Anzeige gegen Polizei in Wuppertal nach Naziaufmarsch

Wup­pertal. Der Poli­zei­einsatz beim Neo­na­zi­auf­marsch am 29. Januar in Wup­pertal wird ein juris­ti­sches Nach­spiel haben. Das Wup­per­taler »Bündnis gegen Nazis« hat nach der Aus­wertung von Ton- und Bild­ma­terial einen Straf­antrag wegen Straf­ver­ei­telung im Amt gegen die Polizei gestellt. Sie sei bei zahl­reichen von den Neo­nazis ver­übten Straf­taten nicht ein­ge­schritten, lautet der Vorwurf.

»Aufrufe zu Straf­taten, Gewalt- und Mord­dro­hungen gegen demo­kra­tisch gesinnte Bür­ge­rinnen und Bürger sowie anti­se­mi­tische Hetze wurden sowohl über den Demo­laut­sprecher als auch durch Sprech­chöre der Nazis ver­breitet«, heißt es in einer Pres­se­mit­teilung des Anti­fa­bündnis. Statt den Auf­marsch zu beenden, habe die Polizei alles getan, um anti­fa­schis­ti­schen Protest zu unter­binden. Mehrere Gegen­de­mons­tranten seien durch Reizgas und Schlag­stock­einsatz ver­letzt worden. »Men­schen­ver­ach­tende Straf­taten von Nazis dürfen nicht unter dem Vorwand bil­ligend in Kauf genommen werden, die Ver­samm­lungs­freiheit schützen zu wollen«, betonen die Nazi­gegner.

http://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​9​1​0​7​9​.​b​e​w​e​g​u​n​g​s​m​e​l​d​e​r​.html

Peter Nowak

Politrapper wechselt nach rechts

Gütersloh – Vor­über­gehend nicht erreichbar ist die Homepage des Güters­loher Rappers Makss Damage.

Wahr­scheinlich wird der Rapper dort einige Bilder aus­tau­schen. Denn bisher waren dort noch rote Fahnen mit Hammer-Sichel­fahnen zu finden. Denn Damage, der Stalin-Elogen rappte, gab sich als Kom­munist. Doch jetzt hat er in einem zwei­tei­ligen Video­in­terview, das auf der braunen Inter­net­plattform Alter­media ver­öf­fent­licht ist, seinen Über­tritt ins rechte Lager bekannt gegeben, ohne eine bestimmte Orga­ni­sation zu nennen. In dem Gespräch moniert er die man­gelnde Kame­rad­schaft und die feh­lende Bereit­schaft zur kör­per­lichen Aus­ein­an­der­setzung in der linken Szene. Außerdem mokiert sich Damage in dem Interview über flücht­lings­freund­liche Posi­tionen im linken Milieu.

Der Rapper hat ange­kündigt, dass „von nun an seine Lieder seiner ver­än­derten poli­ti­schen Ein­stellung anpassen will“. Aller­dings hatte Damage schon vor seinen offi­zi­ellen Über­tritt ins rechte Lager in seinen Songs zunehmend gegen Schwule, Anar­chisten, Pazi­fisten gehetzt und zum Mord an Anar­chisten und Anti­deut­schen auf­ge­rufen. Auch Song­zeilen wie „Ich leite Giftgas in jüdische Sied­lungen“ und „Lass’ den David­stern brennen“ dürften in seinem neuen poli­ti­schen Umfeld begeistert rezi­piert werden.

