Eine Lehre fürs prekäre Leben

Vor 40 Jahren begann der Nie­dergang der Lehr­lings­be­wegung, aus der auch Ton Steine Scherben her­vor­gingen. Ange­sichts der pre­kären Situation von Aus­zu­bil­denden heut­zutage wäre es an der Zeit für eine Wie­der­be­lebung.

Ein Film, der kürzlich in den Kinos ange­laufen ist, trägt den Titel »Die Aus­bildung«. Regisseur Dirk Lütter schildert darin die Zwänge der neo­li­be­ralen Arbeits- und Bürowelt aus der Sicht ­eines Aus­zu­bil­denden (Interview Jungle World 12/2012). Der Prot­agonist Jan, der eine Lehre in einem Call­center absol­viert, wird in einer Rezension der Taz als »Azubi am unteren Ende der Hack­ordnung« beschrieben. Auf­fallend sei die Uni­for­mität, die im Büro herrsche. Alle tragen »die­selben korrekt geschei­telten Fri­suren« und heißen »Jan, Jens oder Jenny«, bei den Prota­gonisten handele es sich um »prekär beschäf­tigte Klone«. Ange­sichts solcher Befunde stellt sich die Frage, ob sich wirklich viel ver­bessert hat im Ver­gleich zu jener Zeit, als anstelle von Azubis von Lehr­lingen oder ganz alt­mo­disch von »Stiften« die Rede war. Abge­sehen davon, dass es damals undenkbar gewesen wäre, den Chef zu duzen, und die Zustän­digkeit fürs Ziga­ret­ten­holen noch zum Alltag von Lehr­lingen gehörte.

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