dungen zu den Bei­spielen aus Deutschland her­aus­zu­suchen. Sie sind jedoch vor­handen. So bei den Aus­ein­an­der­set­zungen an der Ber­liner Uni­ver­si­täts­klinik Charité um eine bessere Per­so­nal­aus­stattung, wo die Beschäf­tigten unter dem Slogan „Mehr von uns ist besser für alle“ (S. 82) auch die Qua­lität der Gesund­heits­ver­sorgung für die Patient*innen the­ma­ti­sieren. Aber auch bei den Aus­ein­an­der­set­zungen im Ein­zel­handel, bei H&M und bei Amazon, die von Soli­da­ri­täts­kreisen unter­stützt werden, in denen sich vor allem die außer­par­la­men­ta­rische Linke ein­bringt. So haben etwa Aktivist*innen aus dem Blockupy-Bündnis, welches durch Groß­de­mons­tra­tionen gegen die EZB in Frankfurt am Main 2012 bis 2015 Auf­merk­samkeit erregt hatte, die Strei­kenden bei H&M und Amazon 2013 mit Aktionen unter­stützt. Sie orga­ni­sierten etwa Kund­ge­bungen vor Filialen und Blo­ckaden vor Waren­lagern, zu denen die Beschäf­tigten auf­grund des Repres­si­ons­ri­sikos am Arbeits­platz nicht in der Lage waren.

Ein Unter­schied zu Frank­reich und Italien ist dabei, dass in Deutschland diese Arbeits­kämpfe mit ver.di von einer großen Bran­chen­ge­werk­schaft geführt werden, wobei auch Rei­be­reien nicht aus­bleiben. Seit 2014 wird auf über­re­gio­nalen Kon­fe­renzen auch über das Selbst­ver­ständnis der Soli­da­ri­täts­arbeit debat­tiert. Sehen sich die Soli-Aktivist*innen als ehren­amt­liche Helfer*innen bei den Orga­ni­sie­rungs­kam­pagnen der Gewerk­schaft, oder soll die Selbst­tä­tigkeit der Beschäf­tigten im Vor­der­grund stehen? Diese Fragen werden auch von der Gruppe Antifa Kritik und Klas­sen­kampf aus Frankfurt am Main in einem eher theo­re­ti­schen Beitrag auf­ge­worfen. Die ursprünglich uni­ver­si­täts­po­li­tische Gruppe begründet ihr Enga­gement in oben genannten Soli-Kreisen mit der Absicht, eine Ver­bindung von anti­ka­pi­ta­lis­ti­scher Per­spektive und kon­kreten Ein­zel­kämpfen her­zu­stellen. Wenn auch aus einer anderen Position heraus und in einem aka­de­mi­schen Tonfall, zeigt ihre Argu­men­tation für die Ori­en­tierung am Klas­sen­kampf auch Ähn­lich­keiten zum oben erwähnten Selbst­ver­ständnis der fran­zö­si­schen Basisgewerkschafter*innen:

„Wird in kol­lek­tiven Erfah­rungs- und Refle­xi­ons­pro­zessen deutlich, dass die eigenen Bedürf­nisse hier und heute nur befriedigt werden, sofern sie sich der Wert­ver­ge­sell­schaftung ein­passen, ver­mitteln sich Bedürf­nisse mit der kri­ti­schen Ein­sicht, dass eine gesell­schaft­liche Pro­duktion, die auf die Bedürf­nis­be­frie­digung und ‑ent­faltung der Gesell­schafts­mit­glieder gerichtet ist, nur jen­seits der kapi­ta­lis­ti­schen Klas­sen­ge­sell­schaft zu haben ist“ (S. 105).

Der Text endet mit einem Vor­schlag zum Aufbau von Struk­turen zur Her­stellung von Soli­da­rität zwi­schen Lohn­ab­hän­gigen aus unter­schied­lichen Branchen und gesell­schaft­lichen Bereichen. Dar­unter werden „Strei­kende, Betriebs­gruppen, Arbeits­lo­sen­in­itia­tiven, Repro-Arbei­ter_innen oder Soli-Akti­vis­t_innen“ (S. 107) ver­standen, die sich „rund um die Orte, an denen Herr­schaft und Aus­beutung sich all­täglich repro­du­zieren“ (S. 108) orga­ni­sieren. Das lässt wie­derum an ähn­liche Expe­ri­mente der jüngsten Zeit in Italien und Grie­chenland denken, wo sich lokale Orga­ni­sa­ti­ons­an­sätze prekär Beschäf­tigter und Stu­die­render gebildet haben.

Das Sam­mel­bändchen ist sicher keine Fach­li­te­ratur. Eine aus­führ­li­chere Ein­leitung, die die vielen, zum Teil sehr unter­schied­lichen Bei­träge mit­ein­ander in Beziehung setzt und ver­sucht, sie mit gemein­samen Thesen über die neuen Arbeits­kämpfe zu unter­füttern, wird nicht geboten. Die Syn­these, wie sie der Autor dieser Rezension aus seiner eigenen Sicht ansatz­weise ver­sucht hat, wird also dem Leser über­lassen. Für die­je­nigen aber, die sich über neuere und teils unge­wöhn­liche Aus­ein­an­der­set­zungen am Arbeits­platz aus erster Hand infor­mieren wollen, ebenso wie für solche, die in ähn­liche Kämpfe ver­wi­ckelt sind, ist es dennoch eine anre­gende Lektüre, die zudem sehr handlich und auch für Men­schen mit wenig Zeit zube­reitet worden ist.

Anmerkung: Zur trans­na­tio­nalen Kon­ferenz von Streikaktivst*innen in Poznan/​Polen im Oktober 2015 ist auf der Plattform Labournet ein Bericht erschienen: hier

Peter Nowak (Hg.) 2015:
Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht. Arbeits­kämpfe nach dem Ende der großen Fabriken.
Edition Assem­blage, Münster.
ISBN: 978–3‑942885–78‑2.
111 Seiten. 7,80 Euro.
aus; Kri​tisch​-lesen​.de
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Nachdruck der Rezension in Oldenburger Rundschau:

https://​www​.olden​burger​-rund​schau​.de/​2​0​1​6​/​1​0​/​0​5​/​p​r​e​k​a​e​r​-​s​t​r​e​iken/



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libertäre buch­seiten
» 412 oktober 2016

Streik! Was für ein wunderbarer Tag

Peter Nowak (Hrsg.): Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht. Arbeits­kämpfe nach dem Ende der großen Fabriken, edition assem­blage, Münster 2015, 112 Seiten, ISBN 978–3‑942885–78‑2

In den letzten Jahren hat sich eine leb­hafte Dis­kussion über die Aus­breitung pre­kärer Arbeits­ver­hält­nisse und die Not­wen­digkeit neuer Orga­ni­sa­ti­ons­an­sätze und Instru­mente des Arbeits­kampfes ent­wi­ckelt.

Schließlich zeigt sich immer deut­licher, dass die großen Bran­chen­ge­werk­schaften nicht mehr in der Lage sind, auf die Pro­bleme in weiten Bereichen der heu­tigen Arbeitswelt adäquat zu reagieren. Der Ber­liner Jour­nalist Peter Nowak legt mit dem vor­lie­genden Buch nun ein Sam­mel­bändchen vor, das als Beitrag zu dieser Debatte aus akti­vis­ti­scher Sicht gelten kann. Viele der hier ver­sam­melten Texte behandeln Bei­spiele aus Bereichen, die meist nicht mit Streiks in Ver­bindung gebracht werden. So geht es um Arbeits­kämpfe von Sex­ar­bei­te­rinnen, in einem Ber­liner Spätkauf, im Theater oder im Gefängnis.

Die Autoren und Autorinnen waren und sind zumeist selbst Prot­ago­nis­tInnen dieser Kämpfe oder in Unter­stüt­zungs­ak­tionen aktiv. Deutlich wird dabei die große Rolle, welche ein soli­da­ri­sches Umfeld und die Aus­ein­an­der­setzung in der Gesell­schaft haben, um eine oft man­gel­hafte Pro­duk­ti­ons­macht der Beschäf­tigten aus­zu­gleichen.

Daher geht es im Buch auch um die Ver­bindung von Arbeits­kämpfen und sozialen Bewe­gungen in der jüngsten Zeit. Bis auf einen Beitrag zu einem Soli­da­ri­täts­ko­mitee von Lesben und Schwulen für den bri­ti­schen Berg­ar­bei­ter­streik 1984 und 1985 werden frische und teil­weise noch lau­fende Aus­ein­an­der­set­zungen behandelt.

Zu loben ist, dass die Bei­träge sich nicht auf Deutschland beschränken, sondern sich, durch Bei­spiele aus Frank­reich und Italien, in einen inter­na­tio­nalen Kontext ein­ordnen lassen.

So geht Willi Hajek, im Rahmen eines Bei­trages über ein euro­päi­sches Netzwerk von Basis- und alter­na­tiven Gewerk­schaften, auf die fran­zö­si­schen Basis­ge­werk­schaften sud-soli­daires und ihr Selbst­ver­ständnis eines »syn­di­ca­lisme dif­ferent« (S. 10) ein, welcher auch das Ver­hältnis zu den Kon­su­menten und Kon­su­men­tinnen reflek­tiert und diese in die eigene Stra­tegie mit ein­be­zieht. »Der Typ Syn­di­ka­lismus, den die Sud-Gewerk­schaften reprä­sen­tieren, betrachtet umge­kehrt die Gesell­schaft als prak­ti­schen Zusam­menhang der Men­schen, in dem die Lohn­ab­hän­gigen nicht nur Objekte, sondern zugleich tätige Sub­jekte, gesell­schaft­liche Produzent_​innen sind und in dieser Eigen­schaft das Kapi­tal­ver­hältnis und die es schüt­zende Politik als Hin­dernis, als ‚Ballast‘ erleben.« (S. 10f.)

