Tobias Singelnstein und Kollegen untersuchen rechtswidrige Übergriffe Beamter auf Bürger und ihre Ursachen

Polizei sollte eine Fehlerkultur entwickeln

Tobias Sin­geln­steinist Inhaber des Lehr­stuhls für Kri­mi­no­logie an der Ruhr Uni­ver­sität Bochum. Er leitet ein Forscher*innenteam, das die bislang größte Studie zu Poli­zei­gewalt in Deutschland durch­führt, für die mehr als 1000 Betroffene befragt wurden.Peter Nowak­sprach mit ihm über die Unter­su­chung, der zufolge es jährlich min­destens 12 000 rechts­widrige Über­griffe durch Beamte gibt.

In der letzten Woche wurden erste Ergeb­nisse eines von Ihnen gelei­teten For­schungs­pro­jekts bekannt. Demnach gibt es in Deutschland jährlich rund 12 000 Fälle von ille­galer Poli­zei­gewalt. Wie kamen Sie zu diesem Befund?

Nach unseren bis­he­rigen Befunden kann man davon aus­gehen, dass das Dun­kelfeld mehr als fünfmal so groß ist wie das Hellfeld, das wir .…

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Protest gegen Uber und Co.

»Wildwest-Zustände in der Taxibranche«

Ver­kehrs­mi­nister Scheuer will den Taxi­markt libe­ra­li­sieren. Dabei arbeiten Fahrer schon heute unter pre­kärsten Bedin­gungen, berichten die Gewerk­schafter Klaus Meier und Andreas Kom­rowski.

Seit Monaten pro­tes­tieren Taxi­fahrer gegen den Fahr­dienst Uber. Worum geht es?
Andreas Kom­rowski: Die Pro­test­ak­tionen von Taxi­fahrern ent­zün­deten sich am Vor­haben des Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­riums unter Andreas Scheuer, das Per­so­nen­be­för­de­rungs­gesetz zu libe­ra­li­sieren. Dabei geht es vor allem um.…

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Interview über Seenotrettung und Dissonanzen in der EU mit dem Migrations- und Grenzpolitik-Forscher Bernd Kasparek

»Die EU strebt eine tiefgreifende Verschärfung des Asylsystems an«

Bernd Kas­parek forscht zum euro­päi­schen Grenz- und Migra­ti­ons­regime, mit Schwer­punkt euro­päische Grenz­schutz­agentur Frontex, Asyl­po­li­tiken und Infra­struk­turen. Er ist Vor­stands­mit­glied der For­schungs­as­so­ziation bor​der​mo​ni​toring​.eu. Kürzlich ist von ihm im Verlag Bertz + Fischer das Buch Europas Grenzen. Flucht, Asyl und Migration erschienen. Tele­polis sprach mit ihm über die »Migra­ti­ons­au­ßen­po­litik« der EU.

In der letzten Woche haben zahl­reiche deutsche Poli­tiker – sogar Horst See­hofer – den ita­lie­ni­schen Innen­mi­nister wegen seiner Wei­gerung, die Grenzen für Gerettete zu öffnen, kri­ti­siert. Ist Deutschland plötzlich eine einzige Nation von See­not­rettern?
Bernd Kas­parek: Eine einzige Nation von See­not­retter, das wäre natürlich über­trieben. Ich finde es aber in der Tat bemer­kenswert, welches.…

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Wolfgang Hien über Erfolge und Hindernisse eines modernen Gesundheitsschutzes in der Arbeitswelt

Vereinzelung fördert Arbeitsbelastung

Wolfgang Hien war Che­mie­la­borant und später Arbeits­wis­sen­schaftler und Medi­zin­so­ziologe. Er leitet das For­schungsbüro für Arbeit, Gesundheit und Bio­graphie in Bremen und beschäftigt sich mit Gesund­heits­be­las­tungen in der Wohn- und Arbeitswelt. Im VSA-Verlag ist kürzlich sein Buch »Gegen die Zer­störung von Herz und Hirn« erschienen.

