Mieter/​innen machen Lärm vor Firmensitz von Padovicz

Pro­teste gegen das Gebaren der Ber­liner Immo­bi­li­enfima Padovicz gibt es schon lange. Doch am 25.10. trugen Mieter/​innen ihren Unmut direkt vor den Fir­mensitz von Padovicz am Kur­fürs­tendamm 178/179. Wie viele andere Immo­bi­li­en­firmen, hat auch Padovicz sein Domizil im noblen Ber­liner Westen, während er mit der Umstruk­tu­rierung von Stadt­teilen Profit macht, in denen bisher ein­kom­mens­schwache Mieter/​innen lebten. Der Kampf um die Durch­setzung von Mieter/​innenrechten gegen das Pro­fit­in­teresse von Padovicz hat eine lange Geschichte. Padovicz macht schließlich bereits seit den 90er Jahren als Käufer und Moder­ni­sierer ganzer Wohn­blöcke von sich reden. Immer wieder wurde auch im Mie­te­rEcho darüber berichtet. Dabei legte die Immo­bi­li­en­firma immer Wert auf gute Kon­takte mit Politiker/​innen unter­schied­licher Par­teien. Eng ver­knüpft mit dem Ber­liner Senat, war er einer der großen Pro­fi­teure der öffent­lichen Sanie­rungs­för­de­rungen im Rahmen des Stadt­umbaus der 2000er Jahre. Kom­munale Woh­nungs­bau­ge­sell­schaften wie die WBF ver­kauften ihm für Spott­preise ihre Bestände. Immer wieder wehrten sich auch in der Ver­gan­genheit Padovicz-Mie­ter/innen erfolg­reich gegen ihre dro­hende Ver­drängung. Es gab erfolg­reiche juris­tische Urteile, die den Inves­to­ren­träumen Grenzen setzten. Doch viele Mieter/​innen ließen sich allein durch oft nicht gerichts­feste Moder­ni­sie­rungs­an­kün­di­gungen abschrecken und zogen aus. Das lag auch an der Ver­ein­zelung vieler Mieter/​innen.

Gemeinsam den Ent­mie­tungs­stra­tegien trotzen
Doch seit einigen Monaten haben sich Padovicz-Mie­ter/innen ver­schie­dener Stadt­teile ver­netzt. Sie wollen gemeinsam den Ent­mie­tungs­stra­tegien des Investors trotzen. Mit dem Blog »Pado­watch« haben sie sich ein Forum geschaffen, auf dem sie sich gegen­seitig infor­mieren und ihre Pro­teste koor­di­nieren. Die Kund­gebung vor dem Fir­mensitz ist eine Aktion, mit der Mieter/​innen deutlich machen wollen, dass sie dem Investor auch direkt auf die Pelle rücken können. „Auf der Kund­gebung soll all denen Raum und ein offenes Ohr geboten werden, die Erfah­rungen mit diesem Ver­mieter sammeln mussten. Diese Geschichten werden öffentlich vor­ge­tragen, damit niemand damit alleine bleibt“, heißt es im Aufruf. Doch beim Erzählen der gemein­samen Geschichten von Ver­drängung und Ver­treibung wird es nicht bleiben. Dem Haus­projekt Lie­big­straße 34 in Fried­richshain droht zum Jah­resende die Kün­digung. Der Eigen­tümer Padovicz weigert sich, die zum 31.12.2018 aus­lau­fenden Ver­träge zu ver­längern. Die Unter­stützung für den Erhalt des Haus­pro­jekts wächst. Auch der Zusam­men­schluss der Padovicz-Koor­di­nation ist daran beteiligt. Das ist erfreulich, weil es sich bei der Aus­ein­an­der­setzung um einen Kon­flikt zwi­schen Mieter/​innen und Inves­toren und nicht um den Kampf um ominöse Frei­räume handelt. Am Sonntag, den 28.10., soll ab 17 Uhr in den Räumen des Wider­stands­mu­seums in der ehe­ma­ligen Galiläer Kirche in der Rigaer Straße 9/10 der Protest gegen die dro­hende Räumung der Lie­big­straße 34 auf einer Kiez­ver­sammlung vor­be­reitet werden. In der Ein­ladung heißt es: „Der Kampf gegen Gen­tri­fi­zierung ist eine soziale Bewegung. Dabei geht es nicht nur um ein ein­zelnes Haus oder Projekt, es geht um Ant­worten, die kol­lektiv gefunden werden müssen. Eine nach­bar­schaft­liche Ver­netzung ist ein Schritt zu einer soli­da­ri­schen Selbst­or­ga­ni­sierung, die sich außerhalb von Staat­lichkeit ver­ortet“.

aus:
Mie­te­rEcho online 25.10.2018
https://​www​.bmgev​.de/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​-​o​n​l​i​n​e​/​w​u​t​-​k​u​n​d​g​e​b​u​n​g​-​g​e​g​e​n​-​p​a​d​o​v​i​c​z​.html
Peter Nowak


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