In diesem Zusam­menhang wird auf eine Reihe von Arbeits­kämpfen ein­ge­gangen, in denen sich die Arbeiter und Arbei­te­rinnen direkt an ihr gesell­schaft­liches Umfeld wandten. So etwa Arbeits­nie­der­le­gungen im Pariser Hotel- und Fri­seur­ge­werbe, bei einem Ener­gie­ver­sorger, oder die jüngsten Kämpfe der »Inter­mittents du spec­tacle«, der fran­zö­si­schen Kul­tur­schaf­fenden, deren Schil­derung den Prolog zu den jüngsten Aus­ein­an­der­set­zungen um die Reform des Arbeits­ge­setzes bilden könnte: »die Inter­mit­tants sind prak­tisch seit 2003 ein aktiver Teil der rebel­li­schen Lohn­arbeit, der auch gerade durch seine Akti­ons­formen, durch seine Kultur der Ver­samm­lungen, durch sein öffent­liches Auf­treten ein wirklich sozi­al­re­vo­lu­tio­näres Milieu geschaffen hat.« (S. 22f.)

Zwei Mit­glieder von labournet​.tv behandeln die Aus­ein­an­der­set­zungen in der ita­lie­ni­schen Logis­tik­branche, wo seit 2008 zumeist migran­tische Arbeits­kräfte um Lohn­er­hö­hungen und die Aner­kennung der natio­nalen Tarif­ver­träge in ihren Unter­nehmen kämpfen. In diesen Aus­ein­an­der­set­zungen spielen eben­falls kleine lokal ver­an­kerte Basis­ge­werk­schaften, wie die S.I. COBAS, eine große Rolle. Hinzu kommt die Unter­stützung durch die radikale Linke vor Ort, mit deren Hilfe eine Reihe von Streiks erfolg­reich durch­ge­führt werden konnten.

Die vielen Par­al­lelen und Ver­bin­dungen zu den Bei­spielen aus Deutschland sind deutlich vor­handen. So bei den Aus­ein­an­der­set­zungen an der Ber­liner Uni­ver­si­täts­klinik Charité um eine bessere Per­so­nal­aus­stattung, wo die Beschäf­tigten unter dem Slogan »Mehr von uns ist besser für alle« (S. 82) auch die Qua­lität der Gesund­heits­ver­sorgung für die Pati­enten und Pati­en­tinnen the­ma­ti­sieren.

Aber auch bei den Aus­ein­an­der­set­zungen im Ein­zel­handel, bei H&M und bei Amazon, die von Soli­da­ri­täts­kreisen unter­stützt werden, in denen sich vor allem die außer­par­la­men­ta­rische Linke ein­bringt. Ein Unter­schied zu Frank­reich und Italien ist dabei, dass in Deutschland diese Arbeits­kämpfe mit ver.di von einer großen Bran­chen­ge­werk­schaft geführt werden, wobei auch Rei­be­reien nicht aus­bleiben.

Abge­schlossen wird das Bändchen mit einem stark theo­re­ti­schen Beitrag der Gruppe »Antifa Kritik und Klas­sen­kampf« aus Frankfurt am Main, in welchem diese ihr Enga­gement in oben genannten Soli-Kreisen mit der Absicht begründet, eine Ver­bindung von anti­ka­pi­ta­lis­ti­scher Per­spektive und kon­kreten Ein­zel­kämpfen her­zu­stellen. Wenn auch aus einer anderen Position heraus und in einem deutlich didak­ti­scheren Tonfall, zeigt die Begründung für diese Ori­en­tierung am Klas­sen­kampf auch Ähn­lich­keiten zum oben zitierten Selbst­ver­ständnis der fran­zö­si­schen Basis­ge­werk­schafter: »Wird in kol­lek­tiven Erfah­rungs- und Refle­xi­ons­pro­zessen deutlich, dass die eigenen Bedürf­nisse hier und heute nur befriedigt werden, sofern sie sich der Wert­ver­ge­sell­schaftung anpassen, ver­mitteln sich Bedürf­nisse mit der kri­ti­schen Ein­sicht, dass eine gesell­schaft­liche Pro­duktion, die auf die Bedürf­nis­be­frie­digung und ‑ent­faltung der Gesell­schafts­mit­glieder gerichtet ist, nur jen­seits der kapi­ta­lis­ti­schen Klas­sen­ge­sell­schaft zu haben ist« (S. 105). Der Text endet mit einem Vor­schlag zum Aufbau von Struk­turen zur Her­stellung von Soli­da­rität zwi­schen Lohn­ab­hän­gigen aus unter­schied­lichen Branchen und gesell­schaft­lichen Bereichen. Dar­unter werden »Strei­kende, Betriebs­gruppen, Arbeits­lo­sen­in­itia­tiven, Repro-Arbei­ter_innen oder Soli-Akti­vis­t_innen« (S. 107) ver­standen, die sich »rund um die Orte, an denen Herr­schaft und Aus­beutung sich all­täglich repro­du­zieren« (S. 108) orga­ni­sieren. Das lässt wie­derum an ähn­liche Expe­ri­mente der jüngsten Zeit in Italien denken, nicht zuletzt an die lokalen Orga­ni­sa­tions- und Unter­stüt­zungs­struk­turen für die Logis­tik­ar­beiter und ‑arbei­te­rinnen.

Das Sam­mel­bändchen ist sicher keine Fach­li­te­ratur. Eine aus­führ­li­chere Ein­leitung, die die vielen teils sehr unter­schied­lichen Bei­träge mit­ein­ander in Beziehung setzt und sie ver­sucht mit gemein­samen Thesen über die neuen Arbeits­kämpfe zu unter­füttern, wird nicht geboten.

Für Lese­rinnen und Leser aber, die sich über neuere und teils unge­wöhn­liche Aus­ein­an­der­set­zungen am Arbeits­platz aus erster Hand infor­mieren wollen, ebenso wie für solche, die in ähn­liche Kämpfe ver­wi­ckelt sind, ist es dennoch eine anre­gende Lektüre, die zudem handlich und auch für Men­schen mit wenig Zeit zube­reitet worden ist.

Dietmar Lange
http://​www​.gras​wurzel​.net/​4​1​2​/​s​t​r​e​i​k.php

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ak – analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 619 / 20.9.2016

Streik selbst gemacht

In den letzten Jahren hat sich eine leb­hafte Dis­kussion über die Aus­breitung pre­kärer Arbeits­ver­hält­nisse und die Not­wen­digkeit neuer Orga­ni­sa­ti­ons­an­sätze und Instru­mente des Arbeits­kampfes ent­wi­ckelt. Peter Nowak legt nun ein Sam­mel­bändchen vor, das als Beitrag zu dieser Debatte aus akti­vis­ti­scher Sicht gelten kann. Viele der hier ver­sam­melten Texte behandeln Bei­spiele aus Bereichen, die meist nicht mit Streiks in Ver­bindung gebracht werden. So geht es um Arbeits­kämpfe von Sex­ar­bei­te­rinnen, in einem Ber­liner Spätkauf, im Theater oder im Gefängnis. Die Autor_​innen sind zumeist selbst Protagonist_​innen dieser Kämpfe oder in Unter­stüt­zungs­ak­tionen aktiv. Deutlich wird dabei, wie wichtig ein soli­da­ri­sches Umfeld und die Aus­ein­an­der­set­zungen in der Gesell­schaft sind. Daher geht es in dem Buch auch um die Ver­bindung von Arbeits­kämpfen und sozialen Bewe­gungen in der jüngsten Zeit. Zu loben ist, dass die Bei­träge sich nicht auf Deutschland beschränken, sondern sich, durch Bei­spiele aus Frank­reich und Italien, in einen inter­na­tio­nalen Kontext ein­ordnen lassen. Es bleibt den Leser_​innen aller­dings selbst über­lassen, die teils recht unter­schied­lichen Bei­spiele mit­ein­ander in Beziehung zu setzen und Par­al­lelen und Ver­bin­dungen her­aus­zu­ar­beiten; die Ein­leitung des Her­aus­gebers leistet dies nicht. Dennoch dürfte das Buch für all jene eine anre­gende Lektüre bieten, die sich aus erster Hand über neuere und teils unge­wöhn­liche Arbeits­kämpfe infor­mieren wollen.

Dietmar Lange

Peter Nowak (Hg.): Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht. Arbeits­kämpfe nach dem Ende der großen Fabriken. edition assem­blage, Münster 2015, 112 Seiten, 7,80 EUR.

https://​www​.akweb​.de/​a​k​_​s​/​a​k​6​1​9​/​0​2.htm

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Im prekären Sektor gibt es eine Alternative zum DGB

Betr.: «Auf absehbare Zeit gibt es keine Alter­native zu den DGB-Gewerk­schaften», von Jakob Schäfer in SoZ Mai 2016
von Peter Nowak*

Es ist erfreulich, dass die SoZ eine Debatte über die linke Bewegung und Gewerk­schaften initiiert hat. Schließlich wächst auch in Teilen der außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken die Erkenntnis, dass Gewerk­schaften für eine Trans­for­mation der Gesell­schaft unver­zichtbar sind.

Ein Teil vor allem der post­au­to­nomen Linken arbeitet in unter­schied­lichen DGB-Gewerk­schaften mit. Weil ein Großteil der außer­par­la­men­ta­risch Aktiven im Bildungs‑, Erziehungs‑, Gesund­heits- und Pfle­ge­be­reich arbeitet, kon­zen­triert sich ihr gewerk­schaft­liches Enga­gement auf die Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft Ver.di und die GEW. Mitt­ler­weile setzt ein Teil davon die durch das poli­tische Enga­gement erwor­benen Kennt­nisse beruflich als Orga­nizer in Gewerk­schaften ein. Ver­einzelt gibt es auch schon haupt­be­ruf­liche Gewerk­schafts­se­kretäre aus der außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken.

