Schlecht beraten

»Gewerk­schaften und Stu­die­rende: Passt das über­haupt zusammen? Wir meinen schon.« Diese Über­zeugung der Frei­burger DGB-Hoch­schul­gruppe ist noch im Internet zu finden. Doch mitt­ler­weile muss man sich die Frage stellen, ob eine eman­zi­pa­to­rische stu­den­tische Politik und der DGB-Apparat zusam­men­passen. Denn der DGB-Süd­baden hat die Cam­pus­gruppe auf­gelöst, nachdem diese ein Spre­cherduo gewählt hatte, ohne den zustän­digen DGB-Sekretär Jan Wie­czorek um Erlaubnis zu bitten. Zudem hatte die gewerk­schaftlich ori­en­tierten Stu­die­renden nach Angaben eines Grup­pen­mit­glieds beschlossen, dass der DGB-Sekretär nicht mehr Rede­recht als andere in der Gruppe haben soll.
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Der Kon­flikt kün­digte sich an, als Wie­czorek einen von der Cam­pus­gruppe vor­be­rei­teten Flyer, der in sati­ri­scher Form die pre­kären Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nisse an der Uni auf­spießte, ablehnte, weil er »in dieser Form dem DGB schadet«. Nähere Begrün­dungen erhielt die Uni­gruppe nach Angaben eines Mit­glieds nicht.

In einem Gespräch mit dem Frei­burger Radio Dreyeckland ver­tei­digte der DGB-Vor­sit­zende Süd­baden-Hoch­rhein Jürgen Höffin die Auf­lösung vehement. Er sieht auch nach­träglich keinen Raum für ein von den Stu­die­renden vor­ge­schla­genes klä­rendes Gespräch. Auch einen Offenen Brief der Gruppe wollte er nicht beant­worten. Schließlich habe er ein­zelnen Mit­gliedern den Stand­punkt des DGB klar ver­mittelt. Die Cam­pus­gruppe habe sich mit der eigen­mäch­tigen Wahl ihrer Sprecher nicht an die Grund­sätze des DGB gehalten, die im übrigen auch für Erwerbs­losen- und Senio­ren­gruppen des DGB gelten. Es könne schließlich nicht angehen, dass jedes stu­den­tische DGB-Mit­glied eine Gruppe unter diesem Label gründe.

Ob der DGB-Apparat gut beraten ist, die wenigen über­zeugten Gewerk­schafter an den Hoch­schulen abzu­würgen? Stu­die­rende, die sich am Campus für den DGB ein­setzen, sind eine absolute Min­derheit. Dabei wäre ange­sichts der pre­kären Arbeits­be­din­gungen dort eine kämp­fe­rische Gewerk­schafts­po­litik not­wendig. Wäre es nicht eine gute Gele­genheit, die auch im DGB dis­ku­tierten Grund­sätze von Selbst­er­mäch­tigung und Basis­de­mo­kratie einfach umzu­setzen?
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Peter Nowak