Peter Nowak

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»Verräter in unseren Reihen«

Taz und Spiegel machen geleakte NPD-Mails öffentlich, was auch zu der Frage führt, wie es hier mit dem Daten­schutz und dem Schutz der Pri­vat­sphäre steht
Als hätte der Mail­schreiber etwas geahnt. Unter dem Betreff »Ver­räter in unseren Reihen« schreibt ein NPD-Funk­tionär an seine Kame­raden: »Einer dieser Emp­fänger hat DEFI­NITIV Infor­ma­tionen an die Antifa wei­ter­ge­geben, bzw. dessen ePost-Adresse wird von Antifas ange­zapft (Feind liest mit).«
 

Dass die Öffent­lichkeit jetzt über das große Miss­trauen in NPD-Kreisen infor­miert ist, lag am NPD-Leak, den neben dem Spiegel auch die Taz in ihrer Wochen­end­ausgabe publik machte. Auf ihrer Homepage doku­men­tierte sie eine kleine Auswahl der ihr zuge­spielten ca. 60.000 Mails aus dem Innen­leben der Rechts­partei. Laut Taz haben 6 Redak­teure die Mails geprüft und darauf geachtet, dass per­sön­liche Angaben und Namen von Per­sonen, die bisher nicht im NPD-Kontext auf­ge­fallen sind, unkenntlich gemacht wurden.

Sollte die ver­öf­fent­lichte Auswahl reprä­sen­tativ sein, dann dreht sich ein Großteil der gehackten Mails um orga­ni­sa­to­rische Fragen. So wird mit­ge­teilt, dass der Mit­schnitt einer Ver­an­staltung nun online gestellt ist und der Link bekannt gemacht werden soll. Ein anderes NPD-Mit­glied schildert die Schwie­rig­keiten bei der Sammlung von Unter­stüt­zungs­un­ter­schriften für den Wahl­an­tritt und klagt über die Inak­ti­vität der eigenen Kame­raden.

Bei der per Mail geführten Debatte über die Gestaltung von Infor­ma­ti­ons­ma­terial der NPD wurde auch nicht mit rechter Pro­pa­ganda gespart. So heißt es in einen Kom­mentar des säch­si­schen NPD-Lan­des­vor­standes zur Gestaltung einer Wer­be­post­karte: »Dennoch lege ich gestei­gerten Wert darauf diesen ’schlicht(en) 30er-Jahre-Jargon‘ zu ver­wenden. Wenn wir ein Allein­stel­lungs­merkmal haben ist es »deutsch« zu sein.« Auch die internen Que­relen werden in dem Mail­verkehr deutlich. So wird die Absetzung eines Stütz­punkt­leiters der Jungen Natio­nal­de­mo­kraten gefordert, der eine Ein­ladung mit »Heil Ger­mania« unter­schrieben hat.

Welche Folgen das NPD-Leak für die Partei ist noch offen. Die inner­par­tei­lichen Kri­tiker des NPD-Vor­standes dürften sich die Gele­genheit nicht ent­gehen lassen, den man­gelnden Schutz der Daten für ihre Zwecke zu nutzen, so wie sie es schon bei der Auf­de­ckung der Spitzel in den Par­tei­gremien mit mäßigem Erfolg ver­sucht haben.

Gilt das Recht auf eigene Daten auch für die NPD?

Die Aktion dürfte und sollte auch die Frage wieder auf die Tages­ordnung setzen, ob das Recht auf die eigenen Daten auch für die NPD gelten soll. Im Dezember 2008 waren anlässlich des 25. Kon­gresses des Chaos Com­puter Club NPD-Seiten gehackt worden: Neben Zustimmung gab es damals mit Verweis auf das Daten­schutz­ar­gument auch Kritik an der Aktion. Man könne nicht das Recht auf die eigenen Daten pro­pa­gieren und es dann im Falle der NPD oder anderer extrem rechter Grup­pie­rungen selber außer Kraft setzen, hieß es.