Ein anderer Teil der an gewerk­schaft­lichen Akti­vi­täten inter­es­sierten außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken sieht hin­gegen diese Mit­arbeit in DGB-Gewerk­schaften kri­tisch. Sie ver­weist auf Erfah­rungen aus der Gewerk­schafts­ge­schichte, wo immer wieder Impulse aus kri­ti­schen Bewe­gungen in die Gewerk­schafts­ap­parate inte­griert wurden und wenige Kon­se­quenzen für eine kämp­fe­rische Gewerk­schafts­po­litik hatten. Diese Wider­sprüche hat Jakob Schäfer in seinem Dis­kus­si­ons­beitrag gut benannt.

«Auf der einen Seite sind sie Schutz­macht gegen die schran­kenlose Herr­schaft des Kapitals, indem sie der Unter­bie­tungs­kon­kurrenz von Beleg­schaften einen Riegel vor­schieben, vor allem durch Tarif­ver­träge, nach Mög­lichkeit lan­desweit. Zum anderen sind sie auch Ord­nungs­macht, weil sie auch ein Element des Kapi­tal­ver­hält­nisses sind (min­destens dann, wenn Tarif­ver­träge abge­schlossen sind), auch unab­hängig von einer Politik der Klas­sen­ver­söhnung (die aller­dings für fast alle Gewerk­schaften, auch außerhalb des DGB, die Regel ist).»

Diesen Aus­füh­rungen könnte ich zustimmen, wenn der Halbsatz in der Klammer nicht wäre. Es stimmt eben nicht, dass die Politik der Klas­sen­ver­söhnung für fast alle Gewerk­schaften außerhalb des DGB gilt. Für die meisten Spar­ten­ge­werk­schaften, wie den Mar­burger Bund oder die Gewerk­schaft Cockpit trifft das sicher zu. Ihr manchmal ver­bal­ra­di­kaler Ton bei der Durch­setzung von For­de­rungen für meist kampf­starke Seg­mente der Lohn­ab­hän­gigen darf nicht darüber hin­weg­täu­schen, dass sie kei­nerlei gesell­schafts­kri­ti­sches Konzept haben und selbst den Gedanken der Soli­da­rität unter­schied­licher Seg­mente der Lohn­ab­hän­gigen, der auch in den DGB-Gewerk­schaften meistens Lip­pen­be­kenntnis bleibt, nicht einmal dem Anspruch nach ver­wirk­lichen wollen.

Anders sieht es bei den Basis­ge­werk­schaften aus, die die in den letzten Jahren in vielen euro­päi­schen Ländern an Bedeutung gewonnen haben. In Deutschland ist hier neben den Indus­trial Workers of the World (IWW), die in einigen Städten Orga­ni­sa­ti­ons­ver­suche unter­nehmen, die Freie Arbeiter-Union (FAU) zu nennen. Ihr ist es in den letzten Jahren gelungen, den Status einer anar­chis­ti­schen Gruppe mit Gewerk­schafts­an­spruch abzu­legen. Die SoZ gehörte zu den wenigen linken Zei­tungen, die über den Arbeits­kampf im Ber­liner Kino Babylon berichtet hat. Er hat dazu bei­getragen, dass die FAU als Basis­ge­werk­schaft wahr­ge­nommen wird.

Ein aktu­eller Arbeits­kampf, der von der FAU getragen wird, ist der Kampf der rumä­ni­schen Bau­ar­beiter bei der Mall of Berlin, die seit nun mehr fast zwei Jahren um ihren Lohn kämpfen. Die Aus­ein­an­der­setzung macht die großen Pro­bleme deutlich, die das Beschreiten des Rechtswegs für die Betrof­fenen bedeutet. Die Bosse gehen not­falls durch alle Instanzen und geben lieber viel Geld für Gerichts­kosten aus, als dass sie die aus­ste­henden Löhne bezahlen. Wenn sie dann in allen Instanzen zu Zah­lungen ver­ur­teilt wurden, melden die Sub­un­ter­nehmen Insolvenz an.

Am Bei­spiel der Mall of Berlin zeigt sich auch, dass eine DGB-Gewerk­schaft für die Bau­ar­beiter keine Option gewesen wäre. Sie waren schließlich zuvor bei einer Bera­tungs­stelle unter dem Dach des DGB. Dort wurde ihnen gesagt, dass sie einen Bruchteil ihrer Ansprüche erstattet bekämen, wenn sie auf alle wei­teren Rechte ver­zich­teten. Die­je­nigen Bau­ar­beiter, die das ablehnten, wandten sich danach an die FAU. Erst dadurch wurde die Kam­pagne der letzten beiden Jahre möglich; sie richtet auch über die Mall of Berlin hinaus den Fokus darauf, dass Lohn­betrug und Über­aus­beutung zum all­täg­lichen Geschäfts­modell im Kapi­ta­lismus gehören.

So wie die Bau­ar­beiter bei der Mall of Berlin haben sich auch viele andere Lohn­ab­hängige vor allem im pre­kären Bereich zunächst ver­geblich an eine DGB-Gewerk­schaft gewandt, bevor sie dann in und mit der FAU für ihre Rechte kämpften – etwa Beschäf­tigte aus der Ser­vice­ab­teilung der Heinrich-Böll-Stiftung, oder ein Mit­ar­beiter eines Spät­kaufs in Berlin, der mehrere Jahre als eine Art Geschäfts­führer auf Hartz-IV-Basis gear­beitet hat. In Jena haben Beschäf­tigte eines uni­ver­si­tären Call-Centers mit der FAU einen Arbeits­kampf begonnen.

Oft waren die Betriebe so klein, dass sie gar nicht ins Konzept des DGB gepasst hätten. Nun breiten sich solche pre­kären Arbeits­ver­hält­nisse immer weiter aus. Lange Zeit galten diese Bereiche als für Gewerk­schaften ver­loren. Die FAU hat in einigen Fällen gezeigt, dass auch hier Arbeits­kämpfe möglich sind. Bärbel Schöna­finger hat in dem Film Die Angst weg­schmeißen am Bei­spiel des Arbeits­kampf­zyklus in der nord­ita­lie­ni­schen Logis­tik­branche gezeigt, was möglich ist, wenn eine Gruppe kamp­f­ent­schlos­sener Beschäf­tigter auf eine Basis­ge­werk­schaft stoßen, die den Kampf mit ihnen führen will. In diesem Fall waren es die Sin Cobas.

Von solchen Ver­hält­nissen sind wir in Deutschland noch weit ent­fernt. Aber auch hier spielt die Musik eben nicht mehr nur in den for­dis­ti­schen Groß­be­trieben, wo die DGB-Gewerk­schaften noch die Hege­monie haben, auf die Schäfer in seinem Beitrag ver­weist. Vor allem im pre­kären Sektor haben sich auch in Deutschland basis­ge­werk­schaft­liche Ansätze als kampf- und streik­fähig erwiesen und damit bewiesen, dass sie dort eine Alter­native zum DGB sein können.

* Der Autor hat im letzten Jahr im Verlag Edition Assem­blage das Buch «Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht. Arbeits­kämpfe nach dem Ende der großen Fabriken» her­aus­ge­geben (112 S., 7,80 Euro).

http://​www​.sozonline​.de/​2​0​1​6​/​0​7​/​i​m​-​p​r​e​k​a​e​r​e​n​-​s​e​k​t​o​r​-​g​i​b​t​-​e​s​-​e​i​n​e​-​a​l​t​e​r​n​a​t​i​v​e​-​z​u​m​-dgb/

SOZ-Sozialistische Zeitung September 2016

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Streik? Selber machen!
Jonas Komposch. Diskussionen über neue Taktiken des Streikens haben Konjunktur.

Im Büchlein «Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht» liefert Peter Nowak nun aufschlussreiche Einblicke in noch ungewohnte Territorien und Formen des Arbeitskampfes.

Jüngst während einer Zusam­men­kunft im Gewerk­schafts­lokal der Ber­liner Freien Arbei­te­rinnen und Arbeiter Union (FAU): Im Syn­di­katsbüro gibt ein Gewerk­schafter ein Radio-Interview. Der lokale Rundfunk will wissen, was «kämp­fe­rische Basis­ge­werk­schaft » eigentlich bedeute und ob die FAU tat­sächlich Sabo­ta­geakte durch­führe und nur stramme Anar­chis­tInnen auf­nehme. Derweil bespricht eine Arbeits­gruppe in einem Hin­ter­zimmer den Fall eines Mit­glieds, das von seinem Chef nicht nur um den Lohn geprellt, sondern auch vor Gericht gezerrt wurde. In einem anderen Raum wird über die Ver­netzung von Arbeiter-und Mie­te­rIn­nen­kämpfen beraten. Aus der Küche duftet ein Rata­touille und an der Bar in der Emp­fangs­halle treten Gewerk­schaf­te­rInnen mit Rat­su­chenden und Neu­gie­rigen in Kontakt. Einer dieser Besucher ist der Kame­runer Balzac (Name geändert). Er lebt seit zehn Monaten in Deutschland, steckt mitten im Asyl­ver­fahren und hat also keine Arbeits­er­laubnis. Eines Tages seien in seiner Unter­kunft plötzlich Leute rekru­tiert worden. Er habe sich gemeldet und fortan für ein grosses Rei­ni­gungs­in­stitut gear­beitet. Balzac reicht Fotos herum,auf denen zu sehen ist, wie er mit anderen Flücht­lingen ein Ber­liner Luxus­hotel putzt. Vom ver­spro­chenen Min­destlohn habe er nie einen Cent gesehen. Wenn er sich beschwert habe, sei er stets auf später ver­tröstet worden. Die meisten seiner Kol­le­gInnen hätten bald resi­gniert und seien nicht mehr zur Arbeit erschienen. Balzac aber for­derte wei­terhin seinen Lohn und erhielt deshalb vom «Human Resource Manager» eine SMS: «Wenn du noch einmal kommst, rufen wir Polizei, du zurück nach Afrika!»Endstation

