„Kreuzberg braucht günstige Wohnungen und kein neues Hostel“

Das Poli­zei­an­gebot war groß, als sich am ver­gan­genen Samstag gegen 14 Uhr an der Mariannenstraße/​Ecke Ska­litzer Straße in Kreuzberg ca. 250 Men­schen zur ersten Kund­gebung gegen einen geplanten Hotel­neubau ein­ge­funden hatten.

Im Vorfeld waren rund um das Gelände Plakate mit der Parole „No Hostel – stören, sabo­tieren, besetzen“ auf­ge­taucht. Am Samstag blieb es bei Pro­testen. Zahl­reiche Anwohner/​innen warnten vor den Folgen einer wei­teren Tou­ris­mus­schwemme. „Schon heute…

…kann ich im Sommer abends kein Fenster auf­lassen, wenn Gruppen junger Tourist/​innen auf der Suche nach der nächsten Party um die Häuser ziehen“, erklärte ein junger Mann, der direkt gegenüber des geplanten Hotel­neubaus wohnt. Dabei geht es um einen Komplex mit 750 Betten, einer Shopping Mall und einen großen Park­platz für Rei­se­busse. Der Initia­tiv­kreis „No Hostel 36“ hat sich gegründet und am Samstag die erste Kund­gebung orga­ni­siert. Dabei stand auch der Bauherr des Hotel­kom­plexes, die IDEAL Ver­si­cherung mit Sitz in der Koch­straße, in der Kritik. „Wir sind sehr intensiv in den Ber­liner Immo­bi­li­en­markt ein­ge­stiegen und haben aus den Miet­ein­nahmen einen ste­tigen Zufluss von Kapi­tal­erträgen… Ich halte die Miet­preis­bremse für falsch“, hatte IDEAL Chef-Rainer Jacobus bereits 2015 im Tages­spiegel erklärt.

Erbe von Bau­stadtrat Panhof

Doch auch die Kreuz­berger Bezirks­po­litik wurde auf der Kund­gebung hart kri­ti­siert. „Bislang hat kei­nerlei Betei­ligung der Anwohner/​innen zu diesem gigan­ti­schen Vor­haben statt­ge­funden“, monierte eine Red­nerin. Bisher haben sich auch weder die Grünen, noch die Links­partei öffentlich zum Hotel­komplex und den Pro­testen der Anwohner/​innen geäußert. Aller­dings fanden schon Gespräche zwi­schen den Hotel-Geg­ner/innen und der Bezirks­bür­ger­meis­terin von Kreuzberg, Monika Herrmann, statt. Viele Grüne hätten unter der Hand erklärt, sie könnten die Pro­teste ver­stehen, aber die Bau­ge­neh­migung sei bereits erteilt und daher könnte das Projekt nicht mehr ver­hindert werden. Damit werden sich die Hostel-Geg­ner/innen aber nicht abspeisen lassen. Für die Bau­ge­neh­migung ist der mitt­ler­weile ver­storbene grüne Bau­stadtrat Hans Panhof ver­ant­wortlich. Auf der Kund­gebung äußerten auch mehrere Redner/​innen, dass Kreuzberg bestimmt nicht mehr Hostels brauche, dafür aber güns­tiger Wohnraum fehle. Da stellt sich auch die Frage, ob die Ein­stufung des Areals als Gewer­be­gebiet, die zu einer Zeit getroffen wurde, als die Politik noch davon aus­ge­gangen ist, dass in Berlin kein Woh­nungs­mangel herrscht, noch auf­recht erhalten werden kann. „Eine Ein­stufung als Gewer­be­gebiet kann schließlich auch wider­rufen und damit dem Bau von Woh­nungen der Weg geebnet werden«, meinte ein Kund­ge­bungs­teil­nehmer. Über diese und viele anderen Fragen will sich der „Initia­tiv­kreis No Hostel 36“ weiter unter­halten. Jeden Mittwoch trifft er sich um 20 Uhr im Stadt­teil­laden MaHalle in der Wal­de­mar­straße 110. Weitere Inter­es­sierte sind will­kommen. Dort werden auch weitere Pro­test­ak­tionen vor­be­reitet. So sind Beset­zungen in nächster Zeit nicht aus­ge­schlossen.

Peter Nowak