Rechte planen Fackelzug in Fulda

Die Neonazi-Klein­partei »Der III. Weg« sucht sich Ost­hessen aus, um alli­ierte Bom­ben­an­griffe zu instru­men­ta­li­sieren

»Ein Licht für Dresden« lautet das Motto eines für den 16. Februar geplanten Fackel­mar­sches, zu dem die neo­na­zis­tische Kleinst­partei Der III. Weg derzeit bun­desweit mobi­li­siert. Der rechte Auf­marsch soll im ost­hes­si­schen Fulda statt­finden. Bereits am 30. Dezember gaben die Neo­nazis einen Vor­ge­schmack…

auf das, was sich in einigen Wochen dort abspielen könnte: An diesem Abend mar­schierten etwa 20 Neo­nazis durch die Fuldaer Innen­stadt. Sie skan­dierten die Parole »Hoch die nationale Soli­da­rität« und trugen ein Trans­parent mit dem Motto »Besatzer raus, damals und heute«. Der Auf­marsch war der Abschluss eines mehr­tä­gigen Fackel­mar­sches der Neo­nazis, mit dem in der rechten Szene für den »Gedenktag für die alli­ierten Bom­ben­opfer« geworben wurde. So bezeichnet Der III. Weg den geplanten Auf­marsch. In einem auf rechten Home­pages ver­brei­teten Aufruf wird Fulda neben Dresden als Opfer »des alli­ierten Bom­ben­terrors« bezeichnet.

Schon seit Jahr­zehnten instru­men­ta­li­sieren unter­schied­liche rechte Gruppen Men­schen, die bei den alli­ierten Bom­bar­de­ments gegen das NS-Régime gestorben sind. Sie wollen damit von den Ver­brechen des NS-Regimes ablenken und die Deut­schen als Opfer dar­stellen. Besonders Dresden steht seit Anfang der 1990er Jahre im Zentrum dieses rechten Opfer­mythos. Auch in Städten wie Rostock, Hamburg oder Mag­deburg haben rechte Gruppen in der Ver­gan­genheit immer wieder zu Jah­res­tagen der alli­ierten Bom­bar­de­ments Kund­ge­bungen und Demons­tra­tionen abge­halten.

Fulda war in rechten Kreisen in diesem Zusam­menhang bislang noch nicht genannt worden. Doch für die lang­jährige Beob­ach­terin der rechten Szene in Ost­hessen, Karin M., ist es keine Über­ra­schung, dass die Neo­nazis in diesem Jahr die Stadt zum Ziel ihrer Akti­vi­täten machten. Karin M., die wegen rechter Dro­hungen aus der Ver­gan­genheit Angst vor einer Ver­öf­fent­li­chung ihres Namens hat, kann sich noch gut an Zeiten erinnern, als die neo­na­zis­tische Wiking-Jugend jeden 31. Dezember in der ost­hes­si­schen Rhön auf­mar­schierte. Bei der Nach­fol­ge­or­ga­ni­sation der Hitler-Jugend und des Bundes Deut­scher Mädel empfing man an Sil­vester 1989 auch aus­län­dische Gäste, so der junge Heinz-Christian Strache. Der spätere FPÖ-Vor­sit­zende und heutige öster­rei­chische Innen­mi­nister räumte vor einigen Jahren seine Teil­nahme ein, beteuerte aber, seit 1990 nichts mehr mit der Wiking-Jugend zu tun gehabt zu haben.

Nach dem Ende der DDR hörten deren Auf­märsche in der Rhön auf, 1994 wurde die Wiking-Jugend ver­boten. Doch die rechte Szene in Ost­hessen blieb aktiv. Mitte der 1980er Jahre hatte sich eine Wehr­sport­gruppe Fulda um den Neonazi Thomas Brehl gegründet. Er hatte sich ganz offen auf die frühere NSDAP bezogen. Wie heute Der III. Weg pro­pa­gierten Brehl und seine Kumpane einen natio­nalen Sozia­lismus. Während die Neo­nazis um Brehl öffentlich kaum in Erscheinung getreten waren, gingen Bilder von Hun­derten Neo­nazis vor dem Fuldaer Dom im August 1993 durch die Presse. Damals war der bun­des­weite Gedenk­marsch für den Hitler-Stell­ver­treter Rudolf Hess kurz­fristig nach Fulda verlegt worden, nachdem er im baye­ri­schen Wun­siedel ver­boten worden war.
Damals begannen sich auch Men­schen außerhalb der Region für die rechte Szene Ost­hessens zu inter­es­sieren. »Deutsch­lands Mitte – aber rechts daneben!«, hieß ein von der Sozi­al­wis­sen­schaft­lerin Kathy Seewald und dem Publi­zisten Timo Schadt 1997 her­aus­ge­ge­benes Buch, in dem die damalige rechte Szene rund um Fulda beleuchtet wurde. Neben den Neo­nazis standen darin auch die stark rechts­kon­ser­va­tiven und rechts­ka­tho­li­schen Kreise im Fokus.

Lange sahen diese Milieus in der Fuldaer CDU ihre Heimat. Schließlich war der CDU-Rechts­außen Alfred Dregger lang­jäh­riger Ober­bür­ger­meister von Fulda und später mit abso­luter Mehrheit direkt gewählter Bun­des­tags­ab­ge­ord­neter. Sein Nach­folger wurde Martin Hohmann, der sich lange als Dreggers Ziehsohn gesehen hatte. 2003 sorgte er mit einer als anti­se­mi­tisch bewer­teten Rede für Auf­sehen und wurde 2004 schließlich aus der CDU aus­ge­schlossen. Dass er in Fulda wei­terhin viel Unter­stützung erfährt, zeigte sich bei den letzten Wahlen, als Hohmann für die AfD antrat. Er sitzt seitdem wieder im Bun­destag. Mit dem offen neo­na­zis­tisch auf­tre­tenden III. Weg wollen diese rechten Kreise offi­ziell nichts zu tun haben.

Das dürfte die Gegen­mo­bi­li­sierung erleichtern. In den nächsten Tagen soll es erste Treffen geben, auf denen die Nazigegner*innen in Fulda beraten, wie sie gegen den Auf­marsch vor­gehen wollen. Anders als bei der Spon­tandemo am 30. Dezember, von der alle über­rascht wurden, dürften am 16. Februar Tau­sende gegen die Rechten in Fulda auf die Straße gehen.

Peter Nowak

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