Was dann geschah, ist sym­pto­ma­tisch für die gegen­wärtige Lage der Gewerk­schaften. Balzac wandte sich zuerst an eine Gross­ge­werk­schaft. Dort wurde ihm tat­sächlich gesagt, dass in diesem Fall leider nichts zu machen sei. Balzac liess aber nicht locker und erhielt eine Woche später eine Beratung, wenn auch eine ent­täu­schende: «Bevor ich das Mit­glieds­for­mular nicht unter­schrieben hatte, wurde ich nicht einmal richtig begrüsst.» Dann machte die Gewerk­schaft dem Asyl­be­werber den Vor­schlag, bei Nicht­be­zahlung des Lohnes einen Gerichts­prozess anzu­strengen. Völlig zu Recht empfand das Balzac als zu hohes Risiko. «Die Schwarz­arbeit, die mit einem Prozess akten­kundig würde, hätte negative Kon­se­quenzen für meinen Asyl­prozess. Die Gerichts­kosten müsste ich als Neu­mit­glied zudem selber tragen.» Nun hofft Balzac auf die Unter­stützung der FAU, die mit wenigen aber aktiven Mit­gliedern eine beach­tens­werte Mobi­li­sie­rungs­fä­higkeit hat. In den letzten Jahren trom­melte die Basis­ge­werk­schaft für Ein­zelne immer wieder ihre Mit­glieder zusammen und konnte mit direkten Aktionen die Bezahlung aus­ste­hender Gehälter erzwingen. Das unter­scheidet sie von den hier­ar­chi­schen Gewerk­schaften, die nicht die Struk­turen besitzen, um Ein­zel­fällen eine der­artige Beachtung zu schenken. Aus­serdem «rechnet sich» für gewinn­ori­en­tierte Orga­ni­sa­tionen die Auf­merk­samkeit für die oft auf­wän­digen Ein­zel­fälle der pre­kären Arbei­te­rInnen schlicht nicht. Denn von diesen ist weder ein hoher oder wenigstens kon­stanter Mit­glie­der­beitrag, noch ein unmit­tel­barer Zugang zu einer grös­seren Beleg­schaft zu erwarten.

Nicht nur in Grossfabriken

Die Not­wen­digkeit, sich gegen Aus­beutung zu wehren, ist aber exis­ten­ziell und ver­schwindet mit der gewerk­schaft­lichen Unfä­higkeit, auf neue Ent­wick­lungen ein­zu­gehen, nicht. Peter Nowak beleuchtet in seinem neuen Buch exem­pla­risch einige dieser «Arbeits­kämpfe nach dem Ende der grossen Fabriken». Das Ziel des Her­aus­gebers ist es, Men­schen zu ermu­tigen
und zu zeigen, dass Arbeits­kämpfe nicht nur in einer Gross­fabrik oder mit gewerk­schaft­lichen Appa­raten machbar sind. Das Buch richtet sich aber auch an die Linke, in der weite Teile noch immer ein fatales Des­in­teresse am Kampffeld der Arbeit zeigen und glauben, Kate­gorien wie «Klasse» oder Mittel wie Streiks gehörten der Ver­gan­genheit an. Nowak hält dem ent­gegen, dass mit dem Ende der for­dis­ti­schen Fabrik­ge­sell­schaft Arbeits­kämpfe nicht obsolet geworden seien, sondern bloss andere Erschei­nungs­formen ange­nommen hätten. Weil die Orga­ni­sierung in modernen und kleinren Betriebs­struk­turen schwie­riger geworden sei, werde gesell­schaft­liche Soli­da­rität von Außen immer wich­tiger. So handelt ein Kapitel davon, wie beim jüngsten Amazon-Streik soli­da­rische Kun­dInnen dazu auf­riefen, den Betrieb des Ver­sand­händlers zu sabo­tieren. Mas­senhaft Bestel­lungen wurden zwar auf­ge­geben, nach dem Versand aber gratis wieder stor­niert
und so dem bestreikten Gross­konzern Mehr­kosten beschert.

DIY statt nur dabei

Als ein tat­säch­liches «Lehr­stück der Selbst­or­ga­ni­sierung » liest sich der Beitrag von Rosa Cannone und Johanna Schell­hagen. Die beiden Fil­me­ma­che­rinnen beglei­teten die Logis­tik­ar­bei­te­rInnen und ihre Gewerk­schaft S. I. Cobas in Nord­italien mit der Kamera. In ihrem viel dis­ku­tierten Film «Die Angst weg­schmeissen », zeigen sie, wie sich die mehr­heitlich migran­ti­schen Arbei­te­rInnen mit zumeist ita­lie­ni­schen Links­ra­di­kalen in einer neuen Basis­ge­werk­schaft sym­bio­tisch zusam­men­schliessen und so nicht nur für die Mit­glieder Erfolge erkämpfen, sondern darüber hinaus für die gesamte Klasse eine Per­spektive ver­körpern. Die Fil­me­ma­che­rinnen erklären in ihrem Beitrag die Hin­ter­gründe dieser Bewegung und gehen auf die Rolle der linken Gruppen und der Sozialen Zentren ein. Weitere Texte erzählen, wie Gefangene ihre eigene
Gewerk­schaft grün­deten, wie Sex­ar­bei­te­rInnen auf Selbst­or­ga­ni­sation bauen, statt auf Hilfe zu warten oder wie Flücht­linge noch im Jahr 2014 zuerst die Ber­liner Zen­trale des Gewerk­schafts­bundes besetzen und sich von der Polizei räumen und ver­haften lassen mussten, bevor der Apparat all­mählich auch Papierlose als Mit­glieder akzep­tierte. Wegen diesen Vor­kämp­fe­rInnen hat heute der um seinen Lohn geprellte und von seiner Abschiebung bedrohte Balzac die Mög­lichkeit
einer Gewerk­schafts­mit­glied­schaft. Was dabei her­aus­springt, liegt aber weit­gehend aus­serhalb seines Ein­flusses, sondern hängt von einem Sekretär oder einer Rich­terin ab. «Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht» zeigt dem­ge­genüber, dass es unter diesen Umständen für viele Arbei­te­rInnen effek­tiver ist, die Zügel selbst in die Hand zu nehmen und mit einer
soli­da­ri­schen Gemein­schaft oder einer Basis­ge­werk­schaft den Kampf zu führen.

PETER NOWAK (HG.): EIN STREIK STEHT, WENN MENSCH IHN SELBER MACHT. EDITION ASSEMBLAGE, 2015, 112 SEITEN, CA. 10 FRANKEN.

aus: vorwärts – 26. August 2016

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aus Contraste – die Zeitung für Selbstorganisation, Februar 2016

„Wir wurden zu Men­schen!“

Der Jour­nalist und Buch­autor Peter Nowak hat in der Edition Assem­blage den Sam­melband „Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht.“ her­aus­ge­geben. Er will den Lese­rInnen einen

Kurz­über­blick über Streiks und Arbeits­kämpfe in Branchen geben, die nicht mit Gewerk­schaften in Ver­bindung gebracht werden – so im Spätkauf, in der Sor­ge­arbeit, am Theater, bei H& M oder amazon. Auch inter­na­tionale Bei­spiele aus Frank­reich, Italien und Groß­bri­tannien bietet das Buch. So ver­mittelt Willi Hajek ein­gangs einen Ein­druck von Streiks in Frank­reich, bei­spiels­weise von einer Aus­ein­an­der­setzung, die 20 Ange­stellte (davon 17 soge­nannte Papierlose ) in einem Friseur-und Maniküre-Salon führten. Zum ersten Mal wurde mit diesem Kampf ein Arbei­te­rIn­nen­kol­lektiv von Papier­losen arbeits­rechtlich aner­kannt. Sie selbst sagen: „Wir wurden zu Men­schen.“ Ein wei­terer Artikel berichtet über die Arbeits­kämpfe von Logis­tik­ar­bei­te­rInnen in Italien, die eine „Woche der Lei­den­schaft“ durch­führten, d.h. eine per­ma­nente Besetzung vor den Toren des Unter­nehmens. Die erfri­schend mili­tanten Kämpfe der Logis­tik­ar­bei­te­rInnen gehen über einen sym­bo­li­schen Protest hinaus. „Sie scheuen sich nicht, öko­no­mi­schen Schaden anzu­richten, sondern sehen gerade darin ihre Stärke“, so die beiden Autorinnen des Artikels. Wie schwer es ist, Pre­ka­ri­sierte gewerk­schaftlich zu orga­ni­sieren, zeigen viele Bei­spiele in dem Buch. So sei der Orga­ni­sa­ti­onsgrad von ange­stellten Taxi­fah­re­rInnen sehr gering, berichtet Andreas Kom­rowski, Mit­glied der Ver­trau­ens­leute­ver­sammlung (VLV) Taxi bei ver.di Berlin, in einem Interview. Die fünf bis zehn Aktiven in ihrer Arbeits­gruppe hätten sich für einen gesetz­lichen Min­destlohn und die Kon­trolle der Arbeits­zeiten ein­ge­setzt. Es ginge darum, innerhalb der Gewerk­schaften „mög­liche Spiel­räume aus­zu­nutzen“ und zugleich keine „idea­lis­ti­schen Illu­sionen in die grund­sätz­liche Ver­än­derung des bestehenden Apparats“ zu pflegen. Inter­essant sind in dem Buch auch die Beschrei­bungen der Kämpfe von mar­gi­na­li­sierten Gruppen. Sex­ar­bei­te­rInnen führten im Sommer 2014 einen Arbeits­kampf, der kaum öffentlich wahr­ge­nommen wurde. Bei dem Portal „Kaufmich​.com“ gab es Aus­ein­an­der­set­zungen um Neu­re­ge­lungen, die Umsatz­ein­bußen für die Sex­ar­bei­te­rInnen bedeu­teten. Sie hatten schließlich Erfolg. Im Mai 2014 wurde in der Jus­tiz­voll­zugs­an­staltVA Tegel in Berlin die Gefan­ge­nen­ge­werk­schaft gegründet. Oliver Rast, Gründer und Sprecher der Gewerk­schaft, berichtet in einem Interview, wie er zusammen mit seinem Kol­legen Mehmet Aykol „die soziale Frage hinter Gittern“ auf­werfen wollte. Inzwi­schen haben sie einen Verbund mit meh­reren Hundert Men­schen in über 30 Knästen auf­gebaut. Die 13 Artikel und Inter­views bilden einen gelun­genen Rund­um­schlag zum Thema Streiks und Arbeits­kämpfe. Als Ein­stiegs­lektüre ist das mit wei­ter­füh­renden Links ver­sehene Buch unbe­dingt zu emp­fehlen.