Zudem stellen sich bei dem NPD-Leak ähn­liche Fragen wie bei den Wiki­Leaks-Ver­öf­fent­li­chungen. Wo beginnt die Pri­vat­sphäre und ist selbst bei größter Sorgfalt aus­zu­schließen, dass auch Unbe­tei­ligte an die Öffent­lichkeit gezerrt werden? Dar­unter könnten auch Men­schen sein, die aus Recher­che­gründen mit der NPD in Mail­kontakt standen. Zudem stellt sich die Frage, welchen Nutzen die Mails von einem anti­fa­schis­ti­schen Stand­punkt haben. Selbst wenn man die orga­ni­sa­to­ri­schen Klä­rungen, um die es in dem Großteil der Kom­mu­ni­kation geht, bei Seite lässt, bleibt der Neu­ig­keitswert doch arg begrenzt. Dass die NPD auf das Allein­stel­lungs­merkmal »Deutsch« Wert legt, war auch vor der Ent­hüllung kein Geheimnis. Auch der gar nicht immer kame­rad­schaft­liche par­tei­in­terne Umgang füllt nun schon seit Jahren die Medien. So kann man sich durch das NPD-Datenleck noch einmal bestä­tigen lassen, was alle, die es inter­es­siert, auch vorher wussten. Um die NPD poli­tisch zu ver­orten und auch zu poli­tisch bekämpfen, sind daher die Mails wohl ähnlich ent­behrlich wie die Ver­fas­sungs­schutz­leute. 
 http://​www​.heise​.de/​t​p​/​r​4​/​a​r​t​i​k​e​l​/​3​4​/​3​4​1​8​8​/​1​.html

Peter Nowak

Freiheit für „Meinungsdissidenten“

Online-Petition für Horst Mahler stößt auf wenig Soli­da­rität in rechts­ex­tremen Kreisen.

Unter dem Motto „Frei­lassung für den Mei­nungs­dis­si­denten Horst Mahler“ haben extrem rechte Kreise eine Online-Petition an den Bun­destag initiiert. In der Begründung wird der Holo­caust-Leugner Mahler mit dem chi­ne­si­schen Dis­si­denten Liu Xiaobo ver­glichen. Nach der Nobel­preis­ver­leihung an Liu Xiaobo hatten die Rechts­ex­tre­misten Ursula Haverbeck und Rigold Henning einen Brief an ver­schiedene Jus­tiz­be­hörden ver­fasst, in dem eine Revision des Mahler-Urteils gefordert wurde.

Mahler war im Februar 2009 vom Land­ge­richt München II zu einer sechs­jäh­rigen Haft­strafe wegen Volks­ver­hetzung ver­ur­teilt worden, die er in der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Bran­denburg verbüßt. Während Mahler seine Pro­zesse medi­en­ge­recht insze­nierte, war es in der jüngsten Zeit ruhig um ihn geworden, was auch auf der rechten Inter­net­plattform Alter­media mehrmals beklagt wurde.

Die Online-Petition dürfte ein Versuch sein, Mahler und sein Gedan­kengut wieder stärker in die Öffent­lichkeit zu bringen und vor allem in den eigenen Kreisen Soli­da­rität ein­zu­fordern. Bisher mit wenig Erfolg. Die Petition wurde bis zum 7. Februar von 59 Per­sonen unter­zeichnet. Dazu gehören das ehe­malige Vor­stands­mit­glied des Bundes der Ver­trie­benen Paul Latussek sowie der Kölner Arzt Benedikt Frings, der mehrmals für die NPD kan­dierte und im Dezember 2006 an einer Kon­ferenz von Holo­caust-Leugnern in Teheran teil­ge­nommen hat.

http://​www​.bnr​.de/​c​o​n​t​e​n​t​/​f​r​e​i​h​e​i​t​-​f​u​e​r​-​a​e​-​m​e​i​n​u​n​g​s​d​i​s​s​i​d​e​n​t​en-ae

Peter Nowak

»Es war mir in Deutschland zu stille«

Dora Dick – eine wahr­haftige Jahr­hun­d­er­zeugin

Die weiß­haarige Frau hat die Augen geschlossen. Man hat den Ein­druck, sie würde schlafen und die Musik gar nicht hören. Doch plötzlich ist sie hellwach, bewegt ihren Kopf im Rhythmus und summt den Text mit. »Roter Wedding« und das »Soli­da­ri­tätslied« – das sind die Lieder die Dora Dick mit ihren Freunden und Genossen Ende der 20er Jahre gesungen hat.