Wie kamen Sie zu Ihrem Lebens­thema, dem Kampf um men­schen­würdige Arbeit?

Zentral waren meine eigenen Erfah­rungen als Aus­zu­bil­dender bei BASF in den 1960er Jahren. Meine Vor­stel­lungen von Men­schen­würde fand ich dort nicht wieder. Man wurde auf die Fabrik kon­di­tio­niert. Dagegen kämpfte ich an. Ich habe dann auch in anderen Indus­trie­be­trieben erlebt, dass Arbeiter unter Bedin­gungen schuften mussten, die.…

„Ver­ein­zelung fördert Arbeits­be­lastung“ wei­ter­lesen
Der Migrationsforscher Bernd Kasparek analysiert die europäische Diskussion um eine Verteilung der Geflüchteten

»Die EU strebt eine Verschärfung des Asylrechts an«

Lesetipp: Bernd Kas­parek Europas Grenzen: Flucht, Asyl und Migration, Kri­tische Ein­füh­rungen 12., aktua­li­sierte Auflage, 164 Seiten, 9 Karten, Verlag: Bertz + Fischer Arti­kel­nummer 978–3‑86505–757‑0, 8 Euro;

Sie haben in Ihrem Buch »Europas Grenzen« auf­ge­zeigt, dass es beim Grenz­ma­nagement der Euro­päi­schen Union in erster Linie um Flücht­lings­abwehr geht. Setzt sich diese Linie in der aktu­ellen Dis­kussion um die Auf­nahme der Geflüch­teten fort?

Das bestehende System hat innerhalb der EU eine massive Dis­sonanz aus­gelöst, der jetzt dis­ku­tierte Mecha­nismus einer »Koalition der Wil­ligen« ist lediglich der Versuch, dem bestehenden System etwas Fle­xi­bi­lität bei­zu­bringen und es damit zu sta­bi­li­sieren. Was bei der aktu­ellen Debatte um die Auf­nahme von Geret­teten aber aus dem Blick gerät, ist, dass die EU eigentlich eine tief­grei­fende Ver­schärfung des euro­päi­schen Asyl­systems anstrebt.

In den letzten Monaten hat die See­brücken-Bewegung in vielen Ländern Aufwind bekommen. Welchen Ein­fluss haben diese zivil­ge­sell­schaft­lichen Initia­tiven auf die Migra­ti­ons­po­litik?.…

„»Die EU strebt eine Ver­schärfung des Asyl­rechts an«“ wei­ter­lesen
Wolfgang Hien war Chemielaborant bei BASF in den 1960er-Jahren, heute ist er ein renomierter Arbeits- wissenschaftler und Medizinsoziologe. Im Interview geht er auf die Entwicklung der Gesundheitsfragen am Arbeitsplatz ein und zeigt, warum der Kampf um menschenwürdige Arbeit noch von brennender Aktualität ist.

Wir sind selbst die Expert*innen

Im VSA-Verlag ist sein Buch «Gegen die Zer­störung von Herz und Hirn» erschienen, in dem er im Interview mit dem Sozi­al­wis­sen­schaftler Peter Birke über seinen lebens­langen Kampf für eine men­schen- würdige Arbeit berichtet:

Nach Aus­bildung und 17 Jahren Betriebs­er­fahrung als Che­mie­la­borant und Gewerk­schafts­ak­tivist stu­dierte er Bio­chemie und Phi­lo­sophie in Hei­delberg sowie Sozio­logie, Psy­cho­logie, Päd­agogik und Arbeits­wis­sen­schaft in Bremen, was 1988 zu einem Abschluss als Diplom-Päd­agoge und 1992 zur Pro­motion zum Doktor der Staats­wis­sen­schaften (Doc- tor rerum poli­ti­carum, Dr. rer. pol) in Arbeits- und Gesund­heits­wis­sen­schaften. Seit 1989 in For­schung und Lehre tätig, zwi­schen 2003 und 2005 Referats- leiter für Gesund­heits­schutz beim Bun­des­vor­stand des Deut­schen Gewerk­schafts­bundes (DGB). Seit seit Januar 2006 ist er Inhaber und Leiter des For­schungs­büros für Arbeit, Gesundheit und Bio­graphie in Bremen.