Anne Seeck

Peter Nowak (Hg.):, Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht, Arbeits­kämpfe nach dem Ende der großen Fabriken, Verlag edition assem­blage, Münster 2015, 111 Seiten, 7,80 Euro

In Con­traste, Februar 2016, S. 10

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Interview in Taz-Hamburg: 5.2.2016

HEUTE IN HAMBURG

GEWERK­SCHAFTEN Arbeit­geber ver­suchen, neue Arbeits­kämpfe zu unter­binden, sagt Autor Nowak
Peter Nowak

■■55, ist freier Jour­nalist und hat das Buch „Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht“ her­aus­ge­geben.
taz: Herr Nowak, warum wird in Deutschland plötzlich wieder so viel gestreikt?
Peter Nowak: Vielen Leuten, vor allem im Nied­rig­lohn­sektor, reicht ihr Ein­kommen nicht mehr zum Leben. Sie müssen bei der Miete, beim Essen und beim Urlaub sparen. Wenn dann viel über einen Wirt­schafts­auf­schwung geredet wird, ermutigt das natürlich, für mehr
Lohn oder bessere Arbeits­ver­hält­nisse zu streiken.
Warum gründen sich immermehr kleine Berufs­ge­werk­schaften? Kann der Deutsche Gewerk­schaftsbund (DGB) die
Leute nicht mehr ver­treten?

Seit etwa einem Jahr­zehnt sind die klas­si­schen DGB-Gewerk­schaften bei den Arbeit­nehmern immer weniger präsent. Es gab genug Fälle, in denen sich Unter­nehmen erfolg­reich allen Tarif­ver­trägen wider­setzen konnten – trotz vieler Streiks. Einige Berufs­gruppen
können sich leichter durch­setzen als andere, weil sie ihre ganze Branche lahm­legen können. Deshalb gibt es bei Piloten oder Lok­führern die Tendenz, sich selbst zu orga­ni­sieren. Für Berufs­gruppen ohne diese Macht, ist das ein Nachteil.
Welchen Ein­fluss hat das auf Tarif­ver­hand­lungen?
Das Tarif­recht in Deutschland basiert auf dem Nach­kriegs­modell einer starken Ein­heits­ge­werk­schaft. Das ist heut­zutage
nicht mehr kom­pa­tibel. Die Pro­bleme wurden gerade deutlich, als sich die Lok­füh­rer­ge­werk­schaft GDL und der DGB um
die Tarif­ver­träge bei der Bahn gestritten haben, obwohl sie eigentlich das gleiche Ziel haben.
Inwiefern ver­suchen Arbeit­geber, die neuen Arbeits­kämpfe zu ver­hindern?
Die Stra­tegie der Arbeit­geber ist, nach dem Streik die wich­tigsten Leute der Aus­ein­an­der­set­zungen unter irgend­welchen Vor­be­halten
zu feuern. Das konnte man zum Bei­spiel bei der Ver­pa­ckungs­firma Neupack beob­achten. Teil­weise bekommen
die Mit­ar­beiter sogar hohe Abfin­dungen, um sie schnell los­zu­werden. Das kommt immer häu­figer vor, es gibt sogar schon einen Begriff dafür: „Union Busting“ – und auch Anwälte, die sich darauf spe­zia­li­sieren.
Kann man diese Arbeits­kämpfe als Kritik am Kapi­ta­lismus inter­pre­tieren?
Beim Streiken ver­lassen sich heute viele Arbeit­nehmer nicht mehr auf den DGB, sondern nehmen die Sache selbst in die Hand. Dadurch ent­wi­ckelt sich auch ein gewisses poli­ti­sches Denken, das durchaus kapi­ta­lis­mus­kri­tisch sein kann.
INTERVIEW: JOHANNES JAKOBEIT
■■Info­ver­an­staltung: „Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht“, 20 Uhr, Rote Flora, Schul­ter­blatt 71, Ein­tritt frei

aus: Taz Hamburg, 5.2.2016
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Schwarze Risse empfiehlt …

Peter Nowak(Hg.)
Ein Streik steht, wenn mensch ihn­selber macht |
Arbeits­kämpfe nachdem Ende der großen Fabri­ken­Ar­beits­kämpfe im Spätkauf, Gefangene gründen eine Gewerk­schaft: in der letzten Zeit­wurden Arbeits­kämpfe in Sek­toren bekannt,die gemeinhin als schwer oder gar nicht­or­ga­ni­sierbar galten. Das Buch stellt ver­schiedene Facetten dieser neuen Streiks und Arbeits­kämpfe in Deutschland und darüber hin­ausvor und ordnet sie in einen gesell­schaft­li­chen­Konte x t ein. Auc h in einer Gesel lsc ha f t jen­seitsder Fabrik­ge­sell­schaft gehören Arbeits­kämpfe
nicht der Ver­gan­genheit an. Besonders erfolg­reich werden diese Streiks durch die Unter­stützung der Kund*innen und des Umfelds der Streikenden.Die Autor*innen: Andreas Kom­rowski zur schwie­rigen gewerk­schaft­lichen Orga­ni­sierung im Taxi­be­reich. | Willi Hajekzu selbst­or­ga­ni­sierten Gewerk­schafts­kämp­fenin Europa. | Rosa und Johanna von labournet.
tv zum langen Arbeits­kampf der Logistikarbeiter_​innen in Italien. | Die Gruppe Antifa Kritik & Klas­sen­kampf aus Frankfurt/​Main über Klas­sen­kämpfe als zen­tralen stra­te­gi­schen Bezugs­punkt linker Praxis und Orga­ni­sierung| Kolleg_​innen von der Streik-AG des Blockupy-Bünd­nisses zur soli­da­ri­schen Unter­stüzung des Streiks im Ein­zel­handel während der Blockupy-Akti­onstage in Frankfurt/​Main und im Dezember 2013 in Berlin. | Kurz vor­ge­stellt werden von Peter Nowak gewerk­schaft­li­che­Pu­bli­ka­tionen und Online­pro­jekte: Die Zeit­schrift express, das Online-Portal Labour­netund das Portal labournet​.tv.
edition assem­blage | 112 Seiten | 7.80 €
http://​schwar​ze​risse​.de/​w​p​-​c​o​n​t​e​n​t​/​u​p​l​o​a​d​s​/​2​0​1​5​/​1​2​/​s​c​h​w​a​r​z​e​_​r​i​s​s​e​_​2​0​1​5​_​w​e​b.pdf
(auf Seite 10 scrollen)

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Neues Deutschland:
Von Sebastian Loschert
11.12.2015

Nicht nur in großen Fabriken

Organisierung tut Not – neuer Band zu Basisgewerkschaften erschienen

Selbst­or­ga­ni­sierung in Basis­gruppen ist in Deutschland ein Rand­phä­nomen. Her­aus­geber und Autor Peter Nowak unter­suchte aktuelle Bei­spiele.

Was bedeutet das Ende der Fabrik­ge­sell­schaft für die Orga­ni­sation von Arbeits­kämpfen? Ob und wie sind »Arbeits­kämpfe nach dem Ende der großen Fabriken« noch möglich? Dieser Frage geht nun ein Büchlein nach, das in kon­kreten Bei­spielen den Beweis sucht, dass Arbeits­kämpfe trotz pre­kärer Arbeits­ver­hält­nisse immer noch möglich sind. Inter­essant ist zunächst die Band­breite, in der der Her­aus­geber und regel­mäßige nd-Autor Peter Nowak nach gewerk­schaft­licher Akti­vität fandet: In der Taxi­branche, bei Sex­ar­beitern, Inhaf­tierten oder bei Flücht­lingen ohne Auf­ent­halts­status.