In jungen Jahren hat sie oft ihren Bruder begleitet, wenn dieser zu dem von ihrem Wohnhaus im Ber­liner Scheu­nen­viertel nicht weit ent­fernten Bülow­platz ging. Hier trafen revo­lu­tionäre Politik und avant­gar­dis­tische Kunst zusammen: Auf der einen Seite des Platzes befand sich die Par­tei­zen­trale der KPD, auf der anderen die Volks­bühne. Die junge Dora lauschte den Reden der Kom­mu­nisten mit ebenso großer Begeis­terung, wie sie die Auf­tritte der Schau­spieler ver­folgte. Mit einer Schau­pie­lerin freundete sie sich an. Sie weckte das Interesse der jungen Dora für die Mar­xis­tische Abend­schule (MASCH).

Auch als Dora eine Lehre als Modell­schnei­derin am Ber­liner Nol­len­dorf­platz aufnahm, blieb sie der Muse treu, besuchte das dortige Theater. Es hatte sich unter der Leitung des Regis­seurs Erwin Pis­cator zu einer der avant­gar­dis­tischsten Bühnen Deutsch­lands ent­wi­ckelt. An die Auf­führung von »Hoppla wir leben« von Ernst Toller kann sie sich noch gut erinnern. Die Eltern aller­dings waren gar nicht so begeistert, dass die Tochter lieber ins Theater ging, als sich an den jüdisch-reli­giösen Zere­monien zu betei­ligen.

Wenn Dora Dick heute, am 5. Februar, ihren 100. Geburtstag feiert, wird keiner von ihren Jugend­freunden mehr dabei sein. Fast alle sind schon ver­storben, viele sind von den Nazis ermordet worden. Als Jüdin und als Linke war Dora Dick selbst in Nazi­deutschland doppelt gefährdet. Ihr Bruder wurde von den Nazis 1938 wie viele Tausend längst ein­ge­bür­gerte ehe­malige jüdische Ein­wan­derer aus Polen an die Grenze zurück depor­tiert und abge­schoben. Danach verlor sich seine Spur. Die Schwester merkte immer mehr, wie allein die NS-Gegner waren. »Es war mir in Deutschland zu still.« Dora Dick ging nach Prag und publi­zierte in der Exil­presse. Ins Gedächtnis ein­ge­brannt hat sich ihr der Ein­marsch der deut­schen Wehr­macht. Als tsche­chische Bäuerin ver­kleidet, beob­achtete sie, wie Panzer auf Panzer über die großen Straßen in die Innen­stadt der tsche­chi­schen Haupt­stadt ein­fuhren. Sie wusste, dass es für sie jetzt um Leben und Tod ging, Sie hatte keine Illu­sionen über den Umgang der Nazis mit emi­grierten Deut­schen.

Auf aben­teu­er­liche Weise gelang ihr die Flucht nach Groß­bri­tannien. Dort war sie Mit­be­grün­derin des »Freien Deut­schen Kul­tur­bundes (FDKB). Oscar Kokoschka, John Heart­field und Jürgen Kuc­zynski gehörten zu ihren Mit­streitern. In England kam auch ihr ein­ziger Sohn zur Welt, mit dem sie nach dem Zweiten Welt­krieg zurück nach Deutschland zog. Sie setzte sich für einen demo­kra­ti­schen Neu­beginn ein, enga­gierte sich in der Gewerk­schaft und wurde Vor­sit­zende des Frau­en­aus­schusses der West­ber­liner IG Textil- Bekleidung.

