Annne Reiches persönliche Spurensuche

Ein Leben nach den Barrikaden

„Doch ich will diesen Weg zu Ende geh‘n
und ich weiß, wir werden die Sonne seh‘n!
Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten.“

Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten“ ist eines der per­sön­lichsten Lieder von Rio Reiser, dem Sänger der anar­chis­ti­schen West­ber­liner Rockband Ton Steine Scherben. Die Strophe könnte das Motto von Anne Reiches Bio­graphie sein,…

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Anti-Geschichtsbuch: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Novemberrevolution

Klaus Dallmer: Die Meu­terei auf der «Deutschland» 1918/19 – Anpassung, Auf­bäumen und Untergang der ersten deut­schen Arbei­ter­be­wegung. Berlin: Die Buch­ma­cherei, 2018. 320 S., 12 Euro

«Lasst euch nicht ver­drießen. Denn wir wissen absolut! Noske, der wird schießen.»
Dieses Spottlied auf einen berüch­tigten SPD-Poli­tiker, der für die Mas­saker an rebel­li­schen Arbeitern nach der Novem­ber­re­vo­lution ver­ant­wortlich war, stammt bereits von 1907. Damals schon stand Gustav Noske auf dem rechten Flügel der SPD und war als Reichs­tags­ab­ge­ord­neter Experte für Kolo­ni­al­po­litik und Mili­tär­fragen. In dieser Funktion for­derte er im Reichstag, Arbeits­plätze auf deut­schen Schiffen sollten nur Deut­schen vor­be­halten sein, und erklärte, im Falle eines Angriffs würde die SPD Deutschland ver­tei­digen. Zur gleichen Zeit, 1907,…

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GEGEN DIE ZERSTÖRUNG VON HERZ UND HIRN

„Arbeits­be­dingte Krank­heiten nehmen zu. Dieser Ent­wicklung sollte Einhalt geboten werden. Dafür möchte ich meine arbeits- und gesund­heits­wis­sen­schaft­liche Kom­petenz ein­setzen.“

Mit diesen Sätzen beschreibt Wolfgang Hien sein lang­jäh­riges Enga­gement für den Gesund­heits­schutz in der Arbeitswelt. Warum das Thema zu seiner Lebens­aufgabe wurde, kann man in einem langen Gespräch erfahren, das Hien mit dem His­to­riker Peter Birke geführt hat. Im VSA-Verlag ist es unter dem Titel…

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Beiderseits der Barrikade

Revo­lution
in Bayern

Es gibt wohl nur wenige his­to­rische Groß­ereig­nisse, die im Nach­hinein von einer der­ar­tigen poli­ti­schen Ver­zerrung und Ent­stellung gekenn­zeichnet sind wie die Baye­rische Räte­re­publik, urteilt Rudolf Stum­berger. Er kon­zen­triert sich in seinem neuen Buch auf Akteure, die vor 100 Jahren auf unter­schied­lichen Seiten der Bar­rikade standen.

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Deutsch gegen Deutschland

Hans Deutsch kämpfte für die Wie­der­gut­ma­chung von NS-Opfern. Ein Buch erinnert daran, wie ein Kartell von Alt­nazis den jüdi­schen Rechts­anwalt kri­mi­na­li­sierten. Die Spuren führen auch in die Schweiz.

Wenn sich Deutschland heute als Welt­meister bei der Auf­ar­beitung der NS-Ver­brechen feiern lässt, wird häufig ver­gessen, dass in West­deutschland bis in die 1980er Jahre die NS-Opfer und ihre Unter­stüt­ze­rInnen bekämpft und ver­leumdet wurden. Wie die wieder in Amt und Würden gelangte ehe­malige NS-Beam­ten­schaft vorging, zeigt die Kam­pagne gegen den in Öster­reich gebo­renen Rechts­anwalt Hans Deutsch.

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Spanische Revolution

Buen­aventura Durutti ist vielen als spa­ni­scher Anar­chist bekannt. Doch wer kennt Amparo Poch y Gascón? Über die Mit­be­grün­derin der liber­tären Frau­en­or­ga­ni­sation Mujeres Libres hat Martin Bax­meyer jetzt eine Bio­grafie her­aus­geben, die sich auch kri­tisch mit dem Umgang der spa­ni­schen Anarchist_​innen mit selbst­be­wussten Frauen aus­ein­an­der­setzt. Bax­meyer erwähnt den mili­tanten Anti­fe­mi­nismus Proudhons, der auch unter spa­ni­schen Anarchist_​innen Anhänger_​innen fand. Doch er beschreibt auch Strö­mungen im Anar­chismus, die sich für die Rechte der Frauen ein­setzten. Den Femi­nismus lehnten aller­dings auch sie ab, weil er im dama­ligen Spanien als Bewegung wohl­ha­bender Frauen aus dem Bür­gertum galt. Kri­tisch geht Bax­meyer mit dem anar­chis­ti­schen Mythos der bewaffnet kämp­fenden Frau um. Auf den während der Spa­ni­schen Revo­lution ver­brei­teten Fotos seien Models in Uniform abge­bildet gewesen; mit der Rea­lität innerhalb der liber­tären Milizen habe das nur wenig zu tun gehabt. Bax­meyer hat mit seinem Buch über Amparo von Poch y Gascón auch eine kri­tische Aus­ein­an­der­setzung mit Mythos und Rea­lität der liber­tären Bewegung in Spanien vor­gelegt – ganz im Sinne von Poch y Gascón, die auch in den eigenen Reihen nicht mit Kritik und Spott sparte. Das belegen ihre am Schluss des Buches doku­men­tierten Artikel, in denen sie sich über büro­kra­ti­schen Leerlauf und den Drang, Pro­bleme in irgend­welche Komitees abzu­schieben, lustig machte.

Peter Nowak

aus: ak – analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 643 / 13.11.2018
https://​www​.akweb​.de/​a​k​_​s​/​a​k​6​4​3​/​0​3.htm


Martin Bax­meyer (Hg.): Amparo Poch y Gascón. Bio­graphie und Erzäh­lungen aus der spa­ni­schen Revo­lution. Verlag Gras­wur­zel­re­vo­lution, Hei­delberg 2018. 152 Seiten, 13, 90 EUR.