»Auch die kleinen Läden im Kiez können Träger von Aus­beutung sein, da findet teil­weise eine Roman­ti­sierung statt«, sagte Nowak auf einer Buch­vor­stellung im Oktober in Berlin. Das »Chef­duzen«, die per­sön­liche Nähe zu den Vor­ge­setzten und das täg­liche Erleben der (ver­meint­lichen) Sach­zwänge könnten in klei­neren Betrieben den Grad der Aus­beutung sogar erhöhen. Im Buch wird der Arbeits­kampf eines Ange­stellten in einem Ber­liner Spätkauf als Bei­spiel genannt: Statt der ver­traglich ver­ein­barten 20 Stunden monatlich arbeitete er 60 Stunden pro Woche, bekam dafür weniger als zwei Euro Stun­denlohn und wurde während der Arbeit gefilmt. Ohne Unter­stützung wäre der einsame Protest des Ver­käufers wohl im Sande ver­laufen, mit Hilfe der anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­schen Gewerk­schaft FAU konnte er jedoch gegen seinen Ex-Chef vor Gericht ziehen und erzielte eine vor­teil­hafte Einigung.

Zu dem Erfolg bei­getragen habe, dass die Basis­ge­werk­schaft mit Öffent­lich­keits­arbeit Druck auf den Arbeit­geber aus­geübt hat. Über­haupt könnten Streiks in pre­kären Sek­toren nur Erfolg haben, wenn sie »von Aus­ein­an­der­set­zungen in der Gesell­schaft begleitet« werden, wie es im Vorwort des Buches heißt.

Auch bei H&M oder Amazon haben sich Kunden und Akti­visten mit den Strei­kenden soli­da­ri­siert. Im »Care«-Sektor, also in der Ver­sorgung von Kindern, Alten oder Kranken werden, ist dies noch wich­tiger, was sich in einem breiten zivil­ge­sell­schaft­lichen Bündnis während des Charité-Streiks nie­der­schlug.

Trotz der Vielzahl der von Nowak und anderen Autoren beschrie­benen Fälle kommen die meisten Bei­spiele über die Prä­dikate »inter­essant«, »vor­bildlich« oder »zukunfts­weisend« kaum heraus. Die großen Erfolgs­storys des Bandes kommen eher aus dem Ausland. So aus Italien, wo es Arbeitern in der Logis­tik­branche dank der Basis­ge­werk­schaft S.I.Cobas und linker Soli­da­ri­täts­gruppen gelang, sich zu orga­ni­sieren und Ver­bes­se­rungen durch­zu­setzen. Auch in pre­kären Sek­toren in Frank­reich fanden in den ver­gan­genen Jahren erfolg­reiche Streiks statt: in Sub­un­ter­nehmen von Luxus­hotels, von Papier­losen in Pariser Friseur- und Mani­kü­re­salons und von prekär arbei­tenden Kul­tur­schaf­fenden. Ein his­to­ri­sches Bei­spiel aus Groß­bri­tannien – die Unter­stützung des Berg­ar­bei­ter­streiks durch Schwule und Lesben – unter­streicht die mög­liche Reich­weite gesell­schaft­licher Soli­da­rität.

Theo­re­tisch unter­mauert werden die jour­na­lis­ti­schen Texte von einem lesens­werten Beitrag der »Antifa Kritik und Klas­sen­kampf« aus Frankfurt am Main. »Wir wollen wieder dort hin­gehen, wo es wehtut«, schreiben sie und kri­ti­sieren sowohl die Beschränkung auf die »reine Erkenntnis des gesell­schaft­lichen Ganzen« als auch die »sys­tem­im­ma­nenten Ein­zel­for­de­rungen reiner Inter­es­sen­kämpfe«. Sie nehmen eine klas­sen­kämp­fe­rische Per­spektive mit kri­ti­schem Bewusstsein ein und betonen, dass der Klas­sen­kampf nicht mehr bloß »in und vor den großen Fabrik­hallen« statt­finde. Lang­fristig tue wieder Orga­ni­sierung Not: »Rund um die Orte, an denen Herr­schaft und Aus­beutung sich all­täglich repro­du­zieren«.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Selbst­or­ga­ni­sation der Lohn­ab­hän­gigen »von unten« ist auch im Streikjahr 2015 ein Rand­phä­nomen in Deutschland. Aller­dings gelingt es dem Buch, ver­sprengte Ansätze und Erfah­rungen erstmals zu ver­sammeln und viel­leicht auch dem ein oder anderen prekär Beschäf­tigten Mut zu machen. Schade nur, dass das Buch nicht auf die neuen Orga­ni­sa­tionen lohn­ab­hän­giger Migranten in Deutschland eingeht. Nicht zuletzt sie werden es sein müssen, die die Antwort auf Men­schen wie Hans Werner Sinn geben, der ange­sichts der Immi­gration letzthin froh­lockte: »Wir werden leichter an eine Putz­kraft kommen oder unser Auto waschen lassen können«.

https://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​9​9​4​3​4​3​.​n​i​c​h​t​-​n​u​r​-​i​n​-​g​r​o​s​s​e​n​-​f​a​b​r​i​k​e​n​.html

Peter Nowak (Hg.): Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht. Arbeits­kämpfe nach dem Ende der großen Fabriken. 112 S., 7,80 €, Edition Assem­blage 2015.

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Alle Spätis stehen still?

Joel Schmidt* über einen Sammelband von Peter Nowak

»Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm es will«, heißt es in einem der bekann­testen deut­schen Arbei­ter­kampf­lieder, dem »Bun­deslied für den All­ge­meinen Deut­schen Arbei­ter­verein«, 1863 von Georg Herwegh. Der Frage danach, wie es knapp anderthalb Jahr­hun­derte nach Ent­stehung dieser Zeilen um Streik­kultur und Arbeits­kämpfe in Europa bestellt ist, stellt der Jour­nalist und Autor Peter Nowak ins Zentrum des von ihm her­aus­ge­ge­benen Buchs »Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht. Arbeits­kämpfe nach dem Ende der großen Fabriken.«

Der Unter­titel gibt dabei schon einen Hinweis auf die Stoß­richtung des Buches: Es handelt sich eben nicht um eine weitere Abhandlung über die klas­si­schen und von gut orga­ni­sierten Fabrik­be­leg­schaften getra­genen Mas­sen­streiks und Arbeits­kämpfe des 20. Jahr­hun­derts. Im Gegenteil: Der Autor stellt sich vielmehr die Frage, welche Folgen der Wandel der kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­weise in Zeiten des Neo­li­be­ra­lismus auch für die Bedin­gungen hat, unter denen Arbei­te­rInnen in den Streik treten und Arbeits­kämpfe führen, und vor welche neuen Her­aus­for­de­rungen diese gestellt sind. Die Haupt­these des Autors ist, dass Streiks und Arbeits­kämpfe mit dem Wandel der Pro­duk­ti­ons­weise kei­nes­falls über­flüssig geworden sind, dass sich jedoch, ent­spre­chend den immer weiter fle­xi­bi­li­sierten Lohn­ar­beits­ver­hält­nissen, ihre Erschei­nungs­formen geändert haben. Diesen neuen Formen ist Nowak, zusammen mit AutorInnen von labournet​.tv, Willi Hajek, der Streik AG des Blockupy-Bünd­nisses u.a. in seinem Buch auf der Spur. Dass er hierbei nicht weiter eingeht auf die nach wie vor in klas­si­schen Fabriken bzw. Groß­be­trieben statt­fin­denden Streiks und Arbeits­kämpfe, wie sie in jüngster Zeit etwa bei Daimler in Bremen oder auch bei der Deut­schen Bahn statt­ge­funden haben, mag zwar zunächst als Leer­stelle erscheinen. Da es dem Autor in erster Linie jedoch um Aus­ein­an­der­set­zungen geht, die in Branchen geführt werden, die man häufig nicht mit Streiks und Arbeits­kämpfen in Ver­bindung bringt, kann der Titel des Buches auch als pro­vo­kative Spitze ver­standen werden, die sich nicht zuletzt auch gegen die, an klei­neren und wenig reprä­sen­ta­tiven betrieb­lichen Aus­ein­an­der­set­zungen nicht so inter­es­sierten DGB-Gewerk­schaften richtet. Um die Band­breite der in pre­kären Lohn­ar­beits­ver­hält­nissen geführten Orga­ni­sie­rungs­ver­suche deutlich zu machen, gibt es zum Bei­spiel kurze Artikel zu gewerk­schaft­licher Orga­ni­sierung in der Care-Arbeit, zum Ver­hältnis von Sex­ar­bei­te­rInnen und Gewerk­schaft, zum Aufbau der Gefangenengewerkschaft/​Bundesweite Orga­ni­sation (GG/BO) oder zum Arbeits­kampf bei einem Spätkauf (der Ber­liner Variante eines Kiosks). Ein beson­deres Augenmerk wird zudem auf aktuelle Orga­ni­sie­rungs­ver­suche und Streiks im Ein­zel­handel gelegt. Anhand ver­schie­denster Aktionen bei H&M und Amazon in Deutschland und des erfolg­reichen Arbeits­kampfes in der nord­ita­lie­ni­schen Logis­tik­firma Bennet wird hierbei die Not­wen­digkeit betont, die statt­fin­denden Arbeits­kämpfe aus ihrer betrieb­lichen Iso­lation zu lösen, denn gerade durch die externe Unter­stützung von soli­da­ri­schen Gruppen könne somit eben auch bei einer stark frag­men­tierten Beleg­schaft der not­wendige Druck auf das Unter­nehmen auf­recht­erhalten werden.