Auch im hohen Alter ver­folgt sie noch das poli­tische Geschehen. 2007 stritt sie für die Umbe­nennung der nach den anti­se­mi­ti­schen His­to­riker Treit­schke benannten Straße in Berlin-Ste­glitz. Mit Sorge beob­achtet sie Anzeichen von neuem Anti­se­mi­tismus. »Eine Welt ohne Juden kann man sich nicht vor­stellen«, sagt sie immer wieder. Sohn Antonin Dick arbeitet zur Zeit an einem Erin­ne­rungsband, in dem er die Flucht und das Exil seiner Mutter als ihr Ver­mächtnis an die Nachwelt doku­men­tiert will.

Peter Nowak

http://www.neues-deutschland.de/artikel/190178.es-war-mir-in-deutschland-zu-stille.html?sstr=Dora|Dick

Fusion zwischen NPD und DVU gerichtlich gestoppt

Die Ent­scheidung ist für viele DVU- und NPD-Funk­tionäre eine pein­liche Nie­derlage
Eigentlich war die Ver­ei­nigung zwi­schen den beiden Rechts­au­ßen­par­teien NPD und Deutsche Volks­union schon voll­zogen und der Fusi­ons­vertrag vor Jah­resende unter­zeichnet. Doch am 27. Januar stellt eine Einst­weilige Ver­fügung des Münchner Land­ge­richts 1 das ganze Pro­zedere wieder in Frage. Danach kann der Ver­schmel­zungs­vertrag erst nach der Abhaltung einer erneuten Mit­glie­der­be­fragung innerhalb der DVU unter­zeichnet werden.

Das Gericht setzte eine hohe Ord­nungs­strafe fest, falls die Ent­scheidung miss­achtet wird. Es gab damit einer Klage der DVU-Oppo­sition Recht, die sich gegen einen Zusam­men­schluss mit der NPD wandte und die Ver­letzung inner­par­tei­licher Regeln beklagte. Das wurde vom Amts­ge­richt bestätigt. Bei der Urab­stimmung über die Ver­schmelzung seien »erheb­liche, mit den Anfor­de­rungen an demo­kra­tische Abstim­mungen unver­einbare Mängel vor­ge­tragen und glaubhaft gemacht« worden, begründen die Richter die Einst­weilige Ver­fügung.

Macht­kampf zwi­schen Pro-Deutschland und NPD

Die Ent­scheidung ist für die DVU- und NPD-Funk­tionäre, die die Fusion for­ciert hatten, eine pein­liche Nie­derlage. Schließlich hatte sich die NPD durch den Zusam­men­schluss Rückenwind bei den Land­tags­wahlen in Meck­lenburg-Vor­pommern, Sachsen-Anhalt und dem Stadt­staat Bremen erhofft.

Die Fusi­ons­gegner innerhalb der DVU, die vor allem in den Lan­des­ver­bänden Berlin, Nie­der­sachsen und Nord­rhein-West­falen eine Basis haben, kün­digten nach ihren Erfolg weitere juris­tische Schritte an. Dabei ist auch ihnen klar, dass es kein Zurück zu einer eigen­stän­digen DVU mehr geben wird. Schließlich war diese Partei sowohl finan­ziell als auch per­sonell schon lange vor der Fusion mit der NPD am Ende.

Die Aus­ein­an­der­setzung ist vielmehr Teil des Macht­kampfes zwi­schen der NPD und der Pro-Deutsch­land­be­wegung um die Hege­monie im rechten Lager. Letztere setzt vor allem auf Rechts­po­pu­lismus und ist bereit, im Kampf gegen den Islam tak­tische Bünd­nisse mit Israel ein­zu­gehen. Damit knüpft die Pro-Deutsch­land­be­wegung an eine stärker wer­dende Strömung der Euro­rechten an, die bei einem Israel-Besuch im Dezember bekräf­tigten, künftig den Kampf gegen den Islam Prio­rität vor dem Anti­se­mi­tismus zu geben.

