»Der Dritte Weg« zog mit Fackeln und Trommeln durch Fulda

Bereits seit den 1970er Jahren bestehen in Ost­hessen neo­na­zis­tische Struk­turen

Es waren aller­dings nur knapp 130 Rechte gekommen, die sich um 15 Uhr auf dem Platz Unterm Hei­ligen Kreuz, der bis zum Ende des NS-Regimes Adolf-Hitler-Platz hieß, ver­sammelt hatten. Nach meh­reren natio­na­lis­ti­schen Reden setzte sich der Zug der Rechten mit Trom­mel­wirbel und Fackeln in Bewegung.

Die Stadt Fulda hatte im Vorfeld ver­sucht, mit einem umfang­reichen Auf­la­gen­ka­talog dem Aufzug der Rechten Grenzen zu setzen. So sollten Trommeln und Fackeln ver­boten werden. Doch das Kas­seler Ver­wal­tungs­ge­richt hatte zahl­reiche dieser Vor­gaben gekippt. Die Auflage, die den Rechten das Abspielen von Sire­nen­ge­räu­schen während des Mar­sches unter­sagte, wurde vom Gericht jedoch bestätigt. Dafür läu­teten zu Beginn der rechten Demons­tration in ganz Fulda aus Protest die Kir­chen­glocken und die anti­fa­schis­ti­schen Parolen waren nicht zu über­hören. An vielen Stellen hatten sich Nazigegner*innen mit Trans­pa­renten, selbst gemalten Schildern und Tril­ler­pfeifen pos­tiert. Die Gruppe »Omas gegen rechts« war ebenso ver­treten wie die Links­jugend Solid und »Die Partei«.An meh­reren Stellen ver­suchten Antifaschist*innen, mit Blo­ckaden den rechten Marsch auf­zu­halten. Zwei Akti­visten wurden kurz­zeitig fest­ge­nommen. Gegen 20 Uhr erreichte der rechte Demozug mit einem großen Poli­zei­auf­gebot den Fuldaer Haupt­bahnhof, wo ein Großteil der Teilnehmer*innen die Heim­reise antrat. Denn nur ein kleiner Teil der Rechten kam aus Ost­hessen, wo seit Jahr­zehnten neo­na­zis­tische Struk­turen bestehen.

Mitte der 1980er Jahre hatte sich eine »Wehr­sport­gruppe Fulda« um den bekannten Neonazi Thomas Brehl gegründet. Wie heute »Der Dritte Weg« pro­pa­gierten der 2010 ver­storbene Brehl und seine Kumpane einen »natio­nalen Sozia­lismus«. Bereits in den 1970er und 1980er Jahren gab es in der Gegend rund um das Mit­tel­ge­birge Rhön soge­nannte »Win­ter­lager« der später ver­bo­tenen Wiking Jugend, schreibt die Fuldaer LINKE in einer Erklärung. Zudem seien im Land­kreis Fulda seit Jahren Plakate zu den »Gedenk­mär­schen« für den Hitler-Stell­ver­treter Rudolf Heß geklebt und zu Nazi­auf­mär­schen nach Wun­siedel ins baye­rische Fich­tel­ge­birge mobi­li­siert worden, wo Heß begraben wurde.

Auch »Der Dritte Weg« ist bereits seit län­gerem in Fulda aktiv. Im Juni 2017 postete die Neo­na­zi­partei auf ihrer Homepage Fotos von einer Streife auf einen Fuldaer Stadtfest. Die »Fuldaer Zeitung« berichtete von Flyern in ver­schie­denen Brief­kästen, in denen die selbst ernannten Hei­mat­schützer dazu auf­riefen, Streifen gegen angeb­liche Aus­län­der­kri­mi­na­lität zu bilden.

Mehrere Redner*innen auf den ver­schie­denen Bühnen der Pro­test­ver­an­stal­tungen gingen am Samstag auch auf den hohen Stim­men­anteil der AfD in Ost­hessen ein. Der frühere Zögling des lang­jäh­rigen Fuldaer Ober­bür­ger­meisters und CDU-Rechts­außen Alfred Dregger, Martin Hohmann, war 2003 wegen einer als anti­se­mi­tisch emp­fun­denen Rede aus der CDU aus­ge­schlossen worden und sitzt jetzt für die AfD im Kreis- und Bun­destag. »Mit diesen Rechten sind wir tag­täglich kon­fron­tiert und sie haben im ost­hes­si­schen Raum durchaus Sym­pa­thien bis in Kreise der CDU-Wähler*innen«, meinte eine Demons­trantin, die sich auf ihrem Plakat für eine offene Gesell­schaft ein­setzte.

Peter Nowak