Geschichtsklitterndes braunes Gedenken

„Ein Licht für Dresden in Fulda“, heißt das Motto, unter dem die neo­na­zis­tische Kleinst­partei „Der III. Weg“ für Samstag zu einem „zen­tralen Gedenktag für die Bom­ben­opfer“ ins ost­hes­sische Fulda mobi­li­siert.

In dem Aufruf werden die Bom­bar­de­ments der Alli­ierten gegen deutsche Städte im Zweiten Welt­krieg als Ver­brechen gegen die deutsche Bevöl­kerung bezeichnet. Neben Dresden, Mag­deburg, Hamburg, Mannheim und Pforzheim ist in diesem Jahr erstmals auch Fulda von den Rechts­ex­tremen in die Liste der Städte auf­ge­nommen worden, die „Opfer des alli­ierten Bom­ben­terrors“ wurden.

Dass die ost­hes­sische Stadt in diesem Jahr…

…zum Mobi­li­sie­rungsort wurde, liegt auch daran, dass in der ost­hes­si­schen Region seit Jahr­zehnten neo­na­zis­tische Struk­turen bestehen. Bereits Mitte der 1980er Jahre hatte sich eine „Wehr­sport­gruppe Fulda“ um den bekannten Neonazi Thomas Brehl gegründet. Er hatte sich ganz offen auf die frühere NSDAP bezogen. Wie heute „Der III. Weg“ pro­pa­gierten Brehl, der Ende 2010 ver­starb, und seine Kumpane einen natio­nalen Sozia­lismus. Auch „Der III. Weg“ ist bereits seit meh­reren Jahren in Fulda aktiv. Bereits im Juni 2017 postete die Neonazi-Partei auf ihrer Homepage Fotos von einer Streife auf einen Fuldaer Stadtfest. Die „Fuldaer Zeitung“ berichtete von Flyern in ver­schie­denen Brief­kästen, in denen die selbst ernannten Hei­mat­schützer dazu auf­riefen, Streifen gegen angeb­liche Aus­län­der­kri­mi­na­lität zu bilden.

Großer Teil der Auflagen gerichtlich gekippt

Der braune Auf­marsch am Samstag stieß in dieser Woche auch in der Fuldaer Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­sammlung par­tei­über­greifend auf Ablehnung. Dabei befürchten viele Politiker/​innen eine schlechte Presse, wenn Fotos von Neo­nazis am ehe­ma­ligen Adolf-Hitler-Platz um die Welt geben. So hieß der Kund­ge­bungsort bis zum Ende des NS-Regimes. Heute heißt der Platz Unterm Heilig Kreuz. Schon vor dem Auf­marsch konnten die Rechten einen juris­ti­schen Erfolg ver­buchen. Sie klagten gegen einen umfang­reichen Auf­la­gen­ka­talog der Stadt Fulda und bekamen vom Ver­wal­tungs­ge­richt Kassel an meh­reren Punkten recht. 

Peter Nowak