Mit­or­ga­ni­sator der Reise nach Jeru­salem war Patrik Brinkmann, der innerhalb kurzer Zeit seinen poli­ti­schen Weg von der NPD über die DVU zur Pro-Deutsch­land­be­wegung gemacht hat. Viele DVU-Dis­si­denten dürften ihm auf diesen Weg folgen. Mehrere von ihnen wurden bei der Klage gegen die Fusion mit der NPD von Juristen aus der Pro-Deutsch­land­be­wegung ver­treten. 
 http://​www​.heise​.de/​t​p​/​b​l​o​g​s​/​8​/​1​49156

Peter Nowak

Kreuzberger NS-Opfer bekommen Gesicht

GESCHICHTE Ver­ei­nigung der NS-Ver­folgten übergibt Infor­ma­tionen zu Opfer­tafel im Kreuz­berger Rathaus
Die Holz­tafel hängt seit 1947 in der ersten Etage des Kreuz­berger Rat­hauses in der Yorck­straße. Ins­gesamt 100 Namen von Kreuz­berger NS-Opfern sind dort ver­zeichnet – kurz nach dem Krieg zusam­men­ge­tragen vom Kreuz­berger Aus­schuss der Opfer des Faschismus. Doch wer waren diese Men­schen, woher kamen sie? Die Ber­liner Ver­ei­nigung der Ver­folgten – Bund der Anti­fa­schisten (VVN-BdA) hat recher­chiert und übergibt heute um 17 Uhr im Kreuz­berger Rathaus ihre Info­ma­te­rialien.

Drei der 100 Opfer sind die Brüder Bernhard, Günther und Horst Lewin. Sie wurden in den 20er Jahren in der Kreuz­berger Mari­an­nen­straße 23 geboren. Den Nazis galten sie als Juden, doch die Mutter hatte sie bei den Behörden nicht gemeldet, sodass sie sich ver­bergen konnten. Doch alle drei wurden gefasst und ermordet.

Der Kern des Infor­ma­ti­ons­pools, den die VVN-BdA erstellt hat, besteht in einen Touch­screen­mo­nitor, auf dem die Namen der NS-Opfer auf­ge­führt sind. Beim Berühren des Bild­schirms können ihre Bio­grafien, die KZs und Gefäng­nisse, in die sie ver­schleppt wurden, aber auch Zitate aus Berichten ihrer Ange­hö­rigen abge­rufen werden. Der Ver­eins­vor­sit­zende Hans Coppi betont gegenüber der taz: »Es ist uns mit dem For­schungs­projekt auch darum gegangen, den Per­sonen, die heute weit­gehend unbe­kannt sind, ein Gesicht zu geben.« Gleich­zeitig seien damit auch wichtige neue Fakten über Wider­stand und Ver­folgung unter der NS-Herr­schaft in Kreuzberg ermittelt worden.

So haben sich zwei Drittel der auf­ge­führten Per­sonen in der Wei­marer Republik in den Par­teien der Arbei­te­rIn­nen­be­wegung, den Gewerk­schaften und den pro­le­ta­ri­schen Sport­bünden enga­giert. Über ein Drittel der auf­ge­führten Per­sonen sind Juden. In einem Fall stellte sich durch die For­schungs­arbeit heraus, dass eine auf der Tafel auf­ge­führte Person den NS-Terror überlebt hat. Doch Coppi betont auch, dass die Tafel nur einen Bruchteil der Kreuz­berger NS-Opfer auf­führt. Mit­ar­bei­te­rInnen des Kreuzberg Museums sprechen von 1.500 bis 1.800 Kreuz­ber­ge­rInnen, die dem Terror zum Opfer fielen. Weitere For­schungen wären also not­wendig, um weitere NS-Opfer dem Ver­gessen zu ent­reißen.