Im Falle der Logis­tik­ar­bei­te­rInnen bei Bennet war es die Ver­bindung zwi­schen Akti­vis­tInnen der Basis­ge­werk­schaft S.I. Cobas (Sin­dicato Inter­ca­te­go­riale – Comitati di Base, dt. Bran­chen­über­grei­fende Gewerk­schaft – Basis­ko­mitees) und Mit­gliedern der radi­kalen Linken in Mailand, aus der heraus die Unter­stützung der Beleg­schaft bei ihrem Vor­haben, einen Arbeits­kampf zu führen, erfolgte. Als sich 2008 zu Beginn des Streiks bei Bennet rund 150 Men­schen vor den Toren des Waren­lagers der Firma zusam­men­fanden, um die Streik­posten zu unter­stützen, wurde deutlich, dass dieser Arbeits­kampf durch die massive Unter­stützung von außen eine völlig neue Dynamik ent­wi­ckeln würde. Nach einem acht Monate andau­ernden Kampf konnten bessere Arbeits­be­din­gungen, ein höherer Lohn sowie die Wie­der­ein­stellung ent­las­sener Kol­le­gInnen durch­ge­setzt werden – und, nicht zu ver­nach­läs­sigen: Die »Arbei­te­rInnen [hatten] erlebt, dass sie nicht alleine waren und dass sie gewinnen konnten« (S. 30). Rück­bli­ckend heißt es bei Nowak: »Den Anfang machten ein paar Basis­ge­werk­schaf­te­rInnen, die die hil­fe­su­chenden Logis­tik­ar­bei­te­rInnen rechtlich und stra­te­gisch berieten, und die auch zu jeder Tages- und Nachtzeit mit vor den Werks­toren auf Streik­posten standen. Sie brachten ihr Orga­ni­sa­ti­ons­wissen aus Jahr­zehnten der Arbei­ter­kämpfe Nord­ita­liens mit und halfen, die Bewegung zu koor­di­nieren und Kol­le­gInnen aus ver­schie­denen Stand­orten zusam­men­zu­bringen […] und die Idee der Soli­da­rität prak­tisch werden zu lassen. Sie infor­mieren die Arbei­te­rInnen über ihre Rechte und Mög­lich­keiten und unter­stützen sie in orga­ni­sa­to­ri­schen Ange­le­gen­heiten rund um ihre Kämpfe.« (S. 39)

Bei­spiele wie dieses werden im Buch häu­figer genannt, auf­fallend oft stammen sie jedoch aus dem euro­päi­schen Ausland. Umso über­ra­schender daher der letzte Artikel des Buches, der von der Gruppe »Antifa Kritik & Klas­sen­kampf« aus Frankfurt/​Main bei­gesteuert wurde und in dem es um die stra­te­gische Wie­der­an­eignung der Begriffe Klasse und Klas­sen­kampf für die radikale Linke geht. Für die Frank­furter Gruppe bedeutet dies, »den Kampf um die kol­lektive Aneignung der Bedin­gungen einer Pro­duktion gesell­schaft­lichen Reichtums, die auf Bedürf­nis­be­frie­digung und Ent­faltung von Indi­vi­dua­lität gerichtet ist. Er findet nicht bloß – wie die alte Vor­stellung wollte – in und vor den großen Fabrik­hallen statt, sondern überall dort, wo die Ver­aus­gabung der eigenen Arbeits­kraft durch andere kom­man­diert wird.« (S. 102) Klas­sen­kampf gilt hier als poli­tisch-stra­te­gische Klammer für ver­schiedene Kämpfe, unter die die AutorInnen dezi­diert auch Kämpfe um Repro­duk­ti­ons­ver­hält­nisse über­haupt sowie in den Sek­toren bezahlter wie unbe­zahlter Repro­duk­ti­ons­arbeit selbst zählen.

An der Per­spek­tiv­lo­sigkeit der radi­kalen Linken kri­ti­sieren sie: »Der Abschied links­ra­di­kaler Polit­gruppen vom Pro­le­tariat lief auf abs­trakte, nicht bestimmte Negation hinaus. Statt sich selbst als Teil der Klasse der Lohn­ab­hän­gigen zu begreifen und dort aktiv zu werden, wo man selbst aus­ge­beutet und ver­nutzt wird, geriert man sich als Stimme der Ver­nunft und externer Mahner oder gar als eigentlich revo­lu­tio­näres Subjekt.« (S. 104) Als posi­tives Gegen­bei­spiel für die Unter­stützung von Arbeits­kämpfen nennen sie etwa die infolge des Amazon-Streiks gegrün­deten Streik-Soli-Komitees, die eine ähn­liche Funktion ausüben wie die externen Unter­stüt­ze­rInnen bei den nord­ita­lie­ni­schen Logis­tik­ar­bei­te­rInnen und letzt­endlich den Weg zu einer soli­da­ri­schen und sek­to­ren­über­grei­fenden Selbst­or­ga­ni­sierung der und in der Klasse ebnen könnten. Aller­dings geben sie hierbei auch zu bedenken, dass bei dieser Streik-Soli-Arbeit stets die Gefahr bestünde, sich unge­wollt durch den DGB-Apparat instru­men­ta­li­sieren zu lassen und dass die besagten Soli­da­ri­sie­rungs­pro­zesse allzu oft wieder zu ver­puffen drohen, sobald die Arbeits­kämpfe beendet sind. Um dem ent­ge­gen­zu­wirken schlagen sie einen an die Idee des Sozia­lis­ti­schen Büros ange­lehnten Orga­ni­sie­rungs­prozess vor: »Was es bräuchte, um diesen Effekt zu ver­meiden und der Gefahr einer sozi­al­in­te­gra­tiven Ver­ein­nahmung ent­ge­gen­zu­ar­beiten, wäre eine lang­fristige, negativ-klas­sen­be­wusste Orga­ni­sierung, in der die Lohn­ab­hän­gigen – egal ob aktiv Strei­kende, Betriebs­gruppen, Arbeits­lo­sen­in­itia­tiven, Repro-Arbei­te­rInnen oder Soli-Akti­vis­tInnen – mit ihren je unter­schiedlich situ­ierten Kämpfen einen Platz haben und eine gemeinsame, stra­te­gisch aus­ge­richtete Praxis ent­wi­ckeln können, und zwar auf lokaler sowie über­re­gio­naler Ebene.« (S. 107)

Peter Nowaks Buch gibt einen schlag­licht­ar­tigen Über- und Ein­blick in aktuelle Debatten und Kämpfe, die derzeit in ver­schie­densten Bereichen pre­kärer Lohn­ar­beits­ver­hält­nisse statt­finden. Der Blick ins euro­päische Ausland zeigt zudem auf, wie Soli­da­ri­sie­rungs­pro­zesse mit strei­kenden Arbei­te­rInnen jen­seits eta­blierter Gewerk­schafts­struk­turen konkret aus­sehen und wie sie zu, zumindest mit­tel­fris­tigem, Erfolg führen können. Inwiefern das Buch Basis­ge­werk­schaf­te­rInnen und linke Akti­vis­tInnen zur wei­teren Dis­kussion anregen wird, bleibt abzu­warten. Fest steht jedoch, was die AutorInnen von labournet​.tv in ihrem Beitrag über die nord­ita­lie­ni­schen Logis­tik­ar­bei­te­rInnen schreiben: »In dem Kampf der Fac­chini kann auch diese Linke noch viel über das Funk­tio­nieren der extremen bür­ger­lichen Mitte, über das Ver­lassen der sym­bo­li­schen Hand­lungs­ebene in der anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Praxis und das Ent­wi­ckeln von Arbei­ter­macht lernen!« (S. 39).

* Joel Schmidt ist Soziologe und Poli­tologe.

Peter Nowak: »Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht. Arbeits­kämpfe nach dem Ende der großen Fabriken«, Münster 2015, 112 Seiten, 7,80 Euro, ISBN 978–3‑942885–78‑2

Alle Spätis stehen still?

Joel Schmidt* über einen Sam­melband von Peter Nowak

»Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm es will«, heißt es in einem der bekann­testen deut­schen Arbei­ter­kampf­lieder, dem »Bun­deslied für den All­ge­meinen Deut­schen Arbei­ter­verein«, 1863 von Georg Herwegh. Der Frage danach, wie es knapp anderthalb Jahr­hun­derte nach Ent­stehung dieser Zeilen um Streik­kultur und Arbeits­kämpfe in Europa bestellt ist, stellt der Jour­nalist und Autor Peter Nowak ins Zentrum des von ihm her­aus­ge­ge­benen Buchs »Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht. Arbeits­kämpfe nach dem Ende der großen Fabriken.«

