»Heimatverteidiger« in Königsbronn

In der baden-würt­tem­ber­gi­schen Klein­stadt findet zum siebten Mal eine mili­tär­po­li­tische Tagung statt

»Die Euro­päische Union vor der Wahl – Per­spek­tiven für Sicherheit und Wirt­schaft für unsere Heimat« lautet das Motto der dies­jäh­rigen »Königs­bronner Gespräche«, die am Samstag bereits zum siebten Mal in dem kleinen Ort in der Ostalb in der »Ham­mer­schmiede« statt­finden. Orga­ni­sator ist wie in den letzten Jahren…

…der CDU-Poli­tiker Roderich Kie­se­wetter. »Als direkt gewählter Wahl­kreis­ab­ge­ord­neter von Aalen-Hei­denheim habe ich mit den Königs­bronner Gesprächen eine Plattform geschaffen, auf der Bür­ge­rinnen und Bürger vor Ort über aktuelle Her­aus­for­de­rungen dis­ku­tieren können«, erklärt Kie­se­wetter gegenüber »nd«. Dabei ist die Tagung stets ein Treff­punkt hoch­ran­giger Militärs, auch Ver­tei­di­gungs­mi­nister waren regel­mäßig unter den Refe­renten.

Neben Kie­se­wetter gehören mit der Bun­des­aka­demie für Sicher­heits­po­litik einer der wich­tigsten mili­tär­po­li­ti­schen Think­tanks in Deutschland und die Karl-Theodor-Molinari-Stiftung, das Bil­dungswerk des Bun­des­wehr­ver­bandes, zu den Ver­an­staltern.

Erneut gehört mit Klaus Ernst auch ein LINKE-Poli­tiker zu den gela­denen Gästen. Am Sams­tag­nach­mittag wird der Bun­des­tags­ab­ge­ordnete im Panel »Wirt­schaft« refe­rieren. Er sei von Roderich Kie­se­wetter in seiner Funktion als Vor­sit­zender des Aus­schusses für Wirt­schaft und Energie im Bun­destag ange­fragt worden, sagte Ernst »nd«. »Meine Devise lautet grund­sätzlich, eine solche Ein­ladung anzu­nehmen, wenn die Mög­lichkeit besteht, die eigenen Posi­tionen ver­treten zu können«, betonte er.

Ernst ist nicht der erste Poli­tiker der LINKEN, der an den Königs­bronner Gesprächen teil­nimmt. 2015 hatte der Bun­des­tags­ab­ge­ordnete Stefan Liebich mit seiner Betei­ligung an einer Podi­ums­dis­kussion Kritik von Genossen geerntet. Die bekommt auch Ernst zu hören, zum Bei­spiel von Christa Klink. Sie gehört zu den Unterzeichner*innen eines Briefes, in dem der Bun­des­tags­ab­ge­ordnete gebeten wird, die Teil­nahme an der Kon­ferenz abzu­sagen. »Wir haben Klaus Ernst gebeten, sich am Samstag mit uns an der Mahn­mache gegen Mili­ta­rismus zu betei­ligen«, sagt Klink. Ab 9 Uhr wollen sich Friedensaktivist*innen vor dem Tagungsort pos­tieren und die Teil­neh­menden mit Trans­pa­renten gegen Rüstung und Krieg kon­fron­tieren. Auf einem steht: »Ich habe den Krieg ver­hindern wollen! Georg Elser«. Der Anti­fa­schist hatte 1939 vor einer Ver­an­staltung der NSDAP eine Bombe im Münchner Bür­ger­bräu­keller plat­ziert, die Adolf Hitler treffen sollte. Sie explo­dierte plan­mäßig, doch der Reichs­kanzler hatte das Treffen vor­zeitig ver­lassen. Elser hatte den größten Teil seines Lebens in Königs­bronn ver­bracht. Ganz in der Nähe der Ham­mer­schmiede befindet sich eine Georg-Elser-Gedenk­stätte.

Unter­dessen beruft sich auch Kie­se­wetter auf Georg Elser. »Als Geburtsort des Wider­stands­kämpfers Georg Elser ist Königs­bronn ein Ort, der zur Debatte ermutigt«, erklärte der frühere Gene­ral­stabs­of­fizier. Christa Klink will am Samstag auch gegen diese Ver­ein­nahmung des Wider­stands­kämpfers pro­tes­tieren.