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ba&dig=2011%2F01%2F25%2Fa0138&cHash=08bec2ea28

Peter Nowak

Dem Vergessen entrissen

Der VVN-BdA übergibt For­schungs­er­geb­nisse über 100 Kreuz­berger NS-Opfer
 
Die Ber­liner Ver­ei­nigung der Ver­folgten des Nazi­re­gimes – Bund der Anti­fa­schis­tInnen (VVN-BdA) übergibt heute im Rahmen einer öffent­lichen Ver­an­staltung im Kreuz­berger Rathaus Infor­ma­ti­ons­ma­te­rialien zu einer Ehren­tafel, die die Namen von 100 Opfern des Natio­nal­so­zia­lismus trägt.

Die Holz­tafel wurde 1947 auf Initiative des Kreuz­berger Aus­schusses Opfer des Faschismus (ODF) erstellt. Darauf sind die Ster­be­daten und -orte von 100 in Kreuzberg woh­nenden Juden und anti­fa­schis­ti­schen Wider­stands­kämpfern ver­zeichnet, die damals ermittelt werden konnten. Die Zahl der Kreuz­berger NS-Opfer ist größer. Die Liste beginnt mit dem am 6.11.1944 hin­ge­rich­teten Gustav Basse und endet mit dem 1943 in Auschwitz ermor­deten Isaak Ackermann.

»Die Gedenk­tafel als ein bedeu­tendes zeit­ge­schicht­liches Dokument braucht eine zeit­gemäße Erläu­terung, damit sie den Besu­chern des Rat­hauses auch heute noch etwas sagt«, meint Hans Coppi von der Ber­liner VVN-BdA. Die Erläu­te­rungen erfolgen über einem Monitor, auf dem die Opfer des Nazi­re­gimes abge­bildet sind. Durch Berühren der Namen erscheinen ihre Bio­grafien und – falls vor­handen – ein Por­trätfoto sowie bis zu drei weitere Bilder bzw. Doku­mente.

Für die VVN-BdA war es ein wich­tiges Kri­terium, dass der Infor­ma­ti­ons­mo­nitor auch von Jugend­lichen genutzt wird. »Mit den Bio­grafien möchten wir nicht nur an den gewalt­samen Tod von Kreuz­berger NS-Opfern, sondern auch an ihr Leben in einer schweren Zeit erinnern, ihnen wieder ein Gesicht geben und sie so dem Ver­gessen ent­reißen«, begründet Hans Coppi die Initiative. Vor­aus­ge­gangen waren For­schungen in Archiven und Gedenk­stätten, Gespräche mit Ange­hö­rigen, das Stöbern in Adress- und Tele­fon­bü­chern sowie im Internet. Lediglich bei zwei der auf der Tafel auf­ge­führten Namen konnten keine Infor­ma­tionen ermittelt werden.

Die neuen For­schungs­er­geb­nisse bieten auch einen Ein­blick in den Kreuz­berger Wider­stand gegen den Natio­nal­so­zia­lismus. So stammen zwei Drittel der Per­sonen aus dem Kreuz­berger Arbei­ter­milieu. Über die Hälfte gehörte vor 1933 der KPD, der SPD, der Sozia­lis­ti­schen Arbei­ter­partei (SAP), den Gewerk­schaften und den Arbei­ter­sport­ver­einen an. Mehrere von ihnen wurden mehrmals ver­haftet und setzten nach ihrer Frei­lassung den Kampf gegen das NS-Régime fort. Über ein Drittel der auf­ge­führten Per­sonen sind Juden. So rekon­stru­ieren die Infor­ma­tionen auch die Shoah in Kreuzberg.

Öffent­liche Übergabe des Info­ter­minals um 17 Uhr im ehe­ma­ligen Rathaus Kreuzberg, Yorck­straße 4–11, Foyer 1. Etage

http://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​8​9​3​0​1​.​d​e​m​-​v​e​r​g​e​s​s​e​n​-​e​n​t​r​i​s​s​e​n​.html

Peter Nowak