Der Unter­titel gibt dabei schon einen Hinweis auf die Stoß­richtung des Buches: Es handelt sich eben nicht um eine weitere Abhandlung über die klas­si­schen und von gut orga­ni­sierten Fabrik­be­leg­schaften getra­genen Mas­sen­streiks und Arbeits­kämpfe des 20. Jahr­hun­derts. Im Gegenteil: Der Autor stellt sich vielmehr die Frage, welche Folgen der Wandel der kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­weise in Zeiten des Neo­li­be­ra­lismus auch für die Bedin­gungen hat, unter denen Arbei­te­rInnen in den Streik treten und Arbeits­kämpfe führen, und vor welche neuen Her­aus­for­de­rungen diese gestellt sind. Die Haupt­these des Autors ist, dass Streiks und Arbeits­kämpfe mit dem Wandel der Pro­duk­ti­ons­weise kei­nes­falls über­flüssig geworden sind, dass sich jedoch, ent­spre­chend den immer weiter fle­xi­bi­li­sierten Lohn­ar­beits­ver­hält­nissen, ihre Erschei­nungs­formen geändert haben. Diesen neuen Formen ist Nowak, zusammen mit AutorInnen von labournet​.tv, Willi Hajek, der Streik AG des Blockupy-Bünd­nisses u.a. in seinem Buch auf der Spur. Dass er hierbei nicht weiter eingeht auf die nach wie vor in klas­si­schen Fabriken bzw. Groß­be­trieben statt­fin­denden Streiks und Arbeits­kämpfe, wie sie in jüngster Zeit etwa bei Daimler in Bremen oder auch bei der Deut­schen Bahn statt­ge­funden haben, mag zwar zunächst als Leer­stelle erscheinen. Da es dem Autor in erster Linie jedoch um Aus­ein­an­der­set­zungen geht, die in Branchen geführt werden, die man häufig nicht mit Streiks und Arbeits­kämpfen in Ver­bindung bringt, kann der Titel des Buches auch als pro­vo­kative Spitze ver­standen werden, die sich nicht zuletzt auch gegen die, an klei­neren und wenig reprä­sen­ta­tiven betrieb­lichen Aus­ein­an­der­set­zungen nicht so inter­es­sierten DGB-Gewerk­schaften richtet. Um die Band­breite der in pre­kären Lohn­ar­beits­ver­hält­nissen geführten Orga­ni­sie­rungs­ver­suche deutlich zu machen, gibt es zum Bei­spiel kurze Artikel zu gewerk­schaft­licher Orga­ni­sierung in der Care-Arbeit, zum Ver­hältnis von Sex­ar­bei­te­rInnen und Gewerk­schaft, zum Aufbau der Gefangenengewerkschaft/​Bundesweite Orga­ni­sation (GG/BO) oder zum Arbeits­kampf bei einem Spätkauf (der Ber­liner Variante eines Kiosks). Ein beson­deres Augenmerk wird zudem auf aktuelle Orga­ni­sie­rungs­ver­suche und Streiks im Ein­zel­handel gelegt. Anhand ver­schie­denster Aktionen bei H&M und Amazon in Deutschland und des erfolg­reichen Arbeits­kampfes in der nord­ita­lie­ni­schen Logis­tik­firma Bennet wird hierbei die Not­wen­digkeit betont, die statt­fin­denden Arbeits­kämpfe aus ihrer betrieb­lichen Iso­lation zu lösen, denn gerade durch die externe Unter­stützung von soli­da­ri­schen Gruppen könne somit eben auch bei einer stark frag­men­tierten Beleg­schaft der not­wendige Druck auf das Unter­nehmen auf­recht­erhalten werden.

Im Falle der Logis­tik­ar­bei­te­rInnen bei Bennet war es die Ver­bindung zwi­schen Akti­vis­tInnen der Basis­ge­werk­schaft S.I. Cobas (Sin­dicato Inter­ca­te­go­riale – Comitati di Base, dt. Bran­chen­über­grei­fende Gewerk­schaft – Basis­ko­mitees) und Mit­gliedern der radi­kalen Linken in Mailand, aus der heraus die Unter­stützung der Beleg­schaft bei ihrem Vor­haben, einen Arbeits­kampf zu führen, erfolgte. Als sich 2008 zu Beginn des Streiks bei Bennet rund 150 Men­schen vor den Toren des Waren­lagers der Firma zusam­men­fanden, um die Streik­posten zu unter­stützen, wurde deutlich, dass dieser Arbeits­kampf durch die massive Unter­stützung von außen eine völlig neue Dynamik ent­wi­ckeln würde. Nach einem acht Monate andau­ernden Kampf konnten bessere Arbeits­be­din­gungen, ein höherer Lohn sowie die Wie­der­ein­stellung ent­las­sener Kol­le­gInnen durch­ge­setzt werden – und, nicht zu ver­nach­läs­sigen: Die »Arbei­te­rInnen [hatten] erlebt, dass sie nicht alleine waren und dass sie gewinnen konnten« (S. 30). Rück­bli­ckend heißt es bei Nowak: »Den Anfang machten ein paar Basis­ge­werk­schaf­te­rInnen, die die hil­fe­su­chenden Logis­tik­ar­bei­te­rInnen rechtlich und stra­te­gisch berieten, und die auch zu jeder Tages- und Nachtzeit mit vor den Werks­toren auf Streik­posten standen. Sie brachten ihr Orga­ni­sa­ti­ons­wissen aus Jahr­zehnten der Arbei­ter­kämpfe Nord­ita­liens mit und halfen, die Bewegung zu koor­di­nieren und Kol­le­gInnen aus ver­schie­denen Stand­orten zusam­men­zu­bringen […] und die Idee der Soli­da­rität prak­tisch werden zu lassen. Sie infor­mieren die Arbei­te­rInnen über ihre Rechte und Mög­lich­keiten und unter­stützen sie in orga­ni­sa­to­ri­schen Ange­le­gen­heiten rund um ihre Kämpfe.« (S. 39)

Bei­spiele wie dieses werden im Buch häu­figer genannt, auf­fallend oft stammen sie jedoch aus dem euro­päi­schen Ausland. Umso über­ra­schender daher der letzte Artikel des Buches, der von der Gruppe »Antifa Kritik & Klas­sen­kampf« aus Frankfurt/​Main bei­gesteuert wurde und in dem es um die stra­te­gische Wie­der­an­eignung der Begriffe Klasse und Klas­sen­kampf für die radikale Linke geht. Für die Frank­furter Gruppe bedeutet dies, »den Kampf um die kol­lektive Aneignung der Bedin­gungen einer Pro­duktion gesell­schaft­lichen Reichtums, die auf Bedürf­nis­be­frie­digung und Ent­faltung von Indi­vi­dua­lität gerichtet ist. Er findet nicht bloß – wie die alte Vor­stellung wollte – in und vor den großen Fabrik­hallen statt, sondern überall dort, wo die Ver­aus­gabung der eigenen Arbeits­kraft durch andere kom­man­diert wird.« (S. 102) Klas­sen­kampf gilt hier als poli­tisch-stra­te­gische Klammer für ver­schiedene Kämpfe, unter die die AutorInnen dezi­diert auch Kämpfe um Repro­duk­ti­ons­ver­hält­nisse über­haupt sowie in den Sek­toren bezahlter wie unbe­zahlter Repro­duk­ti­ons­arbeit selbst zählen.

An der Per­spek­tiv­lo­sigkeit der radi­kalen Linken kri­ti­sieren sie: »Der Abschied links­ra­di­kaler Polit­gruppen vom Pro­le­tariat lief auf abs­trakte, nicht bestimmte Negation hinaus. Statt sich selbst als Teil der Klasse der Lohn­ab­hän­gigen zu begreifen und dort aktiv zu werden, wo man selbst aus­ge­beutet und ver­nutzt wird, geriert man sich als Stimme der Ver­nunft und externer Mahner oder gar als eigentlich revo­lu­tio­näres Subjekt.« (S. 104) Als posi­tives Gegen­bei­spiel für die Unter­stützung von Arbeits­kämpfen nennen sie etwa die infolge des Amazon-Streiks gegrün­deten Streik-Soli-Komitees, die eine ähn­liche Funktion ausüben wie die externen Unter­stüt­ze­rInnen bei den nord­ita­lie­ni­schen Logis­tik­ar­bei­te­rInnen und letzt­endlich den Weg zu einer soli­da­ri­schen und sek­to­ren­über­grei­fenden Selbst­or­ga­ni­sierung der und in der Klasse ebnen könnten. Aller­dings geben sie hierbei auch zu bedenken, dass bei dieser Streik-Soli-Arbeit stets die Gefahr bestünde, sich unge­wollt durch den DGB-Apparat instru­men­ta­li­sieren zu lassen und dass die besagten Soli­da­ri­sie­rungs­pro­zesse allzu oft wieder zu ver­puffen drohen, sobald die Arbeits­kämpfe beendet sind. Um dem ent­ge­gen­zu­wirken schlagen sie einen an die Idee des Sozia­lis­ti­schen Büros ange­lehnten Orga­ni­sie­rungs­prozess vor: »Was es bräuchte, um diesen Effekt zu ver­meiden und der Gefahr einer sozi­al­in­te­gra­tiven Ver­ein­nahmung ent­ge­gen­zu­ar­beiten, wäre eine lang­fristige, negativ-klas­sen­be­wusste Orga­ni­sierung, in der die Lohn­ab­hän­gigen – egal ob aktiv Strei­kende, Betriebs­gruppen, Arbeits­lo­sen­in­itia­tiven, Repro-Arbei­te­rInnen oder Soli-Akti­vis­tInnen – mit ihren je unter­schiedlich situ­ierten Kämpfen einen Platz haben und eine gemeinsame, stra­te­gisch aus­ge­richtete Praxis ent­wi­ckeln können, und zwar auf lokaler sowie über­re­gio­naler Ebene.« (S. 107)

Peter Nowaks Buch gibt einen schlag­licht­ar­tigen Über- und Ein­blick in aktuelle Debatten und Kämpfe, die derzeit in ver­schie­densten Bereichen pre­kärer Lohn­ar­beits­ver­hält­nisse statt­finden. Der Blick ins euro­päische Ausland zeigt zudem auf, wie Soli­da­ri­sie­rungs­pro­zesse mit strei­kenden Arbei­te­rInnen jen­seits eta­blierter Gewerk­schafts­struk­turen konkret aus­sehen und wie sie zu, zumindest mit­tel­fris­tigem, Erfolg führen können. Inwiefern das Buch Basis­ge­werk­schaf­te­rInnen und linke Akti­vis­tInnen zur wei­teren Dis­kussion anregen wird, bleibt abzu­warten. Fest steht jedoch, was die AutorInnen von labournet​.tv in ihrem Beitrag über die nord­ita­lie­ni­schen Logis­tik­ar­bei­te­rInnen schreiben: »In dem Kampf der Fac­chini kann auch diese Linke noch viel über das Funk­tio­nieren der extremen bür­ger­lichen Mitte, über das Ver­lassen der sym­bo­li­schen Hand­lungs­ebene in der anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Praxis und das Ent­wi­ckeln von Arbei­ter­macht lernen!« (S. 39).

* Joel Schmidt ist Soziologe und Poli­tologe.

Ausgabe: Heft 11/2015

express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit 11/2015

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