Der psy­chische Druck nimmt zu

Auf seine Website wolfgang​-hien​.de ist zu lesen: «Gesund­heits­för­derung bedeutet in erster Linie, die Würde des Men­schen zu achten.» Und: «Einen grossen Ein­fluss auf unser Leben hat die Arbeitswelt. Sie kann uns Aner­kennung und Sinn geben. Doch die neo­li­berale Radi­ka­li­sierung unserer Betriebe bürdet Körper, Geist und Seele hohe Belas­tungen auf. Die Folge: Arbeits­be­dingte Krank­heiten nehmen zu. Dieser Ent­wicklung sollte Einhalt geboten werden. Dafür möchte ich meine arbeits- und gesund­heits­wis­sen­schaft­liche Kom­petenz ein­setzen.»

Wie kamen Sie zu ihrem Lebens­thema, den Kampf um men­schen­würdige Arbeit?
Zentral war meine leib­liche Erfahrung als.…

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Paula Thiede war die weltweit erste Vorsitzende einer geschlechtergemischten Gewerkschaft. Bisher war wenig über die Hilfsarbeiterin bekannt. Nun hat der Historiker Uwe Fuhrmann ein Buch über sie verfasst

„Selbst ihr Geburtsname Pauline Berlin war unbekannt“

Frau Berlin: Paula Thiede. Vom Arbei­terkind zur Gewerk­schafts­vor­sit­zenden“, UVK, Berlin 2019, 227 Seiten,17 Euro.

Uwe Fuhrmann: Paula Thiede hat es als Hilfs­ar­bei­terin, als zeit­weise ver­armte und lange allein­er­zie­hende Mutter mit pro­le­ta­ri­schem Hin­ter­grund geschafft, über viele Jahre eine Gewerk­schafts­funktion aus­zuüben, und wurde die weltweit erste Vor­sit­zende einer gemischt­ge­schlecht­lichen Gewerk­schaft. Sie war eine der ganz wenigen haupt­amt­lichen Gewerk­schaf­te­rinnen dieser Zeit. Das ist auch der Grund, warum das Paula-Thiede-Ufer nach ihr benannt wurde, an dem heute die Bun­des­zen­trale der Gewerk­schaft Verdi zu finden ist.

Was macht sie so besonders?

Die meisten anderen Frauen der Arbei­te­rIn­nen­be­wegung, die heute noch bekannt sind, sind in bil­dungs­af­finen Milieus groß geworden, wie etwa Rosa Luxemburg. Paula Thiede begann ihre Arbeit…

„„Selbst ihr Geburtsname Pauline Berlin war unbe­kannt““ wei­ter­lesen
Friedensaktivist Willi van Ooyen über die Protestwoche gegen die Ramstein-Basis

Wo die Iran-Krise direkt spürbar ist

Vom 23.6. bis 30.6. findet unter dem Motto »Stoppt Ram­stein – Kein Droh­nen­krieg« eine Akti­ons­woche gegen den US-Stütz­punkt statt. Die Kam­pagne wurde von Per­sonen aus der Frie­dens­be­wegung initiiert. Im Interview berichtet der Aktivist Willi van Ooyen über die Pro­teste. Er enga­giert sich in der Friedens- und Zukunfts­werk­statt Frankfurt am Main.

Diese Woche findet eine Akti­ons­woche gegen den US-Stütz­punkt Ram­stein statt. Was sind die inhalt­lichen Schwer­punkte?

Ein Schwer­punkt ist der Kampf gegen den Droh­nen­krieg. Dieser wird auch über die Luft­waf­fen­basis Ram­stein koor­di­niert, das hatten die Ent­hül­lungen des Whist­leb­lowers Edward Snowden bekannt gemacht. Durch ein Urteil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Münster vom März 2019 ist die Bun­des­re­gierung zur Prüfung ver­pflichtet,…

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